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Akustik

Studios richtig verstehen – Teil 3
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Schall kann mit einer Welle verglichen werden – ähnlich wie Wellen entstehen, wenn ein Stein in ruhiges Wasser geworfen wird. Je grösser die Welle desto tiefer der Ton. Tiefere Töne (auch als Bassfrequenzen bekannt) reisen in weiten, langen Wellen...

Schall kann mit einer Welle verglichen werden – ähnlich wie Wellen entstehen, wenn ein Stein in ruhiges Wasser geworfen wird. Je grösser die Welle desto tiefer der Ton. Tiefere Töne (auch als Bassfrequenzen bekannt) reisen in weiten, langen Wellen, während höhere Töne (bekannt als Hochfrequenzen) als kleinere, kürzere Wellen durch den Raum reisen. Das menschliche Gehör kann ein Frequenzband von 20 Hz bis 20 kHz wahrnehmen. Im Gegensatz dazu hat das Klavier (das Instrument mit wahrscheinlich der grössten Bandbreite) ein Frequenzband von 39 Hz bis 3 kHz.

Klang wird in Dezibel gemessen (angezeigt als dB). Ein durchschnittliches Konzert hat eine Lautstärke von ungefähr 95-100 dB während ein Heavy Metal, oder Hip-Hop Konzert Pegel von bis zu 130 dB erreicht. Dies liegt über der Schmerzgrenze unseres Gehörs – vergesst also nicht Eure Ohrstöpsel mitzunehmen. Wale können sogar Pegel von bis zu 180 dB erzeugen. Es ist für eine langjährige Karriere unerlässlich sein Gehör auf jeden Fall zu schützen wenn man es extremen Lautstärken aussetzt. Lasst Euch also nicht mit Walen sehen und tragt einen Gehörschutz wenn Ihr an einem Heavy Metal Konzert abrockt!




















































Plan de groupeEin typisches Grafik-EQ Plug-In...
Plan de groupeEin typischer Spectrum Analyzer...
Plan de groupeFrequenzgang eines Klaviers im Vergleich zu anderen Instrumenten...

Akustik (Teil 2)

Absorption

OuvertureAbsorption passiert wenn ein Klang von einem bestimmten Material 'aufgesogen' wird. Dies wird durch einen Koeffizienten-Wert definiert. Je höher dieser Wert ist, desto mehr Schall wird in schwierigen Winkeln Eures Raums eliminiert (absorbiert).

Unterschiedliche Sektionen des Raums benötigen wahrscheinlich unterschiedliche gewertete Koeffizienten. Denkt dran, dass Studios immer als leere Hülle anfangen. Harte Oberflächen und Wände benötigen eine Behandlung um zu einem grossartigen Studioraum zu werden. So werden zum Beispiel in Studios häufig dicke Theater-Vorhänge verwendet. Diese bestehen aus einem dicken, samtartigen Material welches sich sehr gut für das Absorbieren hoher Frequenzen eignet. Die dünneren Materialien absorbieren jeweils die höheren Frequenzen. Die dickeren Materialien saugen dann die tieferen Frequenzen auf. Deshalb sind grosse 'Bass Traps' (heisst so viel wie Bassfallen) auch sehr gross und besitzen Öffnungen über welche die tiefen Frequenzen eingefangen werden können. Je grösser diese Öffnung desto mehr Bässe können absorbiert werden.
Es kommen in der Recording-Industrie eine Vielzahl von Produkten und Designs zur Anwendung. Um Sound zu absorbieren werden zudem auch Wandaufhängungen verwendet. Diese bestehen aus einem Glasfaser-Produkt das in einen speziellen Stoff gewickelt wurde. Es kommen unterschiedliche Grössen und Dicken zur Anwendung um gezielt bestimmte Frequenzen zu verringern. Auch hier gilt: Dünne Materialien verringern hohe Frequenzen, dicke Materialien verringern tiefe Frequenzen.

Reflexion

Reflexion bedeutet das Gegenteil von Absorption. Dies kann man sich wie Licht vorstellen, dass auf einen Spiegel trifft und wieder zurückgeworfen wird. Dies kann verwendet werden um dem Raum mehr Höhen zu geben. Wenn ein Raum zu viel Absorption besitzt dann tönt er schnell leblos. Deshalb werden an strategischen Punkten Holzflächen montiert um dem Raum einen lebendigeren Charakter zu verleihen.

Gewisse Studios besitzen umkehrbare Aufhängungen (auch häufig 'Panels' genannt), die reflektierende wie absorbierende Flächen besitzen und je nach Bedarf  auf der einen oder anderen Seite aufgehängt werden. Stimmen brauchen zum Beispiel einen eher leblosen Raum mit einer höheren Absorption. Für das Schlagzeug hat man häufig gerne etwas lebendigere Räume. John Bonham von Led Zeppelin hat zum Beispiel einen erstaunlich hellen Schlagzeug-Sound mit viel Reflexionen.

Prince wird häufig als Schlagzeuger unterschätzt. Er hatte auf seinem ersten Album einen grossartig dichten Sound. Das Schlagzeug erzeugte damit gerade einen Gegenteiligen Effekt und verwendete Absorption  in einem kleinen, dichten Raum um einen sehr präsenten Sound zu kreieren.
Es gibt hier keine Regeln – nur Richtlinien. Den besten Sound erhält man immer noch indem man seinen Ohren traut.

Akustik (Teil 3)

Design

OuvertureEin professionelles Studio zu entwickeln ist eine ziemlich grosse Aufgabe. Jeder Raum ist komplett vom anderen abgetrennt. Dies wird normalerweise realisiert indem man effektiv einen Raum in einem bestehenden Raum errichtet. Die inneren Wände berühren so die äusseren Wände nicht und erzeugen somit eine Art 'Luftfalle' die Schall daran hindert weitergeleitet zu werden. Jede Wand kann je nach Aufwand sehr dick ausfallen. Glass wird in mehreren Schichten montiert und auch die Türen werden speziell gedämmt.

Die Böden in jedem Raum schweben jeweils auf speziellen Sockeln. Dies erzeugt auch hier eine 'Luftfalle' und verringert Vibrationen und ungewollte Nebengeräusche. Wenn man hört, wie Schallwellen von den Böden reflektiert werden, so fällt auf, dass sie je nach Material unterschiedliche Klangeigenschaften besitzen. Holzböden besitzen so einen wärmeren Klang, während Beton und Kacheln den Sound eher heller machen. Dies gilt natürlich auch für Wände.

Es wird ein gut durchdachter Plan benötigt um die Kabel zwischen den Räumen zu verlegen. Jeder Raum sollte ja miteinander durch Mikrofon- und Kopfhörerkabel verbunden sein. In jedem Raum befindet sich eine Steckleiste welche durch Kabelgruppen direkt mit der Regie verbunden ist (Verbindungen für Kopfhörer und Mikrofone).

Materiale und Werkzeuge

Für die Wände wird eine Trockenmauer (Drywall) verwendet. Je mehr Lagen Trockenmauer benötigt werden, desto dicker ist natürlich am Ende die Wand. Die verschiedenen Lagen werden aber auch in unterschiedlichen Dicken und voneinander verschoben zusammengefügt, was die Klangdurchlässigkeit noch weiter verringert. Man wird ebenfalls eine Menge Trockenmauer-Schrauben und eine gute Bohrmaschine brauchen, um ein gutes Studio bauen zu können.

Stoff wird verwendet um Wandaufhängungen und Deckenkonstruktionen zu bauen, womit die Absorption im Studio gezielt geregelt werden kann. Jede Dicke und jeder Stoff dämpft dann jeweils wieder unterschiedliche Frequenzen verschieden stark ab.
Sogenanntes 'AC Duct Board' und andere Fiberglass-Produkte werden in Stoff gewickelt und mit Sprühkleber befestigt um Absorptionselemente wie die erwähnten Wandaufhängungen oder Bass Traps zu konstruieren. Eine Fiberglasisolation wird zwischen die zwei Wände eingelassen - dieses Material eignet sich besonders zur Schalldämpfung.

Sand ist ebenfalls eine exzellente Alternative um Wände zu füllen und somit zu verhindern, dass Klangwellen weitergeleitet werden. Die Rahmen für die Wandaufhängungen werden aus Holz gefertigt – grössere 'Basstraps' (Bassfallen) können aus Holz oder wahlweise Fiberglass gefertigt werden. RPG Aufhängungen bestehen aus einer Reihe Holzstücke die mathematisch exakt abgemessen sind, Klang absorbieren und im Raum verteilen. Holz kommt auch zur Anwendung um Racks für Equipment, das Mischpult oder die Patchbay zu bauen. Das Studio kann ganz dem Anwendungszweck oder der Stilrichtung angepasst werden.

Türen, Wände und Fenster

Was die Schalldurchlässigkeit betrifft, so ist bei Türen und Wänden die grösste Aufmerksamkeit erforderlich. Ein kleiner Spalt unter einer Tür von einem halben Zentimeter kann bereits 30% des Sounds durchlassen. Das Erzeugen eines luftdichten Raums ist der erste Schritt in einer erfolgreiche Schallisolation. Die Verbindungen der einzelnen Räume (also eben Fenster und Türen) besitzen auch bedeutend mehr Möglichkeiten Schall durchzulassen. Alle Ecken, Spalte, Rahmen für die Türen und Fenster müssen deshalb mit Silikon abgedichtet werden. Denkt dran, dass wenn Luft durch die Spalte geraten kann, dann ist dies auch der Fall für Schallwellen.

Kommerzielle & private Studios

Das kommerzielle Studio existiert um zahlenden Kunden den optimalen Service anbieten zu können. Sie wurden errichtet um dem anspruchsvollen Künstler zu genügen. Das ultimative Ziel eines kommerziellen Studios ist es einen Profit zu machen. Top Aufnahmekünstler besitzen ein entsprechend grosses Budget um den gewünschten, ultimativen Sound zu erhalten. Vielen Künstlern gefallen die voll ausgestatteten Studios in denen sie alles finden was es braucht, um eine reibungslose Produktion zu ermöglichen.

Plan de groupeDas Studio Equipment ist dort immer auf dem neusten Stand und der Künstler wird nur die exklusivsten (und teuersten) Geräte vorfinden. Kommerzielle Studios kaufen konstant die neusten Geräte um die neusten, bahnbrechendsten Produktionen ermöglichen zu können. Die grössten Studios besitzen natürlich auch eine Sammlung an Vintage Equipment. Dieses Equipment besitzt einen ganz eigenen Charakter und kann eine wichtige Rolle spielen, wenn man auf der Suche nach einem alternativen Sound ist.

Die Studio Mitarbeiter stehen dem Künstler, Tontechniker oder Produzent für alle möglichen Anfragen zur Verfügung. High-End 'Full Service' Studios können für alle Arten von Situationen ohne Probleme benutzt werden: Sei dies für eine einfache Rock Band bis hin zu einem grossen klassischen Orchester. In den meisten Studios arbeiten sogenannte 'Runner' oder Praktikanten, die alles tun, was man von ihnen verlangt. So kann es vorkommen, dass man in gewissen Studios dem Praktikanten beim Autowaschen oder Rasenmähen zusehen kann.

Der Assistant Engineer hat in den meisten Fällen ein weitreichendes Wissen wie der Raum eingerichtet ist und kann häufig schnell auf alle Arten von Wünschen eingehen. Er wird zur rechten Hand des Tontechnikers indem er alle Mikrofone verkabelt und das Outboard Equipment in der Patchbay verbindet. Der Job des Assistant Engineers ist mehr oder weniger grenzenlos. So kann es auf jeden Fall auch nicht schaden, wenn man in dieser Position eine gute Tasse Kaffee zustande bringt.
Gewisse Sessions können ohne weiteres über Tage hinweg andauern und kommerzielle Studios sind für diese lange Arbeitstage eingerichtet. Techniker sind zu jeder Zeit erreichbar, sollte einmal ein technisches Problem auftreten. Studio Equipment ist an sich ziemlich heikel und kann dementsprechend auch oft mal defekt sein. Häufig ist aber  bei einer Fehlfunktion auch die Schuld beim Anwender selber zu suchen, und wenn der Assistent den Fehler nicht finden kann, dann muss es ein Techniker richten können.

Gewisse grössere Studios wurden auch mit verschiedenen Sicherheitsvorrichtungen ausgestattet um Projekte vor der Aussenwelt abschirmen zu können. So ist es bei gewissen Studios schwierig überhaupt einen Fuss hinein zu setzen, ohne vorher einen Termin vereinbart zu haben. Zudem besitzt jedes grossartige Studio eine Liste an zuverlässigen Empfehlungen für Musiker, Tontechniker und Produzenten – sollten diese nicht bereits zum fixen Team gehören.

Auf was man achten sollte

Plan de groupeHaltet nach Studios Ausschau, die mit Eurem Künstler vergleichbare Aufnahmen realisiert haben. Dazu könnt Ihr einfach mal ein paar Alben nehmen und nachschauen, wo und von wem diese aufgenommen wurden. Ihr werdet erstaunt sein wie häufig sich da gewisse Namen wiederholen. Schaut Euch die Diskographie des Studios an um abschätzen zu können, wieviel Erfahrung das Studio bereits besitzt. Wenn schon viele Hits dort produziert wurden, dann ist dies sicherlich ein guter Hinweis darauf, dass jemand seinen Job richtig macht. Der Tontechniker sollte ebenfalls im Voraus kontaktiert werden, um sicher zu stellen, dass alles benötigte Equipment und die richtige Software vorhanden ist.

Wenn alles sauber und gut gewartet ist, dann ist das sicher auch ein Beweis dafür, dass Eure Aufnahmen gut aufgehoben sind. Ein kurzer Blick um Abzuklären, ob alle Lämpchen auf den Geräten und dem Mischpult auch funktionieren, ist eine gute Art und Weise festzustellen, ob das Equipment auch regelmässig gewartet wird.
Eine höfliche und professionelle Atmosphäre ist natürlich auch essentiell für den gesamten Prozess. Niemand möchte während einer Aufnahmesession mit einer launischen Einstellung umgehen müssen. Während der gebuchten Studiozeit ist der Künstler der einzige Stern der zu leuchten hat. Deshalb ist es auch so wichtig ein Studio zu finden, in dem man sich uneingeschränkt wohl fühlt. Man wird dort viele Stunden in kleinen Räumen verbringen...

Das Privatstudio

Viele Produzenten und Tontechniker besitzen ihr eigenes Studio. Es ist heutzutage schon fast üblich, dass man ein Aufnahmebudget zum Kauf von Studioequipment einsetzt. Der Vorteil davon ist natürlich, dass einem das Equipment am Ende der Session auch gehört. Ein anderer Vorteil ist, dass man nicht mehr stündlich für die Studiobenutzung zahlen muss. Im Schnitt zahlt man dafür schliesslich häufig €50 bis €250 die Stunde.
In einem Privatstudio kann man sich besser von der Aussenwelt abschirmen und einfacher eine Privatsphäre etablieren.
Es ist äusserst wichtig alle Sessions unter einem gewissen Schleier verdeckt zu halten. Neue Musik wird überall produziert und es ist wichtig, dass diese nicht in die falschen Hände gerät. Sollte diese zu früh an die Öffentlichkeit geraten, so könnte eine potentiell Hit-Single schnell an Momentum verlieren. Noch schlimmer wäre natürlich wenn ein anderer Künstler den Song stehlen würde – all dies Gründe für ausreichend Sicherheit und Privatsphäre.

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