Musik mit Computern
Audio Equipment und Musikinstrumente Musik mit Computern
  • Textgrösse erhöhen oder verringern
  • Drucken

Meistert die Automationsfunktionen Eurer DAW und verbessert so Euren Mix

DAW Automation 101
  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it
  • Mail

Eine der wichtigsten Funktionen Eurer DAW ist die Möglichkeit so ziemlich jeden Parameter der einzelnen Spuren zu automatisieren.

In Zeiten der analogen Bandmaschinen musste noch jeder Mix von Hand durchlaufen werden. Häufig wurden dabei sogar Musiker in die Verantwortung genommen und der Mixdown selbst zu einer regelrechten Performance. Die einzige Ausnahme zu dieser Zeit waren extrem teure Konsolen mit motorisierten Fadern.

Tontechniker markierten damals ihre Mischpulte mit weissen Klebebändern und merkten sich auf diese Weise ihre Faderbewegungen. Benötigte ein bestimmter Song mehrere Pegeländerungen so wurden schon mal mehrere Fader gleichzeitig bewegt und nur eine kleine Unaufmerksamkeit führte dazu, dass die Session wieder von vorne beginnen musste. Dies war zu dieser Zeit eine regelrechte Kunst und ein guter Mix war von weitaus mehr abhängig als nur dem können einer einzigen Person.

In Zeiten von DAWs können mit den digitalen Automationsmöglichkeiten alle diese Bewegungen nacheinander aufgezeichnet und zu einem späteren Zeitpunkt immer wieder aufgerufen werden. Die Automationsbefehle sind bei allen DAWs mehr oder weniger standardisiert - die nachfolgenden Informationen sollten als unabhängig von Eurer bevorzugten Software für Euch relevant sein.

Leben in den Spuren

Normalerweise gibt es zwei Arten mit den sich Automationsbefehle in einer DAW schreiben lassen. Man kann dies durch Bewegen des Faders, Drehen eines Reglers oder Drücken einer Taste realisieren, oder mann kann es grafisch einzeichnen. Egal für was man sich entscheidet man kann in jedem Fall zu einem späteren Zeitpunkt weitere Änderungen vornehmen. Normalerweise wird in einer DAW die zu bearbeitende Spur als langer Balken dargestellt und die Grunddarstellung ist die einer Wellenform. Man kann diese Darstellung jedoch ganz einfach anpassen und verschiedene Automationen anzeigen, oder bei gewissen Anwendungen eine eigene Spur aufklappen, über die man dann Zugriff auf Parameter wie Volume, Pan und so weiter hat.

Unten seht Ihr ein Beispiel aus Avid Pro Toos 10, wo die Spuren auf die Automationsanzeige umgeschaltet wurden. Neben den Spuren mit Volumenautomation sieht man auch noch eine mit einer dreieckigen Kurve - diese automatisiert die Pan Bewegungen.

 
 

Der richtige Modus

Zuerst sollten wir uns aber mal die verschiedenen Automationsmodi Eurer DAW genauer anschauen - diese haben einen grossen Einfluss darauf wie Automationsdateien geschrieben werden. Die meisten DAWs verwenden diese Bezeichnungen (oder etwas sehr ähnliches) und der Modus kann für jede Spur separat gewählt werden.

Off Modus:Automation ist ausgeschaltet

Read Modus: In diesem Modus lesen die Spuren die Automation, aber keine weiteren Daten werden geschrieben. Diesen Modus sollte man einschalten, falls man eine Spur mit Automationsdateien abspielen möchte.

Touch Modus: Im Touch Modus wird die Faderbewegung bei jeder Veränderung direkt aufgezeichnet, doch sobald die Änderungen aufhören springt der Fader auf den ursprünglichen Wert zurück. Dieser Modus ist vor allem sehr nützlich wenn man bereits bestehende Automationsdateien optimieren möchte. Sagen wir Ihr hättet eine Stimme perfekt automatisiert und nur bei einer Stelle möchtet Ihr nachbessern - einfach den Touch Modus wählen und an dieser Stelle nachbearbeiten ohne dabei den Rest zu verändern.

Latch Modus: Ebenfalls sehr nützlich. Latch Modus fängt an zu schreiben sobald Ihr den Fader berührt und bleibt anschliessend in der letzten Position stehen. Gibt es zum Beispiel einen Gitarrenpart, der in einem Teil extrem leise, aber anschliessend für eine lange Sektion sehr laut sein muss, so könnt Ihr einfach im Latch Modus den Fader anheben und loslassen - die Lautstärke wird ab diesem Moment übernommen.

Write Modus: Überschreibt Automationsdateien während des Abspielens. Dies eignet sich also vor allem für den ersten Durchgang, aber eher weniger für Optimierungen, da Ihr auf diese Art und Weise schnell ungewollt etwas überschreiben könntet.

Einzeichnen

Automationen können aber auch grafisch eingezeichnet werden. Häufig ist dies auch die bevorzugte Herangehensweise wenn man bestehende Automationen überschreiben oder anpassen möchte. Öffnet die Automationsspur und Ihr sollte eine Linie sehen welche den Wert des angewählten Parameters visuell darstellt. Ist Euer Fader auf -2dB, so sollte dies die Linie an diesem Ort ebenfalls sein. Beim Bearbeiten der Automationsdateien werden Eckpunkte erzeugt und Ihr könnte diese anwählen und die Werte entsprechend verändern.

Dieser Ausschnitt zeigt eine Stimmenaufnahme (in Violett) wo mit Automation gewisse Peaks gezähmt wurden. Weiter wurde der Sänger ganz rechts komplett stumm geschaltet, damit an dieser Stelle keine unnötigen Störgeräusche im Mix zu hören sind. Die kleinen schwarzen Punkte sind die eben erwähnten Eckpunkte.

Häufig stellt einem die DAW auch ein Stiftwerkzeug zur Verfügung mit dem sich die Automation direkt einzeichen lässt. Automationsdateien grafisch editieren kann schon etwas Zeit benötigen und die Eckdaten gezielt auswählen ist auch nicht immer so ganz einfach, doch mit Zeit wird man merken, dass diese Art der Bearbeitung sehr leistungsfähig und effizient sein kann.

Abschliessende Gedanken

Automation gibt Euch sehr genau Kontrolle über Euren Mix. Egal ob Ihr jetzt eine Stimme im Pegal anpasst, Effekte stummschaltet, oder Autopan Effekte realisiert, einen Mix zu automatisieren gibt Euch Möglichkeiten welche Tontechniker 'in der guten alten Zeit' nie hatten. Lernt die Automationsfunktionen Eurer DAW gut kennen - sie werden Euch viele Aufgaben vereinfachen!

Sind Sie der erste, der auf diesen Artikel reagiert
Sind Sie der erste, der auf diesen Artikel reagiert
  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it
  • Mail