Line 6 POD Studio UX2
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Line 6 POD Studio UX2

POD Studio UX2, USB audio interface from Line 6 in the POD Studio series.

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Line 6 POD Studio UX2: Der Test

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Line 6 hat sich auf dem Markt für seine Gitarrenverstärker-Simulationen bereits einen Namen gemacht. Nun wurden auch die Toneport Audio Interfaces rundum erneuert und unter dem neuen Namen POD Studio in den Handel gebracht...

Line 6 hat sich auf dem Markt für seine Gitarrenverstärker-Simulationen bereits einen Namen gemacht. Nun wurden auch die Toneport Audio Interfaces rundum erneuert und unter dem neuen Namen POD Studio in den Handel gebracht. Nehmen wir das UX2 mal genauer unter die Lupe und schauen was für Veränderungen gemacht wurden.

POD studio UX2Bei einem Preis von unter €200 gibt es eine Menge Interfaces, die für Anfänger attraktiv sein könnten. Marken wie PreSonus, M-Audio, Lexicon, E-MU, Alesis, Tascam, und Novation bieten normalerweise alle in etwa dieselbe Austattung, was Funktionen und Qualität betrifft. Die Toneport Serie von Line 6 hat es da geschafft sich durch das Aussehen, aber vor allem durch die Integration der berühmten POD Modeling Software von der Masse abzuheben. Eine erfolgreiche Kombination sollte man nicht anfassen, und nach ein paar Variationen (wie zum Beispiel das UX-8) war die Zeit Reif für ein Update der Toneport Serie.

Die Modelle GX, UX1 und UX2 heissen jetzt neu POD Studio GX, UX1 und UX2 - die ursprünglichen Unterschiede bleiben dieselben:

POD Studio GX besitzt nur einen Eingang für Instrumente und wurde für Gitarristen oder Bassisten konzipiert. UX1 und UX2 besitzen dagegen einen Mikrofoneingang und richten sich mehr an Besitzer von Heimstudios. Das UX1 ist ein Produkt welches mit einem Listenpreis von €149 für das kleine Budget interessant sein könnte. Doch es stösst in der Anwendung mit nur einem Mikrofoneingang und fehlender Phantomspeisung schnell an seine Grenzen (vergesst Stereoaufnahmen und Kondensatormikrofone). In diesem Test werden wir also das UX2 genauer anschauen, welches kompletter Ausgestattet ist und mit €189 immer noch einen sehr günstigen Preis besitzt.


Dasselbe Konzept

DevantMan kann mit Sicherheit sagen, dass sich Besitzer des Toneport auf dieser neuen Version sofort zu Hause fühlen werden. Line 6 hat was das Äussere betrifft das Interface nur minimal verändert. Das Gerät besitzt dieselben Verbindungen und Bedienelemente und ist noch genau gleich angeschrieben wie sein Vorgänger. Einzig das rote Gehäuse aus Kunststoff ist einem schwarzen gewichen – dies lässt das Interface ein wenig schicker und moderner daherkommen. Insgesamt ist dies aber auch gut so, da das UX2 sehr gut durchdacht und auch für Anfänger einfach verständlich ist.

Auf der Vorderseite befinden sich zwei XLR Eingänge (Combo Eingänge wären noch ein wenig besser gewesen – dies wird aber durch den günstigen Preis wieder relativiert) mit einem Schalter und einer grünen LED über den die Phantomspeisung für beide Kanäle ein- und ausgeschaltet wird. Daneben befinden sich zwei Eingänge für Instrumente im Klinkenformat: ein normaler und einer mit einem zuschaltbaren Pad. Somit können alle Gitarren oder Bässe verbunden werden – seien dies passive oder aktive Modelle.

DerrièreAuf der rechten Seite des Interfaces befinden sich zudem ein Kopfhörerausgang und zwei VU Anzeigen. Die geben Auskunft über den Pegel der Eingangssignale und versprühen eine Art Retro-Analog Stil. Auch wenn sie nicht sehr genau sind, so sind sie doch äusserst praktisch und bei Aufnahmen einfach abzulesen. Zusätzlich zeigt ein LED an ob das Aufnahmesignal in den Clipping Bereich getrieben wurde. Man muss zugeben, dass sich Line 6 was die Pegelanzeige betrifft mehr als mancher Mitstreiter ins Zeug gelegt hat eine gute Lösung zu bieten. Die Anzeigen können über die mitgelieferte Software zugewiesen werden und die orange Hintergrundbeleuchtung und die zwei Drehregler geben dem Gerät ein ziemlich cooles Aussehen...

Schauen wir uns die Rückseite an und wir finden: 2 Mono Eingänge (Line-Pegel), einen Monitor Eingang (Stereo-Klinke) über den ein Signal ohne es aufzunehmen angehört werden kann und zwei Mono Ausgänge (Line-Pegel) um das Interface mit einem Paar Monitore zu verbinden. Ist das alles? Nein, denn zusätzlich zu dem USB Stecker über den das Interface mit Strom gespiesen wird stehen dem Anwender noch ein S/PDIF Ausgang und zwei Klinken-Eingänge für Fussschalter zur Verfügung. Unglücklicherweise kann man keine Expression Pedals mit dem UX-2 verbinden...

Oben auf dem Interface befinden sich vier Regler: Zwei davon stellen den Eingangspegel für den jeweiligen Mikrofonvorverstärker ein und zwei steuern den Ausgangspegel auf die Kopfhörer. Kurz: Im Vergleich zum Toneport UX2 gibt es absolut nichts neues zu melden. Der POD Studio UX2 ist immer noch sehr vielseitig und für Anfänger leicht verständlich.


Plug und POD

Wie üblich bei Geräten von Line 6 wird die Installation über den Line 6 Monkey ausgeführt. Dies ist eine Software Plattform über die alle bereits erworbenen Lizenzen und Updates gehandhabt werden – bis hin zu Treibern und Firmware Updates. Die Software soll dafür sorgen, dass sich immer alles auf dem neusten Stand befindet.

Wir werden uns nicht lange mit den Audio Spezifikationen aufhalten – auch hier bietet das POD Studio UX2 im Vergleich zum Toneport nichts neues. Ist dies ein Problem? Nicht wirklich wenn man bedenkt, dass das Interface ziemlich stabil läuft, mit reduzierter Latenz betrieben werden kann und die Wandler und Vorverstärker für diese Preisklasse ziemlich gut sind. Es gibt also nichts darüber zu sagen und das fühlt sich schon fast wie eine verpasste Gelegenheit an ein paar Mängel der Vorgängermodelle zu beheben. Anstatt dem Gerät zwei Eingänge für On/Off Fussschalter zu geben wäre ein Eingang für ein Expression Pedal sehr nützlich gewesen (wie zum Beispiel beim KB 37). Speziell das Fehlen von MIDI hält einen davon ab komplexere Pedal zu benutzen. Zudem wäre es auch eine gute Idee gewesen, wenn Line 6 Metall anstatt Kunststoff für das Gehäuse verwendet hätte – dann hätte man es auch sorgloser transportieren können. Aber für den Preis werde ich jetzt nicht zu wählerisch...speziell wenn seine Stärke eigentlich ganz woanders liegt..

 

POD Farm

POD Farm gibt einem Zugang zu 18 Gitarrenverstärkern und 24 Gitarren-Lautsprechern, 5 Bassverstärkern und 5 Bass-Lautsprechern, 29 Bodenpedalen und 6 Vorverstärkern. Alle stammen aus dem berühmten POD. Es gibt also bereits genug um einen beschäftigt zu halten. Sammler von virtuellem Equipment können aber aufatmen: es können über die Line 6 Monkey Plattform weitere Modelle heruntergeladen werden.

Was die Presets betrifft so gibt es da schon ein paar erwähnenswerte Änderungen. Einerseits stehen einem nun nur noch Effect Chain Presets zur Verfügung (keine Presets für jedes Element) und auf der anderen Seite wurde der Software endlich ein Manager spendiert der seinen Namen auch verdient. Kein ToneLocker mit seinen mühsamen 'Pull-Down' Menüs in Gear Box mehr. Pod Farm ist einfacher zu lesen und enthält eine Suchfunktion mit der sich zügiger arbeiten lässt...


Old MacDonald hatte einen POD

Pod FarmDie wahre Neuerung ist die Verstärker-Simulationssoftware. GearBox wurde in den Ruhestand geschickt und ist der neuen POD Farm gewichen. Diese kann ebenfalls als Standalone oder als VST, AU oder RTAS Plug-In betrieben werden. Dies ist eine feine Sache, denn Line 6 hat sich Mühe gegeben mit der Software der Mitstreiter gleich zu ziehen und aus diesem Grund die Anwendung völlig neu aufgebaut.

Die wichtigste Neuerung ist wohl die neue 'Dual Mode' Funktion über man nun zwei voneinander unabhängige Effect Chains zur Verfügung hat. (Schaut Euch dazu auch diese Anleitung an) Dies eröffnet interessante Möglichkeiten: Zwei unterschiedliche Sounds auf der rechten und linken Seite erzeugen, zwei Verstärker zusammenmischen, oder gleichzeitig eine Stimme und eine Gitarre bearbeiten. Achtung: Obwohl auf der Vorderseite zwei Eingänge für Instrumente vorhanden sind so kann doch nur jeweils einer betrieben werden! Dies ist definitiv immer noch nicht so ausgefuchst wie die 'Split Signal' und 'Overlapping Channel' Funktionen bei Guitar Rig – aber dennoch nicht schlecht...

Grafisch wurde die Software auch bedeutend aufgewertet. Sie scheint erhabener und die Bedienoberfläche in sich geschlossener zu sein. Man kann Elemente über ein 'Gear' Menü und einen iTunes-ähnlichen Browser mit 3D Repräsentationen auswählen. Dazu muss man nur auf ein 'Model' Doppel-Klicken oder es über Drag-and-Drop direkt in die Effekt-Kette ziehen...Über die Menüanzeige wird das ganze Equipment in Kategorien verwaltet (Gitarrenverstärker, Bassverstärker, Vorverstärker, Verzerrung). Diese sieht zwar nicht so schön aus, erweist sich aber schon schnell als ziemlich effizient. Indem man das 'Panel' Menü auswählt können die Einstellung für jede Komponente der Effekt-Kette gezielt eingestellt werden. Auch hier wurde die Grafik überholt und ist nun sehr einfach zu verwenden.

 


Raum für Verbesserung

Trotz einer Vielzahl Pluspunkte ist POD Farm weit von der Perfektion entfernt. Ein paar der Mängel die bereits in Gearbox vorhanden waren sind immer noch vorhanden. So fehlt zum Beispiel immer noch das Stimmgerät in der Plug-In Version, welches sich in der Standalone als sehr praktisch erweist. Doch der grösste Mangel im Vergleich zur Konkurrenz rührt hauptsächlich davon, dass man beim Erstellen der Effekt-Ketten mit relativ vielen Einschränkungen zu kämpfen hat. Die Anzahl Elemente und ihre Platzierung ist beschränkt und es ist zum Beispiel unmöglich 4 Delays oder 4 Verstärker nacheinander zu verketten, oder eine Verzerrung nach dem Reverb zu schalten. Natürlich kommt man da schon schnell ins Sound Design und die Limitierungen machen die Anwendung von Line 6 auch einiges verständlicher (Nacht und Tag im Vergleich zu ReValver). Doch auch wenn so bereits eine Vielzahl Sounds möglich sind, so fängt man sich früher oder später an ein wenig eingeengt zu fühlen...

Pod FarmEs sollte erwähnt werden, dass die von der Software erzeugten Sounds identisch mit denen des Line 6 POD sind. Sie sind alle sehr gut – solange man weiss, was man zu erwarten hat. Was genau hat das zu bedeuten? Die Sounds der POD Farm sind sofort einsatzbereit – dies ist etwas das vor allem Anfänger ansprechen wird. Puristen hingegen, die auf der Suche nach einer Emulation sind, die auch die Nuancen eines echten Verstärkers wiedergeben kann werden schon bald von den Line 6 Algorithmen frustriert sein. Speziell bei den verzerrten Sounds werden da viele Details auspoliert. Für diese Anwender wäre es wahrscheinlich zu empfehlen sich bei Amplitube, Softube oder Overloud Plug-Ins umzuschauen – diese sind in dem Bereich einiges wahrheitsgetreuer...

...trotzdem können mit POD Farm aufgenommene Gitarren innerhalb eines Mixes mit Sicherheit bestehen und es ist kein Zufall, dass die roten Geräte von Line 6 in den meisten Studios dieses Planeten zu Hause sind. Demnach ist dies auch trotz der paar Mängel ein gutes Werkzeug und absolut seinen Preis wert...

Ein interessantes Detail ist, dass Pod Farm nicht die einzige Software ist die mit dem UX2 ausgeliefert wird. Das Bundle beinhaltet ebenfalls eine Version von Ableton's Live 6. Auch wenn diese Version eine limitierte Anzahl Spuren, Plug-Ins oder Audio Formate bearbeiten kann so beinhaltet sie immer noch 28 Effekte und die Instrumente Simpler und Impulse. Auch die beigelegte Reason Adapted Version verfügt zwar über weniger Sounds, weniger Instrumente und eine fixierte Abfolge der einzelnen Module, beinhaltet aber immer noch Subtractor und Malström. Zuletzt wird dem Anwender eine Freeware Version von RiffWorks T4 geboten. Dies ist eine Art gut durchdachter Notizblock für Gitarristen mit dem auch eine Zusammenarbeit über das Internet möglich ist. Leider fehlen in dieser Version ein paar Essentielle Funktionen der Vollversion wie zum Beispiel das Exportieren ins WAV Format. Dennoch muss man sagen, dass dieses Angebot an mitgelieferten Anwendungen weitaus besser als die der Konkurrenz ist. Dort wird normalerweise bloss eine Cubase LE Version mit ein paar Freeware Anwendungen gekoppelt.

 

 


Fazit

Auch wenn sich auf der Hardware Seite im Vergleich zum Toneport nicht viel ändert so bleibt das POD Studio UX2 Interface immer noch eines der besten Produkte seiner Art. Es eignet sich besonders für Anfänger wenn diese ohne MIDI Verbindung auskommen können. Das Interface läuft stabil, ist effizient und einfach zu verstehen und besitzt eines der besten Software Bundles in dieser Preisklasse. Dank POD Farm ist es zudem besonders für Gitarristen und Bassisten attraktiv.

 

+ Läuft stabil
+ GearBox ist jetzt POD Farm
+ POD Farm, Live Lite und Reason Adapted – ein grosszügiges Bundle
+ Exzellentes Preis/Leistungs-Verhältnis

- Die mangelnde Flexibilität von POD Farm
- Keine MIDI Verbindungen
- Gehäuse aus Kunststoff