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7 Dinge die Ihr als Live Techniker vermeiden solltet

Live Sound Mixing
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7 essentielle Tipps die Ihr als Live Tontechniker auf jeden Fall beachten solltet

Von Karl Winkler
(aus dem Englischen übersetzt)


prosoundweb

Dieser Leitartikel wurde von ProSoundWeb

zur Verfügung gestellt.

7. Nur weil man etwas 'bereits seit 20 Jahren so macht', heisst das noch lange nicht, dass es die richtige Herangehensweise ist.

 

Ok - vielleicht beklagt sich keiner und man erhält zahlreiche Jobs - wer ist hier also der Experte? Hoffentlich ist es uns allen aber immer noch ein Bedürfnis, neue Dinge zu lernen und unseren Job jedes Mal besser zu machen.

 

Meine Erfahrung ist es, dass viele auch noch so erfahrene Tontechniker bei gewissen Grundlagen immer noch ihre Defizite besitzen.

 

Ist euer 'Signal Flow' sattelfest?

Wie sieht es mit den verschiedenen Gain Stufen und einem optimalen Ausgangspegel aus?

Oder mit der Theorie von Formaten und wie diese Euren Mix beeinflussen?

 

Vielleicht beantwortet ihr die ersten zwei Fragen mit einem selbstbewussten 'Ja', doch wie sieht es mit der letzten aus? Habt Ihr euch je gefragt, weshalb gewisse Shows einfach grossartig tönen, ihr aber euch nicht so genau erklären könnt wieso? Und glaubt mir, es gibt immer ein 'wieso'...und öfters mal das genaue 'was' hinter diesem 'wieso' zu ergründen kann uns auf lange Sicht hin sehr weit bringen.

 

 



6. Vielleicht tönt euer Mix wirklich gut - und ich kann das auch ohne Probleme zugeben...zumindest hinter dem Mischpult tönt alles erste Sahne.

 

Doch nehmt Ihr euch auch die Zeit, schlendert ein wenig durchs Publikum und hört euch den Anlass an unterschiedlichen Orten an? Wenn nicht dann kann es durchaus sein, dass Ihr euch selber belügt. Natürlich können uns diese ganzen Messgeräte schon sehr weit damit bringen, diese wunderbar modernen Systeme aufzubauen, einzustellen und anzupassen. Doch egal wie gut das System auch sein mag - es kann immer noch nicht zwischen einem guten und einem schlechten Sound unterscheiden.

Nur Ihr könnt das!

 

Und natürlich empfehle ich hier nicht, während des Konzertes Euer Mischpult zu verlassen und euch an den entferntesten Punkt in der Arena zu begeben. Dennoch solltet Ihr euch auf jeden Fall vor Konzertbeginn ein Bild über die klangliche Abdeckung machen, und wie das Ganze denn am Veranstaltungsort eigentlich klingt. Euer Publikum wird dies nämlich mit Sicherheit tun...

 

Vor ein paar Jahren bin ich mit meiner Tochter zum Journal Pavilion ausserhalb von Albuquerque an ein Rush Konzert gegangen. Ich war beeindruckt, wie ich sogar vom Rasen aus einen grossartigen Sound hatte. Eine tiefe Verbeugung für denjenigen, der damals für den Mix verantwortlich war.

 

 



FOH Beck tour5. Es gibt ja mittlerweile unzählige coole Hilfsmittel mit analogen Anzeigen, blinkenden Lichtern, dreifarbigen LEDs, Plasma Displays, etc. mit denen sich Klanginformationen in visuelle Informationen umwandeln lassen.

 

Doch mischt Ihr wirklich mit Euren Augen? Natürlich ist eine 'Clip' Anzeige grossartig, schliesslich hören die wenigsten von uns, wenn der THD Wert über 5% zu liegen kommt. Doch die Annahme, dass wenn uns die Anzeigen sagen alles sei ok dies auch einem guten Mix gleich kommt, ist auf jeden Fall ein grosser Fehler.

Wollt Ihr wissen, wie viel Komprimierung man auf Stimmen legen soll? Benutzt die Anzeigen um euch in die richtige Richtung zu bewegen, doch verwendet auf jeden Fall am Ende Eure Ohren für die Feineinstellungen.

 

Es fängt ja bereits mit den technischen Spezifikationen an, oder? Wie oft habt Ihr euch schon für ein Gerät entschieden, nur weil diese Euren Erwartungen entsprochen haben? Ich sage hier keinesfalls, dass die unbedingt schlecht ist. Diese Spezifikationen können uns durchaus helfen. Doch wenn wir uns das Gerät nicht in dem Kontext angehört haben in dem es dann auch zur Anwendung kommt, können wir auch nicht wirklich sicher sein, dass es dafür am Ende das richtige sein wird.

 

 



4. Besitzt Ihr ein für euch 'magisches' Gerät? Ihr wisst schon - dieses teure deutsche Stimmenmikrofon für Live Gesang...?

 

Dieser Röhrenkompressor mit grossen schwarzen Reglern, den ihr euch für einen bestimmten Song auf Ebay gekauft habt? Oder diese extrem geile schwarze digitale Box, die euch sogar auf Wunsch einen Kaffee macht?

 

Eilmeldung: Es gibt keine 'magischen' Geräte! Natürlich bevorzugen wir für bestimmte Einsätze gewisse Werkzeuge. Und hochwertige Werkzeuge sind und bleiben hochwertige Werkzeuge. Doch die wahren Resultate stammen von denen, die auch wissen, wie man diese Werkzeuge richtig einsetzt. Durchschnittliche Geräte von echten Profis eingesetzt erzeugen am Ende des Tages immer bessere Resultate als die besten Geräte in den Händen eines Stümpers.

 

Gitarrenbauer kennen den 'Japanese Woodworker' Katalog. Auch ich lechze gerne über ein paar von Hand gehämmerte Meissel für €1'000, muss mir dann aber immer wieder zugestehen, dass ich damit persönlich auch nichts besseres zustande bringen würde als mit ein paar Modellen für €100.

 

 



3. Ihr habt ein perfektes Erinnerungsvermögen, oder? Ihr könnt euch genau daran erinnern, wo Ihr welches Kabel eingesteckt habt, und wie genau der Kompressor ein externes Trigger Signal aus der Pre-EQ Stufe des Stimmenkanals für gezieltes De-Essing abfängt. Doch euch auf dieses perfekte Erinnerungsvermögen zu verlassen ist auf jeden Fall der erste Schritt ins Verhängnis.

 

Was, wenn Ihr es nicht an den Gig schafft? Der Grund dafür ist sekundär. Wichtig ist hier, dass es immer darauf ankommt, dass Euer System so klar wie nur möglich beschriftet und dokumentiert wurde.

 

Das Layout des Mischpults, das Effekt-Rack, das Drive-Rack, die Verkabelung der Lautsprecher - all das sollte einen logischen Aufbau besitzen, damit sich jemand mit ausreichend Erfahrung schnell einarbeiten und damit zurechtfinden kann.

 

 



2. SMS schreiben, im Internet surfen, mit heissen Miezen flirten (Ihr kennt die heissen Miezen, die mit Tontechnikern flirten? Ich auch nicht) ist vor dem Load-In, nach der Show, auf dem Tourbus, oder während einer Pause voll in Ordnung. Doch moment - von was für einer Pause reden wir hier? Egal. Auf jeden Fall ist es essentiell, dass wir unsere Augen und Ohren stets offen für potentielle Probleme haben, nach Kollegen Ausschau halten, die vielleicht auf etwas Hilfe angewiesen sind und überhaupt während der Show darauf achten, gute Crew Mitglieder zu sein.

 

Häufig ist der schnellste Weg die Karriereleiter empor zu klettern, dass man einfach stets bei der Sache bleibt. Probleme zu antizipieren und Lösungen zu erarbeiten noch bevor sie zu einer Notwendigkeit werden, und das Richtige zu tun, auch wenn gerade keiner hin schaut, sind alles Dinge die einen Profi auszeichnen. Die 'ich habe alle meine Sachen aufgebaut und sitze nun hier mit meiner Tasse Kaffee' Einstellung wird euch langfristig daran hindern, wirklich erfolgreich in diesem Beruf zu werden.

 

 



1. Nehmt Eure Augen während der Show niemals von der Bühne. Ok - ein paar gelegentliche Blicke auf das Effekt-Rack und die Kompressoren sind natürlich nötig - doch haltet auch das bei einem Minium.

 

Erinnert Ihr euch daran, dass Ihr während des Autofahrens mehrmals pro Minute in den Rückspiegel schauen solltet? In ungefähr so verhält es sich auch hier. Die Bühne ist Eure Strasse und Ihr müsst auf jeden Fall regelmässig Eure Umgebung im Griff behalten. Es könnte nämlich durchaus sein, dass die Leute auf der Bühne (allgemein auch als 'Talente' bezeichnet) euch versuchen etwas mitzuteilen. Oder vielleicht schneiden sie gerade eine Grimasse, weil etwas nicht mehr richtig funktioniert.

 

Es sieht auf jeden Fall nicht so gut aus, wenn die Leute auf der Bühne versuchen euch etwas mitzuteilen, während Ihr euch mitten im Set die neusten Filmchen auf YouTube anschaut. Zudem könnt Ihr durch stetes beobachten auch eure nächsten Schritte besser antizipieren und vorbereiten.

 

Vielleicht ist das Set ja fast jede Nacht dasselbe. Doch was wenn sich dann doch mal was ändert? Was wenn der Lead-Gitarrist heute Abend anstatt seiner Stratocaster für die Zugabe plötzlich mit einer Les Paul auftaucht? Was wenn der Bassist endlich seine Nervosität in den Griff bekommt und auf diesem einen Song plötzlich die hohe Harmoniestimme singt?

 

Mit Augen die auf der Bühne 'kleben' bewahrt Ihr euch stets den Überblick und seid bereit, notfalls einen neuen Kanal zu öffnen, einen Fader zu fahren, einen Kompressor einzuschlaufen, einen EQ anzupassen, oder was sonst auch die Situation gerade von euch erfordert zu tun. Es gibt kein schlechteres Gefühl, als wenn jemand auf der Bühne in ein stumm geschaltetes Mikrofon singen möchte. Das ist jedem von uns schon einmal passiert und es macht definitiv keinen Spass.

 

 



Nun, das wäre sie, meine Liste. Kann sein, dass Ihr Eure eigene habt. Natürlich gibt es immer noch mehr zu lernen und auch die erfahrensten Profis werden euch sagen, dass auch sie regelmässig immer noch auf neue Probleme stossen. Hoffentlich werden auch wir dieses Jahr wieder ein, zwei neue Dinge lernen, die wir zukünftig nicht mehr vergessen werden.

Viel Spass beim Mischen!

 

 



Weitere News und Informationen für Audio Profis findet Ihr auf ProSoundWeb.

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