Egnater Tourmaster 4112
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Egnater Tourmaster 4112

Tourmaster 4112, Tube Combo Guitar Amp from Egnater in the Tourmaster series.

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Egnater's Tourmaster 4112: Der Test

Schwergewichtiger Sound
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Inspiriert durch den grossen Erfolg von Fender mit seinem 5-Watt Verstärker im unteren Preisbereich (Champion 600) und der Kollaboration von Line6 mit Bogner um den digitalen Algorithmen wieder gute alte Wärme zu geben, hat sich nun Egnater entschieden auch in diesem Markt mit zu mischen.

HPRöhrentechnologie erschwinglicher zu machen scheint im Augenblick voll im Trend zu liegen.

Der Preis ist für diesen Hersteller äusserst günstig: Der Tourmaster 4212 (100W Röhren Kombo-Verstärker) kostet weniger als €1'500.- und das Top wird €1'390.- kosten (mit einer optionalen 4x12 Box für €799.-).

Was vielleicht nicht jeder weiss: Watt bedeutet bei Röhrenverstärkern nicht dasselbe wie bei Transistoren-Verstärkern. Ein Röhrenverstärker mit 30 Watt kann es deshalb locker mit einem 100 Transistoren-Verstärker aufnehmen. Stellt Euch also mal vor wozu also ein 100 Watt Röhrenverstärker in der Lage ist: endlose Streitereien mit den Nachbarn – oder das Zerstören von Grossmutter's Kristall-Geschirr mit nur einem Akkord! Man bräuchte kein PA mehr für kleinere Konzerthallen – vielleicht noch bei einem Arena-Auftritt...nur ein wenig.

Schwergewicht...

switchsBetrachtet man den Ruf den Egnater mit sich bringt (schliesslich sind sie für das Konzept von Verstärkern mit modularen Vorverstärkern verantwortlich wie es auch bei der MTS Serie von Randall zur Anwendung kommt), dann erhält man schon so einiges für sein Geld. Der Preis ist jedoch bei weitem nicht die beste Eigenschaft dieses Verstärkers. Der Tourmaster ist mit zwei 2x12 Custom-Voiced Egnater Elite-80 Lautsprechern ausgestattet die von Egnater selbst entwickelt wurden. Die Vorderseite ist gefüllt mit Reglern. Diese sind auch nötig da der Tourmaster über 4 unterschiedliche Kanäle verfügt (jeder Kanal mit Gain, 3-Band EQ, Master) und zusätzlich ein Schalter für Classic/Modern verbaut ist. Ein global anliegendes Reverb ist zuschaltbar und Egnater liefert einen robusten Fussschalter mit sechs Schaltern – ein schnelles Schalten zwischen den Kanälen ist also kein Problem.

Am Interessantesten ist wohl aber die Rückseite. Dort finden sich nämlich eine Menge kleiner Schalter die unabhängig von einander die Leistung für jeden Kanal einstellen können. Wie das funktioniert? Ein globaler Schalter reduziert die Gesamtleistung um die Hälfte – ab dann kann für jeden Kanal eine von drei Werten eingestellt werden: 10, 25 und 50 Watt im 'Half Power' Modus und 20, 50 und 100 Watt im 'Full Power' Modus. Das ist einfach grossartig! Dieses Merkmal macht aus dem Tourmaster den wohl vielseitigsten Röhrenverstärker auf dem Markt. Einstellungen von 10 oder 20 Watt eigenen sich bestens für den Einsatz zu Hause, 25 oder 50 Watt ist für den Übungsraum gedacht und 100 Watt für die geballte Ladung während den Auftritten...vollkommenes Glück!

Andererseits wiegt der Tourmaster aufgrund seiner vielen eingebauten Transformatoren schon ein, zwei Tonnen...mindestens. Erwartet nicht diesen Verstärker grössere Distanzen tragen zu können ohne Euch einen Leistenbruch zu holen. Zum Glück hat Egnater diesem Problem entgegengewirkt indem es dem Tourmaster 4 abnehmbare Räder spendiert hat. Zwei eingebaute Griffe sind zudem dazu gedacht den Verstärker zu zweit zu transportieren. So gesehen kann man diese Thematik nicht unbedingt als Nachteil werten. Widmen wir uns aber wieder der Rückseite des Tourmaster – speziell der Schaltung für Effekte. Diese läuft durch die Röhren und kann entweder den Kanälen 1 und 2, 3 und 4 oder allen Kanälen zugewiesen werden und der Pegel kann auf dem Send wie auf dem Return eingestellt werden. Ist das alles? Noch nicht! Der Verstärker verfügt zudem über einen Line/Recording Ausgang (mit Lautsprecher-Simulation) mit anpassbarer Impedanz auf 4, 8 oder 16 Ohm. Was wollt Ihr also noch? Sound? Na gut...

Schwerer Sound!

lampesWidmen wir uns nun dem Klang des Verstärkers. Als erstes freut uns natürlich, dass die versprochenen Röhren (8x ' 12AX7 ™ Egnater / ECC83' Vorverstärker-Röhren und 4x ' Egnater ™ 5881 type 6L6' Leistungs-Röhren) alle speziell von Groovetubes für Egnater ausgewählt wurden.

Die Kanäle 1 und 2 sind für die 'Clean' Klänge reserviert und klingen recht nach Fender. Einziger Unterschied ist dass der erste Kanal 'Ultra Clean' ist während der zweite Kanal etwas mehr Gain besitzt und somit auch in eine leichte Verzerrung getrieben werden kann. Die Kanäle 3 und 4 widmen sich dann voll der Verzerrung: Kanal 3 bietet einen British Rock Sound (ein bisschen wie Marshall – also für Fans von Angus Young oder Jimmy Page) und Kanal 4 geht dann noch einen Schritt weiter: sehr intensive Verzerrung für Heavy Metal Gitarre und 'Shredder' Spieltechniken.
Aber aufgepasst: Der Tourmaster ist weitaus mehr Rock als Metal und schlägt sich nicht so gut in den extremsten Formen von Rock/Metal. Wer Klänge von Dimebag Darell und Korn sucht wird hier nicht fündig. Vertreter der Doom, Black, Death und Thrash Metal Fraktion sollten da eher noch zu einem zusätzlichen Verzerrungs-Pedal greifen um diesen massiven Klang zu finden. Dies ist keinesfalls als negativ zu werten – aber man sollte sich dessen bewusst sein...

egnater
Alles andere – sei es Jazz, Blues, Rock, Funk – kein Problem. Speziell da der Classic/Modern Schalter für jeden Kanal verfügbar ist und man gezielt mit der Persönlichkeit des Klanges arbeiten kann. Auf Kanal 1 gibt einem zum Beispiel die 'Classic Mode' eher den Klang eines Twin während der Verstärker auf 'Modern' eher wie ein Marshall JTM tönt. Zusätzlich hat man  noch den 'Contour' Parameter der eine Anhebung oder Absenkung gewisser Mitten ermöglicht und somit den Ton gezielt färben lässt. Man erhält also von Clean zu Overdrive, von Modern zu Vintage eine sehr breite Palette an Klängen – speziell bei den milderen Zerrungen und härten Overdrives.




Hier sind ein paar Beispiele:
Mit einer Les Paul: clean 1, clean 2, clean 3, lead, overdrve 1, overdrive 2
Mit einer Stratocaster : Clean, Overdrive

Fazit

Was kann man also abschliessend sagen als dass es diesem Verstärker eigentlich an gar nichts mangelt? Man könnte sich einen leichteren Verstärker gewünscht haben. Doch das ist wahrscheinlich der Preis den man zu zahlen hat wenn man einen Röhrenverstärker möchte der über eine solche Flexibilität verfügt. Vielleicht hätte man sich einen Fussschalter mit mehr als 6 Knöpfen wünschen können – oder sogar eine eingebaute MIDI Steuerung. Aber das wäre jetzt Haare spalten. Die Wahrheit ist, dass Egnater bei einem relativ günstigen Preis einen Verstärker auf den Markt gebracht hat der sehr gut tönt und sehr schnell alle Bedürfnisse eines Gitarristen abdecken könnte. Jetzt muss man nur noch den Transport organisieren können. Bravo!

+ Klangvielfalt mit 4 Kanälen
+ Die Möglichkeit die Leistung den Bedürfnissen anpassen zu können
+ Der Klang
+ Sehr durchdachtes und komplettes Konzept
+ Der Preis

- Nicht für Heavy Metal geeignet (man braucht zusätzliche Pedale)
- Keine MIDI Verbindungen
- 43kg (Roadies werden nicht mitgeliefert)