Rupert Neve Designs Portico 5032
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Rupert Neve Designs Portico 5032

Portico 5032, Transistor-Vorverstärker from Rupert Neve Designs in the Portico series.

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Portico Series: Der Test

Rupert Neve Designs Portico Series
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Neve. Wenn es einen Namen gibt der den Puls eines Studiotechniker höher schlägen lässt, dann ist es dieser! Auch wenn die Firma mit AMS seit 1985 ihre eigenen Wege geht, so hat doch Rupert Neve seinen Lötkolben noch nicht an den Nagel gehängt...

Neve. Wenn es einen Namen gibt der den Puls eines Studiotechniker höher schlägen lässt, dann ist es dieser! Auch wenn die Firma mit AMS seit 1985 ihre eigenen Wege geht, so hat doch Rupert Neve (Namensgeber und Gründer der Firma) seinen Lötkolben noch nicht an den Nagel gehängt und kreiert immer noch neue Module für seine Portico Produktepalette.

5032 avantNachdem er eine Zeit lang Produkte für Firmen wie Focusrite oder Amek entworfen hat arbeitet dieser berühmte Tontechniker nun an seiner eigenen Marke: Rupert Neve Designs. Bei seinen Portico Produkten machen Rupert Neve Designs mehrere Versprechen. An erster Stelle steht hier ein kompromissloser Klang der seinem Namen gerecht werden soll, aber auch technische Bauteile, die einen erschwinglicheren Kaufpreis ermöglichen.

5032 arrièreNun, ich kann bereits hören wie Ihr alle Eure Kreditkarten zückt – darum lasst uns eines klar sein: Bei einem durchschnittlichen Preis von € 1'200.- pro Modul reden wir hier nicht von einem der Chinesischen Produkte, die derzeit die Wände vieler Musikläden einnehmen. Aber auch wenn es Portico nicht auf den Einstiegs-Markt abgesehen hat, sollte Rupert Neve Designs sein Versprechen an Klangqualität einhalten dann kann der Preis mit Sicherheit auch als gutes Kaufargument herhalten.

Die Portico Serie ist nicht wirklich neu – das erste Modell kam 2005 auf den Markt. Aber seither wurde ihr ein ‘Face Lift‘ spendiert – Grund genug auf diese Produkte einen neuen Blick zu werfen.

Es gibt momentan 8 Module in der Portico Produktepalette:

* 5012 – Zweifacher Mikrofonvorverstärker. Rupert Neve Designs’ erstes Produkt.
* 5014 – Stereo Field Editor. Werkzeug für Manipulation v.Stereobild & Phasenlage
* 5015 – Mikrofonvorverstärker / Kompressor Kombination.
* 5016 – Zweifacher Mikrofonvorverstärker mit DI Funktion
* 5032 – Mikrofonvorverstärker mit 3-Band EQ kombiniert
* 5033 – 5-Band EQ, wie der Name bereits sagt, ein 5-Band EQ mit Shelving Filter
* 5042 – Tape Simulator, echter Band Simulator
* 5043 – Compressor / Limiter Duo, doppelter Kompressor, Limiter


5014 avant

Um den Preis so tief wie möglich zu halten sind alle Einheiten im selben ½ Rack Format gebaut (was aufgrund der Kompaktheit auch sehr praktisch ist) und mit externem Netzteil betrieben. Natürlich ist dies nicht die eleganteste Lösung, aber sie umgeht alle technischen Probleme und Kosten eines eingebauten Netzteils.

5014 arrièreAuch die Verbindungsmöglichkeiten sind dieselben für alle Modelle: XLR In/Out für jeden Kanal. Jedes Modell ist auch mit einer TRS Klinkenbuchse versehen, die je nach Modul eine Bus Sektion für den direkten Verbund in die Mixing Konsolen dieses Herstellers sein kann, oder als Effects Loop benutzt wird. Der einzige Nachteil ist der Einschaltknopf, der auf der Rückseite angebracht wurde. Man kann sofort sehen, dass das Design entwickelt wurde um eine grösstmögliche Anzahl gemeinsamer Komponenten in allen Modellen anwenden zu können – dies reduziert natürlich die Herstsellungskosten.

Wenn man die elektronischen Bauteile anschaut, dann wurden dort keine Kosten gespart. Alle Module wurden aus eigenständigen (discrete) Elementen gebaut (elektronische Komponenten mit nur einem Schalt-Element, im Gegensatz zu integrierten Elementen) und haben Transformatoren aus eigener Fabrikation.

Für diesen Test stehen uns die 5012, 5015, 5032 und 5043 Module zur Verfügung, denen wir uns nun etwas näher widmen…

5012 Duo Mic Preamp

5012 avant
Dieser Doppel-Vorverstärker war das erste Produkt, dass Rupert Neve Designs auf den Markt gebracht hatte und setzt bereits seine eigene Note.

Das elektronische Design ist einfach und direkt. Die Input/Output-Transformatoren sind für einen grossen Teil des charakteristischen Klanges verantwortlich, den der Vorverstärker von sich gibt. Es wurde von Rupert Neve persönlich entwickelt und wird somit durch seine langjährige Erfahrung in diesem Bereich gedeckt.
5012 arrière

Die Anpassung des Eingangspegels für jeden Kanal ist original und sehr gut gemacht. Ein erste Knopf stellt die Verstärkung in 6dB Schritten ein, während ein zweiter eine Feinabstimmung zwischen -6 und +6 ermöglicht. Somit sind feinste Abstimmungen kein Problem.

Jeder Kanal besitzt seinen eigenen, auf einem Dioden System basierenden VU Meter, welche sich als sehr präzis erweisen. Die üblichen sonstigen Einstellungen, die man auf einem Vorverstärker erwartet vorzufinden sind ebenfalls vorhanden: Phantom Power, Phasenumkehrung, Hi-Pass Filter und Mute.

5015 avantZusätzlich wurde die Einheit mit einem ‘Silk’ Schalter bestückt, welcher den Klang direkt beinflusst indem negative Rückkoppelungen reduziert während gewisse Obertöne angehoben werden. Wir werden später im Artikel hören, auf welche Art dies genau den Klang beeinflusst.

Wenn man vom Klang spricht, dann besitzt der Vorverstärker einen äusserst grossen „Headroom“. Die Klangeigenschaften sind eher modern, was meiner Meinung nach einer Stimme sehr gut tut. Die Höhen zeichnen sich durch eine besonders gute Auflösung aus – aber das gesamte Klangspektrum wird immer im Gleichgewicht gehalten.

Wenn man einmal ‘Silk’ eingeschaltet hat verändern sich die Dinge. Es entsteht eher ein Vintage Gefühl mit aktiveren und fetteren Bässen – eher mehr Rock. Dies ist nicht wirklich überall das Richtige, aber man erhält 2 schon sehr unterschiedliche Klangfarben aus einem Vorverstärker – und das ist schon sehr schön.

Für 1200 € erhält man daher 2 Vorverstärker jeweils mit 2 eigenen Klangfarben. Bei dieser Klangqualität ist dies ein sehr guter Preis.

5043 – Compressor / Limiter Duo

5043 avant
Dieser zweifach Kompressor/Limiter basiert auf denselben Konstruktionsprinzipien wie der 5012 – also zwei unabhängigen Kanälen in einem ½ Rack Format.

Jeder Kompressor Kanal bietet dieselben üblichen und klassischen Einstellmöglichkeiten: Attack, Release, Compression Ratio und Gain. Es ist auch möglich beide Kanäle miteinander zu verlinken.

Benutzt man die beiden VU Meters zusammen so kann man sehr genau den Eingangspegel auf der einen Seite und die Höhe der Absenkung auf der anderen Seite ablesen. Per Knopf kann man zwischen Kanal 1 und 2 umschalten.

5043 arrièreWie beim 5012 erhält man von Ruper Neve Designs zweimal so viel für den gleichen Preis. Im 'FeedForward' Kompressions-Modus wird der Kompressor durch Spannung angesteuert, die direkt vom Eingang abgefasst wird – dies erlaubt sehr schnelle Attack Zeiten und eine härtere Komprimierung. Andrerseits wird im ‘FeedBack' Modus der Kompressor durch Spannung vom Ausgang her angesteuert – dadurch wird das Eingreifen des Kompressors weicher.

Während die moisten Kompressoren auf eine der beiden Technologien vertrauen macht der 5043 beides – dies macht ihn natürlich um so interessanter! Da ich bereits ein Fan dieser Möglichkeit bin und sie von meinem API 7600 her kenne war ich natürlich sehr gespannt zu hören ob diese Funktion auch hier hörbar und gut einsetzbar ist.

5016 avantIch kann sagen, dass ich aus der ganzen Auswahl der Portico Line auf den Kompressr am meisten gespannt war. Bei Schlagzeugen würde ich ihn in die Top 3 Liste stellen. Im Feed Forward Modus bietet er einen schnellen Attack, Kicks werden druckvoller aber die Höhen (Cymbals) werden nicht überspitzt wenn man die Einstsellungen mehr extrem fährt. Er ist definitv musikalisch. Wenn man den Bass im Feedback Mode nimmt wird der Attack ein wenig zahmer und die Komprimierung gibt dem Signal eher einen Vintage Klang.

Dank diesen zwei sehr unterschiedlichen Einstellungen ist der 5043 grossartig für Mixing, Schlagzeug-Bus-Komprimierung und sogar Pre-Mastering. Ein wirklich kleines Juwel, das alles kann!5016 arrière

Der 5043 ist somit mein Liebling der Portico Series. Natürlich profitiert er auch vom Qualitäts/Preis Verhältnis welches ihn zu einer sehr interessanten Wahl machen.

5033 – 5 Band EQ

5033 avant
Im Gegensatz zu den 2 bisher vorgestellten Modulen hat der 5033 nur einen Kanal. Es ist ein 5-Band EQ, der auch als ein Line
Vorverstärker eingesetz werden kann. Basierend auf Rupert Neve’s Prozessoren ermöglicht der 5043 Anhebungen und Reduktionen von bis zu 12dB auf jedem Band.

Der Eingangspegel kann von -12 bis +12dB eingestellt werden. Somit lässt sich der 5033 mit verschiedensten Klangquellen einsetzen, die in ihren Ausgangspegeln zum Teil ja stark variieren.

Die hohen und tiefen Bänder sind als Kuhschwanzfilter (Shelving Filter) ausgelegt, während die anderen drei Bänder vollparametrisch mit Q-Wert Einstellung anliegen. Es sollte erwähnt werden, dass tiefe Mitten, Mitten und hohe Mitten per Bypass abgeschaltet werden können um ein direkteres Signal zu erhalten. Die Höhen und Tiefen können nur miteinander abgeschaltet werden.

5033 arrièreIn der Anwendung erweist sich der EQ auf allen Bändern als sehr musikalisch. Sehr präzis und mit der Möglichkeit jedes Band sehr detailliert einzustellen ermöglicht es der 5033 genau den Klang zu finden, den man sucht. Obwohl es auch möglich ist den Grundklang drastisch abzuändern so tönen die Filter doch auch in der extremsten Einstellung noch brauchbar und transparent – dies ist das Hauptmerkmal eines wirklich guten EQ’s.

Der einzige Nachteil: €1’200 pro Kanal ( €2'400 für zwei Kanäle) bedeutet eine ziemliche Investition – auch wenn die Resultate dies rechtfertigen.

Die anderen getesteten Module

Die anderen Module sind eher Variationen von unterschiedlichen Vorverstärker-, Kompressor- und EQ-Modulen (von 5 auf 3 Bänder – aber in der gleichen Funktionsweise) um alle Anforderungen so gut wie möglich abzudecken. Demnach ist der 5032 (Vorverstärker – EQ) sehr gut um eine Stimme aufzunehmen. Der 5015 (Vorverstärker-Kompressor) eignet sich hervorragen für Bass...alle Konfigurationen sind demnach möglich!

Hier sind ein paar Beispiele, die ich zusammengestellt habe:

Bass unbehandelt
Bass kompromiert
Bass equalized 1
Bass equalized 2

Drums unbehandelt
Drums mit Kompressor (10:1 Ratio, Release 180/200ms, Release "Feed Forward")
Drums mit Kompressor (260ms Release, Release "Feed Back")
Drums mit Kompressor (260ms Release, Release "Feed Forward")

Acoustic Guitar + AKG C414 Mikrofon und Vorverstärker
Acoustic Guitar + AKG C414 Mikrofon, Vorverstärker und Kompressor

Stimme ins C414, Vorverstärker mit "Silk"
Stimme ins C414, Vorverstärker ohne "Silk"
Voice ins C414, Vorverstärker mit viel Gain und "Silk"
Stimme ins C414, Vorverstärker mit viel Gain aber ohne "Silk"


Fazit

RackEs wurde langsam Zeit, dass wir diesen Produkten einer grossen Legende der Audio Welt unser Gehör geliehen haben. Mit ihrem neuen Aussehen – welches viel schöner ist als die ältere, eher billig aufgemachte Fassade – ist nun alles amtlich. Diese Module haben in allen Einheiten einen überragenden Klang und eigenen Charakter.

Mit ihren 2 eigenständigen Modi sind die Vorverstärker- und Kompressormodule sehr vielseitig einsetzbar und somit überaus nützliche Werkzeuge für alle Arten von anliegenden Signalen.

Dank ihres interessanten Preises – zumindest was die Stereo Module angeht – sollten man sie unbedingt antesten.

+ Der Klang!
+ Mein Favorit: der Kompressor
+ Der Preis der Stereo Module
+ Platzsparendes Design

- Der Preis der Mono Module
- Einschaltknopf auf der Rückseite