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Das Tempo finden und die Musik schreiben

Soundtracks komponieren - Teil 3
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Im letzten Teil dieses 3-teiligen Artikels schliesse ich die Komposition für das Werbebeispiel ab und arbeite mit Variablen wie Tempo, Startzeit und Länge - und versuche gleichzeitig nie die ursprüngliche Aufgabe aus den Augen zu verlieren.

Dies und das versuchen

Für diesen Auftrag war der wichtigste Moment das Produktelogo - doch ich hatte es mir zum Ziel gesetzt alle drei Hitpoint so weit wie möglich zu treffen. Ich nahm aus diesem Grund alle mir zur Verfügung stehenden Variablen zur Hand. Tempo, Länge und Startzeit. 

Ich fing mit einem Tempo 119 an, da dieses der temporären Musik entsprach die mir mit diesem Job zur Verfügung gestellt wurde. 

 
 

Das 'Memory Locations' Fenster in Pro Tools (wird 'Marker' Fenster in anderen DAWs genannt) zeigt wie die Bars/Beat/Tick Positionen ändern wenn man Startzeit oder Tempo verändert

Denkt immer daran, dass Ihr während dieser Anpassung an die verschiedenen Bilder nicht die Anweisungen des Auftraggebers aus den Augen verliert. Das geschieht sehr schnell - haltet das Tempo also nah an dem was Euch der Kunde mitgeschickt hat, oder es könnte sich für ihn nach einer zu grossen Änderung anhören. 

Im Falle dieses Beispiels nehmen wir jetzt einfach mal an, dass der Kunde eine akustische Gitarre wünschte - reduziert, in die Mitte des Stereobildes gerückt und mit etwas Melancholie. 

Zurück zur Bestimmung des Tempos also. Ich öffnete das Marker Fenster (heisst in Pro Tools 'Memory Locations'). Wie Ihr Euch erinnern könnt habe ich im 2. Teil bereits fixe Marker an den Hit Points angebracht. Ich änderte das Tempo in 1 BPM Stufen und hörte mir den Klick an während ich auf das Bild schaute und gleichzeitig das Marker Fenster im Auge behielt. Ich suchte nach Tempi bei denen ein starker Beat auf das Logo zu liegen kam. Ich kam zu einem Punkt an dem ich den Startpunkt einen Frame nach vorne schob da das Logo ein klein wenig zu spät erschien. 

Dennoch kam ich auf diese Weise irgendwie nicht so richtig zum Ziel. Ich wollte es mit richtiger Musik sehen um ein besseres Gespür dafür zu erhalten und beschloss eine Probeaufnahmen zu machen, was in Form einer gezupften Gitarre dann auch geschah. Ich nahm sogar ein Blatt Papier zur Hand, schrieb mir eine rhythmische Notation auf und versuchte herauszufinden an welcher Stelle die Hit Points zu liegen kamen. Da der Film nur 15 Sekunden dauert beschloss ich die harmonische Bewegung auf einem Minimum zu halten und veränderte die Akkorde nur an einem Ort. 

Auf zur Gitarre

Ich merkte dass ich mit einem Intro auf 3/4 Takt das Logo sehr nah bei Beat 3 des 7. Taktes traf und dort sehr gut den Akkord ausklingen lassen konnte. Ein weiterer Bonus war, dass die anderen Hitpoints ebenfalls sehr nah getroffen wurden. Das fühlte sich also alles sehr gut und als Feinschliff konnte ich ja immer noch zu einer E-Gitarre oder einem anderen geeigneten Melodieinstrument greifen. 

 
 

Eine Probeaufnahme vereinfachte es mir das Tempo richtig einzuschätzen und den Startpunkt richtig zu setzen.

Fassen wir also zusammen. Ohne das musikalische Gefühl aus den Augen zu verlieren habe ich:

1) Mit unterschiedlichen Tempi experimentiert die nicht zu weit vom ursprünglichen Tempo variierten und beobachtet wie diese auf die Hit Points zu liegen kamen. 

2) Auch mit unterschiedlichen Startpunkten experimentiert

3) Die Akkorde auf Notationspapier geschrieben um mir das Stück visuell besser vorstellen zu können.

4) Ein paar Spuren aufgenommen um zu sehen wie sich die Musik zusammen mit dem Bild verhält.

5) Mich dazu entschieden am Anfang einen 3/4 Takt zu setzen, damit die anderen Hitpoints näher an Auftakten zu liegen kommen. 

Ich habe dann weitere Spuren mit Instrumenten wie E-Gitarre, Mandoline, Westerngitarre und Akustikbass aufgenommen. Ich habe darauf geachtet, dass alles in der gewünschten Stimmung und vor allem musikalisch interessant blieb. 

Abschliessende Gedanken

Diese Techniken können bei der Musikproduktion zu TV Werbung, Web Videos oder Filmproduktionen eingesetzt werden. Ohne tief in die künstlerischen Aspekte tauchen zu wollen habe ich Euch so doch hoffentlich ein paar grundlegende Herangehensweisen im Umgang mit dem bewegten Bild aufzeigen können. 

 

*View Part 1*

*View Part 2*

 

 

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