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Was bedeutet eigentlich 'Sample Accurate' überhaupt?

Timing ohne Raum für Diskussionen
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Wer denkt, dass 'Sample Accurate' etwas mit zufälligen Doping Kontrollen zu tun hat, der hat sich wahrscheinlich auf dem Internet etwas verirrt. Wer diesen Begriff jedoch im Zusammenhang mit digitalen Übertragungen, Loop Timing, Edits und ähnlichen Begriffen gehört hat, der ist genau auf dem richtigen Weg. Unsere Mission in diesem Artikel ist es, dem Begriff 'Sample Accurate' auf den Boden zu gehen und zu erklären, wie sich dies auf das Aufnehmen und Editieren auswirkt.

Zuerst die Grundlagen: Im Umgang mit Audiomaterial besteht das kleineste Element eines Signals aus einem 'Sample', welches über eine gewisse Länge und einen gewissen Wert verfügt. Für die Dauer dieses Artikels kümmern wir uns mal nicht um den Wert, sondern nur um die Länge. Bei einer Sample Rate von 44.1 kHz gibt es so zum Beispiel 44'100 Samples pro Sekunde. Aus diesem Grund hat jedes Sample eine Länge von exakt 0.02267573696 Millisekunden (da könnt Ihr mir vertrauen) und es gibt 44.1 Samples pro Millisekunde.

 

Auf Samples genaue Transfers und Edits

Schauen wir uns mal einen auf Samples genauen Transfer an, wie er zum Beispiel beim Transfer von einem ADAT Band auf eine Digital Audio Workstation (DAW) zur Anwendung kommt. Nimmt man den Nullpunkt eines Bandes, so fängt die Gitarre bei 670'020 Samples an zu spielen und hört bei 900'347 wieder auf. Bei einem Sample genauen Transfer werden diese Werte auch in der DAW beibehalten (in Referenz zum Startpunkt des Projektes).

 

Warum ist das wichtig? Bei Transfermethoden, die nicht auf Samples genau arbeiten (wie zum Beispiel SMPTE), kann es durchaus passieren, dass sich die Spuren ein paar Samples verschieben. Normalerweise wäre das jetzt kein grosses Drama, doch was wenn zum Beispiel auf einer Schlagzeugaufnahme auch noch Anteile eines anderen Instrumentes zu hören sind? Bereits kleinste Variationen könnten da zu unschönen Kammfiltereffekten führen.

 

Was Edits betrifft, so kann man bei Sample genauem Editieren eine Dateilänge, einen Split Point, oder was auch immer präzis auf ein Sample editieren. Damit ist die Auflösung weitaus besser, als wenn man eine Datei auf die nächste Millisekunde editieren würde.

 

Sample genaue Loops

Es stellt sich nun die Frage, weshalb man nun unbeding auf ein einziges Sample genau schneiden sollte - die Antwort findet sich in Loop basierter Musik. Loops wiederholen sich ja per Definition und sollte ein Loop mal nicht präzis sein, so können während der Repetition Schwierigkeiten im Timing auftreten.

 

Durée en samples dans Audition

Mal angenommen man nimmt einen Loop einer Groovebox mit 120 BPM auf. Da gibt es keine Garantie, dass das Tempo exakt so schnell ist (ist ja schliesslich keine Atomuhr...) - es könnte ohne weiteres auch 120.035 BPM betragen und somit ein wenig schneller als ideal sein. Bei einer Sample Rate von 44.1 kHz verfügt ein Takt eines Loops auf 120 BPM über 88'200 Samples, wogegen ein Loop bei 120.035 BPM über 88'174 Samples verfügt. Das bedeutet es gibt einen Timing-Unterschied von etwa 0.58 ms.

 

Importiert man jetzt diesen 120.035 BPM Loop in eine DAW, (wo 120 BPM eben exakt 120.000 BPM bedeutet!) und kopiert diesen 16 mal, so erhält man insgesamt eine Verschiebung von 9.28 ms (16 x 0.58 ms) ...und das ist genug um in den hörbaren Bereich zu rutschen. Natürlich gibt es Anwendungen wie Acid, Live, Sonar, Digital Performer, Logic Pro Audio, Garageband und Project5 welche Loops automatisch einem Tempo anpassen können. Sollte Eure DAW jedoch nicht über diese Funktion verfügen, oder seid Ihr kein Fan der klanglichen Artefakte, die solche Algorithmen mit sich bringen können, so könnt Ihr den 'fast richtigen' Loop auf das Sample genau auf 120 BPM scheiden.

 

Dies bewerkstelligt Ihr, indem Ihr den Loop in einem Programm wie Adobe Audition öffnet, welches Loop Längen in Samples darstellen kann. Da ein Loop bei 120.35 BPM (mit 88'174 Samples) weniger als die erwünschten 88'200 Samples besitzt, solltet Ihr am Ende des Loops ein bisschen Stille einfügen und ihn dann auf genau 88'200 Samples schneiden (dazu müsst Ihr natürlich die Kalibrierung der Massstabes auf 'Samples' gesetzt haben). Fügt Ihr diese Loops nun nacheinander für 16 Takte ein, so werden sie perfekt passen. Natürlich wird es innerhalb jedes Loops einen kleinen Fehler geben, da Ihr jeweils eine halbe Millisekunde Stille einfügen musstet, doch ich wette mit Euch, dass Euch das nicht auffallen wird. Viel wichtiger ist es, dass die ganzen Loops zeitlich perfekt in das gesamte Arrangement eingereiht werden.

 

Wenn Ihr seht, dass eine Loop Library als 'Sample Accurate' beschrieben wird, dann bedeutet das genau, dass der Produzent die Loops auf die exakte Anzahl Samples beim jeweiligen BPM Wert berechnet und genau dort geschnitten hat. Ein bei Loop 120 BPM wird in diesem Fall genau 88'200 Samples besitzen. Natürlich gibt es da auch manchmal Fälle wo die Mathematik leider keine gerade Anzahl Samples zulässt. Für diese Situationen gibt es verschiedene Lösungsansätze:

 

  • Wechselt zu einer höheren Samping Rate mit einer besseren Auflösung. Auch da kann es immer noch dieselben Probleme geben, doch dies wird sich nur auf einen sehr, sehr kleinen Zeitrahmen auswirken.
  • Ignoriert den Unterschied einfach. Ganz genau – lebt gefährlich! Sollte Euer Song Tempo zum Beispiel 120.035 betragen (nehmen wir der Einfachheit halber die oben verwendete Geschwindigkeit bei der Synchronisation mit einer Groove Box), dann würde ein Loop pro Takt genau 88'174.28 Samples betragen (oder so...). Eure Groove Box Loops würden dann perfekt passen...doch nehmen wir mal an Ihr möchtet zusätzlich noch einen 'Sample Accurate' Loop mit 120 BPM dazu laufen lassen. Ihr schneidet diesen auf 88'174 Samples (die beste Auflösung bei 44.1 kHz), doch das bedeutet, dass der Loop immer noch 0.28 Samples zu kurz ist. Multipliziert man dies mal sechzehn, so erhält man einen Fehler von 4.48 Samples, oder 1/10 einer Millisekunde...wohl kaum ein Wert, der einen in den Wahnsinn treiben wird.
  • Zwingt den Loop in einen Raster. Dann habt Ihr zwar immer Ende jedes Loops eine kleine Lücke, doch 0.28 Samples sind dann wirklich kein Verbrechen.

 

Rechnet es aus...oder doch lieber nicht

Tableau de conversion durée/samples

 

Das Excel Spreadsheet kalkuliert Längen in Millisekunden und Samples für bestimmte rhythmische Werte bei bestimmten Tempi und Sample Rates. Diese Excel Datei kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

 

 

Ich verwende in meiner Musik sehr häufig Loops und habe bereits eine Menge Loop Libraries entwickelt. Aus diesem Grund musste ich beim erstellen von 'Sample Accurate' Loops bereits sehr häufig zum Taschenrechner greifen. Irgendwann wurde mir das dann zu bunt und ich habe mir ein Excel Sheet zusammengestellt, bei dem man das Tempo in BPM (4/4 Takt) und die Sampling Rate eingeben kann. Das Programm generiert anschliessend für die verschiedenen rhythmischen Werte eine Auflistung verschiedener Längen in Millisekunden und Samples.

 

Diese Tabelle ist wirklich praktisch – auch wenn Ihr auf 'Sample Accuracy' pfeift, so könnt Ihr anhand dieser Tabelle sehr schnell genaue Delay Zeiten einstellen. Wirklich praktisch an der Sache ist zudem, dass Ihr Euch diese Tabelle nicht selber zusammenstellen müsst, sondern sie einfach herunterladen und sofort ohne grossen Aufwand mit der Arbeit anfangen könnt.

 


Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Harmony Central veröffentlicht.

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