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Ein Blick unter die Haube von Audio Laptops

Den richtigen Laptop für Musikproduktionen wählen
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Den richtigen Laptop für Musikproduktionen zu finden kann ganz schön schwierig sein. In diesem ersten von insgesamt zwei Artikeln erklären wir weshalb Laptops nicht ohne Tücken sind und wie man diese in den Griff bekommen kann.

Dieser Artikel wurde von
PC Music Guru
zur Verfügung gestellt.

Bei einem Desktop Computer kann man sich ein paar gute Komponenten zusammenstellen, das Ding zusammenbauen, Windows optimieren und schon ist man auf dem Weg zum nächsten Hit. Bei einem Laptop weiss man schon wesentlich weniger über dessen Bestandteile und selber einen zusammenzustellen steht so ziemlich ausser Frage. Man muss sich also für ein Modell entscheiden und dann für das Beste hoffen.

 

http://www.pc-music.com/sites/default/files/a2_laptop_guitar.jpgEigentlich sollte ja einfach alles funktionieren. Man sollte sich einen Laptop kaufen, das kompatible Interface einstecken, Software installieren und mit dem Musizieren anfangen können - kann das denn so schwer sein? Häufig ist es das auch nicht...dennoch läuft man mit Laptops immer wieder in Unterbrüche des Audiosignals, Klicks oder gar Abstürze.

 

In diesem ersten von zwei Artikeln werden wir uns mal die Gründe für diese Probleme etwas genauer anschauen und erklären, wie man diese in den Griff bekommen kann. Im zweiten Artikel konzentrieren wir uns auf ein paar Modelle und testen sie auf ihre Tauglichkeit für Musikproduktionen und Live Einsätze.

Das Apple MacBook Pro

Bevor wir uns in allgemeine Betrachtungen von Laptops stürzen, sollten wir dem allgegenwärtigen MacBook Pro einen Moment unserer Zeit widmen.

 

Dieses leuchtende Stück Obst kann wirklich überall gefunden werden. Jeder elektronische Musiker oder DJ scheint ein solches Teil zu besitzen. Jede Werbung die auch nur im Entferntesten mit Laptops zu tun hat scheint sich damit in Szene zu setzen. Es wäre also lächerlich einen Artikel über Audio Laptops zu schreiben, ohne dabei das MacBook Pro zu erwähnen. Das Aluminiumgehäuse ist wirklich hochwertig, die beleuchtete Tastatur eignet sich sehr gut für Live Performances, es ist vollgestopft mit erstklassigen Komponenten und es wird durch das Mac OSX betrieben, welches wunderbar mit kompatiblen Produkten harmoniert.

 

http://www.pc-music.com/sites/default/files/laptop_macbookpro.jpg

 

Der grösste Nachteil ist jedoch der Preis. Ein 15'' MacBook Pro fängt bei €1'749 an...und das ist ja wahrlich erst der Anfang. Die Festplatte mit 5400rpm sollte sicherlich durch eine mit 7200rpm getauscht werden, was mit weiteren €200 zu Buche schlagen dürfte. TechSupport erhält man nur für 90 Tage, es sei denn man kauft sich den AppleCare Protection Plan für zusätzliche €349. Ohne gross nachzudenken befindet man sich also bereits über €2'000 für ein Modell im unteren Preissegment. Apple hat es irgendwie geschafft den Eindruck zu erwecken, dass ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz um Meilen voraus sind. In Wahrheit handelt es sich einfach um hochwertige Laptops, bei denen man dieselben Stärken und Schwächen vergleichbarer Rechner antrifft. Auch sie erhitzen sie sich teilweise sehr stark und die Ventilatoren können schon mal ziemlich laut sein. Auch die Akkuzeiten sind nicht immer sehr üppig, obwohl sich in diesem Bereich bei den neusten Generationen schon einiges getan hat. Häufig muss man zudem mit wenigen USB Slots auskommen und bei den Standard Modellen auf einen ExpressCard Slot verzichten.

 

Das MacBook Pro besitzt dagegen eine mit Strom gespiesene Firewire Verbindung - ein Merkmal, das man auf vielen PCs vergebens sucht. Bei Apple Produkten hat man zudem die Gewissheit, dass alles was man darauf zu laufen bekommt dann auch wirklich sehr gut funktioniert. Das bedeutet aber auch, dass man im Vergleich zum PC über eingeschränkte Möglichkeiten verfügt. Man kann auf einem MacBook Pro zwar auch Windows installieren, doch dann hat man eigentlich nicht mehr als einen teueren PC der über fast dieselben Möglichkeiten verfügt, wie wenn auf demselben Computer das OSX installiert wäre.

 

Laptops: Die Probleme

http://www.pc-music.com/sites/default/files/dpc_spike.jpgIm Vergleich zu Desktop Computern gibt es ein paar Schwächen, die eigentlich bei fast allen Laptops gefunden werden können. So sind sie nicht so schnell, Windows kann sich teilweise etwas langsam anfühlen, sie können sehr heiss werden und wenn sich einmal der Ventilator einschaltet, können sie schon mal ziemlich laut sein. Auch sind die Betriebszeiten der Batterie häufig eher kurz - vor allem wenn man die Rechner für mehr als nur Surfen verwendet. Von diesen negativen Punkten abgesehen handelt es sich bei Laptops jedoch um portable Aufnahmesysteme, die einiges praktischer und portabler sind als ihre Desktop Pendants.

 

Es gibt einen ganz wesentlichen Faktor, der bestimmt, ob sich ein bestimmtes Laptop Modell jetzt für Musikproduktionen eignet oder nicht: DPC (Deferred Procedure Call) Latenz. Damit wird beschrieben wie lange es dauert, wenn ein wichtiger Prozess die aktuelle Aufgabe unterbricht und dadurch alles andere auf eine tiefere Prioritätsstufe setzt. Die Latenz beschreibt dabei wie lange dieser Unterbruch andauert. Verschiedene Teile des Systems tun dies eigentlich andauernd, doch die Prozesse werden jeweils so schnell abgeschlossen, dass sie auf die Leistung keinen spürbaren Einfluss haben. Schlechte Treiber können jedoch dazu führen, dass diese Unterbrüche unnötig lange dauern - und das kann dann wieder Einfluss auf andere Komponenten nehmen. Bei Musikproduktionen kann dies zu Unterbrüchen oder Knacksern führen. Eine schlechte DPC Latenz kann auch den leistungsfähigsten Laptop für Musikproduktionen ungeeignet machen. Es gibt auf der folgenden Website eine wunderbare Anwendung, mit der sich diese Latenz auf dem System analysieren und in Echtzeit anzeigen lässt: http://www.thesycon.de/deu/latency_check.shtml.

 

Sollte die Anzeige bis in die gelben oder gar roten Bereiche ausschlagen, solltet ihr den jeweiligen Prozess über den Gerätemanager ausschalten bis diese Spitzen verschwinden. Seid vorsichtig, dass ihr dabei nicht etwas für das System lebensnotwendiges ausschaltet - wie zum Beispiel eine Festplatte.

 

 

Ich würde folgende Geräte in dieser Reihenfolge deaktivieren:

 

1. Wireless Netzwerk

2. Reguläres Netzwerk

3. Modem

4. Bluetooth oder IR

5. Optisches Laufwerk

6. Microsoft Batteriemanagement

7. Eingebaute Audio Treiber

 

Euer Ziel ist eine wunderschön grüne und gerade Kurve auf der Latenzanzeige...zumindest für die Dauer von ein paar Minuten. Ein paar kleine Ausschläge sind auch kein Problem, solange das ganze nicht in den roten Bereich vordringt.

 

Firewire Bandbreite

http://www.pc-music.com/sites/default/files/fw_express_card.jpgDie meisten modernen Firewire Interfaces bevorzugen heutzutage eine Verbindung über Firewire. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig eine gut funktionierende Firewire Verbindung auf dem Laptop zu haben...doch das ist etwas schwieriger als es tönt. Es scheint als ob nicht alle Firewire Verbindungen gleich sein. Was Chipset und Treiber betrifft, so scheinen die vorgegebenen Spezifikationen dem Hersteller enorme Variationsmöglichkeiten zu geben. Bei vielen Geräten wie Kameras und externen Festplatten scheint dies auch kein Problem zu sein.

 

Für hochwertige, mehrspurige Aufnahmen kann das aber durchaus ganz anders aussehen. Unter Tontechnikern wird allgemein hin das Texas Instrument (TI) Firewire Chipset als erste Wahl für Audio Interfaces gehandelt. Nur sehr wenige Laptops (wenn überhaupt welche) verfügen jedoch über eine TI Chipset Verbindung. Normalerweise trifft man stattdessen andere Hersteller an, die in Windows als 'OHCI IEEE1394 Firewire Port' angegeben werden. Dieses Problem kann eigentlich nur mit einer ExpressCard Firewire Karte umgangen werden (wie z.B. diese von Startech), welche direkt seitlich in den Laptop gesteckt werden kann (vorausgesetzt das Modell verfügt über so eine Schnittstelle). Die Firewire Karte verbindet sich mit dem System über einen PCIe Bus. Der PCIe Bus verfügt über eine Menge Ressourcen und muss diese mit vielen anderen Geräten teilen. Bei modernen Laptops werden häufig eine Vielzahl Komponenten verbaut und so greifen Modems, Bluetooth, Fingerprint Security, eingebaute Firewire Ports und Grafikkarten allesamt auf dieselben Ressourcen und dieselbe Bandbreite zu. Firewire 'verhandelt' seine Bandbreite normalerweise, doch Mehrspuraufnahmen benötigen mehr Ressourcen als andere Firewire Geräte und das kann durchaus zu Problemen führen.

 

Die beste Lösung ist natürlich ein USB Audio Interface zu verwenden! In der Industrie herrscht im Augenblick was Firewire betrifft ein gewisser Frust. Die vielen möglichen Probleme und die daraus resultierende technische Unterstützung liegt schon so manchem Hersteller auf dem Magen. USB 3 ist gerade auf dem Markt angekommen und verfügt über wesentlich mehr Bandbreite und Geschwindigkeit als Firewire. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir schon sehr bald professionelle USB 3 Interfaces auf dem Markt sehen werden.

 

Auch wenn man alle diese Vorbehalte in Betracht zieht, so kann man allgemein hin erwarten, dass ein moderner Laptop die an ihn gestellten Anforderungen erfüllen kann. DPC Latenz kann normalerweise durch Deaktivieren von Komponenten in den Griff bekommen werden und das Problem mit unzureichender Firewire Bandbreite bei Laptops kommt ebenfalls nicht so häufig vor. Dennoch solltet Ihr diese beiden Punkte sofort nach dem Kauf überprüfen und Euch notfalls für ein anderes Modell entscheiden.

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