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Percussa Audio Cubes: Der Test

Audio Cubism
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Aus dem Nichts sind sie einfach so erschienen wie der Megalith einst in Kubricks 2001: A Space Odyssey. Ein Würfel: 7.5cm lang, so weiss und glatt wie Parafin, auf vier seiner 6 Seiten mit einem Paar LEDs versehen, zwei Eingänge im Klinkenformat, eine USB Verbindung...

und ein Knopf...den ich dann mal drücke...
...und es werde Licht! Der Würfel ist erleuchtet...oder so!
AudioCubesAlso was ist es denn jetzt? Eine esoterische Lichtberieselung die sich gut neben der Lavalampe macht? Oder die neuste Errungenschaft in der Lichttherapie?
Nichts davon. Ein kleiner Aufkleber erzählt mir davon, dass es sich hierbei um einen AudioCube 1.0 handelt. Dies ist ein Gerät von Percussa mit dem sich unsere Herangehensweise ans Musizieren grundlegend ändern soll. Na da sind wir aber mal gespannt...

Die AudioCubes sind (wie der Name vermuten lässt) Würfel die auf 4 Seiten mit einer Kommunikationsverbindung versehen wurde. Mit diesen können digitale wie analoge Signale über Infrarot zwischen Würfeln ausgetauscht werden, die sich in der Nähe befinden. Auch als MIDI Controller können sie auf zwei unterschiedliche Art und Weisen verwendet werden: In einem Sensor Modus oder in einem Sender/Receiver Modus (der jedoch mindestens zwei AudioCubes benötigt). Es werden zwei Arten von MIDI Messages erzeugt: entweder Note-On (eine Note wird getriggert), oder Continuous Controller mit dem sich die MIDI Parameter progressiv ändern lassen.

Sensor Mode: In diesem Modus erkennt der AudioCube die Distanz bis zum nächsten Objekt – wie zum Beispiel ein anderer Würfel oder die Hände des Anwenders. Somit ist es möglich durch blosse Handbewegungen um den Würfel herum die Cutoff Frequenz und/oder Resonanz eines Filters zu beeinflussen, oder eine ADSR Hüllkurve zu modifizieren.

Sender/Receiver Mode: Dieser Modus ist ebenfalls interessant da er auf der Interaktion zwischen den Würfeln basiert. Wie funktioniert das? Jeder AudioCube besitzt die 4 Seiten über die Infrarot-Signale an andere Würfel geschickt, oder empfangen werden können. 4 Seiten pro Würfel gibt einem bereits 16 Kombinationen bei zwei Würfeln...

AudioCubesDie AudioCubes werden in 3 Stunden über ein USB Kabel geladen und können anschliessend 3 bis 5 Stunden lang verwendet werden.

Aber der AudioCube ist weit mehr als bloss ein MIDI Controller – er ist auch ein Lo-Fi Instrument. Das soll heissen, dass er einen eingebauten Klangerzeuger mit 32 kHz / 9bit Auflösung besitzt. Der Klang wird über die gleichen Infrarot Schnittstellen wie die MIDI Daten oder wahlweise über die Klinkenstecker übertragen, die sich auf jedem AudioCube finden.

Als sogenanntes Tüpfelchen auf dem 'i' sind die AudioCubes auch noch belichtet. Für jeden Würfel stehen drei Farben zur Verfügung (rot, grün und blau) deren Intensität über MIDI und einen Sequenzer gesteuert werden können. Durch Mischen dieser drei Grundfarben kann so ziemlich jeder erdenkliche Farbton erzeugt werden. Anwender die nur auf der Suche nach einem Controller sind mögen diese Würfel als 'Gadgets' oder Spielzeug abtun. Wer jedoch das ganze Potenzial dieser AudioCubes in einer Live Anwendung versteht, kann da schnell einer ganz anderen Meinung sein.

Tönt ja alles ganz gut in der Theorie. Aber funktioniert das auch alles in der Praxis?

Percussa Audio Cubes: Der Test 2

Beam me up Scotty

AudioCubesSo einfach das ganze Konzept auch tönen mag – die Percussa Cubes können nicht so einfach gezähmt, oder zumindest konfiguriert werden. Um sie als Controller für einen Sequenzer verwenden zu können muss man über eine Mapping/Calibration Anwendung mit dem Namen MIDI Bridge gehen. Zudem muss man noch einen Freeware MIDI Treiber installieren. Man fragt sich da schon weshalb dieser nicht gerade in MIDI Bridge integriert wurde. Indem man der ganz ordentlich geschriebenen Bedienungsanleitung Schritt für Schritt folgt, ist es möglich Loops in Ableton Live über den Sender/Receiver Modus zu triggern, oder den Cutoff Wert eines Filters im Sensor Modus zu steuern...

...es funktioniert also – wenn man nicht zu wählerisch bei der Präzision ist: Wenn man im Sender/Receiver Modus den AudioCube zu schnell dreht kann es sein, dass der andere Würfel das gar nicht mitbekommen hat. Man muss die Cubes ziemlich langsam bewegen um sicherzustellen, dass die Würfel auch korrekt miteinander kommunizieren können. Um Loops anzusteuern ist dies ganz in Ordnung – aber sicherlich nicht um schnelle Percussion Patterns mit One Shot Samples zu spielen. Hier gibt es schon noch einiges zu optimieren...

Was den Sensor Modus betrifft so verhalten sich die Cubes ziemlich gut, da sich das ganze sehr intuitiv anfühlt. Man kann die Hand zum Würfel hin oder weg bewegen um Continuous Controller Signale zu erzeugen. Doch auch hier ist es wirklich schade, dass dieses System einfach nicht präzis genug arbeitet. Dennoch macht dieser Aspekt der AudioCubes mit Sicherheit eine Menge Spass und wenn man sie mit den richtigen Parametern eines Synthesizers verbindet, so erhält man auch eine neue Herangehensweise im Umgang mit Sounds. Manchen wird dies sicherlich sehr gut gefallen.

AudioCubesWenn wir schon mal vom Sound sprechen, so sollten wir die Klangerzeuger der AudioCubes mal genauer anschauen. Dies ist jedoch meiner Meinung nach nicht die Stärke dieses Produktes. Die Idee diese Cubes in einen modularen Synthesizer zu verwandeln erscheint zuerst sehr attraktiv und mir ist bei der Vorstellung Audio über Infrarot mischen zu können förmlich das Wasser im Mund zusammengelaufen. Unglücklicherweise sind die Klangerzeuger nicht wirklich hochwertig (sogar bei Lo-Fi) und dann fragt man sich schon weshalb man diese überhaupt verwenden sollte – schliesslich stehen einem ja bereits ein virtuelle Synthesizer zur Verfügung...

Das Interface mit dem sich diese Funktion programmieren lässt (Klangerzeugung) ist nicht sehr einfach ausgelegt: wie bei den meisten Software Prototypen werden uns hier Daten gezeigt die weder verständlich, geschweige denn hilfreich sind (wie der lange alphanumerische Name jedes AudioCubes oder Max/MSP Runtime Log Fenster). Am Ende stehen einem nur ein paar Einstellungen für mögliche Effekte zur Verfügung. Natürlich kann jeder Max/MSP Programmierer diese Hürden überwinden und ein schönes Interface für sich erzeugen. Dennoch entbehrt es hier wie beim JazzMutant Lemur nicht einer gewissen Ironie zu sehen, dass man sich all die Mühe gegeben hat ein möglichst intuitives Interface zu entwickeln, deren Einstellungen aber über eine unnötig komplexe und unübersichtliche Anwendung vorgenommen werden.

Percussa Audio Cubes: Der Test 3

Fazit

Die Idee hinter den AudioCubes ist exzellent – doch es gibt noch viel nachzubessern. Dies betrifft die Hardware genau so wie die Software. Natürlich liegen die AudioCubes bei €649 für 4 Stück im eher bezahlbaren Rahmen was futuristische Controller betrifft. Aber es wäre schöner gewesen, wenn die Sensoren besser angesprochen hätten und die Software ein bisschen durchdachter programmiert worden wäre. Dennoch können diese Percussa Geräte gut eingesetzt werden und auf dem Markt schon so einiges bewegen. Sie werden jedoch wahrscheinlich eher für Musiker interessant sein, die ein originelles Zubehör für Live Performances suchen als solche die wirklich das Musizieren an sich revolutionieren möchten.

Dies führt uns natürlich zu der Diskussion, ob die neusten Erfindungen im Bereich der musikalischen Ergonomie (oder sogar Ergonomie generell) wirklich einen Unterschied machen. Nehmen wir da mal die WiiMote die trotz einer hohen Aufmerksamkeit in der Presse keine wirkliche Änderung im Game Design bewirken konnte. Genau wie der Tenori-On, Reactable, oder Jean-Michel Jarre's berühmte Laser Harfe – die AudioCubes sind in ihrem Konzept äusserst faszinierend und sind auch visuell äusserst attraktiv. Man ist sich aber dennoch nicht wirklich sicher, ob man es hier mit einem Design Objekt zu tun hat, das sich für Musik einsetzen lässt, oder ob es sich um ein echtes Instrument handelt, das auch noch ästhetisch hochwertig ist. Das zu entscheiden ist sicherlich jedem selber überlassen. Max/MSP Entwickler werden diese AudioCubes mit Sicherheit genau im Auge behalten, während andere sie nach beenden dieses Artikels schon wieder vergessen haben. Dennoch lässt die Bezeichnung 'AudioCube 1.0' vermuten, dass diese Geschichte weitererzählt wird...

+ Das Konzept
+ Die unterschiedlichen Performance Modi
+ Die gut durchdachte Bedienungsanleitung

- Die Sensoren könnten präziser reagieren
- 'Lo-Fi' Audio ist nicht wirklich spannend
- Die Software ist nicht sehr benutzerfreundlich