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SKB's stageFive: Der Test

Der König der Pedale
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Es ist kein Geheimnis dass viele Gitarristen Ihre Effekte lieben – manche sind sogar förmlich danach süchtig. Es gibt aber auch immer einmal den Tag ab dem man nicht mehr darum herum kommt alle seine kleinen Boxen einfacher transportieren und verbinden zu wollen...

Es ist kein Geheimnis dass viele Gitarristen Ihre Effekte lieben – manche sind sogar förmlich danach süchtig. Es gibt aber auch immer einmal den Tag ab dem man nicht mehr darum herum kommt alle seine kleinen Boxen einfacher transportieren und verbinden zu wollen. Dies ist weshalb Pedalboards von Firmen wie SBK erfunden und auf den Markt gebracht wurden. Eines dieser Modelle – das Stagefive – möchten wir nun in diesem Test etwas genauer anschauen...

Vue généraleWenn man in Audiofanzine's Foren und anderen Orten liest dann wird es schnell klar, dass es bei Gitarren-Effekten zwei grundsätzliche Einstellungen zu dem Thema gibt. Wenn man die 'direkt in den Verstärker'-Vertreter auslässt dann gibt es auf der einen Seite die Multi-Effekt Enthusiasten mit ihren undurchschaubaren digitalen Patches und unter-unter-unter Menüs. Auf der anderen Seite sind da die Fans von Boden-Effekten (2 Knöpfe und los!).

Man fragt sich wie die veraltet anmutenden Bodentreter der digitalen Invasion standhalten konnten? Es gibt da einmal objektive Gründe: Einfachste Bedienung durch nur wenige Knöpfe, das 'Ein-Pedal-ein-Effekt-Konzept', manche Gitarristen benötigen nur ein oder zwei Effekte (ja, die gibt es immer noch!) und die robuste Verarbeitung gegenüber den üblichen Multi-Effekt Geräten.
Andererseits gibt es da auch noch subjektivere Gründe: Analog hat immer noch eine gewisse Wärme gegenüber digitalen Effekten – besonders wenn man auf der Suche nach Klängen ähnlich der grossen Gitarren Vorbilder ist, die legendäre Musik ganz ohne irgendwelche digitalen Effekte aufgenommen haben. Was wäre 'Voodoo Chile' ohne WahWah? 'Message in a Bottle' ohne Boss Chorus? Was wäre irgendein U2 Song ohne eine Heerschar an Pedalen?

Pedalboard?

ArrièreFür die Liebhaber von Pedalen können jedoch schnell mehrere Probleme auftauchen – speziell wenn man mehrere Effekte von unterschiedlichen Herstellern miteinander verwenden möchte. In der Tat kann die Verbindung von mehreren Pedalen und ihren Netzteilen (sollte man ohne Batterien arbeiten wollen) viele Probleme in sich bergen: Brummen, Zischen, überall Kabel und ein müssiges Transportieren. Es gibt nichts Komplizierteres als Auftritte zu haben bei denen man sieben oder acht Pedale mit Netzteilen benötigt. Dies beinhaltet häufig einen Aufbau/Abbau Prozess der nicht nur zeitaufwendig ist, sondern auch eine hohe Chance an potentiellen Fehlern bietet.

Es gibt zum Glück mehrere Lösung für dieses Problem. Häufig greifen Anwender von Fusspedalen zur 'Do-it-yourself' Lösung und bauen ihr eigenes Pedalboard. Eine sehr erfüllende Aufgabe, aber auch Zeit intensiv – zudem wird schon ein bisschen Vorwissen benötigt. Die Alternative findet sich im 'Custom Shop' – nur hat nicht jedermann das Budget eines David Gilmour und kann sich ein Custom Pedalboard von Pete Cornish erlauben.

Ein Mittelweg wurde von SKB mit ihrem Stagefive entwickelt: Ein Pedalboard welches das Leben eines Liebhabers von Bodentretern vereinfachen soll - ohne dass man dabei sehr reich sein oder zum Handwerker mutieren muss.

Übersicht

ArrièreAls erstes möchte ich gerade einmal sagen, dass das Stagefive Case sehr eindrücklich ist. Es wurde entwickelt um bis zu 8 Pedale zu verbauen und schützen (abhängig natürlich von den eingesetzten Pedalen). Es ist zwar aus relativ leichtem Plastik gefertigt aber dennoch sehr resistent – wenn das Case geschlossen ist kann man sorglos darauf stehen ohne das man riskiert seine Effekte zu beschädigen. Dennoch ist das Case nicht sehr leicht – aber von nichts kommt nichts. Der Bodentreter-Enthusiast muss die chronischen Rückenschmerzen akzeptieren die seine Passion mit sich bringt oder zu digitalen Multi-Effekten wechseln!

Das Gewicht des Stagefive kann auch durch seine vielen Möglichkeiten erklärt werden, die entwickelt wurden um das Leben des Gitarristen einfacher zu machen – aber darüber richtet jeder am besten selber:

Separate Effects-Loops – jeder lässt einen das jeweilige Pedal entweder vor oder nach dem Verstärker in den Effects-Loop speisen. Und da es ja zwei Loops hat kann diese Aufstellung für zwei Verstärker gleichzeitig gemacht werden.

Ein Eingangs-Buffer der garantiert, dass ein starkes Signal die Effekte unabhängig von der eingesetzten Gitarre oder Tonabnehmer erreicht – man muss sich auch nicht mehr um einen Pegelverlust sorgen der bei der Anwendung eines langen Kabels auftreten könnte.

Mehrere Netzteile: alle sind voneinander separat reguliert, gefiltert und isoliert und auf die bekanntesten Marken ausgerichtet:

- Standard 9V Speisung für Boss, Electro-Harmonix, etc
- 1.3amp VAC für Pedale von Digitech und Line6
- 18VDC für MXR EVH Flanger, etc.
- 24VDC für Boutique und Vintage Pedale
- 9/12V für zusätzliche Boutique oder Vintage Pedale
- Zusätzlich sind Kabel verschiedenen Steckern vorhanden.

Ein Kopfhörerausgang mittels dessen man auch ohne einen Verstärker verschiedene Pedal Konfigurationen testen kann.

Ein Kabel Tester. Halleluja! Dies ist meiner Ansicht nach das gewisse Extra welches das Leben des Anwenders einfacher macht. Ihr habt noch nie mit einem Haufen Pedalen kämpfen müssen die sich weigerten auch nur einen Pieps von sich zu geben? All das nur wegen eines fehlerhaften Steckers? Ist dies der Fall, dann seid Ihr keine wahren Liebhaber von Fusspedalen!

Zusammengefasst ermöglicht einem dieses Pedalcase das Beste aus seinen Pedalen zu holen...

In der Anwendung

ArrièreZählt bitte nicht darauf, dass Euch die Bedienungsanleitung spezifische Konfigurationen Eures Pedalboards aufzeigt. Sie beinhaltet nur wenige Beispiele von eher einfachen Setups mit einem oder zwei Verstärkern und zeigt dazu nur Audio Routings. Dies ist schade - speziell wenn es eher interessant gewesen wäre ein paar elektrische Setups als Beispiele anschauen zu können.

Es ist in der Tat der wichtigste Punkt eines jeden Pedal Systems. Hersteller haben die unterschiedlichsten Spezifikationen bei der Stromversorgung und Polarität. Je nach dem haben die Pedale bei ihrer Stromspeisung entweder das + oder das – in der Mitte des Steckers. Fehlerhafte Verkabelung kann die Pedale schädigen. Und auch wenn die Bedienungsanleitung davor warnt, so ist noch lange nicht jedem Gitarristen klar, was der kleine '+' Schalter neben jedem Adapter bedeutet. In diesem Fall ist der Plus-Pol im Zentrum des Steckers. Auf jeden Fall sollte man die Spezifikationen jedes Pedals anschauen um die Spannung und die Polarität zu überprüfen.


ArrièreDie Pedale selber zu installieren ist hingegen kein Problem. Selbstklebende Klettverschlüsse werden mitgeliefert um das Pedal mit dem inneren des Pedalcase zu verbinden – man sollte lediglich vorher die viel zu grossen Gummi-Füsse entfernen (ein gutes Beispiel dazu ist das CryBaby). In regelmässigen Abständen finden sich Öffnungen um Audio- und Stromkabel sauber verlegen zu können. Dennoch sollte man auf die Grösse der Stecker achten. Meine sind eher dick und ich hatte schon manchmal Probleme diese in die Öffnungen zu bringen – speziell die vorderen, weniger tiefen Ausbuchtungen. Das Endresultat ist ästhetisch weniger ansprechend als ein selbst gebautes Pedalboard (wo die Kabel häufig unter der Montagefläche versteckt sind), bietet aber den Vorteil Setups schneller ändern zu können. Das Routen in die FX-Loops ist einfach und intuitiv: Der Signalfluss ist gut auf dem Pedalboard ersichtlich und sonst bietet auch die Bedienungsanleitung eine gute Übersicht.

Ich bedaure eigentlich nur das Fehlen eines Schalters der das Signal auf einen der zwei Loops schicken würde. Eine einfache A/B reicht aus – aber das bedeutet dann auch ein Platz weniger auf dem Pedalboard. Eigentlich schade, dass sie da nicht daran gedacht haben.

Und der Klang?

NuBei der Klangqualität gibt es hingegen nichts auszusetzen – im Gegenteil! Der Vorverstärker/Buffer ist sehr diskret und färbt den Klang nicht merklich. Für Puristen ist der ganze Kanalzug via eines speziellen Inputs auch auf Bypass schaltbar. Auch ist die Stromversorgung überzeugend. In meiner Wohnung – wo die Erdung zu wünschen übrig lässt – wurde ich schon öfters mit einem störenden Brummen konfrontiert. Ganz zu schweigen von Konzerten oder Orten wo der Strom mit dem Kühlschrank oder dem Neonlicht geteilt wird...hier erkennt man schnell den Nutzen eines solchen Systems.

Natürlich kann es je nach vorhandenen Effekten vorkommen, dass man ein, zwei Netzteile nicht vorfindet. Dennoch ist das Stagefive konsistent und bietet eine Mehrzahl an 9-Volt Ausgängen – schliesslich ist dies das am meisten verbreitete Format. Natürlich war es mir nicht möglich meine 18V AC Vibe Unit mit Strom zu versorgen – aber hier driften wir mehr in ein esoterisches Gebiet ab.

Pédales

Es gibt tatsächlich noch eine sehr schöne Option: Die Möglichkeit auf 2 Ausgängen die Spannung von 4 bis 12 Volt einzustellen. Dies ermöglicht gewisse Pedale elektrisch zu verstärken (Achtung – nicht alle Pedale unterstützen dies!) oder auf der anderen Seite eine fast tote Batterie zu simulieren. Versucht das mal auf Fuzz oder Overdrive Pedalen und Ihre werdet ein paar neue Klänge aus den Geräten holen!

Ich habe noch wirklich keinen Nutzen für den Kopfhörerausgang gefunden – ausser man möchte einen POD oder Sansamp Ausgang vor den Kopfhörer-Verstärker einschlaufen um einen Amp oder Speaker Emulation zu erhalten. Der Kabeltester hingegen ist ein essentielles und einfach anwendbares Werkzeug, das einem einen gewissen Komfort bietet. Sollte mal etwas nicht mehr gehen, so kann schnell die Ursache des Problems finden und beheben.

Fazit

Nachdem ich es mehrere Wochen angewendet habe hat sich das Stagefive als gut durchdachtes Werkzeug für Gitarristen herausgestellt. Die Möglichkeiten für Routing und Stromversorgung und der zusätzliche Kabeltester decken 90% der Bedürfnisse von Gitarristen mit einer 'Digital-Phobie' ab. Auch wenn das Gewicht und die Abmessungen des Pedalcase etwas überwältigend sein können, so ist dies doch der Preis den man für eine einheitliche, durchdachte und sichere Lösung zahlen muss. Zudem ist es immer noch leicht im Vergleich zu gewissen 'Custom' Lösungen aus Holz. Zu bemängeln gibt es die etwas oberflächliche Bedienungsanleitung und das Fehlen eines A/B Schalters zwischen den vorhanden Loops. Bei einem Preis von €400.- ist dies Pedalboard nicht für jedermann – dennoch rechtfertigen seine Verarbeitung und das durchdachte Konzept den Preis auf jeden Fall.

+ Robust verarbeitet
+ Hohe Qualität der Stromversorgung
+ Der integrierte Kabeltester!

- Bedienungsanleitung zu oberflächlich
- Ist nicht für alle Adapter vorbereitet – man sollte sich vorher informieren!
- Hat keine A/B Switch, der von einem Loop zum anderen geht.