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Meister ihres Handwerks

On Tour: Tom Petty & The Heartbreakers
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Modernste Technologie erzeugt traditionelle Sounds für die Tom Petty & The Heartbreakers 2010 Tour.

Technische Evolution

prosoundweb
Dieser Artikel wurde freundlicherweise von
ProSoundWeb zur Verfügung gestellt.

'Wir arbeiten hier mit ein paar sehr organischen Sounds' sagt Robert Scovill, während wir ihn über die aktuelle Tom Petty & The Heartbreakers 2010 Tour befragen. 'Klavier, Orgel, alter Verstärker...ein traditionelles Schlagzeug. Wir wollen eigentlich nicht, dass die Dinge zu modern daher kommen. Was wir wirklich wollen, ist eine transparente Präsentation des ursprünglichen Klangs. Und genau da verlassen wir uns auf digitale Signalverarbeitung. Moderne Technologie einzusetzen um traditionelle und etablierte Sounds zu erzeugen ist wirklich der beste Weg.'

 

Scovill weiss sehr wohl wovon er spricht und ist sich der technischen Evolution durchaus bewusst, mit der sich die Band auf den aktuellen Stand der Dinge gebracht hat. Er bewegte die Fader für Tom bereits, als Email noch für eine ganz vernünftige Idee gehalten wurde und entschied sich auf dieser Tour für eine D-Show VENUE von Avid, sowie ein L-Acoustics K1/KUDO Rig von Sound Image.

 

'Ich möchte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass wir versuchen einfach die Aufnahmen Live zu reproduzieren', erklärt Scovill. Im Augenblick betrifft dies vor allem 'Mojo' - das erste Studioalbum der Band seit 8 Jahren. 'Das wird nie das Wesen von Tom Petty & The Heartbreakers Live Auftritten sein. Die Band ist schon so lange zusammen, da kennen sie so ziemlich jeden Aspekt des anderen - sei dies zwischenmenschlich oder musikalisch. Mit dieser Band fällt man nie in eine Routine wo Dienstag Abend gleich wie Donnerstag oder Samstag Abend ist. Auch wenn es sich hier um eine grössere Produktion handelt, so ist sie doch bei weitem nicht so durchgeplant, wie es manchmal den Anschein haben könnte', erklärt er weiter. 'Jeder beliebige Song kann zu jeder Zeit in eine komplett neue Richtung gehen. Hier handelt es sich definitiv um ein Ensemble mit einem gemeinsamen Willen und nicht um eine Gruppe Musiker die alles dem Anführer nachspielen.'

 

tom pettyÜber DSPs wurde ein grosser Vorteil realisiert indem man Effekteinstellungen, die von Ryan Ulyate während der Aufnahmesessions von Mojo programmiert wurden, direkt ins VENUE System übernehmen konnte. Dieser Prozess wurde noch weiter vereinfacht, da das gesamte Album innerhalb eines ProTools Systems gemixt wurde und somit Plug-Ins wie Sound Toys, Acousticas EMT Impulses und Digidesign Delays direkt übernommen werden konnten.

 

Viele der Stimmeneffekte für Petty - speziell bei neueren Songs - wurden direkt von den Aufnahmen für den Live Einsatz übernommen, da sie sich laut Scovill sehr gut für 'extreme Einsätze' wie stark ausgedünnte Vocals und Slap Delays mit 'Vintage Feeling' eignen. Scovill ergänzt, dass er sich normalerweise nicht auf Compression Plug-Ins verlässt, ausser die Situation lässt dies gerade zu (zum Beispiel wenn der Kanalzug auf dem Mischpult gerade alles zur Verfügung stellt). Muss er doch einmal aus dieser geschlossenen Welt ausbrechen (System EQ oder Group Processing) bedient er sich bei den Dynamic EQ Plug-Ins der Serato Rane Series (oder deren parametrischen Versionen).

 

'Was Multiband Compression angeht so verwende ich normalerweise ein MC2000 auf Tom's Stimme und dem Bass', ergänzt er zu diesem Thema. 'Unsere Stimmenbearbeitung besteht im Wesentlichen aus einer Multiband Compression gepaart mit dynamischen EQs mit denen sich die tiefen Mitten und ein paar der 'Esses' in den Griff kriegen lassen. Das wär's eigentlich auch schon. Ansonsten verwende ich nach Bedarf nur noch die eingebaute Compression und EQ'. Crane Song Phoenix 'Tape Head Emulation' Plug-Ins kommen bei gewissen Eingängen und über den gesamten Mix Bus zur Anwendung. Ein Eventide Reverb kommt vor allem beim Schlagzeug gross zum Einsatz, genau so wie das Waves API 2500 Compression Plug-In. Schliesslich wird noch ein BX Boom Plug-In eingesetzt mit dem sich gezielt die Bässe bearbeiten lassen.

 

Verschiedene Wege

L-Acoustics Line Arrays in einer Left-Center-Right Konfiguration.

Es ist schon lange her als Scovill zum ersten mal an einer Probe auftauchte und sah, wie Tom in ein Shure SM57 ohne Popschutz sang, während er von vier Monitoren umzingelt war. Tom Petty and the Heartbreakers haben sich eigentlich nie gross mit Funksystemen abgegeben und auch die aktuelle Tour ist in dieser Beziehung keine Ausnahme. Das Hauptmikrofon von Petty ist im Augenblick ein Neumann KMS 150. 'Im Vergleich zu anderen Sängern ist Tom ziemlich leise', erklärt Scovill, 'und sein Gesang beinhaltet Konsonanten die oftmals leicht verschluckt werden. Wegen der hohen Rückkoppelungsgefahr bei Live Anlässen (vor allem bei hohen Gain Einstellungen), war es oftmals relativ schwierig diesem Mikrofon eine Menge Präsenz zu entlocken. Aus diesem Grund habe ich mich für eine komplett andere Richtung entschieden und das Mikrofon genommen, das in den Mitten am empfindlichsten ansprach. Das KMS 150 ist wirklich sehr empfindlich und besitzt auch einen verähltnismässig breiten Ansprechwinkel - man muss also sehr aggressiv eingreifen und zu jeder Zeit den Fader unter Kontrolle haben. Entfernt sich Tom mal vom Mikrofon muss man es sofort ausschalten - als Tontechniker bedeutet das, alle seine Bewegungen im Griff zu haben und zu jeder Zeit achtsam sein zu müssen.'

 

In früheren Touren wurde das KMS 150 ebenfalls bevorzugt für Backing Vocals eingesetzt. Nach einem Direktvergleich mit anderen Mikrofonen konnte sich jedoch das Heil Sound PR35 den Posten ergattern. Dies aufgrund klanglicher Gründe, aber auch weil sie Umgebungsgeräusche relativ gut abschirmen konnten. Beim Schlagzeug hat sich Scovill für ein Rode NT4 Stereo-Kondensatormikrofon entschieden. 'Im Vergleich mit anderen Mikrofonen werden beim NT4 die Höhen ein wenig abgesenkt', erklärt Scovill, 'aber ich bin ein grosser Fan von den Mitten und Bässen dieses Modells. Zudem kann ich auf diese Weise sehr einfach ein Stereomikrofon platzieren und erhalte von Show zu Show einen recht beständigen Sound. Ich liebe was da in der Mitte des Klangbilds passiert - dort findet ein grosser Teil meines Snare und Tom Sounds statt, den man nach vorne zu hören bekommt.'

 

Die nächste Stufe

Robert Scovill trifft Vorbereitungen auf seiner
Avid D-Show Venue.

Auf der Bühne gibt Greg Looper der Welt des Monitoring seine Richtung und arbeitet zusammen mit einem Team das aus John 'Haircut' Tompkins (Crew Chief), Jim Brentlinger (Assistant House Engineer), Mike Bangs (Assistang Monitor Engineer) und Mike Murante (Mike Bangs) besteht.

 

Das Monitoring folgt dem Petty Credo 'If it ain't broke don't fix it' und beruht immer noch auf einem proprietären Design, das bereits vor Jahren von der Touring Company Electrotec entwickelt wurde. Auf der anderen Seite wird der Bühnenmix wie auch schon beim Front of House von einer D-Show Venue Konsole übernommen.

 

Nachdem die Anzahl Monitore über die Jahre immer weiter schrumpfte, wird Petty's Bühnenmix momentan über einen einfachen In-Ear Monitor ergänzt, der direkt aus seinem Bühnenmonitor zugespielt wird. Insgesamt erstrecken sich vier Monitore über die gesamte Bühne - es stehen keine weiteren Sidefills zur Verfügung. Auf Scovill's Wunsch lieferte Sound Image das 'L-Acoustics K Standard Package' aus, welches aus 48 K1 und 36 KUDO Elementen, sowie 24 K1-SB und 24 SB28 Subs besteht.

 

Laut 'Sound Image Director of Touring' Mike Sprague werden die Lautsprecher normalerweise als LCR Arrangement gehängt und bestehen jeweils aus 14 K1, acht K1-SB und drei dV-DOSC (links und rechts), sowie acht gehängte KUDO Elemente in der Mitte.

 

In grösseren Arenen erweitert die Crew das System um 8 bis 10 KUDO Boxen pro Seite um die Abstrahlwinkel weit links und weit rechts zu erweitern. Die Arrays werden durch Netzwerk gesteuerte LA-RAK Verstärker betrieben und haben ihr Können bereits mehrfach in grossen wie mittleren Anlässen unter Beweis stellen können.

 

In der Position des Hausmischers besteht die gesamte Steuereinheit für das Front of House aus einem einzigen Tablet - nicht ein einziges weiteres Gerät wird für das gesamte System benötigt. 'Wir hatten zuvor mit V-DOSC, dV-DOSC und ARCS gearbeitet, doch das hochwertige K1 System hebt L-Acoustics wirklich auf eine ganz neue Stufe', sagt Sprague. 'Es tönt extrem ehrlich und offen - wirklich sehr nahe am ursprünglichen Signal. Neben seiner klanglichen Vorzüge verfügt das K1 auch über ein Rigging System das sehr gut durchdacht und implementiert wurde'.

 

Fast analoge Erfahrung

Monitor Techniker Greg Looper (links) und Assistant Monitor
Techniker Mike Bangs bei der anderen D-Show VENUE

Was das Integrieren digitaler Systeme in die Welt des Live Sound betrifft, so gilt Scovill als einer der Pioniere. Dennoch lässt er es sich nicht nehmen ein gewisses Überangebot in der digitalen Welt zu kritisieren: 'Das ist schon eine Thematik mit der sich Tontechniker noch nie zuvor haben rumschlagen müssen. Ich kann mich in meiner 30-jährigen Tätigkeit eigentlichen an keinen Zeitpunkt erinnern an dem ich so etwas jemals als Problem betrachtet hätte.'

 

'In der Vergangenheit bestand unsere Auswahl aus dem Equipment, das die Verleiher gerade zur Verfügung hatten. Wollte man mehr so war man schnell eingeengt von Faktoren wie Platz, Budget und Mietvereinbarungen. Es gab wirklich immer wieder einschneidende Faktoren. Jetzt sind unsere Abläufe denen im Studio schon sehr ähnlich. Man kann einfach bestimmen was man gerne hätte, es dann auf das System laden und mit der Arbeit anfangen.'

 

Auf die Frage nach der Logik und den kreativen Entscheidungen die zu seinem Live Mix führen antwortet Scovill mit dem abschliessenden Gedanken, dass er am Ende eigentlich nur im richtigen Augenblick aus dem Weg zu gehen braucht.

 

'Die Quelle ist einfach schon so gut', lobt er das meisterliche Handwerk von Tom Petty and the Heartbreakers. 'Diese Jungs wissen einfach wie sie ihre Instrumente richtig zum Klingen bringen und ihren Anteil am Ganzen richtig orchestrieren können - da darf ich mich einfach nicht zu sehr in den Weg stellen. Während der Show betone ich das Offensichtliche gerne noch ein wenig mehr. Gibt es ein Solo so mache ich es lauter. Gibt es ein wichtiges Rhythmusinstrument unter diesem Solo so muss man das aber auch hören können. Tom und die Band haben mir immer wieder bewiesen, dass es ebenso wichtig ist etwas aufzudecken, anstatt zu versuchen es hervorzuheben. Dazu muss es eben nicht immer lauter sein, sondern kann durchaus auch bedeuten etwas zurück zu nehmen, damit etwas anderes mehr Platz erhält.'

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