Yamaha Tenori-on TNR-W
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Yamaha Tenori-on TNR-W

Tenori-on TNR-W, Sequenzer from Yamaha.

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Yamaha Tenori-On: Der Test

Unidentifiziertes Musikalisches Objekt
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Der Tenori-On ist so etwas wie ein UMO (Unidentifiziertes Musikalisches Objekt) das sich zwischen Musikinstrument und portabler Spielkonsole bewegt.

In der Welt der elektronischen Instrumente kommt einem wenn es die Innovation nicht gerade zuerst Yamaha in den Sinn! Dennoch war diese japanische Firma veranwortlich für den ersten FM Synthesizer – den DX7. Also nur um einmal zu zeigen, dass sie immer noch für eine Überraschung gut sind hat Yamaha den Tenori-On entwickelt. Dies ist so etwas wie ein UMO (Unidentifiziertes Musikalisches Objekt) das sich zwischen Musikinstrument und portabler Spielkonsole bewegt.

tenorionAuf den ersten Blick ist es verlockend den Tenori-On als so etwas wie einen MIDI Controller zu sehen (wie zum Beispiel den Monome). Und  obwohl das 16x16 Button Grid noch weiter auf diese Annahme schliessen lässt so bietet der Tenori-On doch weitaus mehr als ein einfacher MIDI Controller. Es ist ein Klangerzeuger, ein Sequenzer mit verschiedenen Modi und ein Sample Abspielgerät in einem. In dem Tenori-On steckt als weitaus mehr als das schlichte Interface vermuten lässt...

Ein bisschen Hintergrundgeschichte und Philospophie

Ursprünglich wurde der Tenori-On von einem Mitglied der R&D Abteilung in seiner Freizeit entwickelt (zuständig für Motorräder!). Als einmal der Grundgedanke stand vervollständigte Toshio Iwai (der Erfinder von ElectroPlanction für Nintendo DS) das Instrument. Obwohl er sich sehr gut mit Ton- und Video-Erfahrungen auskennt so ist er doch selber kein Musiker. Deshalb war auch eine der Vorgaben des Tenori-On ihn nicht für Musiker zu entwickeln. Das Augenmerk sollte auf dem Klangerlebnis und der visuellen Performance ruhen. Deshalb werden wir auch sehen, dass dieses Instrument ein paar Merkmale missen lässt, die sonst fast überall anzutreffen sind. Das hält das Instrument aber nicht von einer innovativen Performance und Arbeitsfluss ab.

Yamaha Tenori-On: Der Test

Aus der Box

écranIn Wirklichkeit ist der Tenori-On kleiner als ich ihn mir von Bildern her vorgestellt hatte. Die Grösse macht ihn aber sehr einfach zu halten und benutzen. Bei der Verarbeitung gibt es nichts zu bemängeln. Obwohl man von Fotos her vermuten könnte es sei Plastik – dem ist nicht so. Das Gehäuse besteht aus mattem Magnesium und scheint äusserst robust zu sein. Zusätzlich ist diese Ummantelung wahrscheinlich einer der Hauptgründe für diesen hohen Preis!

Bei den Verbindungen gibt es nicht wirklich viel zu sagen: es gibt einen einzigen Mini-Klinke Ausgang. Zudem wird die Verwendung mindestens eines Kopfhörers Pflicht sobald man den Sound aus den kleinen Lautsprechern hört (1 Watt). Diese eignen sich für kaum mehr als ein kurzes Vorhören.
profil
Es sollte erwähnt werden, dass es keinen direkten Volumenregler gibt – man muss also das Menü verwenden um die Lautstärke zu einzustellen!

Neben dem Kopfhörerausgang gibt es einen MIDI ( mini-din) Stecker (IN und OUT). Oben auf dem Gerät findet sich ein Steckplatz für SD Karten. Über diese lassen sich bis zu einem gewissen Grad Samples in den Tenori-On importieren (mehr dazu später).

Die Stromversorgung kann über das mitgelieferte Netzteil oder 6 AA Batterien erfolgen (wenn man nicht mit einem weiteren Kabel belästigt werden möchte. Es ist möglich wiederaufladbare Batterien zu verwenden und die Laufzeit ist ziemlich lang (mehrere Stunden) – die LEDs in diesem Gerät verbrauchen verhältnismässig wenig Strom!

Yamaha Tenori-On: Der Test

Die Kontrolle übernehmen

Ca brilleDas Raster mit 256 Tasten ist natürlich auch spürbar – aber nur auf der Vorderseite. Auf der Rückseite können nur die Lichter gesehen werden damit die Zuschauer die ganze Pracht ebenfalls geniessen können. In der Anwendung wird bei einem schnellen Drücken auf eine Taste einfach ein Sound abgespielt – dabei leuchtet die Taste kurz auf. Wird die jeweilige Fläche länger gedrückt so bleibt das Licht eingeschaltet und die Note in den Sequenzer geschrieben. Es könnte nicht einfacher sein – vielleicht gar ein wenig zu einfach wenn man die Absenz von Anschlagsdynamik und Aftertouch bedenkt.

Die einzigartige Weise auf die der Tenori-On funktioniert basiert auf dem Raster und 10 Funktionstasten – jeweils 5 auf jeder Seite. Wenn man einen dieser Tasten drückt, dann hören die 256 Leuchttasten auf Noten zu generieren und werden zu Controllern mit denen man Layers, Sounds, Loop Length und andere Funktionen ausführen kann. Jede Funktion wird klar auf dem Monitor des Tenori-On angezeigt.

Die Funktionstasten auf der linken Seite (L1 bis L5) sind vor allem für individuelle 'Layers' oder Spuren von Instrumenten. Die Tasten auf der rechten Seite (R1 bis R5) sind alle für 'Blocks' oder Patterns bestimmt...im Grunde genommen die Zusammenfassung der 16 Layer.
Auf der unteren Seite befindet sich ein Jog Dial mit dem sich über zwei Tasten (OK und Cancel) globale Einstellungen vornehmen lassen.

Diese beinhalten:
- Midi und Sync Management. Tenori-On kann als Master oder Slave betrieben werden
- Back und Recall von Blocks und Pieces (Songs)
- Die Tonarten welche über das 256 Raster gespielt werden. In der Grundeinstellung spielt das Gerät chromatisch – jede Taste steht für einen Halbtonschritt. Andere Modi wie Major, Minor und andere sind möglich. Somit kann der Tenori-On an viele harmonische Umgebungen angepasst werden und man muss nicht so sehr darauf achten, was man spielen darf oder nicht. Dies ist auch dringend nötig, da man auf dem Tenori-On nicht so einfach Noten oder Oktaven unterscheiden kann!

Yamaha Tenori-On: Der Test

Performance Einstellungen

AFAls erstes wählt man einen Performance Modus aus (es stehen insgesamt 6 zur Verfügung). Diese erstrecken sich über die 16 Layers und werden durch die R1 Taste erreicht (oben rechts). Jedes Layer verfügte anscheinend selber schon über seinen eigenen unveränderbaren Performance Modus. Dennoch gibt es eine schwer zugängliche Modifikation über die man den Performance Modus für jedes Layer verändern kann.

Score Mode
Die ist der traditionellste Performance Modus. Das Raster funktioniert wie ein Sequenzer alter Schule: Oben bis unten steht für die Tonhöhe und links bis rechts gibt es eine 16-Stufige Zeitachse. In diesem Modus können Akkorde programmiert werden.

Random Mode
Mein Favorit! In diesem Modus spielt Tenori-On die Noten in der Reihenfolge in der die Eingabe erfolgte...unabhängig von der horizontalen Position auf dem Raster. Je weiter entfernt von einander die Noten eingegeben werden desto länger wird die Stille zwischen zwei Noten...und umgekehrt. Wenn man L4 drückt und das Pattern dreht erhält man ein eigenartiges Arpeggio-Muster, welches sich mit der Zeit verändert.

Draw Mode
Dieser Modus macht wirklich Spass – auch wenn die Resultate zum Teil ein wenig sehr zufällig sind. Hier nimmt der Tenori-On alle Bewegungen auf dem Raster auf und gibt sie anschliessend wieder.

Bounce Mode
Jede gespielte Note fällt auf die Grundlinie und 'springt' anschliessend auf die ursprüngliche Position zurück. Ein Sound wird jedes Mal dann gespielt, wenn eine Note auf die Grundlinie trifft. Natürlich springt eine tiefer gespielte Note schneller hin und her als eine die weiter oben eingegeben wurde. Das Resultat kann ziemlich nervös sein da die ganze Sache nicht mit dem Tempo des Songs verbunden ist.!

Push Mode
Ideal für String Pads! Je länger eine Note gedrückt wird desto mehr wird sie sich mit der Zeit verändern.

Solo Mode
Wie der Name bereits vermuten lässt ist dieser Modus für die vergängliche Inspiration des Künstlers gedacht und nimmt deshalb nichts auf!

Wenn man diese Beschreibungen liest erhält man noch nicht zwingend ein klares Bild dieses Instrumentes! Deshalb empfehle ich Euch dieses kleine, für den Test erstellte Video anzuschauen. Was den Teonri-On betrifft so ist eine Demonstration mehr Wert als tausend Worte.

Yamaha Tenori-On: Der Test

Nippon Sounds

Wenn einmal der Performance Modus und das gewünschte Layer ausgewählt wurden kann man einen der 256 Sounds auswählen (einen pro Taste auf dem Raster). Die maximale Polyphonie beträgt 32 Noten. Das erste was einem beim Anhören der unterschiedlichen Patches in den Sinn kommt ist 'japanisch'! Man liebt es oder man hasst es – aber es ist sehr typisch und und verschlägt einen in die Kindheit mit japanischen Spielkonsolen zurück. Der grösste Teil besteht aus 14 Drum Kits, Orgeln, Stimmen, Bässen und anderen tiefe Pads. Erwartet keine sehr realistischen Sounds!

la choseDie Noten können nur eingeschränkt bearbeitet werden: Länge, Volumen und Pan. Das wär's! Die Einstellungen gelten normalerweise für das gesamte Layer. Man kann zum Beispiel in einem Layer nicht einfach so die Länge einer einzelnen Note anpassen – es ist alles oder nichts! Deshalb sollte man sich sicher sein, dass man den Sound des Tenori-On auch mag – denn man kann sie nicht wirklich verändern. Eine Ausnahme ist das Verwenden von Samples welches wir später noch genauer anschauen.
Es sollte auch erwähnt werden, dass die Effekte doch ziemlich limitiert sind. Es stehen nur Chorus und Reverb zur Verfügung und es können nur ein paar Parameter beim Master Output konfiguriert werden!

In der Anwendung

Die Lernkurve bei diesem Gerät ist wirklich gering. Ein schneller Blick auf die kurze aber ausführliche Bedienungsanleitung reicht und man ist mittendrin. Die Ergonomie und die auch für nicht-Musiker einfache Anwendung ist ein wahrer Erfolg!

Yamaha empfiehlt den Tenori-On in beiden Händen zu halten und Modifikationen mit den Daumen vorzunehmen. In Theorie ist dies möglich, aber in der Praxis laufen gewisse Dinge doch einfacher von der Hand wenn man das Instrument auf einen Ständer montiert.

Wenn man sich einmal an das Gerät gewöhnt hat, dann wird der Tenori-On zu einem wirklich spassigen Werkzeug. Man realisiert schnell, dass die Reflexe eines Musikers nicht immer unbedingt die richtigen sind. Es ist fast noch interessanter von seinen Augen anstatt von seinen Ohren geführt zu werden. Die Formen fliessen zusammen, Lichter explodieren – dieses Gerät hat etwas bezauberndes an sich. Performances sind visuell und akustisch – aber keine von beiden erhält ein zu grosses Gewicht. Man kann wirklich sagen, dass Tenori-On sich von anderen Instrumenten abhebt.

Yamaha Tenori-On: Der Test

Funktionen

Hier ein paar interessante Funktionen:

CôtéEs ist möglich 'Blocks' und Patterns innerhalb eines Songs miteinander zu verbinden (ein Song kann aus 16 Blocks bestehen). Die R5 Taste ermöglicht über ein cleveres Spiel mit Blitzen sich zwischen den Blocks zu bewegen oder Blocks zwischen den 'Layers' zu kopieren. Sehr dem Arbeitsfluss angepasst und sehr praktisch! Man kann somit Themen einfach variieren.
Innerhalb eines Blocks kann man über die R4 Taste einzelne Layer im Volumen anpassen. Dies geschieht mit einer Art vertikalem Mischpult. Man kann ebenfalls über die L4 Taste die Schrittzahl des Loops anpassen (16 Schritte als Grundeinstellung). Dies funktioniert gleich wie das Ändern der Oktave (L3) oder des gesamten Blocks (R3).

Um den Tenori-On interessanter zu gestalten können seine Sounds auf zwei Arten erweitert werden: Als erstes können die 3 Patch Reihen durch Samples über eine SD Memory Card ersetzt werden. Ein sehr einfach anwendbares Programm für Mac und PC kann Samples verwalten und sie verschiedenen Patches zuweisen. Es gibt jedoch Einschränkungen: Jedes Sample ist auf 0.93 Sekunden limitiert weshalb sich diese Funktion hauptsächlich auf kurze und perkussive Sounds beschränkt. Auch können die Längen oder Tonhöhen der einzelnen Samples nicht verändert werden – der Tenori-On ist somit bloss ein einfaches Sample Abspielgerät.

Die zweite Methode ist es externe Instrumente mit dem Tenori-On Sequenzer anzusprechen. Natürlich ist das Umgekehrte auch möglich aber das scheint mir weitaus weniger interessant zu sein. Die Random Mode mit einem Arpeggio Reaktor Patch zu verwenden ist eine Offenbarung! Zudem ist in diese Richtung wieder alles offen! Zum Beispiel hält einen nichts davon ab die Note On/Note Off Befehle in Control Changes zu wandeln (über eine Software wie Midi Tools). Damit können interessante Hüllkurven oder Filter erzeugt werden.

Yamaha Tenori-On: Der Test

Fazit

bizarreDer Tenori-On hebt sich vom Rest ab. Dies tut er zum einen mit seinen sehr limitierten Möglichkeiten zum anderen aber mit seiner äusserst innovativen Herangehensweise! Was Musiker vielleicht ziemlich schnell verunsichert ist zu realisieren, dass dieses Instrument nicht in erster Linie für ihresgleichen entwickelt wurde. Es gibt bei gewissen Funktionen ein grosses Manko an Funktionen die jedem erfahrenen Liebhaber elektronische Instrumente auf den ersten Blick ins Auge springen: es ist unmöglich Sounds zu editieren, Sample Management, etc..

Man wird deshalb gezwungen seine Routine zu verändern und muss sich auf das Instrument einlassen – visuell und akustisch. Die unterschiedlichen Performance Modi eröffnen einem neue Perspektiven und die MIDI Kapazität erweitert die Möglichkeiten dieses Gerätes ungemein. Dennoch haben Originalität und Innovation ihren Preis: Bei $1'200 fallen einem die fehlenden Funktionen schon mal auf – auch wenn die Verarbeitung sehr hochwertig ist.

Dennoch verfügt das Instrument über gewinnende Qualität die nicht zu verachten ist und aus diesem Grund wurde es bereits von vielen Künstlern angewandt (inklusive Björk). Mein abschliessendes Urteil ist also ziemlich subjektiv. Entweder man lässt sich voll und ganz auf die Einzigartigkeit des Tenori-On ein oder man wählt sich lieber etwas klassischeres. Ich habe mich entschlossen: Ich bin ein Fan! Und Ihr?

+ Eine Menge Spass
+ Ein aussergewöhnliches und originelles Instrument
+ Innovative Performance Modes
+ Sehr einfache Lernkurve
+ In der Live Anwendung eine wahre 'Sound and Light'-Show

- Eine Menge Limitierungen und funktionelle Lücken
- Der Sample Player ist ein wenig zu grundlegend
- Sounds: entweder gehasst oder geliebt
- Trotz der Verarbeitung und des Aussehens ziemlich teuer