Marshall JMD501
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Marshall JMD501

JMD501, Modelling Combo Guitar Amp from Marshall in the JMD1 series.

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Marshall JMD501: Der Test

16-in-1 Marshall
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Marshall und seine Verstärker gehören nun schon seit über 40 Jahren zum Grundwortschatz eines jeden Gitarristen. Manchmal in den siebten Himmel gelobt, manchmal verhöhnt, so hat doch schon fast jeder von einem Marshall Plexi, JMP und JCM800 gehört. Nach der Veröffentlichung einer neuen Vollröhren-Serie (JVM), einer Solidstate-Serie (MGFX) und einer Röhren/Solidstate-Hybrid Serie (Valvestate) hat es Marshall eigentlich nur noch an einer Kombination aus digitaler und Röhrentechnologie gemangelt. In Zusammenarbeit mit Softube (bekannt für ihre Software Verstärkeremulationen) hat aus diesem Grund Marshall jetzt die neue JMD:1 Serie vorgestellt und die 'halbdigitale' Welt betreten. Heute nehmen wir das Modell JMD501 etwas genauer unter die Lupe.

Auspacken

 

Beim JMD501 handelt es sich um eine 50 Watt Combo Version der JMD:1 Produktfamilie. Sobald man ihn aus der Schachtel hievt fällt einem der typische Marshall Look auf: Goldene Vorderseite, klassische Regler, Logo, Typografie...im Westen nichts Neues! Die Dimensionen (25" x 20.7" x 10") und das Gewicht (50 lb.) sind für einen 50 Watt Comboverstärker ebenfalls ganz normal. Der JMD501 wurde zudem mit einem 12'' Lautsprecher, zwei EL34 (Endstufe) und einer ECC83 (Vorverstärker) bestückt.

 

Vorderseite

 

Marshall JMD501Auf der Vorderseite findet sich auch der Stecker für das Gitarrenkabel und ein Regler über den man eines der 16 Verstärkermodelle auswählen kann. Um zu wissen welche Emulation man gerade ausgewählt hat, muss man jedoch schon die Bedienungsanleitung zücken - auf dem Verstärker selber ist keine Beschriftung im Stil von 'Ich bin ein JCM800' oder 'Ich bin ein Guv'nor' zu finden. Stattdessen wird man mit vagen Beschreibungen wie 'Clean Natural' und 'Lead Classic' abgespiesen. Vielleicht wollte es Marshall hier aber auch nicht zu weit treiben. Lest einfach die Bedienungsanleitung um Euch ein Bild über die Topologie jeder einzelnen Emulation zu machen.

 

Marshall JMD501Auf der Vorderseite befinden sich auch die herkömmlichen Regler für Gain, EQ (3-Band mit Bass, Middle, Treble) und Volume. Diese fünf Regler sprechen jedoch bei den verschiedenen Emulationen unterschiedlich an.

 

Es stehen vier Kanäle zur Verfügung, welche mit einer beliebigen Einstellung abgespeichert werden können. Weiter wird ein 'Manual Mode' geboten, der sehr praktisch ist um die klanglichen Möglichkeiten dieses Verstärkers zu ergründen. Mit dem Verstärker wird auch ein Fussschalter ausgeliefert mit dem man die Kanäle und Presets umschalten kann.

 

Wie bei Line 6 Verstärkern werden die Modulationseffekte über einen einzigen Regler ausgewählt und eingestellt. Man hat die Wahl zwischen Gate, Chorus, Phaser, Flanger und Tremolo. Die Geschwindigkeit wird durch die Position des Mod Adjust Reglers definiert. Leider ist es nicht möglich zwei Effekte gleichzeitig zu betreiben. Der Verstärker besitzt auch ein Delay mit Tap Tempo sowie verschiedene Modelings die sich auf die Wiederholungen auswirken (Hi-Fi, Analogue, Tape und Multi). Schliesslich verfügt der JMD501 über einen digitalen Hall. Insgesamt hinterlässt der Verstärker dank seinen verschiedenen Effekten und Einstellungsmöglichkeiten in diesem Bereich einen recht guten Eindruck. Am Ende des Signalpfads befinden sich noch der Presence Regler und das Master Volumen. Es sollte zudem noch erwähnt werden, dass der Verstärker über einen Ein-/Ausschalter und einen Standby-Schalter verstückt.

 

Rückseite

 

Marshall JMD501Was Verbindungsmöglichkeiten betrifft so wurde der JMD501 reich beschenkt! Neben zusätzlichen 'Speaker Outs' (ein 16 Ohm, ein 8 Ohm und zwei 16 Ohm) wird dem Gitarristen auch 'Effect Loop' mit Send/Return Verbindungen, ein +4dB/-10dB Umschalter und ein 'Mix Control' Regler geboten.

 

Marshall JMD501Der 'Vorverstärker Output' ermöglicht es den JMD501 an einen externen Verstärker anzuschliessen. Diese Verbindungen ist auch aktiv wenn sich der Verstärker im Standby Modus befindet (Silent Recording Mode). Dasselbe gilt für den Kopfhörerausgang, mit dem sich Verstärker spielen lässt, ohne dass dabei die gesamte Nachbarschaft in Mitleidenschaft gezogen wird.

 

Ein 'Line Input' ermöglicht das Anschliessen eine MP3- oder CD-Players - somit ist es ein Einfaches ein Playback in seinen Verstärker zu speisen. Der Verstärker besitzt zudem einen 'Emulated' Ausgang im XLR Format bei dem die Mikrofonierung eines 4x12'' Cabinets emuliert wird. Wie beim Kopfhörer- und Vorverstärker-Ausgang kann auch dieser im Standby Modus verwendet werden.

 

Marshall JMD501Der Fussschalter wird mit dem speziell dafür gekennzeichneten Eingang verbunden, doch der Verstärker kann auch über einen zusätzlichen MIDI In/Out angesteuert werden. Es sollte erwähnt werden, dass die Bedienung des Fussschalters anfangs nicht ganz logisch erscheint. Ich habe bereits mit dem JVM210H Fussschalter meine Erfahrungen gemacht, und ihn als etwas unpraktisch empfunden (Drückt man einen Schalter zum zweiten Mal kann man den Modus wechseln ohne dabei den Kanal zu ändern). Der JMD501 Fussschalter verfügt über 6 Schalter und ermöglicht es im Preset Store Modus direkt bis zu 28 Presets zu speichern. Man kann dem Fussschalter zudem gewisse Regler des Verstärkers zuweisen: Manual, Channel 1-4, Modulation On/Off, Delay On/Off, Tap Tempo, FX Loop und Compare.

 

Doch nun ist es höchste Zeit uns einmal diesen einzigartigen Verstärker anzuhören!

 

Ihr möchtet alles aufs Mal?

Die Philosophie dieser neuen Serie suggeriert, dass man basierend auf derselben Röhren-Endstufe (zwei EL34 im JDM501) mit einem digitalen Vorverstärker (inklusive einer ECC83) fast jeden Sound der besten Marshall Verstärker erzeugen kann. Diese digitale Technologie wurde von Softube patentiert und trägt den Namen 'Natural Harmonic Technology'. Hier ist mal eine Liste der verfügbaren Vorverstärker-Models:

 

 

* Clean 1 Modern: Marshall JVM410H Vorverstärker, Clean channel in Green mode.

 

* Clean 2 Full: Marshall JCM2000 DSL100 Vorverstärker, Clean channel with Tone Shift on.

 

* Clean 3 Classic: Marshall JMP-1 Vorverstärker, Clean 1 with Bass Shift on.

 

* Clean 4 Natural: JMD:1 Vorverstärker mit flachem Frequenzgang (der erste einzigartige und neue Sound dieses Verstärkers).

 

* Crunch 5 Vintage: Mix aus Marshall's 1959 und 1964 Vorverstärkern.

 

* Crunch 6 Classic: Marshall JCM800 2203 Vorverstärker.

 

* Crunch 7 Deep: Marshall Haze 40 Vorverstärker (new tube amp made in Asia).

 

* Crunch 8 Full: Marshall 1974 Vorverstärker.

 

* Overdrive 9 Classic: Marshall JMP-1 Vorverstärker mit OD2 Preset.

 

* Overdrive 10 Modern: Marshall JVM410H Vorverstärker, Crunch Channel im 'Red' Modus.

 

* Overdrive 11 Deep: Marshall JCM 800 2203 Vorverstärker + Bluesbreaker II Bodenpedal im Boost Modus mit Maximum Drive.

 

* Overdrive 12 Detuned: Marshall Mode Four Vorverstärker mit Scoop Mode eingeschaltet und Tone Matrix auf 3.

 

* Lead 13 Deep: 'Normal' Kanal Marshall Haze 40 Vorverstärkers mit Boost und Bright eingeschaltet + Bluesbreaker II Bodenpedal im Boost Modus mit Maximum Drive.

 

* Lead 14 Solid: Marshall Guv'nor Bodenpedal.

 

* Lead 15 Classic: Marshall JCM2000 DSL100 Vorverstärker + Bluesbreaker II Bodenpedal.

 

* Lead 16 Modern: Marshall JVM410H Vorverstärker, OD1 Kanal im 'Orange' Modus.

 

 

Die Klangbeispiele wurden in den UFO Studios in Paris aufgenommen. Zur Anwendung kam ein Chandler Limited TG2 Mikrofonvorverstärker, ein Shure SM57 und ein BeyerDynamic M160 Bändchenmikrofon. Beide Signale wurden in ein Digidesign 192 I/O Audiointerface gespiesen. Alle Emulationen wurden mit einer Gibson Les Paul Custom 1978 eingespielt.

 

Marshall JMD501Nachdem man sich die Samples angehört hat, fallen einem schnell die guten Dinge, aber auch die schlechten Dinge auf! Die Regler des Verstärkers (Gain und EQ) reagieren abhängig von der ausgewählten Emulation sehr unterschiedlich - dies erhöht die klanglichen Möglichkeiten bedeutend. Die Resultate sind allesamt interessant, auch wenn mich ein paar Emulationen ein bisschen enttäuscht haben. Speziell die 'Clean' Presets (Modern und Natural) verfügten in den Höhen nicht über die Wärme und den runden Charakter von echten Röhrenverstärkern. Extreme Einstellungen tönen ein wenig zu verschwommen und komprimiert und man fällt schon sehr schnell in ein Feedback. Ich muss jedoch zugeben, dass es mir die Crunch Presets dieses Verstärkers wirklich angetan haben. Ich war davon echt überrascht - spezielle die 'Vintage' und 'Classic' Einstellungen tönten wirklich grossartig. Die Overdrive Presets sind ebenfalls sehr brauchbar - gewisse tönen gut (Overdrive Modern, Overdrive Deep und Overdrive Classic), während andere nicht wirklich überzeugen können (Overdrive Detuned).

 

Die Qualität der Effekte ist insgesamt gut. Speziell die Modulationseffekte und das Delay mit seinen vielen Einstellungsmöglichkeiten (Tap Tempo, Tape Effekt, etc.) haben mich überzeugt. Wie so viele andere digitale Reverbs so tönt auch dieses bei hohen Volumen ein wenig ungenau.

 

Jetzt ist es aber mal an der Zeit die Samples anzuhören:

 

Vorverstärker:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Effekte:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier ist noch was Marshall an der diesjährigen Musikmesse über die JMD Series zu sagen hatte:

 

 

Fazit

Marshall hat mit der JMD Series versprochen die Verstärkertechnologie zu revolutionieren und eine Zusammenfassung ihrer legendären Verstärker in einem einzigen Combo zu bieten - und all das für unter $1'200. Doch die Wahrheit sieht ein wenig anders aus: Der Preis ist im Vergleich zur Konkurrenz ein wenig zu hoch und der Verstärker ist klanglich nicht wirklich vielseitig, da die Emulationen einzige auf Marshall Verstärker limitiert sind. Der billige Charakter gewisser Presets hat mich ein wenig enttäuscht (speziell der Clean Sound), auch wenn die Crunch Presets und die Modulationseffekte sehr gut und durchaus überzeugend sind.

 

  • Crunch Sound!
  • Gute Modulationseffekte
  • Ausführliche Verbindungsmöglichkeiten auf der Rückseite
  • Wird mit einem Fussschalter ausgeliefert
  • 16 unterschiedliche Emulationen

 

  • Preis
  • Clean Sound ein wenig zu billig
  • Der 'War-Machine' Fussschalter