Bogner Alchemist 112 Combo
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Bogner Alchemist 112 Combo

Alchemist 112 Combo, Tube Combo Guitar Amp from Bogner in the Alchemist series.

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Bogner Alchemist Amplifier: Der Test

Bogner Alchemist Combo
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Schon in seiner Kindheit soll der in Deutschland geborene Reinhold Bogner einfühlsam seinen Lötkolben geschwungen und eigene Gitarrenverstärker gebaut haben. Nachdem er nach Los Angeles gezogen war, fingen seine Modelle und Verstärkermodifikationen schon schnell an berühmte Namen wie Steve Vai, Steve Stevens und Eddie Van Halen auf sich aufmerksam zu machen.



Als er also ankündigte einen Verstärker zu machen der in den Fabriken von Line 6 gefertigt wird und weniger als €1'500 kosten sollte, war die Aufregung in der Gitarrenwelt gross.

Das neue Modell mit dem Namen Alchemist ist ein elegant aussehender 40 Watt Röhrenverstärker. Er wird in drei unterschiedlichen Modellen hergestellt: Zwei Combo-Verstärker (einer mit einem 12 Zoll und einer mit zwei unterschiedlichen 12 Zoll Lautsprechern) und ein Verstärker-Top mit einer 2x12 Box. Dieser Test nimmt das 2x12 Combo Modell näher unter die Lupe.

Der Verstärker ist ziemlich gross (zwei 12 Zoll Verstärker brauchen schon recht Platz), schwer (80 lbs) und hat ein sehr schönes 'Neo-Vintage' Design. Alles sieht wirklich robust aus und scheint sich vor dem rohen Umgang bei Live-Auftritten nicht fürchten zu müssen. Auch wenn der Verstärker von Line 6 hergestellt wird, so ist es doch immer noch ein Bogner! Die anderen, teureren Modelle dieses Herstellers werden von nun als 'Custom Shop' Modelle bezeichnet. Was das Aussehen betrifft, so kommen die Abdeckung, das Logo, die Regler und kleinen Dioden allesamt sehr hochwertig daher und geben dem Verstärker ein sehr respektables Aussehen. So ziemlich jedes Detail bei diesem Verstärker strahlt die Qualität dieses Herstellers aus.
Schauen wir uns aber mal an, ob dieser Verstärker auch wirklich Blei in Gold verwandeln kann...

Bogner Alchemist Amplifier: Der Test

Das Innenleben

Ein Blick auf die Spezifikationen genügt um zu sehen, dass es sich hier wirklich um 40 Watt handelt (Class AB Power) – die Leistung kann jedoch auf Wunsch auch um die Hälfte reduziert werden. Dies ist äusserst praktisch wenn man die gute Beziehung zu seinen Nachbarn beibehalten und dennoch den Verstärker ein wenig ins Schwitzen bringen möchte...
...aber Vorsicht! Auch bei 20 Watt macht der Alchemist ordentlich Krach! Was die Röhren betrifft so besitzt der Alchemist zwei 6L6 Leistungsröhren und fünf 12AX7 Vorverstärkerröhren – ziemlich klassisch. Bei den zwei Lautsprechern wurde dieser Verstärker mit einem G12M Greenback und einem G12H Anniversary Celestion ausgestattet. Diese Konfiguration ist ziemlich interessant, da man so zwei relativ unterschiedliche Konfigurationen während der Aufnahmen erhält – nettes Detail! Der Alchemist enthält somit konventionelle, aber sehr hochwertige Komponenten.

Bei den Ein- und Ausgängen gibt es da natürlich den Gitarreneingang auf der Vorderseite und zwei Lautsprecherausgänge (8/16 Ohm und 4 Ohm) auf der Rückseite. Über eine XLR-Verbindung wird ein Fussschalter mit 4 Knöpfen angehängt (im Lieferumfang enthalten). Damit können die Kanäle ausgewählt und Delay, Boost und Reverb eingeschaltet werden. Schliesslich besitzt der Alchemist noch einen FX Loop und einen 'Blend' Regler. Es sollte erwähnt werden, dass der Loop nicht in den Bypass geschaltet werden kann. Das Dry Signal verlässt niemals den Verstärker – so wird verhindert, dass das Signal mit einem externen Prozessor an Qualität verlieren könnte.

Aber stecken wir die Gitarre doch einmal ein...




Bogner Alchemist Amplifier: Der Test

Die Elemente Mischen

Was die Einstellungen betrifft so sollte man sich daran erinnern, dass der Verstärker zwei Kanäle besitzt. Zum einen bietet der 'Gold Channel' dem Gitarristen einen Clean und Crunch Sound. Der 'Mercury Channel' soll sich dagegen mehr auf einen High-Gain Sound spezialisieren.

Der erste Kanal besitzt bei den Reglern die üblichen Verdächtigen: Gain, Bass, Mid, Treble, Volume. Zudem finden sich in diesem Kanal noch mehrere Schalter: 'Clean/Crunch', 'Bright' und 'Deep' (um dem Signal mehr tiefe Mitten und Bässe zu verleihen). Über dem Gold/Mercury Schalter befindet sich ein 'Boost' Schalter der dem Gold Kanal mehr Gain und Dichte gibt (mit mehr tiefen Mitten im Sound). Im Mercury Kanal dagegen gibt dieser Boost dem Signal mehr Gain und macht den Sound fetter ohne dabei unbedingt das Volumen anzuheben. Der zweite Kanal besitzt zudem auch Gain, Volume und EQ Regler, aber auch einen 'Punch' Schalter, der einem wahlweise einen mehr klassischen 'Kalifornischen' oder 'Britischen' High-Gain Sound gibt. Der 'Mid-Shift' Schalter schliesslich senkt die Mitten ab.

Bei den Effekten besitzt der Alchemist ein Delay (mit einer Tap Delay Taste über die man das Tempo schnell einstellen kann) mit drei Variationen: Ducking, Analog und Tape Delay. Mit dem 'Repeats' Regler können zudem die Wiederholungen eingestellt werden. Der Verstärker verfügt auch über drei verschiedene Reverbs: Spring, Hall und Plate. Diese können ebenfalls über die entsprechende Taste angewählt werden.
Wenn man die Anzahl der Schalter und Regler betrachtet, dann sollte da also eine Menge klanglicher 'Alchemie' möglich sein...na dann sind wir mal gespannt...


Bogner Alchemist Amplifier: Der Test

Der Sound

Auf der Website von Bogner finden sich bereits eine Menge Klangbeispiele. Man hört, dass der Alchemist mit Singlecoil Pickups und einer leichten Zerrung wirklich grossartig tönt. Er reproduziert den typischen Sound einer Stratocaster sehr schön und liefert zudem ordentlich 'Twang'! Die Crunch Sounds tönen schön klassisch und der Verstärker reagiert dank der Röhren auf unterschiedliche Picking Techniken sehr dynamisch. Der Crunch kann sehr gut mit der Anschlagsdynamik gesteuert werden – schön saftig! Damit hat man eindeutig mehr Kontrolle und Ausdrucksmöglichkeiten. Das Beispiel mit der Les Paul ist für dieses ansonsten grossartige Instrument nicht wirklich repräsentativ...der runde Charakter fehlt da definitiv ein wenig...

Die Beispiele welche mit einer Hamer aufgenommen wurden offenbaren einen eher fetten und kernigen Sound – aber mit einem leicht verwaschenen Charakter. Dies wird einigen gefallen – anderen überhaupt nicht. Dieser Verstärker richtet sich mehr an Fans von 'Stoner Rock' als an 'Shredder' die einen präzisen, schneidenden Sound bevorzugen. Der Verstärker tendiert dazu in den tiefen Mitten an Definition zu verlieren. Man erhält den Eindruck, dass er sich mehr wie ein Vintage Verstärker als ein moderner High-Gain Verstärker verhält.

Was meine eigenen Sound Samples betrifft, so habe ich eine Gretsch G5129 mit DeArmond Singlecoil Pickups verwendet und dies über ein MD421 Mikrofon aufgenommen. Ein Tipp wie man bei diesem Verstärker das Mikrofon richtig platziert: Es gibt eine vertikal eingelassene Holzleiste in der Mitte von jedem Lautsprecher. Dies hilft schnell die richtige Platzierung des jeweiligen Lautsprechers zu finden, da diese durch die  Abdeckung nicht gesehen werden können. Zuerst sind hier einmal drei Beispiele mit den gleichen Einstellungen auf dem Verstärker und der Gitarre: der Celestion G12M Greenback und G12H Vintage. Man kann den Unterschied zwischen diesen zwei Lautsprechern hören – dies multipliziert natürlich dann wieder die tonalen Möglichkeiten.

Die anderen Beispiele habe ich mit dem G12M Greenback aufgenommen:



Nicht zu viele Überraschungen – die Klangbeispiele bestätigen das bereits erwähnte. Die Delays tönen ziemlich klassisch und geben dem Sound eine schöne Färbung – vorausgesetzt man verwendet sie sehr gezielt. Das gleiche gilt für die Reverbs: Sie tönen sehr schön und grösstenteils sehr passend. Die Klangbeispiele sollen dem Leser die Unterschiede zwischen jedem Schalter auf dem Verstärker näher bringen.

Bogner Alchemist Amplifier: Der Test

Fazit

Bogner hat sich zum Ziel gesetzt einen erschwinglichen Verstärker zu machen, und es scheint, als ob ihm dies gelungen wäre. Wir befinden uns in der Gesellschaft eines Verstärkers der weniger als €1'500 kostet (das 2x12 Modell), zwei Kanäle mit völlig unterschiedlichen Eigenschaften besitzt und mit zwei Lautsprechern bestückt wurde, die seine klanglichen Möglichkeiten noch bedeutend erweitern. Fügt man dem ganzen noch ein 'Neo-Vintage' Design, einen Clean Sound mit einem richtig schönen Crunch und einen fetten Distortion Sound hinzu, dann erhält man einen wirklich guten Verstärker.

Natürlich werden Nörgler bemerken, dass der Alchemist sehr schwer ist und man manchmal die Regler schon fast mit Pinzette einstellen muss. Auch wird ihnen nicht gefallen, dass es für 'Shredder' fast unmöglich ist einen entsprechenden Sound einzustellen. Das wäre sicherlich nicht falsch.
Aber der Alchemist besitzt eine Menge Charakter und das bedeutet auch, dass er nicht jedem gefallen wird. Aber welcher Gitarrenverstärker kann das schon?

+ Ein Bogner für weniger als € 1'500.- !
+ Hochwertige Verarbeitung
+ Gute Clean / Crunch Sounds
+ Zwei unterschiedliche Lautsprecher
+ Eine grosse Bandbreite an klanglichen Möglichkeiten
+ Die Wahl zwischen 40 oder 20 Watt
+ Das Aussehen
+ Qualität des Reverbs und des Halls

- Nicht einfach zu transportieren: Schwer und klobig
- Schalter: Klein und nicht sehr leicht zugänglich
- Die Zerrsounds werden nicht jedem gefallen!