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Line 6 M13: Der Test

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Zuerst hatte man bei Line6 Effekt Pedale gemodelt, die auf einen bestimmten Effekt Typ ausgerichtet waren. Dieses Konzept wurde nun zum M13 erweitert: Ein Multi-Effekt-Gerät, dass all diese Module in einem Gerät vereint und zudem neue Funktionen hinzufügt.



Der Name Line6 ist so eng mit ihrem Pod verbunden da vergisst man gern die Tatsache, dass so mancher berühmte Gitarrist einen Stomp Box Modeler in seinem Effekte-Arsenal hat. Zuerst hatte man bei Line6 also Effekt Pedale gemodelt und zusammengestellt, die auf einen bestimmten Effekt Typ ausgerichtet waren. Dieses Konzept erweiterten sie nun zum M13: Ein Multi-Effekt-Gerät, dass all diese Module in einem Gerät vereint und zudem neue Funktionen hinzufügt.

M13Weg gekommen ist man von dem ursprünglichen grossen Format vieler Bode-Multieffekte: Der M13 kommt als etwa 40cm breites, fast quadratisches Pedal daher. Den meisten Platz nehmen die vier identischen Einheiten ein (sie sehen fast wie Kanalzüge aus) – alle mit Bildschirm, Knöpfen, einem Trittschutz und drei Fussschaltern. Drei weitere Fussschalter sind ganz rechts vorzufinden.

Auf der Rückseite gibt es 2 Stereo Eingänge und jeweils einen Mono und und einen Stereo Eingang. Dazu kommen ein Effects Loop, Midi in/out und ein paar Eingänge für Expression Pedals. Der M13 macht einen äusserst robusten und schweren Eindruck. Er ist fast ganz aus Eisen gefertigt – einzige Ausnahme sind die Knöpfe unter dem Bildschirm.

Einmal eingeschaltet leuchtet die ganze Maschine auf – Lichter überall! Bildschirme, LEDS neben den Fussschaltern, blinkendes Tap Tempo – alles in Multicolor! Schauen wir uns also die Sache mal genauer an.

Übersicht

AffichagesDa dieses Gerät sich als einfach verständlich und geradlinig versteht, beschloss ich meine Gitarre und Verstärker zur Hand zu nehmen und einfach mal drauf los zu spielen. Anfangs war ich offen gesagt ein wenig verwirrt. Als Gitarrist besitze ich ein Haufen Pedale – somit erwartete ich, dass ein Fussschalter einfach ein Preset aktiviert und damit hat sich’s. Aber dem war nicht so. Also griff ich dann doch zu der von Line6 beigelegten Bedienungsanleitung um mal die Grundzüge des M13 zu erforschen.

Tatsächlich muss man um das M13 zu verstehen es eher als eine Art Pedalboard anschauen, das vier miteinander verbundene Bodentreter in Serie aufweist. Diese sind dann jeweils mit drei Voreinstellungen versehen plus einem zusätzlichen Bypass. Jede "Einheit", die ich oben erwähnt hatte steht für einen Bodeneffekt. Jeweils drei Fussschalter pro "Einheit" mit den Namen A, B, C erlauben das Auswählen von Voreinstellungen (Presets). Direkt unter jedem Fussschalter befindet sich ein mehrfarbiges LED, dass einem anzeigt welcher Effekt ausgewählt wurde: Gelb für Verzerrungen, Blau für Modulatioseffekte, Grün für Delays, Rot für Reverbs (Hall) and Violet für Filter Effekte. Die ausgewählte Voreinstellung kann man anhand der LED leicht erkennen, da diese dann heller als der Rest leuchtet. Wenn sich das Gerät im Bypass Modus befindet wird die obere Anzeige grau angezeigt.

Wenn man die von Line6 vorgeschlagenen Voreinstellungen durchsucht realisiert man, dass dies ganz anders von Statten geht als es man sich vielleicht von sonstigen Multieffekt-Geräten gewöhnt ist. Diese haben häufig eine starre Algoritmus-Struktur – dies ganz im Gegensatz zu der Möglichkeit jeden Effekt jedem Pedal zuweisen zu können. Somit ist es also zum Beispiel möglich bis zu vier Verzerrungen, Modulationseffekte, Reverbs, Delays oder Filter in Serie zu setzen! Völlige Freiheit!

Um ein Preset zu programmieren muss man ledglich den 'type' Knopf drücken um den gewünschten Effekt-Typ auswählen (der LCD nimmt dann die jeweilige Farbe an), und dann denselben Knopf drehen um das jeweilige 'Model' auszusuchen. Dann kann man sich ans Feinjustieren des Klanges machen indem man sich an den Einstellungen auf der kleinen Anzeige oberhalb der Fussschalter orientiert und die Werte mit den Potis direkt unterhalb einstellt. Es gibt nichts weiteres zu tun – der M13 merkt sich die vorgenommenen Einstellungen automatisch – genau wie beim Original. Einfach, oder? Es gibt aber auch einen kleinen Nachteil: Da die Potis nicht motorisiert sind (das hätte wahrscheinlich einfach zu viel gekostet) zeigen die Einstellungen nicht die effektiven Werte der letzten Voreinstellung an. Andrerseits ändert sich dieser Wert sobald man an den Knöpfen zu drehen beginnt...seid also auf Überraschungen vorbereitet. Wenn wir schon mal von Nachteilen reden: Die Empfindlichkeit der Potis scheint bei allen Arten von Effekten dieselbe zu sein. Zwar führt dies nicht zwingend zu Problemen und fällt bei den meisten Effekten auch nicht gross auf. Dennoch kann dadurch eine Feineinstellung von Delays etwas schwierig werden – vor allem wenn man kurze Intervalle programmieren möchte. Dies ist etwas unglücklich, da man ja auf der anderen Seite bei grossen Hallfahnen nicht unbedingt Millisekunden benötigt.

Wie tönt es denn?

TrancheDer M13 hat fünf Hauptbereiche an Effekten mit einer Gesamtzahl von 75 unterschiedlichen Effekten. Aus Platzmangel können wir hier nicht auf alle im Detail eingehen. Ich werde mich also auf eine allgemeine Beurteilung der Hauptbereiche beschränken. Es sollte jedoch vorab bemerkt werden, dass jeder Effekt baugleich mit den Algorithmen der Line6 Stompbox Modelers sind. Ihr könnt Tests zu diesen Geräten auf Audiofanzine finden (im Augenblick noch auf Englisch) – geht auf DM4 für Verzerrungen, DL4 für Delays, MM4 für Modulationen, FM4 für Filter, Verbzilla für Hall (Reverb).

Die Verzerrungen sind recht unterschiedlich und viele kann man auf anhieb erkennen. Andere sind da schon eher exotisch aber immer noch sehr interessant. Generell kann gesagt werden, dass die Models einiges komprimierter sind als deren physische Vorbilder. Meiner Meinung nach hört man dies vor allem bei den 'Overdrives'. Die 'Fuzz' Verzerrungen - welche von sich aus ja schon einiges mehr komprimiert sind – schnitten da schon besser ab. Ein bisschen enttäuscht war ich bei der 'Metal Zone' Simulation welche entgegen seinem Original keinen parametrischen Equalizer aufweist.

Die Modulationen sind sehr effektiv. Es gibt verschiedenste Chorus, Phaser, Flanger und Tremolos zur Auswahl. Auch hier sind die Charakteristiken der Vorbilder ohne Zweifel zu erkennen. Die einzige Ausnahmen bildete die Univibe, welche für meinen Geschmack ein wenig handzahm im Vergleich zum Original daher kam.

Die Delays sind meiner Meinung nach die am besten gelungenen des M13. Simulierte Band Echos, analoge Echos, digital und reverse Echos – alles vorhanden und wunderbar einsetzbar. Definitv mein liebster Teil dieses Gerätes!

Die Filter öffnen die Tür in den Hyperspace! Man findet mehrere Envelope Filter, Bass Synthesizer und viele Kombinationen von Filtern die von Line6 kreiert wurden. Der Sound wird dadurch natürlich radikal geändert – wie Klänge aus einer anderen Welt. Sehr gut brauchbar wenn man neue Klänge erzeugen möchte.

Bei den Reverbs findet man vom klassischen Fender 'Spring' Reverb bis hin zu langen digitalen Delays alles was das Herz begehrt. Es klingen alle sehr amtlich – eine spezielle Erwähnung bekommt das 'Octave' Reverb welches einen wunderschön luftigen Effekt erzeugt.

Hier ist ein kleines Klangbeispiel das ich aufgenommen habe.

Looper und Co.

ConnectiqueDer M13 hält noch weitere Überraschungen. Wir haben noch mit keinem Wort über die drei Fussschalter auf der rechten Seite gesprochen. Diese sprechen jeweils zwei Funktionen an. Ganz unten ist der 'Tap' Schalter welcher das zeitgenaue eingeben von Delays, Modulationen oder anderen Parametern ermöglicht. Der Vorteil des M13 liegt nun auch darin, dass man hier alle Pedale miteinander synchronisieren kann.
Drückt man den Knopf länger kommt man zum eingebauten Stimmgerät.

Der zweite Fussschalter aktiviert den 'Looper', welcher bis 28 Sekunden Aufnahme zulässt. Wenn dieser eingestellt ist ändern die zwei untersten Reihen der Schalter ihre Aufgabe um den Looper zu kontrollieren. Man kann damit aufnehmen, zu einer Aufnahme spielen und Samples die übereinander liegen zu kontrollieren. Man kann aber auch Samples rückwärts oder auf halbem Tempo abspielen (die Note geht dann eine Oktave runter). Die obersten 4 Schalter kontrollieren immer noch die 4 ausgewählten Effekte, welche ausgewählt waren, als der Looper eingeschaltet wurde. Der Looper kann vor oder nach die Effekte geschalten werden – dies erlaubt eine grosse Möglichkeit an Klanggestaltung!

SwitchsMit dem obersten der drei Schalter 'Scene' beenden wir die Tour durch dieses Gerät. Die Funktion erinnert am ehesten an eine 'Bank' wie sie in den klassischen Multieffekt-Geräten vorzufinden sind. Seine Rolle ist den Anwender zwischen einer von 12 'Scenes' (oder Konfigurationen) von Pedalen wählen zu lassen, die der M13 in seinem Speicher laden kann.

Wir könnten hier aufhören, aber ich habe noch was: Wenn man den 'Scene' Schalter länger drückt kommt man in das Einstellungen-Menü des Geräts. Da Line6 den M13 auch für Leute entwickelt hat, die sich eher nicht im allzu konventionellen musikalischen Bereich bewegen möchten, kann man viele der Funktionen auch nach persönlichem Geschmack anpassen. Es stellt also kein Problem dar wenn man 'Presets' verändern und eigene Einstellungen als Grundsounds verwenden möchte. Auch sollte man den Sound mal auf die andere Richtung durch den M13 schicken kann man das ganz einfach. Man kann auch den Loop Effekt irgendwo in die Signalkette stellen und den Bypass-Modus auf 'True Bypass' stellen. Wenn man den M13 wie einen klassischen Bodentreter verwenden möchte – also mit einem Effekt pro Schalter – dann ist ein Modus vorhanden, bei dem man dieses Gerät auf diese Art benutzen kann (mit 12 'Memory-Slots')
Schliesslich bleibt nur noch die MIDI Implementation zu erwähnen. (eher ein Mysterium wenn man die Bedienungsanleitung liest, aber der 'Advance Guide' schafft da mehr Klarheit).

Fazit

SwitchsMit was für einem Gefühl verlassen wir den M13 nun? Zunächst mal mit dem Eindruck, das der M13 nicht das alltägliche Effektgerät ist. Es ist ein Hybrid zwischen einem traditionellen Multieffekt und einem Set modelierter Bodeneffekte. Als Sahnehäubchen gibt es dazu noch einen vollwertigen Looper.

Während des Benutzens fängt man an die komplette Flexibilität sehr zu schätzen. Sicherlich wird sie Benutzer von Multieffekten sowie Benutzer von Bodentretern gleichwohl ansprechen. Selbstverständlich kann man die Effekte auf dem Gerät nicht selber wählen, aber die eindrückliche Sammlung und der Effects-Loop (durch den man seine Lieblingspedale dann doch noch jagen kann) sind mehr als ausreichend. Ehrlich gesagt abgesehen mal vom Sound und der Qualität ein paar weniger Effekte ist es schwierig etwas an dem M13 auszusetzen.

Vielleicht hätte man ihm noch einen Channel-Switch Ausgang für Verstärker geben können. Aber dies ist eine Kleinigkeit verglichen mit den enormen Möglichkeiten, die in diesem Gerät stecken.

Somit ist die eigentlich Frage dann auch wohl wer das ganze Potential des M13 auch wirklich ausnutzen kann? Die Antwort ist jedoch unwichtig weil man für weniger als den Preis von zwei Line6 Stompbox-Modeller Pedalen die komplette Kollektion mitsamt neuen Möglichkeiten erhält. Line6 hat einen neuen Ansatz für den Umgang mit Multieffekten gestartet der sehr wahrscheinlich schon bald auch selber emuliert wird.

+ Riesige Effekte Sammlung
+ Flexible Einsetzbarkeit
+ Eingebauter Looper & Tuner
+ Grossartige Modulationen und Delays
+ Ein völlig neuer Ansatz bei Multieffekten

- Die Qualität der Verzerrungen im Vergleich zum Rest
- MIDI Dokumentation unbrauchbar
- Nicht möglich Gitarrenverstärker zu switchen
- Effekte editieren: Knöpfe nicht genug fein justierbar
- LCDs hätten ein wenig nach vorne gerichtet sein sollen, damit man sie besser sehen kann.