Clavia Nord Wave
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Einstieg

Synthese mit vielen Gesichtern
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Der Nord Wave positioniert sich als vielseitig einsetzbarer Multisynthese Spezialist indem er analoges Modeling, FM Synthese, digitale Waveforms und Sample Reading in einem Gerät vereint...

Der Nord Wave positioniert sich als vielseitig einsetzbarer Multisynthese Spezialist indem er analoges Modeling, FM Synthese, digitale Waveforms und Sample Reading in einem Gerät vereint. Der Fokus liegt auf einer schnellen Programmierung und verzichtet dabei auf endlose Menüs und Untermenüs. Doch die Frage bleibt: Hat dieses Gerät das Zeug um sich vom Rest abzuheben?Clavia Nord Wave In 1995 hat Clavia mit dem Nord Lead einen kleinen polyphonen Analog Modeling Synthesizer auf den Markt gebracht, der sich ganz an die Werte vergangener Zeiten orientiert hatte. Das Gerät beinhaltete zudem eine Sound Bank des ursprünglichen Prophet-5. In den folgenden 10 Jahren wurde dieses Gerät stets weiter entwickelt und mutierte mit Einbindung der FM Synthese zum Nord Lead 3 – sa mt hell beleuchtetem Interface. Der Schwedische Hersteller zögerte nicht lange und tauchte auch schnell in der Welt der Virtual Modular Synthesizer auf. Dort brachte er eine Produktefamilie auf den Markt, die ebenfalls sehr talentiert eine grosse Anzahl Klangerzeuger und Klangverbieger simulieren konnte. Das einzige was bis zu diesem Zeitpunkt fehlte war das Auslesen von Samples. Doch auch damit wartete Clavia nicht mehr lange und entwickelte eine solche Funktion, um ein paar der Sounds zu generieren, die in Ihren Live-Keyboards zur Anwendung kommen sollten. Der Nord Wave hat demnach vom Know-How dieser Marke profitiert. Jetzt wo er zu einer ausgewachsenen Grösse gereift ist, über ein stabiles OS verfügt (1.0.8) und mit einer zusätzlichen Bank an Mellotron Samples ausgestattet ist, war ein Test dringend angebracht…

Einstieg

Ganz nach Clavia Tradition ist der Nord Wave Synthesizer leichtgewichtig und gleichzeitig robust gebaut. Er besitzt ein rot-schwarzes Metallgehäuse, w iegt 6kg und wurde für Live Gigs konzipiert. Die Steuerung (33 Regler, 3 endlos Regler mit Raster, 33 Tasten) sind fix auf der Vorderseite angebracht worden (und dort werden sie auch eine Zeit lang bleiben). Wie üblich sind sie auf der linken Seite des Gerätes gruppiert – das mag man oder nicht. Auf jeden Fall sind die ganzen Elemente etwas überladen und zu klein für müde Augen und zitternde Hände. Zudem ist der Bildschirm ganz auf der linken Seite, was das Ablesen doch erschwert. Alle Parameter (mit Ausnahme von global/MIDI Einstellungen) stehen direkt auf der Vorderseite zur Verfügung. Gewisse Tasten besitzen eine alternative Funktion welche über das Drücken von ‘Shift’ angesteuert wird. Die Sektionen sind ziemlich klar (von links nach rech ts): Modulationen (portamento, LFO, zuweisbare Hüllkurve), 2 Oszillatoren, ein Filter mit Hüllkurve, das Volumen mit Hüllkurve und Effekten. Arbeitsfluss und der einfache Arbeitsfluss sind die grossen Stärken dieser Maschine. Die LCD Anzeige (2 x 16 Charakter) komplettiert das Bild: zusätzlich zu den Programmnamen werden hier während des Editierens die Werte aller Parameter angezeigt – speziell die Namen von Multisamples und digitalen Wellenformen. Gewisse Werte werden in ihren effektiven Grössen angezeigt: Frequenz in Hz, Zeit in Sekunden, Intervalle in Semitönen…sehr nett! Eine ‘Panic’ Taste kann alle Noten abschneiden, was sich ideal für Gigs eignet. Ein paar Mängel: Es gibt keine ‘Verlgeich’ Funktion und die Drehregler funktionieren nur im ‘Jump’ Modus.
Connectique dépouilléeWas die Tastatur betrifft so verfügt der Nord Wave über eine leichtgewichtige, anschlagsdynamische Tastatur mit 4 Oktaven (49 Tasten), die über Aftertouch verfügt. Sie ist komfortabel und dynamisch und spricht auf Nuancen gut an, doch das Aftertouch setzt sehr abrupt ein. Schade hat sich Clavia nicht entschieden die übliche 5 Oktave umfassende Tastatur zu verwenden – dies wäre vor allem für Multi-Samples empfehlenswert gewesen.
Um die fehlenden Oktaven zu kompensieren kann über spezielle Tasten direkt plus oder minus zwei Oktave transponiert werden. Diese befinden sich gerade neben dem coolen ‘Pitch Stick’ (der ohne Mittenposition auskommt) und dem Modulation Wheel. Genauer betrachtet bedeutet die Rückseite eine Enttäuschung (s. Bild links): Ein Paar Audioausgänge, ein Kopfhörerausgang, zwei MIDI, 2 Ausgänge für Pedale und ein USB Stecker (s. Box über Sample Management). Man muss sich als von Mehrfachausgängen, digitalen Ausgängen, MIDI Through und ähnlichem Luxus verabschieden. Nur die interne Leistungsfähigkeit dieses Instrumentes kann uns darüber vertrösten…eigentlich erstaunlich bei einem Gerät dieser Preisklasse und Professionalität.

Eine grosse Bandbreite an Sounds

Der Nord Wave wurde mit mehreren Synthese Engines versehen und verfügt über eine grosse Bandbreite an Sounds: Imitationen von Vintage Analog, digital/FM Hybrid, bis hin zu akustischen Instrumenten mit einem zu 90% gefüllten FlashRam. Die Multi-Samples wurden gut zusammengestellt, sind ziemlich gut geloopt und musikalisch – doch sie leiden unter einem grossen Mangel im Design dieses Gerätes: Es ist unmöglich mit mehreren dynamischen Layers zu arbeiten. Das Resultat ist eine mangelnde Ausdrucksstärke bei gewissen akustischen Sounds. Die Dynamik beim Attack ist limitiert und es kann lediglich der Pegel und die Tiefe des Filters geregelt werden.

Wave familyDies fällt vor allem bei Sounds wie Piano, Strings (grosse Sektionen or kleine Sektionen), Bass, Gitarre, Blechblasinstrumente oder Posaunen auf. Die anderen gesampelten Instrumente tönen schon besser: Electric Bass, Church Organ, Choirs. Das beste an dieser Multi-Sample Bank ist aber zweifellos der Mellotron (dessen Samples ja statisch sind). Der Nord Wave verwendet dafür nicht weniger als 250MB und die Samples stammen von einem neuen Mellotron, der aus original Teilen zusammengebaut wurde. Clavia hat die Rechte zu den original Mellotron Bändern MKI, MKII, M300 und M400 erworben.
Am Ende werden nicht weniger als 65 Multi-Samples auf CD mit der Maschine ausgeliefert – ein paar davon sind beretis auf dem FlashRam installiert. Hier sind ein paar Beispiele ohne zusätzliche Effekte: 3Violinen, 16Violinen, AltoSax, BoysChor and Brass.

Was die Synthesizer Sounds betrifft so ist Nord Wave eine Klasse für sich. Alles in diesem Bereich ist grossartig: Synth Bässe, Soft Leads, mit Portamento, Synchro, Arpeggios, FM/digital sounds oder Pads. Dies ist eine virtuelle Zusammenstellung von einem grossen Teil der Geschichte des Synthesizers. Êin unumgänglicher Test bei Synthesizern ist es die extremen Höhen und Bässe zu testen. In den Höhen schlägt sich der Nord Wave ganz gut: kein Aliasing Effekt oder andere digitale Artefakte – egal welche Synthese benutzt wird. Im Bass bestätigt sich dieses Bild. Man muss schon sehr tief gehen um unschöne metallene Effekte zu erhalten. Insgesamt ein sehr schönes Klangbild!

Mehrere Arten der Synthese

Der Nord Wave ist ein digitaler Synthesizer mit 18-Noten Polyphonie. Im Speicher befinden sich 8 Banks mit 128 Programs – 3 davon sind ab Werk vorprogrammiert. Glücklicherweise kann man durch die Programs via Nummer, Kategorie oder alphabetisch navigieren. Einfach und effektiv! Jedes Program verfügt über 2 Slots (A und B) welche gestapelt oder auf zwei unterschiedlichen MIDI Kanälen abgespielt werden können. Man kann die 2 Slots aber nicht separieren, über unterschiedliche Dynamikstufen ansteuern lassen oder gleichzeitig editieren! Dies sind Mängel die im aktuellen Betriebssystem (1.0.8) noch nicht angesprochen wurden. Jeder Slot ist ein unabhängiger Synthesizer mit 2 Oszillatoren, 2 Filtern, 2 LFOs, 3 Hüllkurven, einem EQ und einem Chorus. Der erste Oszillator kann virtuell analoge Wellenformen (Puls, Dreieck, Sägezahn, Sinus mit interner Synchronisierung), zyklische digitale Wellenformen (62 Stück wie Orgeln, Glocken, Spectral), FM Synthese und Variable Noise erzeugen (es steht ein einstellbarer 12dB/Oktave Filter zur Verfügung). Der zweite Oszillator ist noch leistungsfähiger und kann virtuell analoge Wellenformen, ‘Sampled Transients’, zyklische digitale Wellenformen (22 Arten) und FM Snythese erzeugen. Darüber hinaus kann der zweite Oszillator noch Multi-Samples lesen.

Für jeden Oszillator agiert die FM Synthese mit zwei 2 Sinus ‘Wave Operators’ (ein Modulator und ein Carrier). Man kann deshalb FM Synthese mit 4 Operators erzeugen – ähnlich einem Yamaha DX. Anstatt einer Menge komplexer Algorithmen mit Zugang zu allen Frequenzen hat Clavia beschlossen, den Zugang auf ein paar globale Frequenzbereiche zu beschränken. Es stehen 9 Algorithmen zur Verfügung deren Modulationsraten von 1 bis 9 ohne Feedback und 1 bis 9 mit Feedback reichen. Wenn beide FM Oszillatoren benutzt werden, dann können sich diese gegenseitig modulieren, was die Anwendungsmöglichkeiten bedeutend erhöht. Mit einem DX benötigt man lediglich 2 Algorithmen um dies zu tun – auch Nord Wave bietet hier eine stark verwässerte, aber direkte Variante der FM Synthese.

Ein ‘Shape’ Parameter wird verwendet um den harmonischen Inhalt der Wellenform zu ändern. Bei einer virtuell analogen Wellenform wie zum Beispiel ‘Square’ (Rechteck) wird die Breite des Impulses verändert. Sollte die Synchronisierung eingeschaltet sein, so wird dies mit der jeweiligen Oszillator Frequenz automatisch gleichgeschaltet. Bei einer FM Wellenform können die Tiefe der Modulation und/oder das Feedback gemäss des Algorithmus variiert werden. Noch besser ist, dass die Oszillatoren unabhängig von ihrem Typ interagieren können – dies ist einer der Stärken dieser Maschine. Somit kann ein Multi-Sample zum Beispiel einen Wellenzyklus, eine Frequenz oder Phase modulieren. Im ersten Fall wird das Spektrum der Wellenform erweitert – dies erzeugt einen roheren und zugleich helleren Sound. Im anderen Fall wird der gesamte harmonische Inhalt verschoben – dies erzeugt flüssigere Veränderungen als bei FM.

Sample Management

In den Eingweiden des Nord Wave liegt ein FlashRam mit 189 MB. 180 davon wird für das Laden von Multi-Samples verwendet. Ungleich anderen Hardware Samplern auf dem Markt ist dieser Speicher permanent – also für immer gespeichert. Dies scheint für die heutigen Standards ein bisschen wenig – doch es wird dabei ein Algorithmus verwendet, der das Material um einen Faktor 3 komprimiert. Multi-Samples können (leider) nur über PC (XP oder Vista) oder Mac (OS 10.4 oder höher) via USB geladen werden. Der Nord Wave wird mit einer Software Suite inklusive Treiber, Management Software und einer Mellotron Bank ausgeliefert – alle Standalone. Eine Integration in eine Host-Anwendung und Audio über USB sind nicht Teil des Programms. Zum Glück ist der Editor sehr gut. Er ist sehr visuell und erlaubt es schnell  WAV Dateien in Mono oder Stereo (24bit) zu importieren – mit oder ohne Loop. Es ist auch sehr einfach Samples zu loopen und dann einem MIDI Key zuzuordnen. Mit dem Programm können Crossfade Loops und kurze oder lange ‘Cycles’ erstellt werden. Man kann aber keinen Playback Startpunkt festlegen – es ist nur möglich einen sogenannten ‘Alternative Point’ zu bestimmen um auf die Schnelle Transienten zu verschieben.
Bis zu 91 aufeinanderfolgende Zonen in jedem Multi-Sample definiert werden – aber nicht mehrere Layer oder Crossfades. Sollte eine Wellenform eine Serie an Sounds besitzen, die durch Stille unterbrochen wurden, so kann man diese mit einer Funktion automatisch auf unterschiedliche Tasten legen. Wenn der Name der ursprünglichen Tonhöhe innerhalb einer WAV Datei enthalten ist, dann kann die Software dies erkennen und das Sample direkt der richtigen Taste zuweisen. Wenn das Multi-Sample vorbereitet ist, kann der Übertragungsprozess in einen der 99 Speicherplätze des Flash Ram beginnen (dauert ein paar Sekunden). Die Möglichkeit alle editierten Samples in ein Archiv exportieren zu können ist eine feine Sache – doch es stellt sich zugleich dazu eine Frage: Wenn der Nord Wave einmal ein Vintage Synthesizer ist, wird man dann Samples dann immer noch mit Windows Vista 20 oder OS 20 bearbeiten können? Als dieser Test geschrieben wurde hat Clavia angekündigt in dem nächsten OS Update die Sample Formate zu vereinheitlichen (nsmp). Somit wird der Nord Wave Samples des Electro lesen können.

Komplexe Filter

Der Filter ist vom Typ her ‘Multi-Mode Resonant’. Es stehen 6 Modi zur Verfügung: LoPass, HiPass, BandPass, Comb, Multi und Vocal. Der LoPass Filter ist sehr musikalisch und gibt dem Signal eine schöne Färbung. Er besitzt eine sehr abgerundete tieffrequente Resonanz und besitzt keinen zischenden Charakter – hört es Euch am besten selber in dieser kleinen Sequenz an.
Im Gegensatz dazu kann man die Instabilität des Sounds hören – der Pegel schwillt plötzlich an und fällt dann wieder in sich zusammen. Es ist ziemlich schwierig dies alles gezielt zu steuern…
Die Cutoff Frequenz reicht von 14Hz bis hin zu 21kHz und ist somit ein wenig breiter als der hörbare Bereich. Der BandPass Filter erzeugt einen ätherischen Klang und eignet sich besonders für Pad Sounds (Nur Filter, selbst-oszillierender Filter) oder zusammen mit einem Lo-Pass Filter.

Mit dem Comb Filter könnenPhaser-ähnliche Effekte erzeugt werden. Der Multi-Band Filter funktioniert mit drei Spitzen dessen relative Distanz fixiert ist. Der ‘Freq’ Parameter wird verwendet um die mittlere Frequenz anzupassen. Der Voice Filter ist eigentlich ein BandPass Filter mit einer sehr instabilen Resonanz. Der Parameter ‘Resonance’ wird verwendet um die Breite zwischen den zwei Spitzen einzustellen. Dieser Filter ermöglicht das Erstellen von Formanten, Vokalen und Resonanzen – wie in diesem Beispiel zu hören ist. Neben diesen Modi kann der Filter in 12 und 24dB/Oktave betrieben werden (z.B. 2- und 4-Pol). Wie man hier hören kann ist der Unterschied bei moderaten Filtern nicht sehr leicht festzustellen. Wenn man aber wie in diesem Pad die Filter extremer einstellt, kann man aber die Unterschiede gut hören. Zudem kann man auch über die Anschlagsdynamik die Hüllkurve des Filters modulieren – hört Euch dazu diese Sequenz an.


Einfache Modulationen

Beide LFO’s oszillieren von 0.03 bis 523 Hz - dies ist eine interessante Bandbreite. Die 5 üblichen Wellenformen stehen zur Verfügung: Rechteck, Sägezahn, Dreieck, Random Discrete und Continuous Random. Abhängig vom LFO können damit die Tonhöhe jedes Oszillators, der Wert der Intermodulation, der ‘Shape’ Parameter, der Cutoff Filter, die Resonanz und das Panning angesteuert werden. Der Zyklus kann für jede Stimme unabhängig oder zwischen allen Stimmen synchronisiert werden. Es ist aber unmöglich den LFO mit einer ‘Clock’ zu synchronisieren, oder das Volumen per LFO anzusteuern – dies ist sehr enttäuschend. Im ‘Single’ Modus erstreckt sich der LFO nur über einen Zyklus. Es gibt aber keinen Delay. Es steht ein globaler Vibrato-Effekt zur Verfügung, welcher die Tonhöhe mit einem fixen Delay (3 Werte), dem Pitchwheel oder über Aftertouch ansteuert. Dies ist alles was man mit Aftertouch modulieren kann…eine Schande!

Was die Hüllkurven betrifft so stehen 2 ADSR und eine schaltbare AD/AR zur Verfügung. Der Attack Wert kann von 0.5ms bis auf 45s eingestellt werden – Decay und Release Zeiten von 3ms bis 45s. Beide ADSR sind dem Filter und dem Volumen zugewiesen – es ist unmöglich sie für andere Modulationen zu verwenden! Im Gegensatz dazu kann der AD/AR der Tonhöhe der Oszillatoren, ihrer Intermodulation, dem ‘Shape’ Wert des Oszillators 2 und dem Cutoff Filter zugewiesen werden. Neben den zwei Oszillatoren kann diese Hüllkurve auch mehreren Zielen gleichzeitig zugewiesen werden. Im monophonen Modus können Hüllkurven wieder eingeschaltet werden – oder auch nicht. Mir gefällt der Klang dieser Hüllkurven sehr gut – sie besitzen einen charakteristischen Klick der auf diesem Bass Sound sehr gut zu hören ist.


Lang lebe Morphing!

Nord WaveMan kann zum Schluss kommen, dass die Modulationsmöglichkeiten dieses Keyboards eher statisch sind. Während die essentiellen Funktionen vorhanden sind, so gehen die Möglichkeiten der Konkurrenz doch schon bedeutend weiter. All dies wäre ziemlich enttäuschend wenn es da nicht eine grossartige Morphing Sektion geben würde (dafür ist Clavia auch sehr bekannt). Die Idee dahinter ist es zwei unterschiedliche Werte für 26 Morph Ziele zu programmieren und über einen physischen Regler einen gleichmässigen Übergang zu erzeugen: Anschlagsdynamik und Position des Keyboards oder das Modulation Wheel in Zusammenarbeit mit dem Expression Pedal.
Um einen Parameter zuweisen zu können muss man einfach eine Taste gedrückt halten und Einstellungen vornehmen. Auf der Anzeige sieht man den Ausgangswert des Parameters und den veränderten (morphed) Wert. Die zuweisbaren Parameter sind die LFOs (Rate und Amount), Hüllkurven, Oszillator ‘Shape’ Parameter, ihre Intermodulation, die Balance, Unison, Filter (Frequenz und Resonanz), Ausgangspegel und Delay.

Es ist schade, dass nicht mehr Effekt Parameter zugewiesen werden können… Dennoch ist diese Sektion eine der Stärken dieses Synthesizers, da es den Nord Wave sehr ausdrucksfähig macht. Um die zugewiesenen Parameter zu sehen wird die aktive Morph Destination mit einem grünen LED angezeigt. Dies ist nicht so spektakulär wie die Lichtshow der Encoder des Nord Lead 3 – aber immer noch sehr nützlich. Schliesslich sollte noch erwähnt werden, dass der Nord Wave über eine Portamento Funktion verfügt. In jedem Program sind dafür eine einfache zeitliche Einstellung und eine Chord Memory Funktion (3 Noten) abgespeichert.

Ein paar Effekte

Nord WaveWie bei den meisten analogen Vintage Synthesizern hatten auch die ersten Modeling Synthesizer noch keine Effekte – vielleicht einen kleinen Chorus oder Delay. Der Nord Wave hat zum Glück diese schlechte Angewohnheit nicht übernommen und geht ein bisschen weiter.
Er fängt hier mit einem EQ und einem Chorus für jeden Slot an. Der EQ ist ein 2-Band Shelving EQ mit einstellbarem Gain Wert (von -15dB bis +15dB) unter 100Hz und über 4kHz. Der Chorus besitzt 3 Positionen welche für unterschiedliche Dichte des Effektes stehen – ähnlich einem Elka Synthex. Auf den ersten Blick scheint dies sehr grundlegend und einfach, ist aber was den Klang betrifft eine wahre Bereicherung. Schaltet man bei gewissen Programs diesen Chorus aus, so werden diese plötzlich dünn und langweilig.

Alle anderen Effekte sind innerhalb eines Programs für beide Slots gleich – dies ist wirklich schade. Der Delay kann von 64ms bis 2.26s eingestellt werden. Der Feedback Parameter stellt die Anzahl Wiederholungen sehr limitiert ein. Ein Schalter aktiviert den Ping-Pong Stereo Modus. Der Amount Regler steuert die Tiefe des Delays innerhalb des Audio Signals. Obwohl es eine ‘Tap’ Taste gibt, so ist es doch unmöglich den Effekt mit einer Clock zu synchronisieren – auch dies ist sehr enttäuschend.
Danach steht einem ein Röhren-ähnlicher Overdrive Effekt mit einem ‘Drive’ Parameter zur Verfügung. Dieser ist bei tiefen Werten für polyphone Programs nützlich – zum Beispiel für ein E-Piano. Wenn man den Overdrive bei einem monophonen Signal aufdreht erhält man einen Gitarren-ähnlichen Sound. All dies erinnert uns wieder daran wie schade es ist, dass diese Effekte nur global eingestellt werden können! Zuletzt komplettiert ein kleiner Hall die Effektkette. Dieser ist ziemlich einfach gehalten und verfügt nur über 5 Einstellungen und einen Dry/Wet Regler. Dies ist für mich alles ein wenig zu einfach gehalten: eine Plate- und/oder Federhall-Simulation hätte mir genau so viel Freude bereitet, wie ein HF Filter und Timing Einstellungen. Dennoch tönt diese Reverb Sektion in sich ziemlich gut.

Fazit

Am Ende ist der Nord Wave ein Konzentrat von Synthesearten mit exzellenter Musikalität. Anwenderfreundlich, robust und leichtgewichtig – wie die meisten Clavia Produkte für den Live Einsatz optimiert. Die Vielzahl Sounds ist überraschend und man hat schnell Zugriff auf eine Menge unterschiedlicher Klänge die einander sehr gut ergänzen. Wenn man dazu noch die Intermodulation von Oszillatoren und die exzellenten Mellotron Samples nimmt, dann sollte man eigentlich zufrieden sein…ausser, dass bei diesem Niveua ein paar aspekte doch etwas grenzwertig bleiben. Dies gilt besonders für das Keyboard, die Verbindungsmöglichkeiten, die Abhängigkeit von einem Computer wenn man Samples bearbeiten möchte und die paar Sektionen, die einfach noch nicht ganz ausgereift sind. Wer jedoch Klangqualität, eine grosse Auswahl an Sounds und einfache Bedienung zuoberst stehen hat, für den gibt es zum Nord Wave im Augenblick keine Alternative.

+ Solide und leicht, ideal für den Live Einsatz
+ Anwenderfreundlich und schnell programmiert
+ Grosse und exzellente Auswahl von Sounds
+ Wundervolle Mellotron Bank (250MB)
+ Hochwertige Effekte – spezielle der Chorus
+ Oszillator Intermodulation
+ Filter sind vielseitig und musikalisch
+ Die Hüllkurven sind sehr ausdrucksfähig
+ Morphing zwischen 2 Sounds
+ Viel FlashRam um Samples laden zu können

- Nur Bi-Timbral
- Kein Split oder dynamische Ebenen
- Keyboard besitzt nur 4 Oktaven
- Aftertouch ist auf Vibrato beschränkt und kann nur schwierig kontrolliert werden
- Tasten und Regler sind klein und überladen
- Limitierte Effekte
- Kein MIDI Sync für die LFOs/Delays
- Kein Arpeggiator
- Keine ‘Multi-Layered’ Samples
- Kein Audio Eingang
- Kein MIDI Through