Stahlsaitengitarren
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Einführung

Abnahmesysteme für akustische Gitarren in Pop/Rock Bands
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Wer sich schon einmal ernsthaft mit den Abnahmesystemen für akustische Gitarren auseinandergesetzt hat, merkt schon bald, dass deren Einsatzbereiche schnell an akustische und klangliche Grenzen stossen. Seit die Firma Ovation Ender der 60er Jahre ihre auf den Live-Einsatz spezialisierten Gitarren auf den Markt gebracht hat1, denkt man bei der Verstärkung akustischer Gitarren an einen leicht glasigen, klaren Sound, der jedoch nicht mehr viel mit dem eigentlichen Klang des Instruments zu tun hat.

Wer sich schon einmal ernsthaft mit den Abnahmesystemen für akustische Gitarren auseinandergesetzt hat, merkt schon bald, dass deren Einsatzbereiche schnell an akustische und klangliche Grenzen stossen. Seit die Firma Ovation Ender der 60er Jahre ihre auf den Live-Einsatz spezialisierten Gitarren auf den Markt gebracht hat, denkt man bei der Verstärkung akustischer Gitarren an einen leicht glasigen, klaren Sound, der jedoch nicht mehr viel mit dem eigentlichen Klang des Instruments zu tun hat. Seither hat sich zwar viel bewegt und eine Menge neuer Materialien, Vorverstärker, Spezialgitarren und Verstärker sind auf den Markt gekommen. Dennoch sind immer noch die wenigsten dieser System wirklich für den Einsatz in einer Rock-, oder Pop-Band geeignet, oder für das Budget einer durchschnittlichen Band zahlbar.

Ein weiteres Problem ist auch die Bezahlbarkeit eines guten Systems. Die meisten Bands spielen eben nicht in der St. Andrews Hall, sondern auf Parties, in Clubs, oder kleineren Open Airs. Ein Gitarrist besitzt häufig auch mehrere Instrumente und hat aller Wahrscheinlichkeit nach einen grossen Teil seines Geldes bereits in seine E-Gitarre, Verstärker und Effekte investiert. Für eine akustische Gitarre bleibt da häufig nicht mehr so viel Geld.

Erschwerend kommt noch dazu, dass die akustische Gitarre dieselben Frequenzen wie die E-Gitarre, Teile des Schlagzeugs und auch Teile der Bassgitarre abdeckt und wegen ihres Resonanzkorpus eigentlich gar nicht für hohe Lautstärken geeignet ist.

 

Abgrenzung

In diesem Artikel wird untersucht, welches Abnahmesystem sich für einen lauten Live-Einsatz von Stahlsaitengitarren wohl am besten eignen würde. Die hier stattfindende Abgrenzung wird deshalb vorgenommen, um die Untersuchungen möglichst praxisnah und für die meisten Live-Musiker relevant zu halten. Grosse Künstler wie Dave Matthews, besitzen eine spezielle Gitarre, teure Vorverstärker und Effekte, ein hochwertiges Monitoring, und einen professionellen Tontechniker. Leider sieht die Realität für die meisten Bands anders aus. Aus diesem Grund werden folgende Abgrenzungen vorgenommen:

1. Das System soll für die verschiedensten Auftrittsorte geeignet sein (mit oder ohne Monitoring, Mischpult, Tontechniker, etc.)

2. Das System darf inklusive Gitarre nicht mehr als €1'000 kosten. Besucht man die Websiten der grössten Online Musikläden, oder stattet den lokalen Gitarrenläden einen Besuch ab, so kommt man zu der Erkenntnis, dass es für professionelle Anwendungen in einem Preissegment von €400 bis €700 bereits Modelle mit hochwertigen Tonabnehmern gibt. Möchte man aber zusätzliche Modifikationen vornehmen, so sollte man sich nach oben noch ein wenig Reserven lassen. Aus diesem Grund wurde die Budgetgrenze auf €1'000 gesetzt.

3. Das System sollte möglichst praxisnah sein. Wenn möglich sollte man somit auf spezielle Steckverbindungen, komplexe Montageanforderungen und eine unübersichtliche Bedienung verzichten. Während man im Studio noch Zeit, Licht und Geduld hat, so sind diese drei Faktoren auf der Bühne häufig eine Rarität.

4. Das System sollte mit dem bestehenden Equipment das Optimum erzielen. Besitzt jemand zum Beispiel bereits eine akustische Gitarre, dann wäre es von Vorteil, wenn man diese für den Live-Einsatz umbauen könnte, anstatt ein komplett neues System kaufen zu müssen.

5. Das System sollte ausbaufähig sein. Es sollte also vermieden werden, dass man wegen der Budgetgrenze einen Kompromiss eingeht, der zu einem späteren Zeitpunkt eine komplette Neuinvestition erfordert.



Gitarren

Ein Faktor, der vor allem beim Neukauf einer Stahlsaitengitarre zu beachten ist, sind die verwendeten Hölzer. Kauft man seine akustische Gitarre vor allem für zu Hause, so sollte die Decke unbedingt massiv sein und - wenn das Budget es zulässt - der Korpus ebenfalls. Beim Korpus ist man sich im Allgemeinen einig, dass die verschiedenen Palisanderarten die besten Resultate bringen1, doch auch Mahagoni und Ahorn sind sehr beliebt.

Möchte man jedoch die Gitarre für Live-Auftritte verwenden (oder für beide Einsatzbereiche optimieren), so ändern sich die Dinge ein wenig. Man sollte bei einer Live-Anwendung vor allem die Rückkoppelung bei höheren Lautstärken in den Griff bekommen. Aus diesem Grund ist ein laminierter Korpus empfehlenswert: Dieser schwingt weniger mit und drückt den Klang kräftiger nach vorne. Es empfiehlt sich auch eine Gitarre mit Hochglanzlackierung zu kaufen, da diese gegenüber Modellen mit einer matten Lackierung mehr Deckenspannung besitzen. Zuletzt sollte man auf die Konstruktion selber achten und ein Modell wählen, dessen Korpus nicht zu dünn konstruiert wurde.

Abschliessend sollten hier noch die speziellen 'Silent' Gitarren von Yamaha und professionelle akustisch/elektrische Modelle von Herstellern wie Godin erwähnt werden. Silent Gitarren kosten um die €800 und sind im Wesentlichen elektrische Gitarren mit akustischen Tonabnehmern. Der grosse Vorteil liegt in der Konstruktion, die für sich vollkommen Resistent gegen Rückkoppelungen ist. Das Design dieser Instrumente ist jedoch stark Geschmackssache und erinnert nicht einmal annähernd an eine Stahlsaitengitarre.

Das gleiche Problem haben auch die Modelle des kanadischen Herstellers Godin. Dies sind akustische Gitarren, deren Abmessungen und Konstruktion in etwa einer elektrischen Gitarre entsprechen, jedoch mit für einen Live-Einsatz optimierte Abnahmesystemen bestückt wurden. Der grosse Vorteil dieser Instrumente ist ganz klar der Klang. Der grosse Nachteil liegt abermals am Design (das eher an eine E-Gitarre erinnert) und zusätzlich noch im Preis von über €1'500.

Tonabnehmer: Übersicht

Wenn man sich ein wenig auf dem Markt umschaut und bei Musikern, wie Gitarrenbauern nachfragt, dann findet man im Wesentlichen drei unterschiedliche Arten der Tonabnehmer:

1. Mikrofone (Kondensatormikrofone, dynamische Mikrofone, Kontaktmikrofone, etc.)
2. Transducer Tonabnehmer (Piezo, BBand, etc.)
3. Magnetische Tonabnehmer


Da in diesem Artikel der Einsatz bei hohen Pegeln im Fokus steht, können bereits hier gewisse Einschränkungen vorgenommen werden. Generell ist der grosse Nachteil von Mikrofonen, dass sie ab einem gewissen Pegel zu Rückkoppelungen neigen. Auch wenn deren Einsatz bei einem Solokonzert, oder in einem kleineren Ensemble angebracht sein kann, so sind sie nicht für das Zusammenspiel mit einem Schlagzeug geeignet. Klanglich hat ein Kondensatormikrofon im Studio klare Vorteile, doch in diesem Test werden  Mikrofone mit offenen Kapseln nicht weiter besprochen.

Eine weitere Gruppe stellen die sogenannten 'Transducer' Tonabnehmer dar, welche allesamt unter dem Steg der Gitarre montiert werden. Das Wort Transducer bedeutet  'Energieumwandler' und steht physikalisch gesprochen für alle Arten der Schallwandler (also auch Mikrofone und magnetische Tonabnehmer). Liest man aber die Produktbeschreibungen verschiedener Hersteller akustischer Tonabnehmer, so wird dieser Begriff aus marketingtechnischen Gründen häufig mit Abnahmesystemen gleichgesetzt, die unter dem Steg des Instruments eingebaut werden. Für diesen Test wurden drei der bekanntesten Hersteller solcher Lösungen gewählt:

- Fishman (Piezo-Technologie) - https://www.fishman.com/
- BBand (Emfit-Technologie: elastischer Electret-Film ) - http://www.b-band.com/
- L.R.Baggs (i-Beam Technologie) - https://www.lrbaggs.com/

Diese drei Marken sind die meistverbreiteten Hersteller und vor allem BBand und Fishman  können häufig in elektroakustischen Stahlsaitengitarren gefunden werden. Vor allem die Piezo-Technologie wird aber auch von vielen anderen Herstellern angeboten - häufig jedoch in minderer Qualität. Die anderen beiden Marken verwenden selbst entwickelte Materialien, die sich klanglich mehr oder weniger stark von der Piezo-Technologie unterscheiden.

Die Testaufnahmen in den folgenden Beispielen wurden jeweils ohne EQ direkt ins Mischpult aufgenommen und lediglich normalisiert. Kleinere Unterschiede im Ausgangspegel dieser Systeme waren weniger wichtig, als die unterschiedlichen Frequenzspektren und das dynamische Ansprechverhalten. 

Kontaktmikrofone

Eine spezielle Rolle innerhalb der Mikrofone nehmen sogenannte Kontaktmikrofone ein. Dies sind speziell konstruierte Kondensatormikrofone, die auch als Körperschallwandler bezeichnet werden. Sie arbeiten nach einem 'elektrostatischen Arbeitsprinzip, das auf die direkten Vibrationen des Musikinstruments reagiert.' Man erhält also eine Kapsel, welche über eine spezielle Kontaktpaste direkt auf das Instrument montiert wird. Somit ist das System gegenüber äusserlichen Einwirkungen relativ resistent, auch wenn es sich immer noch um ein Mikrofon handelt. Hersteller wie AKG mit ihrem C411L und vor allem die Firma Schertler sind in diesem Bereich die wichtigsten Hersteller. Für diesen Test wurde  ein Basik Tonabnehmer von Schertler gewählt.

Ein Kontaktmikrofon wie der Basik Tonabnehmer kann eigentlich überall montiert werden und eignet sich auch für Mandolinen, Cellos und dergleichen. Am wichtigsten ist bei diesem System die Platzierung, da nur schon wenige Zentimeter einen grossen klanglichen Unterschied machen können. Um möglichst viel Anschlagsdynamik einzufangen, empfiehlt sich deshalb bei Stahlsaitengitarren die Montage des Stegs in der Nähe des Tonabnehmers.




B














Betrachtet man die Wellenform unseres Klangbeispiels, so erkennt man ein relativ dynamisches Signal, dass bei leiseren Passagen aber immer noch einen schönen Pegel besitzt. In der Spektralanalyse erkennt man auch, dass das Frequenzspektrum etwa von 80 Hz bis 8 kHz geht.

Zusammenfassend lassen sich folgende Vor- und Nachteile definieren:

+ Unabhängig vom Instrument
+ Echtes Mikrofon mit einem natürlichen Klang
+ Sehr vielseitig (kann auch für andere Instrumente verwendet werden
+ Sehr dynamisch

- Nebengeräusche (Trittschall, Kabel schlägt auf Korpus)
- Platzierung teilweise nicht ganz einfach
- Sehr dynamisch! (dies ist vor allem in lauten Umgebungen ein Nachteil)
- Feedback

Diese Art der Abnahme eignet sich wirklich hervorragend für eine Menge Anwendungen und kann wegen ihrer Vielseitigkeit jedem Tontechniker empfohlen werden. Da ein Kontaktmikrofon aber besonders in lauten Umgebungen immer noch für Rückkoppelungen anfällig ist, und die hohe Dynamik sich nicht so gut in einem Mix einbetten lässt, eignet es sich jedoch nicht für das festgelegte Einsatzgebiet.

Transducer: 'Fishman' Piezo

Die Begriffe 'Transducer' und 'Piezo' werden bei den Tonabnehmern nicht mehr in ihrer eigentlichen Bedeutung verwendet. Ursprünglich stand der Begriff Piezoelektrizität für alle Materialien, welche durch mechanischen Druck einen Stromfluss erzeugen können. Liest man jedoch den Begriff Piezo bei den bekannten Herstellern von Tonabnehmern1, so wird gelegentlich auch gerne darauf verwiesen, dass wegen einem neuen Material auf 'Piezos' verzichtet wurde, dies aber, wenn man es genau nimmt, nicht der Fall ist.

Weitere Informationen zu diesem Thema: https://de.wikipedia.org/wiki/Piezoelektrizität

'Fishman'-Piezo

Der Piezo-Tonabnehmer von Fishman besteht aus einem piezoelektrischen Kristall, der über ein aktives Vorverstärkersystem im Pegel angepasst wird. Die Abnahme findet, wie bereits erwähnt, unter dem Steg des Instrumentes statt und ist somit ziemlich direkt. Man sollte den Einbau auf jeden Fall von einem Fachmann durchführen lassen, da die Stege akustischer Gitarren häufig nicht sehr sorgfältig ausgefräst wurden und somit nicht immer eine ebene Oberfläche gewährleistet ist. Zudem haben diese Elemente eine Dicke von ca 2mm und diese zusätzliche Masse muss bei der Stegeinlage wieder kompensiert werden.

Betrachtet man die Wellenform unseres Beispiels, so sieht man im Vergleich zum Kontaktmikrofon ein etwas ausgewogeneres Signal. Dies fällt vor allem bei den leisen Passagen auf. Im der Spektralanalyse sieht man den Unterschied noch deutlich besser und erkennt sofort, dass das Signal jetzt über weitaus mehr Mitten verfügt. Ein Piezokristall hat zudem die Eigenschaft über alle Frequenzen Energien aufzunehmen. So fällt bei den lauten Passagen auf, dass das Signal bis hinauf zu 20 kHz reicht und in den Bässen bei ca. 50 Hz ein Störsignal aufgenommen wurde.




















Zusammenfassend lassen sich somit folgende Vor- und Nachteile definieren
:

+ Kein Feedback
+ Höhen und Mitten werden sehr klar übertragen
+ Transienten (klarer 'Attack')

- Trockener, glasiger Sound
- Grosse Qualitätsunterschiede bei verschiedenen Herstellern (es lohnt sich, auf bekannte Marken zu achten)
- Alle Frequenzen werden übertragen (Lo-Cut benötigt)
- Erfordert möglichen Einbau (wenn nicht bereits vorhanden)
- Entspricht nicht immer der natürlichen Dynamik der Gitarre

Auch wenn es scheint, als ob der 'Fishman'-Piezo (oder piezoelektrischen Kristall) mehr Nachteile als Vorteile hat, so kann er sich doch sehr gut durchsetzen und die Vorteile gleichen vor allem für den angestrebten Einsatzbereich die Nachteile aus.

L.R.Baggs 'Piezo'


Die Tonabnehmer der Firma L.R.Baggs sind der des piezoelektrischen Kristalls sehr ähnlich, doch es handelt sich hier um eine piezoelektrische Keramik. Was die genaue Beschaffenheit ihrer Werkstoffe betrifft, so geben sich beide Hersteller übrigens äusserst bedeckt, dennoch kann dieser grundlegende Unterschied den Produktbeschreibungen der beiden Hersteller entnommen werden

Der L.R.Baggs Tonabnehmer wird gleich verbaut wie der eben besprochene Fishman Tonabnehmer. Die wichtigsten Unterschiede werden dann auch erst beim Studium des KIangbeispiels ersichtlich. Die Wellenform des L.R.Baggs entspricht zwar in etwa derjenigen des Fishman, doch beim Betrachten der Spektralanalyse sieht man, dass sich das gesamte Frequenzband in die unteren Mitten verschoben hat. Das Resultat ist ein weniger aggressiver Klang, der bei ca. 600 Hz in den Höhen stark abfällt.




Zusammenfassend lassen sich gegenüber dem Fishman folgende Unterschiede definieren:

+ Etwas 'samtiger' als Piezo

- Frequenzspektrum mit mehr Mitten und weniger Höhen
- Tonabnehmer von L.R. Baggs sind im Vergleich teuer

Auch dieses System eignet sich durchaus für laute Bühnen, hat aber gegenüber den Tonabnehmern der Firma Fishman ausser dem Preis keine essentiellen Unterschiede.



Die Tonabnehmer der Firma L.R.Baggs sind der des piezoelektrischen Kristalls sehr ähnlich, doch es handelt sich hier um eine piezoelektrische Keramik. Was die genaue Beschaffenheit ihrer Werkstoffe betrifft, so geben sich beide Hersteller übrigens äusserst bedeckt, dennoch kann dieser grundlegende Unterschied den Produktbeschreibungen der beiden Hersteller entnommen werden 1 2



Der L.R.Baggs Tonabnehmer wird gleich verbaut wie der eben besprochene Fishman Tonabnehmer. Die wichtigsten Unterschiede werden dann auch erst beim Studium des Klangbeispiels ersichtlich. Die Wellenform des L.R.Baggs (Stück 3 auf der separaten Audio-CD) entspricht zwar in etwa derjenigen des Fishman, doch beim Betrachten der Spektralanalyse sieht man, dass sich das gesamte Frequenzband in die unteren Mitten verschoben hat. Das Resultat ist ein weniger aggressiver Klang, der bei ca. 600 Hz in den Höhen stark abfällt.



Zusammenfassend lassen sich gegenüber dem Fishman folgende Unterschiede definieren:
+ Etwas 'samtiger' als Piezo
- Frequenzspektrum mit mehr Mitten und weniger Höhen
- Tonabnehmer von L.R. Baggs sind im Vergleich teuer



Auch dieses System eignet sich durchaus für laute Bühnen, hat aber gegenüber den Tonabnehmern der Firma Fishman ausser dem Preis keine essentiellen Unterschiede.

1http://www.b-band.com/index.php?page=company

2https://www.fishman.com/products/details.asp?id=3


BBand 'Transducer'

Das Transducer System der Firma BBand verwendet laut Hersteller ein vollkommen neues Material. Auch hier handelt es sich wieder um ein Betriebsgeheimnis (der Hersteller beharrt darauf seine Systeme nicht Piezo zu nennen), doch im Wesentlichen soll es sich um einen Film mit magnetisch geladenen Partikeln handeln, in dem mikroskopisch kleine Luftbläschen eingelassen wurden. Durch mechanischen Druck findet dann eine magnetische Induktion statt. Dieses System wird ebenfalls unter dem Steg der Gitarre verbaut, ist in jedem Fall aktiv und benötigt einen eingebauten Vorverstärker.

Betrachtet man die Wellenformen des Klangbeispiels, so fällt eine stärkere Komprimierung des Signals gegenüber den bisherigen Systemen auf. Das Signal wirkt leicht gesättigt. Bei den leiseren Passagen ist der Pegel dagegen ziemlich leise - der Tonabnehmer hat also eine höhere Dynamik als Piezo-Tonabnehmer. Das Frequenzspektrum ist wieder breiter als beim L.R.Baggs und befindet sich wieder mehr in den oberen Mitten. Der BBand reicht nach unten bis etwa 40 Hz und nach oben bis etwa 8kHz. Somit ist das Signal sehr ausgewogen, dynamisch und etwas wärmer als die beiden vorherigen Piezo-Systeme .



Zusammengefasst heisst dies also:


+ Leicht komprimierter Sound bei hohen Pegeln (wie ein dynamisches Mikrofon)
+ Ausgewogene Dynamik
+ 'Holz' kommt mehr zur Geltung
- Viel Mitten und wenig 'Attack' (optimal für Solo Konzerte)
- Leise Passagen haben weniger Pegel als die anderen Tonabnehmer

Somit entspricht der BBand zwar unseren Anprüchen und tönt vor allem Solo sehr natürlich und ausgewogen. Bei höheren Pegeln fehlen ihm aber ein wenig die Transienten, weshalb er sich für laute Bühnen auch nur bedingt eignet. Da jedoch viele Gitarren unter €600 genau mit so einem System bestückt wurden, kann an dieser Stelle aber auch nicht vom BBand abgeraten werden - dafür sind die Unterschiede dann doch wieder zu unbedeutend.

Magnetische Tonabnehmer

Der magnetische Tonabnehmer ist eigentlich auch die älteste Variante. Für lange Zeit wurde auf die Möglichkeit magnetischer Tonabnehmer verzichtet, da sie nicht im Stande waren, brauchbare Höhen zu produzieren. Die neuste Generation dieser Modelle besitzt jedoch eine aktive Elektronik und wurde als Humbucker-System ausgelegt (zwei Abnehmer, welche das Signal in der Phase verschoben aufnehmen und ähnlich einem symmetrierten Signal auf diese Weise Störgeräusche eliminieren).

Häufig werden diese Tonabnehmer im Schalloch der Gitarre montiert, es gibt jedoch auch Modelle, welche sich am Ende des Halses befestigen lassen. Sie zeichnen sich vor allem durch ihren Druck aus und erzeugen auch bei starkem Plektrumspiel keine Verzerrungen.

Die Wellenform unseres Beispiels ist in den lauteren Passagen leicht komprimiert und erzeugt ein druckvolles Signal. Der leisere Teil wird hier von allen fünf Tonabnehmern am lautesten übertragen. In der Spektralanalyse wird ersichtlich, dass ein aktiver magnetischer Tonabnehmer vor allem bei 80 Hz bis 8 kHz anspricht und bis zu 1 kHz ein sehr ausgewogenes Klangbild erzeugt. Klanglich besitzt das Signal ein bisschen weniger 'Luft' als die anderen Tonabnehmer, doch für den Einsatz auf lauten Bühnen scheint sich dieses System wirklich sehr gut zu eignen.



Folgende Merkmale können zusammengefasst werden:


+ Kein Feedback
+ Mitten mit viel Druck
+ Kann fix oder temporär installiert werden
+ Kann auch über einen Verstärker für elektrische Gitarren gespielt werden
- Eher trockener Sound (nicht sehr 'akustisch')
- Frequenzspektrum mit mehr Mitten und weniger Höhen als Piezo-Systeme


Praktisches Beispiel

Um auf einer lauten Bühne neben dem Schlagzeuger genug Druck und Pegel zu erzeugen, scheint sich der Einsatz eines magnetischen Tonabnehmers dringend zu empfehlen. Häufig sind jedoch in vielen akustischen Gitarren bereits Tonabnehmersysteme verbaut und es stellt sich die Frage, ob man dieses nun ausbauen sollte? Dies wäre auf jeden Fall eine Verschwendung, zumal Piezo-, oder BBand-Systeme auch klangliche Vorteile besitzen. Häufig muss eine akustische Gitarre nicht nur in einem vollen Arrangement bestehen, sondern wird auch in den Anfängen und Schlüssen der Songs eingesetzt. Unter dem Steg verbaute Tonabnehmer haben den Vorteil, dass sie die Saitenschwingung direkter übernehmen und somit in den Höhen frischer und akustischer klingen. Optimal wäre als ein System, in dem beide Tonabnehmer kombiniert, oder separat verwendet werden können.

Wie man ein solches System mit einer Gitarre realisieren könnte, die bereits einen eingebauten Tonabnehmer besitzt, soll im folgenden Kapitel aufgezeigt werden.

Praktisches Beispiel

Für dieses Beispiel wurde eine akustische Gitarre des Herstellers Norman verwendet, in der bereits ein Fishman Tonabnehmer verbaut war. Diese Gitarre kostet neu in etwa € 600 und kann in dieser Preisklasse mit Modellen anderer Hersteller verglichen werden. Für den Einbau wurde der Tonabnehmer SH-145 von Shadow Electronics genommen, da er in einem Test des Fachblattes 'Akustikgitarre'  am besten abgeschnitten hatte.

Um die bestehende Elektronik nicht zu beeinflussen, und sich möglichst viele Optionen frei zu halten, wurde beschlossen, der Gitarre einen separaten, zweiten Ausgang zu verleihen. Auf diese Art kann man zwischen den Tonabnehmern wählen, sie beide über ein Mischpult schicken, oder über ein Y-Kabel zu einem Monosignal zusammenführen. Man hat aber auch die Möglichkeit den magnetischen Tonabnehmer über seinen E-Gitarrenverstärker zu schicken und nur das andere Signal über ein Mischpult laufen zu lassen. Hat man einmal in der Zukunft dann einmal genug Geld, um sich einen Akustikverstärker zu leisten, so ermöglicht dies entweder den Betrieb über zwei Verstärker (mehr Pegel), oder eine feine klangliche Einstellung über einen Verstärker.


Nach dem Einbau des magnetischen Tonabnehmers galt es immer noch den Rückkoppelungen so stark wie möglich zu unterdrücken. Zwar lässt sich eine gewisse Eigenschwingung der Decke nicht verhindern, doch sie kann man mit Hilfe eines 'Feedbackbuster' (ein Einschub aus Gummi, der im Schallloch der Gitarre platziert wird) minimiert werden. Um dem magnetischen Tonabnehmer genügend Platz zu lassen, musste der Einsatz in drei Teile zerlegt werden.

Um auf einer lauten Bühne neben dem Schlagzeuger genug Druck und Pegel zu erzeugen, scheint sich der Einsatz eines magnetischen Tonabnehmers dringend zu empfehlen. Häufig sind jedoch in vielen akustischen Gitarren bereits Tonabnehmersysteme verbaut und es stellt sich die Frage, ob man dieses nun ausbauen sollte? Dies wäre auf jeden Fall eine Verschwendung, zumal Piezo-, oder BBand-Systeme auch klangliche Vorteile besitzen. Häufig muss eine akustische Gitarre nicht nur in einem vollen Arrangement bestehen, sondern wird auch in den Anfängen und Schlüssen der Songs eingesetzt. Unter dem Steg verbaute Tonabnehmer haben den Vorteil, dass sie die Saitenschwingung direkter übernehmen und somit in den Höhen frischer und akustischer klingen. Optimal wäre als ein System, in dem beide Tonabnehmer kombiniert, oder separat verwendet werden können.

Wie man ein solches System mit einer Gitarre realisieren könnte, die bereits einen eingebauten Tonabnehmer besitzt, soll im folgenden Kapitel aufgezeigt werden.



3. Praktisches Beispiel

3.1. Umbau

Für dieses Beispiel wurde eine akustische Gitarre des Herstellers Norman verwendet, in der bereits ein Fishman Tonabnehmer verbaut war. Diese Gitarre kostet neu in etwa € 600 und kann in dieser Preisklasse mit Modellen anderer Hersteller verglichen werden. Für den Einbau wurde der Tonabnehmer SH-145 von Shadow Electronics genommen, da er in einem Test des Fachblattes 'Akustikgitarre' am besten abgeschnitten hatte1.



Um die bestehende Elektronik nicht zu beeinflussen, und sich möglichst viele Optionen frei zu halten, wurde beschlossen, der Gitarre einen separaten, zweiten Ausgang zu verleihen. Auf diese Art kann man zwischen den Tonabnehmern wählen, sie beide über ein Mischpult schicken, oder über ein Y-Kabel zu einem Monosignal zusammenführen. Man hat aber auch die Möglichkeit den magnetischen Tonabnehmer über seinen E-Gitarrenverstärker zu schicken und nur das andere Signal über ein Mischpult laufen zu lassen. Hat man einmal in der Zukunft dann einmal genug Geld, um sich einen Akustikverstärker zu leisten, so ermöglicht dies entweder den Betrieb über zwei Verstärker (mehr Pegel), oder eine feine klangliche Einstellung über einen Verstärker.



Nach dem Einbau des magnetischen Tonabnehmers galt es immer noch den Rückkoppelungen so stark wie möglich zu unterdrücken. Zwar lässt sich eine gewisse Eigenschwingung der Decke nicht verhindern, doch sie kann man mit Hilfe eines 'Feedbackbuster' (ein Einschub aus Gummi, der im Schallloch der Gitarre platziert wird) minimiert werden. Um dem magnetischen Tonabnehmer genügend Platz zu lassen, musste der Einsatz in drei Teile zerlegt werden.



1S. Woldach: Schalloch Tonabnehmer, Akustik Gitarre (2006/01)


Tipps zum Live Einsatz

Mehrere Tests im Bandraum und bei einer kleineren Aufführung, ergaben ein insgesamt sehr befriedigendes Resultat dieser Lösung. Der Pegel war sehr präsent und das Signal durchsetzungsfähig und ausgewogen. Auch Rückkoppelungen traten keine wesentlichen auf und die verschiedenen Spieltechniken wie Schrummen und Picking kamen alle gut zur Geltung.
Um das Optimum aus diesem System zu holen, lohnt es sich beim Vorverstärker des Piezos die Bässe ziemlich stark abzusenken (dafür liefert der magnetische Tonabnehmer bereits genug Signal). Auch die Höhen sollten nicht zu stark betont werden - einzig die 'Brilliance' (also Höhen über 5 kHz) kann man anheben. Der Anteil des Piezosystems sollte bei etwa 30% liegen.

Auch das kombinierte Signal sollte in den Bässe stark abgesenkt werden (sonst konkurrenziert man nur unnötig mit dem Bassisten). Wenn sich auf dem Mischpult, oder Verstärker ein parametrischer EQ befindet, dann lohnt es sich hier auch die Resonanzen der Mitten zu finden und entsprechend abzusenken, um Rückkoppelungen in diesem Frequenzbereich vorzubeugen und das Signal weiter auszudünnen. Die Höhen dagegen können ganz nach Geschmack ein wenig angehoben werden, bis das Signal akustisch genug klingt und sich gut im Mix durchsetzen kann.


Abschlussgedanken

Ausser dem Kontaktmikrofon können die anderen vier beschriebenen Tonabnehmer eigentlich ganz gut auf lauten Bühnen eingesetzt werden. So richtig Druck erhält man jedoch erst mit einem magnetischen Tonabnehmer, und einen richtig schönen Sound eigentlich erst, wenn man die Vorzüge verschiedener Systeme kombiniert. Wie bereits erwähnt, kann dieses System auch mit einem BBand, oder einem L.R.Baggs realisiert werden. Wichtig ist am Ende, dass man für sein Geld das Optimum erhält und dann eine Lösung besitzt, die auch in Zukunft noch ausgebaut werden kann.
Bleibt noch die Frage, ob dieser Umbau auch unter dem angestrebten Budget realisiert werden konnte. Hier eine Auflistung der Kosten:

'Norman' mit eingebautem Tonabnehmer €600
Tonabnehmer 'Shadow SH-145' €140
Arbeitsaufwand 2 std (Gitarrenbauer) €100
Feedback Buster
€12
Total 
€852

Es ist also durchaus möglich schon weit unter €1'000 ein wirklich professionelles und hochwertiges System zu besitzen, das auch auf lauten Bühnen eine gute Figur macht. Dieses System kann natürlich auch mit Tonabnehmern von L.R.Baggs, oder BBand realisiert werden und soll mehr als Denkanstoss für eine eigene Lösung dienen.

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