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Olympischer Champion

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Olympus LS-10: Der Test

Von Red Led am 20/09/2008

Wenn eine Marke wie Olympus ? die ja sonst stark bei Kameras angesiedelt ist ? ein Gerät auf dem Audio Markt lanciert, dann erhalten wir den LS-10 ? ein portables, digitales Aufnahmegerät, dass bereit ist in neue Bereiche vorzudringen.

Viele in Audio spezialisierte Hersteller haben in der letzten Zeit portable Aufnahmegeräte herausgebracht ? darunter Marantz oder Nagra, aber auch erschwinglichere Modelle von M-Audio, Edirol und Zoom. Es gibt etwas für jedermann und vor allem jedes Budget. Olympus ist also damit in einen Markt vorgestossen, der bereits von manch anderem bearbeitet wurde. Dennoch versucht Olympus von seiner in der Fotografie erworbenen Erfahrung Gebrauch zu machen um eine eigene Nische in der Audio Welt zu finden.






Auf den ersten Blick hat der LS-10 sehr interessante Spezifikationen ? urteilt für Euch selber:



Zwei Elektret Mikrofone
Ein grosser Bildschirm mit beleuchtetem Hintergrund
2GB eingebaute Flash Memory
Ein SD, SDHC Karten Lesegerät
Schnelles Encodieren in MP3 oder WMA
Aufnahmen bis zu 96kHZ

Dazu noch ein schönes, professionelles Design und eine Konstruktion, die Qualität ausstrahlt. Zusammen ergibt dies ein schönes, kleines Aufnahmegerät. Als ich das Gerät in die Hand nahm hatte ich sofort das Gefühl von einem soliden und robusten Gerät: Olympus hat hier definitiv sein Know-How ausgespielt. Dies ist ganz klar ein anderes Niveau als dass es Zoom oder Edirol zu bieten haben. Man kann den LS-10 wahrscheinlich nicht überall mit hinnehmen, da er doch ein wenig mehr als ein paar seiner Konkurrenten wiegt (165 Gramm, inkl. Batterien). Aber mal schauen, ob der LS-10 auch was taugt.

Spezifikationen











Mit dem LS-10 kann man in drei verschiedenen Formaten aufnehmen: Lineare PCM (WAV Files ohne Verlust von Klanginformationen, aber relativ platzsparend), MP3 (komprimiertes Format) und WMA (auch ein von Microsoft komprimiertes Format). Das erste Format lässt eine Sampling Rate von 96 kHz 24-bit zu, was grossartig für fertige Aufnahmen, aber völlig übertrieben für Notizen wäre. Das MP3 Format (128 Kbps bis 320 Kbps) spart eine Menge Platz und das WMA Format (64 Kbps bis 160 Kbps) noch mehr. Mit einem eingebauten Speicher von 2 GB kann man bis zu 3h in WAV 44.1 kHz / 16 bits, 17h45min in MP3 256Kbps, oder 69h35min in 64Kbps aufnehmen! Das ist schon eine ordentliche Aufnahmezeit ? speziell wenn eine SD HC Karte hinzunimmt (bis zu 8 GB), was die Aufnahmezeit verfünffacht.

Der LS-10 gibt an bis zu 16 Stunden in 44.1 kHz WAV/16bits aufnehmen und 35 Stunden abspielen zu können. Wenn man bedenkt, dass dafür 2 AA Batterien genügen ? die man auch leicht in seiner Hosentasche mitnehmen kann ? dann kann man sicher sagen, dass sich dieses Gerät für lange Aufnahmen eignet, ohne dass man die Daten auf den Computer laden, oder die Batterien zwischendurch laden muss.


Bei den Ein- und Ausgängen gibt es einen Mini-Headphone-Jack, einen Mini-Jack Mikrofon-Eingang (mit 'Plug-In' Stromversorgung und einer Impedanz von 2 Ohm) und einen Mini-Jack Line-Input. Es wäre schön gewesen einen oder zwei XLR Eingänge zu haben (wie der Zoom H4) um die Einsetzbarkeit des LS-10 zu erweitern, aber es können nur Mikrofone verwendet werden, wie sie auch bei Aufnahmen mit MiniDisc benutzt werden. Beispiele für die Mikrofone von Olympus sind: ME30W, ME15S, ME-15, ME-52W, ME-12.


Schauen wir uns nun die Eigenschaften ein wenig genauer an.




Features

Der LS-10 wird mit dem Schalter aufgestartet, der auch die 'Hold'-Funktion inne hält. Nach dem Einschalten (das nur etwa 2-3 Sekunden dauert) kann man sich sehr schnell zurecht finden. Die Hauptfunktionen liegen direkt unter dem Daumen: ein Play/Ok, Next/Previous, Up/Down, Stop, Erase und ein Aufnahme Knopf. Drückt man auf letzteren so fängt die Aufnahme nicht einfach an, sondern man erhält die Möglichkeit den Pegel gezielt einzustellen. Drückt man den Knopf ein zweites Mal beginnt schliesslich die Aufnahme. Einfacher geht es nicht. Man kann sich das aufgenommene Material mit den Kopfhörern oder via der eingebauten Lautsprecher anhören. Man kann das Material sogar während der Aufnahme anhören ? aber nur mit den Kopfhörern, da es durch die Lautsprecher zu Rückkoppelungen kommen würde.







Wenn die Klangquelle zu laut ist, dann kann man die Empfindlichkeit der Mikrofone mittels eines auf der Seite angebrachten Schalters verringern. Zudem kann ein Low-Cut Filter während der Aufnahme angewendet werden. Man sollte aber dabei beachten, dass die eingebauten Mikrofone nicht unter 70 Herz gehen ? was diese Funktion ein wenig unnütz macht.


Unter den Hauptschaltern befinden sich vier weitere Knöpfe: 'List' öffnet den Ordner mit allen Files, durch die man dann per Up/Down und Left/Right suchen kann. Für regelmässige Anwender von digitalen Geräten geht dies ziemlich intuitiv von statten. Der 'Menü' Knopf bringt einen in die Einstellungen des LS-10: Reverb einschalten, Sampling Rate auswählen, das File Format bestimmen, usw. Die Funktionen bleiben alle sehr logisch und einfach verständlich. Der 'A-B' Knopf ermöglicht es die Wiederholung einer Passage oder einer ganzen Aufnahme einzustellen ? sehr nützlich für Musiker, die ein bestimmtes Segment für Übungszwecke wiederholt haben möchten. Schliesslich gibt es noch einen 'fn (Function)' Knopf, der frei zuweisbar ist. So kann man zum Beispiel damit schnell das Reverb ein- oder ausschalten. Sehr praktisch!



Was für eine Figur macht das Gerät nun in der Praxis?


In der Anwendung








Das grosse beleuchtete Display hat den Vorteil auf einen Blick eine grosse Anzahl an Informationen anzuzeigen. Dies kann als erstes mal ein wenig einschüchternd sein, erweist sich aber schnell als äusserst vorteilhaft. Man wird sehr schnell die grossen Pegelanzeigen, das schnelle Aufstarten und die ergonomisch angelegten Tasten zu schätzen lernen. Ein Nachteil ist allerdings, dass man aufgenommene Files nicht mehr umbenennen kann: ein 'LS100003.WAV' sagt viel weniger als 'killer_riff.wav' aus. Hoffentlich wird da ein Firmware Update folgen um dieses kleine Problem zu beheben. Dasselbe gilt für Ordner. Es gibt fünf Stück und diese können weder umbenannt noch gelöscht werden ? auch das Hinzufügen von neuen Ordnern ist nicht möglich. Die gesamte Architektur ist starr und das ist wirklich schade. Es gibt einen Ordner mit dem Namen 'Music' um MP3 Files zu speichern und organisieren ? das LS-10 kann also als Musik-Abspielgerät benutzt werden. Jedoch ist dafür die Steuerung weitaus nicht so gut wie bei iPods und anderen digitalen Abspielgeräten. Man kann keine Playlists erstellen oder die Songs mit Tags versehen. Um diese 'Nachteile' Sektion noch abzurunden sollten hier noch die zwei Volumen Knöpfe erwähnt werden, die schon ein wenig fummelig ausgefallen sind und vor allem für grössere Finger ein Hindernis darstellen. Es ist auch traurig, dass man das Gerät auf ein Stativ, nicht aber auf einen Mikrofonständer montieren kann. Hier ist wohl der Fotografie Hintergrund etwas zu stark nach vorne getreten.


Trotz diesen kleinen Schwächen ist der LS-10 immer noch sehr effizient einsetzbar und macht Spass in der Anwendung. Es tut was man von ihm möchte ? dies sehr schnell. Es ist die ultimative Waffe für Komponisten, die jederzeit eine Idee aufnehmen können möchten.


Die Verbindung mit dem Computer passiert ohne Probleme via mini USB: das LS-10 wird sofort erkannt ? Treiber sind nicht benötigt. Olympus hatte zudem die grossartige Idee Cubase LE 4 beizulegen (kompatibel mit PC und Mac), mit dem man die Aufnahmen weiter verarbeiten kann. Dies ist ein grosses Plus wenn man die Qualität und den Preis dieser Software beachtet.





Der Klang











Im grossen und ganzen ist die Qualität der integrierten Mikrofone gut ? ihre Limitierung in den tiefen Frequenzen rührt hauptsächlich von der Grösse der Kapseln und Ausrichtung. Bislang haben Hersteller bei Geräten dieser Grösse noch nichts besseres zustande gebracht. Also ist es das Beste mit diesem Gerät keine Aufnahmen zu machen, die in den Frequenzen unter 80 Hz noch relevante Informationen liefern. Für Stimmen und Akustik Gitarren war das LS-10 jedoch über jeden Zweifel erhaben. Während der Aufnahme sollte man es jedoch immer auf einem Ständer montieren, um Nebengeräusche zu vermeiden. Der 90° Winkel zwischen den zwei Mikrofonen liefert ein gutes Stereobild und man hat die Möglichkeit via der 'Zoom Mic' Funkton diesen Richtwinkel einzuengen und auf ein bestimmtes zu Konzentrieren. Man sollte den voreingestellten Aufnahmepegel vor jeder Aufnahme prüfen, um das beste Resultat zu erzeugen. Ein integrierter Limiter kann einem schon mal den Tag retten indem er ungewollte 'Peaks' auslässt und somit Verzerrungen verhindert.

Die beiden mitgelieferten Schaumstoff-Abdeckungen für die Mikrofone sind von grossem Nutzen wenn man das Gerät mal an einem windigen Tag nach draussen nimmt. Auch das integrierte Reverb kann beim Abspielen von Aufnahmen sehr nützlich sind ? es gibt 4 verschiedene Hall arten: Studio, Club, Hall, Dome. Die 'Euphonix' Funktion wirkt wie ein Kompressor und bringt während des Abspielens Sounds mit tiefem Pegel nach vorne.



Man erhält also ein qualitativ sehr gutes Aufnahmegerät, das aber natürlich nicht das gute alte dynamische Mikrofon auf dem Mikrofonständer ersetzen wird. Aber es liefert in vielen Situationen gute Dienste und wird seinen Weg in die Taschen vieler Aufnahme-Wütiger finden. Um eine Vorstellung des Klanges zu vermitteln habe ich mal meine akustische Gitarre, die Pariser Metro (komprimiert in MP3 bei 256Kbps), einen Sänger in der Metro, das Ambiente eines Bistro (wav) und die Strasse aufgenommen. Olympus hat selber auch ein paar Beispiele bereit gestellt: gesprochene Stimme, U-Bahn, ein Drink, Hafen, Orgel, Strand, Zoo, Cheminee und Verkehr.




Fazit




Olympus hat einen guten Einstieg in die Welt der professionellen Aufnahmegeräte hingelegt. Die Qualität der Konstruktion, die Klangqualität, seine Unabhängigkeit und der grosse eingebaute Speicher werden bei den Leuten sicher gut ankommen. Natürlich stösst das LS-10 auch an seine Grenzen ? wenn man da zum Beispiel an Aufnahmen tiefer Frequenzen denkt. Dies ist aber schnell vergeben, wenn man bedenkt wie kompakt und durchdacht das LS-10 doch ist.

+ Qualität der Konstruktion
+ Klangqualität
+ 2GB + integrierter SD Kartenleser
+ Windschutz mitgeliefert
+ Integriertes Reverb
+ Grosser Bildschirm mit beleuchtetem Hintergrund
+ Cubase 4 LE wird mitgeliefert

- Kein Adapter für Mikrofonständer
- Bass Frequenzen werden wenig aufgenommen
- Files können nicht umbenannt werden
- Keine XLR Verbindungen

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