Apple iPhone 3GS
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Apple iPhone 3GS

iPhone 3GS, Touch Tablet from Apple in the iPhone series.

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Könnte das iPhone das beste portable Aufnahmegerät sein?

iPhone Music (Teil 1): Das iPhone als Aufnahmegerät?
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Das iPhone ist wirklich ein grossartiges Gerät. Man kann damit scheinbar alles machen! Wie ist wohl morgen in Chicago das Wetter? Wann läuft Police Academy 17 schon wieder? 7:20pm. Ein Bomberman Spiel? Null Problem. Der neuste Hit von Lady Gaga? Schon da. Einzig sinnvolle Anwendungen für Musiker fehlen noch...so scheint es zumindest. Doch der Schein trügt!



Der erste Vorteil des iPhones ist, dass es sich dabei in erster Linie um ein Telefon handelt - man trägt es also normalerweise stets mit sich. Der wohl grösste Pluspunkt liegt zudem darin, dass sein Betriebssystem für Drittanwendungen offen ist. Somit stehen einem unzählige kleine Programme, mit unzähligen Einsatzbereichen zur Verfügung, die von unabhängigen Entwicklern, oder grossen Firmen hergestellt wurden. Es ist wirklich erstaunlich, was von diesen Entwicklern bereits angeboten wird: ein Shaker, eine Anti-Mücken Anwendung, die auf Ultraschall basiert, eine Software, die einen Song automatisch erkennt...kurz: für jeden Geschmack und jedes Bedürfnis gibt es mit Sicherheit bereits eine Anwendung. Insgesamt hat man auf https://appshopper.com/ die Wahl aus über 80'000 kostenlosen, oder kaufpflichtigen 'Apps'.

Auch für Audio Cracks wie uns ist diese Entwicklung überaus interessant: In der Kategorie Musik tummeln sich über 2'400 leider sehr schlecht sortierte Anwendungen (wann werden wohl Filter und Unterkategorien im App Store eingeführt?). Darunter befinden sich die besten und schlechtesten Vertreter: Eine Menge Anwendungen, welche Künstler, oder Radiostationen anpreisen, und sogar ein paar, welche nichts weiter als Animationen, Song Lyrics, oder Künstlerinfo anzeigen, wenn eine MP3 Datei abgespielt wird. Die beste von allen ist wohl 'Shazam'. Dies ist eine Anwendung, welche Musik anhand einer kurzen Passage erkennen kann (sehr praktisch zum Beispiel, um den Titel eines Songs herauszufinden, der gerade im Radio läuft).

Wenn man zu den Anwendungen kommt, mit denen sich Musik kreieren lässt, so gibt es insgesamt sechs verschiedene Kategorien:

- Virtuelle Instrumente (Gitarre, Klavier, Schlagzeug, Synthesizer, etc.)
- Werkzeuge (Anzeigen, Stimmgeräte, Akkordtabellen)
- MIDI Bedienoberflächen
- Sequenzer (die meisten mit eingebautem Klangerzeuger, oder Sample Player)
- DJ Anwendungen (um zwei Tracks miteinander zu synchronisieren, oder mixen)
- Digitale Aufnahmegeräte

Wir könnten eigentlich jeder dieser Kategorien einen ganzen Artikel widmen. Da es bei AudioFanzine aber vor allem um 'Audio' geht, haben wir beschlossen, uns auf die verschiedenen Aufnahmelösungen zu konzentrieren. Hier steckt einiges an Potential, welches das iPhone zu einer schon fast zwingenden Lösung für Aussenaufnahmen machen könnte.

Von Diktaphon zum Multitrack Recorder

Apple iPhoneNeben der Dictaphone Software, die bereits mit dem iPhone geliefert wird, findet man im AppStore auch mehrere Anwendungen, mit denen man schnell Audioaufnahmen realisieren und die Dateien anschliessend sortieren und kommentieren kann. Die beste Anwendung in dieser Kategorie ist wohl iProRecorder von Bias (bekannt für die Mac Anwendung 'Peak').

Die schön gestaltete Bedienoberfläche macht die Arbeit sehr einfach und intuitiv. Aufnahmen können damit schnell gestartet und wieder gestoppt werden, und man kann zwischen drei verschiedenen Aufnahmequalitäten wählen (16 bit WAV bei 11, 22 oder 44.1 kHz). Grosse VU-Anzeigen geben eine gute Übersicht über das Signal, und es kann sogar die Dauer der Aufnahme eingestellt werden. Nach der Aufnahme kann man die Dateien bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten abspielen (normal, 1.5x, oder 0.5x), das Volumen anpassen und schnell innerhalb der Datei navigieren. Dazu kommt noch die Möglichkeit die Dateien zu 'taggen', kommentieren und illustrieren, bevor man sie per Email verschickt, oder direkt auf Peak überträgt. Es wird wirklich schnell ersichtlich, dass dies für Musiker wie Journalisten eine sehr interessante Anwendung sein kann - und all das für nur $2.99.

http://www.iprorecorder.com/

Eine Spur reicht für ein Interview, oder einen Musiker, der nur ein Riff oder eine Melodie festhalten möchte, vollkommen aus. Möchte man aber ein kleines Demo erstellen, dann benötigt man ein ausführlicheres Werkzeug. Für Mehrspuraufnahmen gibt es bereits verschiedene Anwendungen: Neben '4 Tracks Classic' von http://www.littlecodeshop.com, gibt es 'StudioApp' von https://www.krasidy.com und 'GigBaby' von http://www.iometics.net. Allesamt sind mehr oder weniger in Ordnung.

Wir wurden jedoch auf zwei andere Mitstreiter aufmerksam: die ergonomische Anwendung 'FourTracks' von Sonoma Wire Works und die ausführliche Anwendung 'RecTools08Pro'.

FourTracks: Vier gewinnt!

Apple iPhoneFangen wir also mit der Multitrack Lösung von Sonoma Wire Works an. Die Software ist gradlinig und einfach verständlich: Es stehen einem vier Spuren zur Verfügung - jede mit einem Regler für Volumen und Pan. Man muss einfach die Spur laden, auf der man aufnehmen möchte (nur eine Spur aufs Mal - also keine Stereoaufnahmen), die Aufnahme starten...das wär's auch schon! Sollte das Signal jemals überladen, so wird dies über ein kleines 'Peak' LED oberhalb der Spuren angezeigt. Über ein virtuelles Jog Wheel kann durch die aufgenommenen Spuren navigiert werden.

Das 'Song Tools' Menü bietet ein sehr ausführliches  Metronom: BPM, 3/4, 4/4 und 6/8 in verschiedenen Stilrichtungen (JM Rock, Pop, Hi-Hat, etc.). Als Krönung wird einem sogar noch eine Tap-Funktion geboten.

Man kann auch einen Song duplizieren. Dies erlaubt es, verschiedene Versionen desselben Songs abzuspeichern. Zudem wird einem die Möglichkeit geboten, zwei Spuren auf eine zu legen (also ein Bounce wie bei den alten Vierspur-Aufnahmegeräten) und so wieder neuen Platz für weitere Aufnahmen zu schaffen.

Schliesslich kann das Projekt gespeichert, geladen, umbenannt und über WiFi auf den Computer transferriert werden. Das ganze wird als vier verschiedene Spuren abgespeichert, denen man dann in der DAW noch den letzten Schliff geben kann.

Apple iPhoneIn der Praxis ist FourTracks sehr anwenderfreundlich und leicht verständlich. Auch wenn man die Spuren nicht weiter editieren kann, so ist es doch immer noch ein grossartiges Notizbuch für musikalische Ideen aller Art. Die Aufnahmen finden übrigens in 44.1 kHz/16 Bit statt und am Ausgangssignal liegt sogar noch ein Kompressor/Limiter an. Für $9.99 ist das ein wahres Schnäppchen!

Wir werden diese Anwendung auch zukünftig im Auge behalten, vor allem weil Sonoma gerade erst mit InstantDrummer eine Anwendung veröffentlicht hat, mit der sich realistische Drum Tracks für Pop/Rock Arrangements kreieren lassen. Die Anwendung basiert auf echten Drum Loops und beinhaltet neben einem integrierten EQ und Kompressor auch Ambiance Pegel für jeden Loop. Dies wird sicherlich für manche Anwender von Interesse sein, sobald diese Anwendung über ein noch ausstehendes Update zusammen  mit FoutTracks betrieben werden kann. Zusätzlich wird Sonoma zukünftig mit Sicherheit weitere Soundbanks für andere Stilrichtungen zusammenstellen...

Noch anschaulicher wird die Sache über diese zwei eindrücklichen Videos (1 und 2), die demonstrieren, wie eine Band mit der Sonoma Anwendung ein Demo aufgenommen hat.

Eindrücklich, oder? Aber das ist erst der Anfang. Mit RecTools08Pro kann man nicht nur Aufnahmen realisieren, mann kann sie auch editieren und mixen.

RecTools08pro: Gib mir...acht!

Apple iPhoneRecTools08pro ist eine Aufnahmelösung mit bis zu 8 Spuren, die einem alles bietet, was man sich wünschen könnte: Track Editing, EQ, Audio Pool...kurz: Es ist die beste Anwendung, die im Augenblick für das iPhone erhältlich ist.

Erstellen wir zuerst ein Projekt, welches man selbstverständlich speichern, umbenennen und laden kann. Zum Exportieren benötigt man einen Browser und WiFi - genau wie es auch schon bei FourTracks der Fall war. Über den Audio Pool können alle bisher aufgenommenen Audiodateien auf den Computer importiert, gespeichert und transferiert werden. Diese ausführliche Funktion ist wirklich sehr praktisch und für ein iPhone einfach erstaunlich.

Im Vergleich zu FourTracks besteht der grösste Unterschied in der Anzahl Spuren und den Editierfunktionen. Es ist in der Tat möglich, Dateien zu kopieren, einzufügen, zu duplizieren, den Anfang oder das Ende zu kürzen und mehrere Objekte gleichzeitig aufzuteilen. Es wird einem sogar eine Redo/Undo Funktion geboten! Editieren kann man wahlweise mit oder ohne Raster (von 1/1 bis zu 1/32 - genau wie bei den 'Grossen'), und es stehen einem auch alle anderen Funktionen zur Verfügung: ausführliches Metronom, Mixer mit Volumen, Pan, Mute, Solo...und das beste zum Schluss: Jede Spur besitzt einen eigenen 3-Band EQ.

Apple iPhoneFür $9.99 (es gibt auch 2-Spur und 4-Spur Versionen für weniger) ist dies eine wirklich lohnenswerte Investition. Gerüchte, wonach in einem zukünftigen Update zudem noch Effekte und virtuelle Instrumente zur Verfügung stehen werden, unterstreichen dieses Argument nur noch mehr. Aber auch ohne diese Funktionen stellt die Ergonomie dieser Anwendung alle Konkurrenzprodukte in den Schatten. Im Vergleich zum Touchscreen des iPhone sehen die Anzeigen, Untermenüs und Tastenkombinationen des Korg Micro BR, oder Zoom H4 sehr alt aus. Doch Ergonomie ist nur die eine Seite - Klangqualität die andere. Und genau da haben die portablen Aufnahmegeräte gegenüber dem iPhone immer noch die Nase vorne.

Das iPhone wurde als Telefon konzipiert und genau da liegt auch der Grund, weshalb es die Klangqualität der eingebauten Mikrofone nicht mit derer kompakter Kondensatormikrofone aufnehmen kann. Zudem sind die Verbindungsmöglichkeiten des iPhone auf einen einzigen 4-poligen 1/8" Stecker beschränkt, über den das Stereosignal für die Kopfhörer und das Monosignal des Mikrofons gleichzeitig laufen. Dies steht natürlich in keinem Vergleich zu den 1/4" und XLR Verbindungen, oder den Kondensatormikrofonen portabler Aufnahmegeräte. Ausser wir werfen einen Blick auf...

iMics

Es gibt auf dem Markt bereits ein paar Produkte, die versuchen diese Schwachstelle zu kompensieren: Modelle wie das Logitec LIC-iREC03P oder das TuneWear SSR sind momentan erst in Japan erhältlich, aber andere Produkte sind bereits weltweit verfügbar. Momentan haben zwei Hersteller Lösungen im Angebot: Blue Microphone und Alesis.

Wie geht's Mikey?

Apple iPhoneFangen wir also mit Mikey an. Dies ist ein aufsteckbares Mikrofon, welches direkt mit dem iPod, oder iPhone verbunden wird. Neben einer besseren Klangqualität wird einem nun dank den zwei Kondensatormikrofonen noch die Möglichkeit geboten, Aufnahmen in Stereo zu realisieren. Natürlich muss dazu die Anwendung auch im Stande sein (bei RecTools08Pro ist dies der Fall, bei FourTracks nicht). Mikey kann in fünf verschiedenen Positionen platziert werden und kann so fast jeden Winkel abdecken (180°). Man kann zudem über den Gain Selector zwischen drei verschiedenen Eingangspegeln wählen. Somit ist es möglich ohrenbetäubende Heavy Metal Konzerte, aber auch den Literaturvortrag von Frau Hoppenstedt aufzunehmen.

Das Mikey verfügt zudem über einen eingebauten Lautsprecher, der jedoch in der Praxis nutzlos ist: Er tönt sogar noch schlechter als die eingebauten Lautsprecher! Wir dachten zuerst, dies sei an sich unmöglich...Mikey hat es dennoch geschafft. Hut ab! Mikey wird direkt über das iPhone gespiesen und benötigt keine separate Batterie: Dafür gibt es einen Pluspunkt! Der Hersteller gibt an, dass sich das Mikrofon nicht nur für das iPhone 3G und 3GS, sondern auch für den iPod Touch 2G, Nano 2G, 3G und 4G, iPod Classic und iPod 5G eignen soll. Diese Liste entspricht zwar den Tatsachen, dennoch sollte die Fehlermeldung erwähnt werden, die beim Einstecken in das iPhone erscheint (auch wenn anschliessend alles problemlos läuft). Zudem ist Mikey nicht mit der ersten Generation des iPod Touch kompatibel.

Um das ganze kurz zu halten: Hier sind zwei Klangbeispiele, die ich mit einer akustischen Gitarre über das interne Mikrofon des iPhones und das Mikey aufgenommen habe.

Internes Mikrofon

Mikey

Wie Ihr sicherlich bemerkt habt, liefert das Mikey zwar eine ganz anständige Klangqualität, dennoch kann diese nicht mit teureren portablen Aufnahmegeräten mithalten. Dennoch ist der Unterschied zum internen Mikrofon - welches schliesslich fürs Telefonieren ausgerichtet ist - riesig! Der grösste Nachteil bei diesem Produkt ist wohl seine etwas unhandliche Grösse und der hohe Preis.

Was unhandliche Grössen und hohe Preise betrifft, so setzt Alesis mit seinem ProTrack (eigentlich ein Dock für den iPod, oder das iPhone) noch einen drauf. Im Vergleich zu anderen Konkurrenzprodukten hat dieses Gerät eigentlich nur Vorteile: Es besitzt zwei Kondensatormikrofone (in einer X/Y Anordnung), zwei 1/4"-XLR Combo Verbindungen mit einstellbaren Pegeln und einen 1/8" Kopfhörerausgang. Das Gerät verfügt zudem über ein Mic Pad, einen Lo-Cut Filter und einen Limiter und wird durch vier AAA Batterien (hält bis zu fünf Stunden), oder ein externes Netzteil betrieben.

Doch lohnt es sich?

Apple iPhoneKombiniert man RecTools08pro und ein Alesis ProTrack, könnte das iPhone eine Alternative zu portablen Aufnahmegeräten werden. Dennoch ist die Performance nicht dieselbe wie zum Beispiel bei einem Zoom H4n. Dieses verfügt nämlich zusätzlich über mehr Funktionen (Multi-FX, Gitarreneingang, etc.) und erlaubt es bis zu vier Spuren gleichzeitig aufzunehmen. Dies ist bei einer iPhone Anwendung aufgrund der mangelnden Rechenleistung des iPhones immer noch unmöglich. Man muss auch in Betracht ziehen, dass ProTrack das iPhone unförmiger macht und man es zum Telefonieren aus dem Dock nehmen muss. Man gewinnt also Verbindungsmöglichkeiten und eine bessere Klangqualität, verliert aber Flexibilität und die einfache Handhabung.

Lässt man diese kleinen Nachteile ausser Acht, so gibt man für RecTools, ein ProTrack und ein iPhone mit 2-jährigem Vertrag immer noch fast das Dreifache als bei einem Zoom H4n, Korg Micro BR, oder Tascam DP-004  aus. Wenn man dagegen betrachtet, wieviele Produkte das iPhone ersetzen kann (Stimmgerät, Akkordtabelle, Wörterbuch, Sequenzer, Metronom, MIDI Controller, etc.), wirkt es doch schon wieder einiges attraktiver. Wir werden uns all diese Anwendungen in einem weiteren Artikel einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Fazit

Mit ein paar zahlbaren Anwendungen und ein paar Hardware Erweiterungen kann das iPhone sicherlich ein brauchbares Multitrack Aufnahmegerät für Musiker wie Journalisten werden, die bereit sind, beim Funktionsumfang ein paar Abstriche zu machen. Dafür erhält man die Vorteile einer sehr ergonomischen 'All-in-One' Lösung, die sich jederzeit überall mit hinnehmen lässt. Genau wie der Markt für digitale Kameras wegen Mobiltelefonen am Schrumpfen ist, so müssen sich auch portable Aufnahmegeräte zukünftig warm anziehen. Produkte, die sich auf einen Anwendungsbereich beschränken, werden also technologisch zulegen müssen, um sich gegen Geräte wie das iPhone behaupten zu können. Wir werden diese Entwicklung genau betrachten...