Native Instruments Guitar Rig 4 Pro
+
Native Instruments Guitar Rig 4 Pro

Guitar Rig 4 Pro, Software Verstärker-Simulator from Native Instruments in the Guitar Rig series.

  • Textgrösse erhöhen oder verringern
  • Drucken

Guitar Rig 4: Der Test

Guitar Rig 4
  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it
  • Mail

Den virtuellen Gitarren- und Bassverstärker von Native Instruments gibt es nun bereits in seiner vierten Instanz. Guitar Rig 4 besitzt mehr Emulationen und Effekte als je zuvor und wurde zusätzlich um eine viel versprechende Control Room Sektion erweitert... Neue Funktionen und eine klare Übersicht.

Die erste Version von Guitar Rig wurde vor fünf Jahren vorgestellt und hat sich dank seinem intuitiven Interface und den vielen, hochwertigen Simulationen schnell einen Namen unter virtuellen Verstärkern machen können. Jede neue Version brachte weitere Verbesserungen in Form neuer Funktionen und Simulationen, sowie Entwicklungen von Hardware Controllern und speziellen Audio Interfaces für Gitarristen. Was hat sich also in dieser vierten Generation alles geändert?

Gut durchdachtes Interface

Guitar Rig 4 ProSeit der ersten Version, hebt sich Guitar Rig dank seiner schönen und intuitiven Bedienoberfläche vom Rest der Konkurrenz ab – etwas, das man nicht unbedingt von anderen Native Instruments Produkten behaupten kann. Dies ist ein wirklich gutes Argument, wenn man die vielen Funktionen betrachtet, die Guitar Rig zu bieten hat. Das Interface wurde in zwei Bereiche unterteilt: Auf der linken Seite befindet sich der Browser, über den sich alle Presets laden lassen, oder den Zugriff auf den 'Virtual Store' ermöglicht (der eine Menge sogenannter 'Add-Ons' wie Verstärker, Effekte, Werkzeuge und MDF Modifiers zu bieten hat). Das eigene 'Rig' kann ganz einfach erstellt werden, indem man die einzelnen Komponenten auf der linken Seite auf die rechte Seite zieht. Mit ein paar Klicks kann anschliessend dann noch die Reihenfolge der einzelnen Module geändert werden. Das ist zwar nichts Neues, doch warum sollte man etwas verbessern, das bisher perfekt funktionierte?

Neu in der Version 4 sind die Presets und die Suchfunktion: Guitar Rig 4 verfügt über 250 Presets, wobei jedes davon wie in Kontakt 4 mit verschiedenen Tags versehen wurde. Das ermöglicht es dem Anwender, nach Verstärkern zu suchen, die einem bestimmten Typ (zum Beispiel alle Presets, die auf dem AC Box Verstärker basieren), oder einer bestimmten Stilrichtung entsprechen (Classic Rock, Metal, Pop, Blues, Funk und Soul, Country, Jazz, Alternative Rock und Rock'n'Surf). Es ist auch möglich, nach ikonischen Künstlern, oder Sounds zu suchen, wie zum Beispiel 'Kurt in Spring', oder 'Purple Prince' (auch wenn ich mir bei dieser Option nicht ganz sicher bin, wie intensiv sie wirklich in Anspruch genommen wird). Schliesslich kann man die Presets auch nach Effekttypen durchsuchen: Special FX, Animated, Colored, Distorted, Drums, Reverbs und Delays. Gewisse Effekte wurden speziell für das Schlagzeug oder Keyboards konzipiert und sollen somit Guitar Rig 4 nicht nur für Gitarristen interessant machen.

Jedes Preset besitzt verschiedene Tags, bis zu fünf Sterne und persönliche Notizen – alles um es einem einfacher zu machen, mit der Suchmaschine schneller fündig zu werden. Natürlich können diese ganzen Tags auch individuell angepasst und ergänzt werden. Für Leute, die Guitar Rig Live einsetzen, gibt es jetzt die Möglichkeit 'Setlists' zu erstellen, die auf eigenen Presets basieren. Cool!

Ergänzt wird diese Auswahl noch durch Presets, die von der Native Instruments Website bezogen werden können. Die Qualität ist zwar teilweise etwas fragwürdig, doch man findet darunter sicher ein paar Sounds, die einem gefallen.
Schauen wir uns jetzt aber die neuen Verstärker Modelle an...

Spiel den Plex!

Guitar Rig 4 ProEs gibt drei neue Verstärker Modelle, die alle der gleichen Familie angehören - sie sehen in der Tat allesamt wie Marshall Verstärker aus. Das rote Modell heisst 'Hot Plex', das blaue 'Cool Blue' und das dunkelgraue Modell 'Jump'. Der rote und der blaue Verstärker sind Variationen der bekannten Plex Emulation (die Marshall Plexi Emulation von Guitar Rig). Der Hot Plex besitzt im Gain mehr Headroom und erzeugt somit eine stärkere Verzerrung. Es handelt sich sozusagen um eine moderne Version des Plexi. Auf der anderen Seite wird der Cool Plex von Native Instruments als mehr 'Vintage' beschrieben und soll gegenüber dem Original einen klareren Sound von sich geben. Unter diesen drei Modellen (die sich bei den Bedienelementen und dem Aussehen sehr ähnlich sind) wird man sicher den gewünschten Klang finden können. Man könnte sagen, dass es sich hier lediglich um Variationen einer bereits bestehenden Emulation handelt...und da hätte man eigentlich auch recht! Der Cool Plex ist zudem momentan noch nicht aufgeschaltet und wird erst in der Version 4.0.8 verfügbar sein.

Der dritte Verstärker mit dem Namen Jump ist eine Variation des bereits existierenden Lead 800 (welches eine Simulation des berühmten Marshall JCM 800 ist, die es bereits in früheren Guitar Rig Versionen gab). Native Instruments beschreibt diesen Verstärker im Vergleich zum Lead 800 als weniger aggressiv, mit weniger Gain, aber einem etwas sanfterem Ansprechverhalten.
Diese 'neuen' Verstärker könnten für den einen oder anderen eine Enttäuschung sein - handelt es sich ja im Wesentlichen nur um Variationen einer bereits existierenden Emulation. Man sollte jedoch immer daran denken, dass die Auswahl an Verstärkern in Guitar Rig bereits sehr gross war und man nun die Wahl aus insgesamt15 Emulationen hat! Darunter befinden sich die meisten 'Legenden'...dennoch könnte meiner Meinung nach die Bandbreite durchaus noch etwas grösser sein - schliesslich machen Marshall und Fender Verstärker mehr als 50% aus...
Und wie steht es mit den Effekten?

EFFEKT-iv

Native Instruments bietet uns vier neue Effekte: Zwei Delays und zwei Reverbs. Diese stellen sicherlich eine Bereicherung dar - vor allem wenn man bedenkt, dass es in Guitar Rig 3 verhältnismässig wenige auf Zeit basierte Effekte gab (6 an der Zahl). Die neuen Delay Effekte heissen 'Grain Delay' und 'Twin Delay'. Der erste Effekt verfügt über 10 editierbare Parameter, mit denen sich entweder leichte, aber auch sehr schräge, intensive und komplexe Effekte erzeugen lassen. Dieser Effekt wurde ganz klar für Klangtüftler entwickelt und könnte Garage Rock Fans eher abschrecken! Der zweite Delay ist dagegen vom Charakter her einiges klassischer und kombiniert zwei parallele Delays um ein Stereobild zu erzeugen. Im Vergleich zum Grain Delay ist das Twin Delay ziemlich einfach aufgebaut und besitzt insgesamt nur drei editierbare Parameter (Time, Feedback, Level) pro Kanal. Beide Effekte sind wirklich gute Ergänzungen zu den bereits vorhandenen Delays und erweitern somit eine bereits sehr ausführlich gehaltene Auswahl.

Guitar Rig 4 ProDie neuen Reverb Effekte heissen 'Iceverb' und 'Octaverb'. Der erste Effekt ist ein sehr kalter Halleffekt, der ein wenig tönt, als ob man sich in einem vereisten Keller, oder einem Iglu befindet. Die editierbaren Parameter sind sehr einfach, aber dennoch sehr interessant: 'Size' ermöglicht es, die Raumgrösse einzustellen, während 'Color' und 'Ice' als Filter agieren, die man über ein Expression Pedal auch wie einen Wah-Effekt einsetzen kann. Octaverb ist dagegen ein Stereohall, bei dem man die Early Reflections von acht unterschiedlichen Räumen auswählen, die Raumgrösse ändern und die hohen und tiefen Bänder separat einstellen kann. Beide Reverb Effekte wurden wahrscheinlich für Gitarristen entwickelt, könnten aber für Keyboarder, oder Schlagzeuger durchaus auch interessant sein. Wenn man bedenkt, dass man in Guitar Rig bislang nur die Wahl zwischen einem Vintage Spring Reverb und einem Studio Reverb hatte, so sind diese Neuerungen mehr als nur willkommen.

Die bald erscheinende Version 4.0.8 soll bei den Effekten eine weitere wichtige Verbesserung mit sich bringen: Eine Master FX Sektion, über die sich unabhängig vom geladenen Preset ein oder mehrere Module laden lassen. Gitarristen, die Guitar Rig Live verwenden, haben so die Möglichkeit einen EQ und/oder Reverb am Ende der Effektkette einzusetzen, um den gesamten Klang den jeweiligen akustischen Gegebenheiten anzupassen. Dies ist eine einfache und zugleich essentielle Erweiterung für Live Einsätze. Viele Musiker werden sich da fragen, wie sie bislang ohne diese Funktion überleben konnten... Her mit dem Update!

Guitar Rig 4 Pro bietet zusätzliche Verbesserungen: Gemäss Native Instruments wurden Effekte verbessert, die auf Zeit und Tonhöhe basieren. Zusätzlich gibt es eine neue Option mit dem Namen 'True Stereo', mit der sich der linke und der rechte Kanal separat bearbeiten lassen. Diese Funktion kann für Stereosignale wirklich sehr nützlich sein - man darf einfach nicht vergessen, dass dadurch der CPU auch doppelt belastet wird!

Trotz allem sind die wohl wichtigsten Neuerungen in der vierten Version von Guitar Rig die Cabinet- und Mikrofon-Emulationen. Meine Damen und Herren - ich stelle Ihnen 'Control Room' vor!

Die Kontrolle übernehmen

Guitar Rig 4 ProIn der bisherigen Version von Guitar Rig hatte man die Wahl zwischen zwei Modulen für die Cabinet/Mikrofon-Emulationen. 'Cabinets & Mics' geht da einen Schritt weiter und erlaubt es, was die Auswahl und Positionierung von Lautsprechern und Mikrofonen betrifft, fast alles zu tun, was das Herz begehrt. Dieses Modul wurde wirklich sehr ausführlich gehalten, erfordert vom Anwender aber ein paar grundlegende Kenntnisse bezüglich der Mikrofonierung von Verstärkern.

Gitarristen, die sich darüber keine Gedanken machen möchten, können glücklicherweise auf auf das 'Matched Cabinet' Modul zurückgreifen, welches den ausgewählten Verstärker automatisch mit einem passenden Lautsprecher kombiniert. Dieses Modul verfügt über nur zwei Parameter: Einer um das Signal der zwei Mikrofone zu mischen (Mix) und einer, um die Distanz zum Lautsprecher zu bestimmen und somit den Raumanteil zu definieren (Dry/Air). Beide Optionen sind ok, doch der Klang der Emulationen ist nicht immer so gut, wie man es eigentlich erwarten könnte. Mit dem neuen 'Control Room' Modul stellt Native Instruments in Guitar Rig zum ersten Mal so etwas ähnliches wie einen Faltungshall vor!

Der Zweck dieses Moduls ist es, einem eine Menge Möglichkeiten zu geben, ohne dass man unbedingt Erfahrungen mit Mikrofonen haben muss. Um dies zu erreichen, hat ein Tontechniker 6 bis 8 Mikrofone vor jeden der fünf verfügbaren Lautsprecher gestellt, und das Signal anschliessend durch Vorverstärker und ein Mischpult geschickt. Es wird einem zwar nicht die Möglichkeit geboten, den Winkel der Mikrofone zu ändern, doch dafür hat man dann auch keine Probleme mit der Phasenlage. Man muss im kleinen Mixer des Control Room Moduls nur acht Signalquellen aufeinander abstimmen. Jedes Mikrofon hat die Funktionen 'Pan', 'Mute' und 'Solo', während das gesamte Set noch einen globalen 'Air' Parameter und einen 2-Band EQ besitzt. Native Instruments gibt, was die technischen Aspekte des Control Room Moduls betrifft keine Auskunft. Es tönt jedoch mit Sicherheit anders als Cabinet & Mic und verwendet höchstwahrscheinlich eine Art Faltungshall. Der Fakt, dass dieses Modul weitaus mehr Ressourcen benötigt als sein Vorgänger, unterstreicht diese Vermutung.

Diese neuen Cabient-Emulationen sind ja ganz verlockend...doch wie tönen sie denn?

Der Sound

Wir wollen Euch nicht länger auf die Folter spannen: Die neuen Cabinet-Emulationen lassen Guitar Rig besser klingen, als jemals zuvor! Auch wenn der Verstärker und die Effekte immer noch dieselben sind, so verändert dieses neue Modul den Klang der Software doch komplett. Die Möglichkeit, die verschiedenen Mikrofone zu mischen, bietet einem riesige Möglichkeiten und man kann abhängig von den gewählten Einstellungen extrem variationsreiche Resultate erzeugen. Es sollte hier erwähnt werden, dass das 'Match Cabinet' Modul ebenfalls von diesen neuen Cabinet-Emulationen profitiert. Zudem bietet es neben neuen Versionen der verschiedenen Lautsprecher auch noch eine Version, die mit Guitar Rig 3 kompatibel ist - man kann also problemlos alte Presets in Guitar Rig 4 laden. Dies macht einen Vergleich zwischen alten und neuen Cabinet-Emulationen sehr einfach.

Wählen wir jetzt also einen Verstärker aus und kombinieren diesen mit dem dazu gehörenden Cabinet. Anschliessend schalten wir dann zwischen der neuen under alten Simulation bei gleichen sonstigen Einstellungen um: Der Unterschied ist frappant! Diese neuen Simulationen tönen wirklich wesentlich authentischer! Nachdem man diesen Unterschied gehört hat, wird man sich wahrscheinlich fragen, wie man bisher bloss mit Guitar Rig 3 arbeiten konnte...doch urteilt am besten selber:

Citrus GR3

00:0000:00

 

Citrus GR4

00:0000:00

 

Ultrasonic GR3

00:0000:00

 

Ultrasonic GR4

00:0000:00

 

Lead800 GR3

00:0000:00

 

Lead800 GR4

00:0000:00

 

AC30 GR3

00:0000:00

 

AC30 GR4

00:0000:00

 


Gleicher Sound, aber mit unterschiedlichen Einstellungen des Control Room Moduls:

Jump 1

00:0000:00

 

Jump 2

00:0000:00

 


Und jetzt ein paar sehr überzeugende Klangbeispiele der neuen Jump und Hot Plex Verstärker. Unglücklicherweise konnten wir den Cool Plex nicht testen, doch wir werden das nachholen, sobald das Update veröffentlicht wurde. Die neuen Effekte sind ebenfalls sehr überzeugend und bereichern die klanglichen Möglichkeiten von Guitar Rig enorm. Doch nehmt uns hier nicht einfach so beim Wort:

Jump

00:0000:00

 

HotPlex

00:0000:00

 

Tweedman + Octaverb

00:0000:00

 

Hi White + Iceverb 1

00:0000:00

 

Hi White + Iceverb 2

00:0000:00

 

Grain Delay 1

00:0000:00

 

Grain Delay 2

00:0000:00

 

Twin Delay 1

00:0000:00

 

Twin Delay 2

00:0000:00

 


Andererseits warten wir immer noch auf die Version 4.0.8, die eigentlich schon letzten Oktober hätte erscheinen sollen...
Neben dem Cool Plex Verstärker wird dieses Update auch die Master FX Sektion, ein verbessertes Stimmgerät und ein Noise Gate beinhalten.

Fazit

Auf den ersten Blick beinhaltet Guitar Rig 4 Pro nur sehr wenige neue Funktionen - doch der Schein trügt... Das Control Room Modul und die neuen Lautsprecher- und Mikrofon-Simulationen haben den gesamten Klang definitiv verbessert, bieten dem Anwender mehr Möglichkeiten und sind den Preis für ein Update auf jeden Fall wert. Die neuen Verstärker ergänzen die bereits sehr ausführliche Auswahl an Verstärkern, und die neuen Effekte erweitern Bereiche, die bislang vielleicht etwas zu knapp gehalten wurden. Die Vollversion von Guitar Rig 4 Pro kostet um die $199 (je nach Region verschieden), was für eine derart ausführliche und wirklich gut klingende Anwendung nicht viel Geld ist. Native Instruments hat sich bei diesem Update Mühe gegeben, die Schwächen von Guitar Rig auszumerzen und daraus weiterhin ein Top Produkt in seinem Segment zu machen.

  • Control Room Modul
  • Klangqualität der neuen Cabinet-Emulationen
  • Drei neue Verstärker Modelle
  • Zwei neue Delays und zwei neue Reverbs
  • Master FX Sektion
  • True Stereo Modus
  • 250 hochwertige Presets
  • Gut durchdachte Bedienoberfläche

  • Alle drei neuen Verstärker sind Marshall Verstärker
  • Hohe CPU Belastung
  • Positionierung der Mikrofone kann im Control Room Modul nicht geändert werden
  • Wir warten immer noch auf die Verison 4.0.8...