Waves Tony Maserati Collection
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Waves Tony Maserati Collection

Tony Maserati Collection, Other effects bundle or multi-effect from Waves in the Maserati series.

US public price: $830 VAT
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Waves Tony Maserati Collection: Der Test

Waves & Maserati - Achtung, Fertig, Los!
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Die Maserati Collection repräsentiert ein Treffen von Titanen der Industrie. Waves ist eine der ältesten und erfolgreichsten Audio Plug-In Firmen und hat sich mit hochwertigen Bundles ihrer eigenen Plug-Ins (wie das Gold, Platinum und Diamond Bundle) einen Namen gemacht.



Dazu kommen natürlich noch Emulationen bekanner Studio Hardware von Namen wie API und SSL - ein paar der wohl berühmtesten Firmen der Industrie. Tony Maserati ist ein mehrfach mit Platin und einem Grammy ausgezeichneter Tontechniker der mit Künstlern wie Mariah Carey, Destiny’s Child, The Black Eyed Peas, John Legend und Kelly Clarkson gearbeitet hat. Was Waves und Tony Maserati getan haben ist ein paar von Tony's bewährtesten Kombinationen aus EQ, Komprimierung und Effekten in ein einfaches und intuitives Bundle zusammenzustellen. Im Wesentlichen wurden wir in Ton'y Audio-Welt eingeladen und erhalten eine Chance von seiner ganzen Erfahrung zu profitieren.

Was man erhält

Die Maserati Collection besteht aus sechs Plug-Ins die speziell für die am häufigst verwendeten Instrumente entwickelt wurden. Sie bestehen aus dem VX1 für Lead und Harmony Stimmen, dem ACG für akustische Gitarren, dem GTi für elektrische Gitarren (oder Bläser...abhängig vom Preset), dem HMX für Keyboards, dem B72 für Bass und schliesslich dem DRM für all die unterschiedlichen Teile eines Schlagzeugs. Untypisch für die meisten EQ und Compression Plug-Ins bietet die Maserati Collection zusätzlich eingebaute Effekte in jedem der sechs Plug-Ins. Diese Effekte bestehen aus Reverb und bei gewissen Plug-Ins Delay (z.B. beim GTi und VX1). Die FX Regler steuern die Dichte des Effekts. Manchmal werden einem auch ein paar zusätzliche Regler geboten wie 'Wet' (auf dem HMX), 'Tone' (auf dem B72), 'Excite' und 'PreDelay' (auf dem ACG) und sogar 'Vibro' und 'Chorus' (auf dem Gti). Insgesamt sind alle Effekte sehr gut durchdacht, passend und tönen zudem allesamt grossartig.

Wie es aussieht und sich anfühlt

Als erstes ist mir bei der Tony Maserati Collection aufgefallen, dass sie sich visuell stark von vielen anderen Audio Plug-Ins auf dem Markt abhebt. Sie sieht einiges aufwendiger und künstlerischer aus, und es ist auch kein vergleichbares Hardware Gerät auf dem Markt zu finden. Am besten kann ich die Plug-Ins wohl als Kreuzung zwischen einem alten Holzradio und einer Anzeige in einem Oldtimer der 50er Jahre beschreiben. Die Art mit welcher die Regler funktionieren und die Lichter glühen gibt einem ein sehr angenehmes, warmes und vertrautes Gefühl. Dieser Wahnsinn hat aber durchaus System: Indem alle Frequenzanzeigen, Delay Zeiten und fast alle anderen Nummern ausgelassen wurden, ist der Anwender gezwungen (auf die beste mögliche Art) seine Ohren anstatt seiner Augen zu benutzen. Es hat schon nahezu etwas radikales wenn man bedenkt, dass man heutzutage häufig fast gezwungen wird 200Hz und minus 1.5 in die Fenster des jeweiligen EQ Plug-Ins zu schreiben. Indem wir unseren Arbeitsfluss ändern werden wir gezwungen genau zu hören anstatt immer wieder die gleichen Resultate zu erwarten.

Download und Setup

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Firma Waves ebenso viel Zeit mit ihrem Marketing wie mit ihren Plug-Ins verbringt - das sieht man sicherlich auch auf ihrer Website. Um ihre Produkte zu bewerben, hat Waves eine Seite auf ihrer Homepage, auf der Video-Interviews mit unterschiedlichen bekannten Tontechnikern und Produzenten zu finden sind. Um mich ein wenig in die Welt von Tony fühlen zu können, habe ich mir sein Video angeschaut, welches einen durch New York direkt in sein Studio führt. Dort bespricht er sehr grundlegend seine Herangehensweise ans Mixing. Es ist kein Zufall, dass Tony Maserati dort sehr ähnlich wie seine Plug-Ins an die Thematik herangeht. Anstatt über technische Details zu reden, spricht er lieber über seine philosophische und emotionale Herangehensweise und überlässt es unseren Ohren zu entscheiden, ob dies auch funktioniert. Die Videos sind aber keinesfalls als 'How To' Anleitungen für die Plug-Ins gedacht. Tony erwähnt die Plug-Ins nur am Ende und auch wenn es nicht viel ist, so ist es dennoch sehr hilfreich zu hören, was er dazu zu sagen hat. Er beschreibt wie die Plug-Ins kein bestimmtes Equipment emulieren sollen, sondern es sich hier eher um ein Werkzeug handelt, das auf seinen bevorzugten Presets basiert. Wenn wir auch keine wegweisenden Ratschläge zu den Plug-Ins erhalten, so hatten wir doch die Chance eine halbe Stunde mit einem extrem erfolgreichen Tonechniker zu verbringen - das ist an sich schon ziemlich cool.

Download und Setup

Die Wave Website in Kombination mit ihrem iLok ist wahrscheinlich die bevorzugte Installationsmethode. Nach einer kurzen Suche habe ich die Download Sektion gefunden auf der ich die richtige Version mit dem richtigen OS finden konnte. Nach dem Download (der schon eine Weile dauern kann, wenn man die mehreren hundert MB an Daten betrachtet) war die Installation ein sehr geradliniger Prozess: Einfach den 'Install' Button drücken und den Anweisungen folgen. Ich bin auch auf die Website gegangen und habe mir die PDF Anleitungen runtergeladen - leider stand da nicht wirklich viel neues.

Vorher und Nachher

DRM - Schlagzeug

Für mich als Tontechniker ist die grösste Herausforderung wohl immer noch das Abmischen eines Schlagzeugs. Ich habe Jahre damit verbracht das Gate, den EQ und Kompressor in Metric Halo's Kanalzug richtig einzustellen, um meinen Schlagzeugaufnahmen einen vernünftigen Basissound geben zu können. Innerhalb des DRM Plug-Ins gibt es Presets für jedes Teil eines Schlagzeugs und dann ein paar Möglichkeiten wie 'Snap' oder 'Thump' um den Sound anzupassen. Ich war neugierig zu sehen, wie die wenigen Regler und Knöpfe des DRM Plug-Ins mit rohen Aufhahmedaten umgehen konnten. Neben dem Sensitivity (Eingang) und Output (Ausgang) Regler blieben mir nur noch die 'Thump', 'Snap' und 'Treble' Regler um auf den Sound Einfluss nehmen zu können. Ohne genaue Zahlenwerte einstellen zu können, ist es nicht leicht eine präzise Einstellung anzugeben. Ich habe ein wenig Zeit damit verbracht an den Reglern zu drehen bis ich einen für mich zufriedenstellenden Sound erhielt. Alles in allem hat mich der Sound aber nicht wirklich umgehauen. Nachdem ich mehrmals einen A/B Vergleich gemacht hatte, dachte ich, dass die Maserati Plug-Ins einfach nicht die Wärme und Präsenz der Metric Halo besassen. Ich will damit nicht sagen, dass dies mit ein wenig EQ und Gating nicht gegangen wäre - aber in einem direkten Vergleich war das Klangbild einfach nicht so stark.

Schlagzeug-vorher & Schlagzeug-nachher.

ACG – Akustische Gitarre

Meine übliche Herangehensweise an akustische Gitarren besteht aus einem Hi-Pass Filter bei 120Hz welcher genug Platz für den Bass und die Bass Drum lässt. Manchmal komprimiere ich die Gitarre auch ein wenig - entweder um die gesamte Performance anzuheben, oder um ein paar dynamische Unregelmässigkeiten auszubügeln. Auch wenn die akustische Gitarre in meinem Mix ganz in Ordnung war, so hat mir doch ziemlich gut gefallen, was das ACG dem Klangbild gegeben hat. Ich habe ein wenig Zeit damit verbracht die zwei Grundeinstellungen ACG1 und ACG2 zu vergleichen und mich dann für ACG1 entschieden. Anschliessend habe ich den 'Punch' Wert, die Mitten und Höhen noch ein wenig zurückgenommen und das Ausgangssignal noch ein wenig angehoben. Dies hat dem Signal nicht nur mehr Präsenz gegeben, sondern auch die Details hervorgebracht und interessanter gestaltet. Wenn Ihr auf der Suche nach einer akustischen Gitarre seid, die in einem vollen Mix bestehen kann, dann ist das ACG Plug-In ein grossartiger Startpunkt.

Akustische Gitarre vorher & Akustische Gitarre nachher.

B72 – Bass

Dieses Bass Plug-In besitzt zwei Einstellungen. Eine für eine DI, mit der sich die meisten elektrischen und akustischen Bässe bearbeiten lassen. Das andere ist eine 'Synth' Einstellung welche den Sound breiter macht und mit mehr Effekten versieht. Mir hat der Sound dieses Plug-Ins sehr gut gefallen und es hat im Vergleich zu meinem Original Waves 4-Band Renaissance EQ und dem Waves Renaissance Kompressor sehr gut abgeschnitten. Auch wenn ich nicht viele Synthesizer Bässe abmische, so gefällt mir doch die Option einen etwas räumlicheren Effekt zu haben, wenn ich einen brauche.

Bass vorher & Bass nachher.

Vorher und Nachher (Teil 2)

GTi – Elektrische Gitarre und Bläser

Wow! Bei weitem das beste Maserati Plug-In dieses Bundles. George Marinelli (Bonnie Raitt und Bruce Hornsby), der E-Gitarrist auf der verwendeten Spur, ist einer der ganz grossen Spieler und mir hat seine Performance bereits sehr gut gefallen. Auch wenn seine elektrische Gitarre mit einem SM57 über einen Verstärker aufgenommen wurden, so habe ich doch versucht sie mal über das 'Clean Guitar' Preset des GTi Plug-Ins laufen zu lassen. Nicht nur haben die elektrischen Gitarren so erheblich an Präsenz gewonnen, ich konnte plötzlich Details in der Peformance hören, die ich vorher noch nie wahrgenommen hatte - und ich kenne diese Tracks! Dies wird für mich zukünftig mit Sicherheit ein regelmässig verwendetes Plug-In werden wenn es um Gitarren geht.

Hier hat mir die vorher als eher dürftig beschriebene Anleitung zudem einen wahren Gefallen getan Auf Empfehlung von Waves hin habe ich die Bläser durch den 'Thick Rhythm' Preset geschickt und nachdem ich den Vibro Regler runter gedreht hatte, wurde ich vom Resultat wahrlich weggeblasen. Die Transparenz, Raumaufteilung und Präsenz der Bläser war einfach überwältigend.

Elektrische Gitarre vorher & Elektrische Gitarre nachher.

HMX

Ich habe die Hammond B3 Spuren durch das HMX Plug-In geschickt und die Resultate mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Mir haben die etwas körnigeren Details und die dichtere Textur zwar gefallen - dies schien aber zu Lasten der Präsenz gegangen zu sein. Ich habe das Preset 'Modal' gewählt (das Preset 'Bounce' hat sich für eine B3 einfach nicht richtig angefühlt), den 'Size' Regler etwas zurückgenommen und den 'Amount' Regler zusammen mit dem 'Spread' Wert angehoben. Im 'Modal' Preset kann ich den FX Regler nicht einstellen, auch wenn das äusserst praktisch gewesen wäre. Für meinen Geschmack konnte ich ein besseres Resultat  erzeugen, indem ich das Signal durch einen Waves Renaissance EQ und Kompressor und ein TL Space Reverb schickte.

B3 vorher & B3 nachher.

VX1 - Stimmen

Um ehrlich zu sein hat mir der Sound in meinem bisherigen Mix nie so richtig gefallen - schliesslich habe ich mich dann mit dem Waves C4 Kompressor, Renaissance EQ, TL Space Plate Reverb und dem Digidesign Long Delay abgefunden. Beim Maserati VX1 habe ich die Einstellung 'Contour 2' für meine Lead-Stimme gewählt und 'Contour 1' für die Harmonien. Ansonsten habe ich Bass und Treble Einstellungen nicht weiter angefasst und die Komprimierung ein wenig zurückgenommen. Mir gefiel zwar, was ich da zu hören bekam, doch es schien mir ein bisschen weniger rund und für meinen Geschmack ein wenig zu kantig. Ich denke dieses Plug-in funktioniert wahrscheinlich am besten bei einem Sänger der eher eine dunkle Stimme hat und nicht mit einem der schon genug Präsenz von sich aus mitbringt (wie der Sänger auf meinen Spuren). Ich muss auch zugeben, dass ich bezweifle ob der Hall-Effekt in diesem Plug-In mit dem Rest des Mixes harmonieren wird. Mir gefällt die Idee, dass alle Instrumente und Stimmen einen ähnlichen akustischen Raum teilen. Die individuellen Effekte auf jedem Maserati Plug-In fühlte sich für mich ein wenig verwirrend an. Die Harmonien haben von der Komprimierung und Präsenz des VX1 profitieren können - aber auch diese waren für meinen Geschmack ein wenig zu bissig.

Lead und Harmonie vorher & Lead und Harmonie nachher.

Hier ist der ganze Mix:
Sweet_Lady_Sunshine vorher
Sweet_Lady_Sunshine nachher

Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Plug-In Welt mit den Maserati Plug-Ins eindeutig eine bessere geworden ist. Das ich nicht der einzige bin, der dies so sieht, zeigt auch die Auszeichnung des 2009 Musikmesse International Press Award für die beste neue Studio Effekt Software. Es besteht absolut kein Zweifel, dass jedes der sechs Maserati Plug-Ins seine ganz eigene Persönlichkeit besitzt - dazu auf Wunsch sogar mehrere Persönlichkeiten...

Man kann sich diese Plug-Ins als das Audio Equivalent des Mac OS X vorstellen: Es steckt eine Menge unter der Haube und man braucht nicht alle Details zu kennen um grossartige Resultate erzeugen zu können. Die Plug-Ins sind ziemlich CPU-hungrig und mein 17” 2.16 Intel Core Duo MacBook Pro war damit so ziemlich ausgelastet alle Plug-Ins gleichzeitig laufen zu lassen. Um für eine bestimmte Anwendung das richtige Gewürz zu finden sind diese Plug-Ins absolut bestechend. Wie Tony Maserati bereits in seinem Video sagt gleicht kein Mix dem anderen. Wenn man dies im Kopf behält, dann erhält man mit diesen Plug-Ins eine aussergewöhnliche Palette für zukünftige Mixes.

+ Grossartiges Aussehen und Bedienung
+ Einzigartige Steuerung die einen dazu zwingt die Ohren zu benutzen
+ Einfache Anwendung mit grossartigen Resultaten die man schnell eingestellt hat
+ Das GTi Plug-In ist aussergewöhnlich

- Etwas CPU-hungrig
- Bei gewissen Anwendungen wären mehr Optionen zur Klangregelung zu wünschen gewesen
- Nicht gerade günstig