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U-He Hive Virtual Synth Test

Hive: Achtung - es sticht!
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Bestes Preis-/Leistungs-Verhältnis auf 2015

U-He wurde 2001 von Urs Heckmann gegründet und gehört ohne Zweifel zu den respektiertesten Software Herstellern die es momentan auf dem Markt gibt. Doch wie schlägt es sich im Vergleich zu den anderen beliebten U-He Produkten?

U-He Hive

U-He wurde 2001 von Urs Heckmann gegründet und gehört ohne Zweifel zu den respektiertesten Software Herstellern die es momentan auf dem Markt gibt. Das dies so ist dafür gibt es natürlich verschiedene Gründe - so zum Beispiel ihre Liebe zum Detail und die Beziehung des Inhabers zu seinen Kunden (ein starker Kontrast gegenüber anderen Softwareherstellern im Umgang mit seinen Produkten). Seine Firma hätte es zudem auch niemals in diese Position gebracht, wenn nicht jedes einzelne seiner Produkte bei der Vorstellung grosse Wellen verursacht hätte. Der Fakt dass er als Einzelkämpfer anfing und jetzt ein beachtliches Team für ihn arbeitet spricht da für sich. Heckmann konnte so unter anderem Talente wie Sascha Eversmeier und Howard Scarr für sich verpflichten - letzterer ist vielleicht aufgrund seiner Arbeit bei den kostenlosen digitalfishphones Plug-Ins noch ein Begriff. Howard war aber auch zuständig für die Programmierung diverser Access Virus Presets und hat für Hans Zimmer Sounds für Filme wie The Dark Knight oder Inception programmiert. Tatsächlich führte Batman zur Produktion von Batman und der Spezialversion von Zebra und der speziellen Sound Library The Dark Zebra/ZebraHZ.

Egal ob es sich um Effekte wie Uhbik, Satin und Presswerk oder Synthesizer wie Ace, Zebra and Diva handelt U-He hat sich für jedes Produkt etwas einzigartiges ausgedacht. Der Klang ist auf jeden Fall immer hervorragend (manchmal zu Lasten einer hohen CPU Auslastung) und die Komplexität unter der Haube ist meistens aufgrund der gut durchdachten Bedienoberfläche nicht auszumachen. 

Aus all diesen Gründen kann man also nicht einfach so wegschauen wenn U-He ein neues Produkt vorstellt!

Wir stellen u-he Hive vor

Der Software Synthesizer kann über die u-he Website bezogen werden und ist selbstverständlich kompatibel mit Windows (XP, Vista, 7 und 8) und Mac (OS 10.5 und höher). Man hat die Wahl zwischen 32 und 64 Bit Versionen in den Formaten AU, VST2 und AAX (Pro Tools 10 oder höher). Es gibt keine Standalone Lösung - etwas das wir schon bei Diva als Kritikpunkt bemerkten.

Test System

MacPro Xeon 3.2 GHz
Mac OS 10.10.3
u-he Hive 1.0.0
Logic Pro X 10.1.1

Die Installation und Autorisierung ist kinderleicht und es wird lediglich ein Username und eine Seriennummer benötigt. Damit kann man die Software auf mehreren Instrumenten ohne zusätzlichen USB Dongle oder Challenge/Response Prozedur installieren. Es wäre schön wenn alle Hersteller so grosszügig mit ihren Kunden wären.

 

Vereinfachte Architektur

U-He Hive

Bei Hive hat sich u-he für eine einfache Bedienoberfläche entschieden mit der man schnell zum Musizieren kommen soll. Es gibt nicht mehrere Fenster, oder Untermenüs - nur ein Schalter mit dem man zwischen Keyboard Interface, den zwei Modulations Sektionen und der Hauptanzeige mit seinen Arp & Seq Modi umschalten kann. Alles andere ist genau vor Euren Augen und leicht zugänglich. 

Hive kann in mehreren Modi betrieben werden: Poly, Mono, Legato oder Duo (Priorität auf den Bässen) und verfügt über bis zu 16 Noten Polyphonität. Der Synthesizer ist links und rechts der Anzeige gespiegelt und verfügt über zwei Pfade zur Klangerzeugung. Jeder davon fängt mit einem Oszillator an der auf einem der vier grundlegenden Wellenformen plus Puls, Half und Narrow und zwei Arten von Rauschen (Weiss und Pink) basiert. Zusätzlich stehen die üblichen Parameter für Tuning, Phase Mode, Unison (bis zu 16 Stimmen), Detuning und Volumen zur Verfügung. Weniger üblich sind dagegen die Parameter für Pan, der Suboszillator und das Vibrato. Letzteres besteht aus einem vorkonfigurierten LFO der auf beide Oszillatoren angewendet wird und dessen Rate und Decay Werte über ein spezielles Keypad angesteuert werden können (maximal 32 Hz - also kein FM möglich). Der Suboszillator verfügt über die gleichen Wellenformen wie der Oszillator, sowie über die Parameter Tuning (Halbtöne) und Volumen. Die Pulse Wellenform kann über den Oszillator und den Suboszillator moduliert werden (über LFO oder einen anderen Modulator). Es stehen zudem ein paar sehr praktische Funktionen wie eine Solo Taste für den Oszillator und ein Menü mit Oszillator Einstellungen mit typischen Wellenformen, Instrumenten und ikonischen Sounds zur Verfügung.

Präzises Filtern 

Als nächstes kommen wir natürlich zum Filter. Dieser ist Multimode, Multislope und verfügt über drei unterschiedliche Optionen (Synth Engines genannt): Normal, Dirty und Clean. Wir reden hier von drei unterschiedlichen Filter Typen welche einen direkten Einfluss auf den Grundklang des Synthesizers haben. “Normal“ ist eine selbstoszillierender Ladder Filter mit einer nichtlinearen Resonanz (ähnlich einem Moog Filter). “Dirty“ ist dagegen ein selbstoszillierender Diode Filter (denkt an den MS20) und bei “Clean“ muss man sich einen linearen, nicht zerrenden Filter vorstellen der von allen dreien wohl am wenigsten Ressourcen frisst. 

Nachfolgend ein Beispiel eines einfachen Sägezahn Filters im LowPass 24 (dB/Okt) Modus mit allen drei Filtermodi nach einander geschaltet.

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U-He Hive

Man kann ganz klar die unterschiedlichen Klänge jedes Synth Engine hören - von einem leichtern Filtern bis hin zu Klangchaos. Das Design des Filters erlaubt es die zwei Quellen des Signalpfads unabhängig von einander zu routen. Dies bedeutet in gutem Deutsch, dass Osc1 und SubOsc1 in Filt1 gehen können, aber auch Osc2 und SubOsc2 - und umgekehrt! Man kann sich die so erzeugte Klangvielfalt gut vorstellen. 

Weiter stehen ein Input Gain, Ausgangsvolumen, ein Progressive KeyTrack, LFO Action Rate und eine Hüllkurvenmodulation zur Verfügung. Vergesst zudem nicht die Link Funktion bei der die Einstellungen des einen Signalpfads auf den anderen zugewiesen werden können. Eine abschliessende Überraschung war zudem noch, dass der Ausgang von Filter 1 in den Filter 2 geschickt werden kann - groovey!

Alles bewegt sich

U-He Hive

Am Ende der Hauptmodule finden wir den LFO. Dieser kann mit Reglern für "Phase" und "Rate" angesteuert werden und verfügt zusätzlich über verschiedene Restart Optionen für die Phase (Sync, Single, Gate und Random), Unipolar und Bipolar Modi, verschiedene Werte für "Rate" (rhythmische Unterteilungen oder Länge) und 8 Wellenformen. Was die sehr klassischen Wellenform Generatoren (mit vier ADSR Segmenten) angeht so wurde einer dem Verstärker und der andere dem Filter zugewiesen - jeder mit eigenen Reglern für "Sensitivity" und "Velocity“. Die zwei Generatoren sind ziemlich schnell und erzeugen die von analogen Synthesizern so geliebten Klickgeräusche sehr gut. Das Tüpfelchen auf dem I ist dann, dass man die Generatoren des Triggering Modus variieren kann: Gate, One Shot, LFO1 und LFO2 - alles möglich!

Und denkt daran, dass alles was ich gerade beschrieben habe in zweifacher Ausführung vorhanden ist. 

Die Modulationsmatrix ist schliesslich zugänglich über die MM1 und MM2 Tasten. Insgesamt stehen 12 Slots zur Verfügung. Bei jedem hat man Zugriff auf eine Source (interne Module, MIDI Controller, Funktionen) und zwei Ziele. Das Prinzip zum Anwählen der Ziele wurde von Zebra entnommen und macht Verknüpfungen visuell sehr einfach. Zusätzlich hat man die Möglichkeit über die "Via" einen weiteren Modulator hinzuzufügen. Jeder Slot besitzt einen eigenen Bypass und eine sehr nützliche Menüstruktur. 

Wie bereits angedeutet - einfach aber nicht vereinfacht.

Mittelsektion

Genau in der Mitte des Synthesizers befindet sich die Effektsektion mit der sich bis zu sieben unterschiedliche Effekte in freier Abfolge einschlaufen lassen. Zur Verfügung stehen Distortion, Delay, Chorus, Phaser, EQ, Reverb und Kompressor. Die Effektsektion kann global deaktiviert werden. Diese Effekte tönen alle grossartig und man hört, dass diese Entwickler ihr Handwerk verstehen. Eventuell wäre ein separater Distortion oder Hall mit mehr Regelmöglichkeiten noch nett gewesen, doch das ist Meckern auf hohem Niveau.

U-He Hive

Die Arpeggiator und Sequencer Sektionen befinden sich hinter den Abkürzungen “ARP“ und “SEQ“. Zuerst gibt es dort die üblichen Clock Optionen (für beide gleich) mit rhythmischen Unterteilungen (Viertel, Achtel, Sechzehntel und 32-tel), Synchronisation auf das Host Tempo, sowie Swing und Multiply Parameter (für punktierte Notenwerte und Triolen). Als nächstes verfügt Arpeggiator über mehrere Parameter: Direction, Octaves (bis zu vier), Frame (um den Arpeggiator zu verlangsamen) und Order (definiert wie der Arpeggiator die Noten abspielt). Restart definiert schliesslich die Anzahl Noten die der Arpeggiator spielt bis er wieder zurück zum Anfang des Loops springt - auch Polyrhythmen sind möglich. Es ist also alles vorhanden und um ein paar wirklich spezielle und kreative Ideen ergänzt worden. 

Dasselbe gilt für den Sequenzer. Zuerst trifft man hier auf einen Set-by-Step Sequenzer (mit bis zu 16 Schritten) der über die üblichen Einstellungen wie Transposition, Velocity, Articulation und drei Form Parameter (Attack, Decay und Gate) verfügt. Es gibt aber auch einen Modulator Modus der keine Noten spielt, sondern nur die CC Daten der entsprechenden Reihe überträgt. Mit zwei Rotate Tasten kann man die gesamte Sequenz verschieben und so einen neuen Startpunkt setzen. Ist Dynamic Velocity aktiviert werden die Velocity Werte des Sequenzers mit den effektiv gespielten Werten vermischt. Es ist möglich die Schritte des Sequenzers direkt über das Keyboard einzugeben und die Tonhöhe und Velocity sofort erkennen und zuweisen zu lassen.

Und wie klingt das alles?

U-He Hive

Je mehr Ihr Euch mit diesem Synthesizer auseinandersetzt desto mehr werdet Ihr sein ganzes Potential erkennen. Man muss nur mal das erste Preset nehmen (was jetzt wirklich nicht so wahnsinnig aussergewöhnlich ist) um dies zu erkennen. Fängt man einmal an seine eigenen Sounds zu programmieren so wird dieser erste Eindruck nur noch weiter verstärkt - oder man hört sich die Preset Bank an die von u-he Beta Testern programmiert wurde. Hier ist der erste Sound den man beim Aufstarten von Hive zu hören bekommt:

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Und das erste Preset tönt so:

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Ihr seht schon wo die Reise hingeht. Schauen wir uns nun aber mal die klanglichen Möglichkeiten dieser Software etwas genauer an, nehmen ein paar Presets, drehen sie durch die verschiedenen Bearbeitungsmöglichkeiten und profitieren von den Möglichkeiten die Pitchbend Wheels und Aftertouch uns zu bieten haben. 

Fangen wir mit den Bässen an und wechseln zwischen runden und Acid Sounds mit einer Menge Attack (oder nicht), Formant Effekten und schönen abgerundeten Tiefen. Hier findet man etwas für jedermann.

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Aggressive oder eher runde Leads - manchmal mit schön klingenden Ducking Effekten. Die MS20 oder Moog Filter wirken Wunder. Man bekommt klassische und moderne Sounds hin. Mit der Modulationsmatrix kann man jeden Controller einem beliebigen Ziel zuweisen und so ausdrucksstarke Spielweisen erzeugen.

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U-He Hive

Die Diva Pads hatten mich beim Anspielen so richtig beeindruckt. Auch wenn die Pads in Hive nicht ganz so solide daherkommen so sind sie doch wirklich gut und vielseitig. Hier sollte erwähnt werden, dass die Pads wirklich gut mit den integrierten Effekten zusammenarbeiten. Doch auch die einfachsten Wellenformen klingen gut - etwas das man nicht unbedingt von jedem Synthesizer behaupten kann.

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Hören wir uns mal die verschiedenen Synths, Pianos, Stabs, Plucks und so weiter an - es gibt wirklich eine Menge zu entdecken. Manchmal fällt es einem schon schwer zu glauben, dass die Sounds wirklich alle aus dem gleichen Instrument stammen.

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Zuletzt noch Sequenzen und Arpeggios - von klassischen Beispielen bis hin zu eher aussergewöhnlichen.

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Fazit

Es fällt nicht leicht u-he Produkte zu testen und Fehler zu finden. Dieser Hersteller legt beim Design und der Umsetzung seiner Produkte eine grosse qualitative Beständigkeit an den Tag - egal ob bei technischen Merkmalen oder seiner Anwenderfreundlichkeit. 

Die Oszillatoren klingen über das gesamte Frequenzspektrum verteilt sehr gut und die Suboszillatoren sind keine “einfachen“ Oktaven sondern gehen weitaus mehr ins Detail als man es sich bei anderen Produkten gewöhnt ist. Aus diesem Grund erhält man mit Hive auch weitaus mehr als nur einen klassischen Synthesizer mit zwei Oktaven. Die Filter klingen ziemlich gut (auch wenn sie es nicht ganz mit denen aus Diva aufnehmen können). Die Matrix ist gut durchdacht (und leicht verständlich), genau wie der leicht programmierbare Sequenzer. Die Effekte verleihen dem Sound einen schönen Schliff und versuchen nicht Schwächen der Filter und Oszillatoren zu verschleiern - und all das mit einer CPU Belastung die weit weg von den hohen Ansprüchen von Diva zu liegen kommt. Hive hat sich sofort einen Platz in meiner Live Umgebung verdient und dabei seine grössere Schwester Diva verdrängt. Dennoch habe ich bei Hive zwei Dinge zu bemängeln: Die fehlende Standalone Version und die unschönen Störgeräusche welche beim Umschalten der Effekte auftreten können. 

Insgesamt ist Hive ein wirklich gelungenes Produkt. Ein echtes Instrument das sich den Wünschen und Ansprüchen des Anwenders anzupassen vermag - egal ob jetzt grosse fette oder eher delikate Klänge gesucht werden. Eine in sich runde Sache die mit dem Best Product Award ausgezeichnet werden sollte.

 

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Audiofanzine's review:
Bestes Preis-/Leistungs-Verhältnis auf 2015
Pros Cons
  • Sound
  • Anwendung
  • Preset Menüs
  • Anzahl Presets und ihre exzellente Qualität
  • Design der Oszillatoren
  • Filter Qualität
  • Drei Operating Modi (Normal, Dirty und Clean)
  • Modulation Matrix
  • Sustain via Doppelklick
  • Triggering dynamischer Wellenformen
  • Sehr einfach bedienbarer Arpeggiator
  • Parameter Lock
  • Keine Standalone Version
  • Probleme beim Umschalten von Effekt Presets führt manchmal zu ungewollten Nebengeräuschen