Peavey Vypyr 75
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Peavey Vypyr 75

Vypyr 75, Modelling Combo Guitar Amp from Peavey in the Vypyr series.

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Peavey Vypyr 75: Der Test

Peavey Vypyr 75: Der Test
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Mit der Vypyr Serie versucht Peavey, eine Alternative zur erfolgreichen Spider Serie von Line6 zu bieten und sich einen Teil des Marktes für Modeling Verstärker zu sichern. In diesem Test werden wir das Modell Vypyr 75 genauer unter die Lupe nehmen. Könnte es sein, dass sich Line6 diesen Winter etwas wärmer als sonst anziehen muss?



Dank seiner Transtube Technologie war Peavey in den 90er Jahren einer der führenden Hersteller von Solidstate Verstärkern. Mit dieser Technologie konnte der Klang einer Röhre mehr oder weniger erfolgreich simuliert werden. Betrachtet man diesen Hintergrund zusammen mit dem Fakt, dass Modeling Verstärker im Augenblick der letzte Schrei sind, so ist es auch nicht erstaunlich, dass sich der amerikanische Hersteller selber ein Stück von diesem Kuchen abschneiden möchte. Line6 war mit seiner Spider Amp Serie und unzähligen Vorverstärker Simulationen und Effekten zwar der erste Hersteller auf dem Markt, doch Vox liess mit seinen Valvetronic Modellen nicht lange auf sich warten.

Peavey versucht nun selber diesen wachsenden und zugleich stark umkämpften Markt zu erobern. Packen wir also den 75 Watt Vypyr aus...

Aus der Box

Peavey Vypyr 75Wenn man sich zum ersten Mal vor diese 44lb schwere Box stellt, dann stellen sich zwei verschiedene Gefühlsregungen ein: Zum einen eine gewisse Furcht vor den verschiedenen Bedienelementen und den vielen roten und grünen LEDs (grossartig für nächste Weihnachten!), zum anderen eine gewisse Abscheu gegenüber dem fragwürdigen Aussehen, dass vielleicht noch in den 70er Jahren als futuristisch durchgegangen wäre. Nun, dies ist sicherlich nicht der beste erste Eindruck - doch von solchen Kleinigkeiten lassen wir uns nicht ablenken. Wir werden also unsere Vorurteile beiseite legen und diesen Vypyr Stück für Stück durchleuchten...

Fangen wir zunächst mit den Verbindungsmöglichkeiten und dem unerlässlichen 'Guitar Input' an, welcher in der Bedienungsanleitung sogar für einen Witz herhalten muss: 'Sollten Sie Schwierigkeiten haben, diesen Teil des Verstärkers zu verstehen, dann bitten wir Sie, den Verstärker zurück in die Box zu legen und sich ein paar Schlagzeugstöcke zu kaufen. * (*Bei der Erstellung dieser Bedienungsanleitung wurden keine Schlagzeuger verletzt).' Ich muss zugeben, dass dies für ein paar Lacher in der Redaktion gesorgt hat - Witze über Schlagzeuger treffen eigentlich immer ins Schwarze.

Man findet auch einen 1/8" Aux Eingang für Stereosignale (iPod, Drum Machine, etc.) und einen Kopfhörerausgang (schaltet bei angeschlossenem Kopfhörer den Lautsprecher stumm). Schliesslich steht einem noch eine USB Verbindung zur Verfügung, über die ohne zusätzliche Treiber direkt auf einen Computer aufgenommen werden kann (inklusive einer Mikrofonsimulation). Cool!

Auf der Rückseite befindet sich ein Eingang für den optional erhältlichen Fussschalter, sowie eine Verbindung für eine zusätzliche Lautsprecherbox (der eingebaute Lautsprecher ist ein 12" Blue Marvel). Peavey hat vergessen, dem Verstärker einen FX Loop zu spendieren, damit man seine Lieblingseffekte auch entsprechend einschleifen kann. Auch wenn es an integrierten Effekten nicht mangelt, so ist dies doch sehr bedauerlich.

Schauen wir uns jetzt aber einmal die vorderen Bedienelemente an...

Und es werde Licht

Peavey Vypyr 75Schaltet man den Verstärker ein, ohne zuvor eine Gitarre eingesteckt zu haben, wird man von wild blinkenden LEDs begrüsst. Das erscheint alles sehr kitschig und sinnlos (ausser man stellt den Vypyr unter den Weihnachtsbaum), doch irgendwie hat es auch etwas eigenes.

Doch was sollen die ganzen LEDs eigentlich? Nun, jeder Endlosregler wird von einem LED-Kranz umgeben, welcher den ausgewählten Effekt, Verstärker und sonstige momentane Einstellung anzeigt. Das ganze ist sehr gut lesbar, aber leider nicht sehr präzise: Die EQ-Regler besitzen zum Beispiel lediglich 7 LEDs. Beim 'Stompbox' Regler sind sie dagegen wieder sehr hilfreich, da jedes LED einem der 11 verschiedenen Vorverstärker Effekte zugewiesen wurde: XR Wild (warmer Overdrive), X Boost (Booster), Fuzz, BC Chorus, Squeeze (Kompressor), Ring Modulator, Auto Wah, MOG (Octaver FX welcher zwei Noten gleichzeitig erzeugt), Analog Phase, Tube Scrm und Bypass. Für jeden Effekt können verschiedene Parameter editiert werden. Dazu muss man den 'Stompbox'-Regler drücken und die Werte über den 'EQ'- und 'Gain'-Regler einstellen.

Die Liste der Verstärkermodelle ist ziemlich ausführlich: Twn (Fender Twin), Dlx (Fender Vintage Tweed), Plxi (Marshall Plexi), Brit (British Amp), B-Kat (Rock Amp), Classic (Peavey Classic 50), XXX (Peavey Triple XXX), JSX (Peavey's Satriani Modell), 6505 (5150-ähnlicher Metal Amp), Rec (ewas sanftere Verzerrrung), K-Stein und DZL (Hi-Gain). Man kann bei jedem Verstärkermodell durch Drücken der 'Amp Control' zwischen zwei Kanälen wählen: Grünes LED (Clean Channel) und rotes LED (Lead Channel).

Peavey Vypyr 75Der Vypyr besitzt zudem 11 sogenannte 'Post Amp' Effekte (Effekte, die nach dem Vorverstärker eingeschleift werden): Delay und Reverb, Octaver (erzeugt ebenfalls zwei Noten), Phaser, Rotary Speaker, Reverse (Reverse Echo), Pitch Shifter, Flanger, Slap Back (kurzes, schnelles Echo), Envelope Filter (Auto-Wah), Chorus, Tremolo, Looper (benötigt den optionalen Fussschalter) und Bypass.

Es gibt auch einen 3-Band EQ (Low, Mid, High) und Einstellungen für Pre Gain und Post Gain. Durch Drücken der 'Stompbox'-, oder 'FX Encoder'-Regler können entsprechende Parameter wie Delay Time, Reverb Level, Flanger Speed, oder Gain eingestellt werden. Der Regler für das Master Volumen geht bis 13 (!) - da sieht sogar der Gitarrist von Spinal Tap wie ein Schwächling aus... Vorsprung durch Technik! Schliesslich gibt es da noch den 'Power Sponge'-Regler, über den sich ein voll aufgedrehter Verstärker simulieren lässt, ohne dabei den eigentlichen Pegel anzuheben.

Bei so vielen Einstellungen wäre es wahrlich eine Schande, wenn man die fertigen Sounds nicht auch abspeichern könnte. Deshalb bietet Peavey dem Gitarristen insgesamt 12 Speicherplätze (sortiert in 3 Banks mit jeweils 4 Presets). Deren Einsatz ist wirklich kinderleicht: Möchte man einen Sound speichern, muss man lediglich auf das gewünschte Preset drücken und für eine Weile gedrückt halten. Möchte man seine Einstellungen zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufrufen, muss man nur dieselbe Taste abermals kurz drücken. Über die 'Tempo'-Taste können Effekte wie Delay, oder Tremolo mit dem Tempo des Songs synchronisiert werden.

To be or not USB

Unser Versuch den USB-Ausgang mit einem Mac und Logic 8 zu betreiben war leider erfolglos. Mit Audio Hijack verwendeten wir deshalb stattdessen eine kleine Software als Alternative. Auch beim PC gab es Probleme: Reaper erkannte den Vypyr nicht, Dinosaur Audio dagegen schon.

Der Sound des Vypyr

Peavey Vypyr 75Weiter unten könnt Ihr ein paar Klangbeispiele finden, die wir mit einem BeyerDynamic M88 aufgenommen haben.

Mit seinen 24 Modellen (12 Verstärker mit jeweils zwei Kanälen) ist dieser Verstärker ziemlich vielseitig. Auch wenn nicht alle Sounds immer wirklich dem Original nachempfunden wurden, so sind sie doch allesamt ziemlich gut (vor allem wenn man den Preis des Vypyr betrachtet).  Fender ähnliche Clean Sounds sind schön dicht und über den zweiten Kanal kann sogar so etwas wie ein Crunch erzeugt werden. Die Marshall ähnlichen Verstärker tönen ebenfalls ziemlich gut. Der 'Brit' Vorverstärker überzeugt dagegen weniger, dafür machen die Peavey und Hi-Gain Modelle dieses Manko wieder wett. Bei den Effekten gibt es nichts zu meckern: An jede Geschmacksrichtung wurde gedacht (sogar an Leute ohne Geschmack...). Alle Effekte tönen gut und keiner scheint unnötig, oder fehl am Platz. Das grösste Manko sind wohl die verschiedenen Hi-Gain Modelle, welche sich klanglich nur minimal von einander unterscheiden.

Die folgenden Klangbeispiele wurden mit einer Gibson Les Paul Studio aufgenommen (zuerst der grüne, dann der rote Kanal):


Wir haben die Effekte über den grünen Kanal der 'Tweed'-Simulation getestet:

Die 'Pre Amp' Effekte:


Alle Vorverstärker Effekte tönen gut. Die Distortion Pedale tönen überzeugend (speziell 'XR Wild) und die Modulationseffekte leisten wirklich gute Arbeit (speziell 'Analog Phase'). Natürlich sind gewisse Effekte überflüssiger als andere - aber das ist bei so einer Auswahl auch normal.


Die 'Post Amp' Effekte:


Die hochwertigen Flanger und Chorus Effekte sind für einen Verstärker in dieser Preisklasse eine wirklich angenehme Überraschung. Beim Octaver sind Artefakte und eine kurze Latenz aufgefallen - da verwendet man lieber den Pitch Shifter...

Fazit

Peavey Vypyr 75Peavey hat seine langjährige Erfahrung eingesetzt und einen Verstärker mit grossen klanglichen Möglichkeiten, einem günstigem Preis, 24 hochwertigen Verstärkermodellen, einer Vielzahl von Effekten (was für junge Gitarristen schon auch mal zu viel des Guten sein kann), 75 Watt (mehr als genug, um mit einer Band spielen zu können), einem grässlichen Aussehen und einem Master Volumen (das bis 13 geht!) vorgestellt. All das für unter €300! Was will man also mehr? Line6 sollte sich also warm anziehen, denn hier kommt ein neuer Mitstreiter!

  • Grosse Auswahl an Verstärkermodellen
  • Eine riesige Auswahl an Effekten (Pre und Post Amp)
  • Insgesamt gute Klangqualität
  • Sehr gutes Preis-/Leistungs-Verhältnis
  • Kopfhörerausgang und Aux-Eingang
  • Master Volumen geht rauf bis 13!

  • Kein FX Loop
  • Unzuverlässiger USB Ausgang
  • Geschmackloses Aussehen
  • EQ mit unpräziser LED Anzeige
  • Optionaler Fussschalter