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Der Weg zum optimalen Mix - Teil 26

Dynamikbearbeitung 101

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In diesem Artikel machen wir uns endlich an die Dynamikbearbeitung - ein echt kantiges Thema! Um dies in den Griff zu kriegen macht es wohl Sinn zuerst einmal das Konzept von Dynamik genauer unter die Lupe zu nehmen.

Dynamische Geschichte

In der Audio Welt steht der Begriff Dynamik für die Pegeländerungen die ein Signal mit der Zeit erfährt. So einfach dieses Konzept nun auch erscheint so ist es doch weitaus komplexer als man auf den ersten Blick annehmen könnte. Möchte man die Idee noch weiter im Detail betrachten so sollte man zwischen Makrodynamik und Mikrodynamik unterscheiden. 

Mit Makrodynamik werden Pegeländerungen über eine relativ lange Zeitspanne beschrieben. Damit meine ich zum Beispiel die Änderungen zwischen Strophe und Refrain, zwischen zwei Gesangspassagen oder sogar zwischen Schlagzeug Hits. Makrodynamik ist direkt verbunden mit dem menschlichen Aspekt der Klangquelle. Und es ist genau das Fehlen von Makrodynamik verantwortlich dafür, dass programmierte Rhythmen leblos erklingen können. 

Mikrodynamik auf der anderen Seite befasst sich mit Pegelveränderungen die von Note zu Note stattfinden. In diesem Fall haben wir es mit der dynamischen Hüllkurve des Signals zu tun - also mit dem Attack und dem Decay jeder Note. Diese dynamische Hüllkurve ist auch wichtig für die Klangfarbe des Instruments. Arbeit man aus einer mikrodynamischen Sichtweise heraus möchte man diese Hüllkurve bearbeiten um die Klangfarbe eines Instruments zu verändern. 

Um das Audio Signal zu bearbeiten stehen dem Tontechniker für beide Dynamik Arten verschiedene Werkzeuge zur Auswahl. Wir werden uns hier mit dem bekanntesten seiner Gattung befassen - dem Kompressor. Ganz vereinfacht gesagt ermöglicht es der Kompressor Pegelschwankungen zu kontrollieren indem er den Unterschied zwischen dem lautesten und dem leisesten Signal reduziert. Und dazu gehört einiges mehr als man auf den ersten Blick annehmen könnten…

Antibiotika

Die meisten Tontechniker verspüren den Impuls in jeden Kanal des Projektes einen Kompressor zu hängen. Doch genau dort fängt das Problem an! Der achtlose Einsatz eines solchen Werkzeugs führt dazu dass am Ende die gesamte Komposition ruiniert ist - unabhängig davon wie gut sie eigentlich ist. Aus diesem Grund ist mein erster Tipp an Euch der folgende: Kompressoren sind die Antibiotika - übertreibt es damit nicht! Weshalb sollte man ein Synth Pad mit einem Kompressor bearbeiten wenn es eh nur im Hintergrund zu hören sein soll? Und ich möchte hier gar nicht erst auf überkomprimierter Gitarren zu sprechen kommen deren Lebendigkeit sowieso bereits mit zu starker Zerrung zerstört wurde. Ihr solltet den Vergleich mit Antibiotika sehr ernst nehmen denn Ihr lauft Gefahr dem Instrument das Leben auszusaugen oder die Klangfarbe komplett zu verändern. Zu viel Kompression ist sehr schlecht für die Gesundheit Eures Mixes. 

Meiner Meinung nach werden Kompressoren falsch eingesetzt weil es ein fundamentales Missverständnis darüber gibt wie genau diese funktionieren. Aus diesem Grund werden wir im nächsten Artikel dieser Reihe auf die verschiedenen Einsatzgebiete von Kompressoren eingehen - damit Ihr wisst wann es Zeit für die schwere Artillerie ist. 

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