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Der Unterschied zwischen den verschiedenen Mikrofontypen

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Falls Ihr nicht sicher seid, worin genau sich Kondensatormikrofone, Bändchenmikrofone und dynamische Mikrofone unterscheiden, oder was genau 'Richtcharakteristik' bedeutet, so ist dies der richtige Artikel für Euch!

Der richtige Typ

Fangen wir mal an und schauen uns nehmen die drei wichtigsten Mikrofontypen unter die Lupe:

Kondensatormikrofone sind die am häufigsten verwendeten Studiomikrofone. Hier hat man die Wahl von billigen Elektret Modellen bis hin zu hochwertigen Mikrofonen, die schon auf unzähligen Aufnahmen zum Einsatz kamen.

Kondensatormikrofone kommen häufig bei der Aufnahme von Stimmen und akustischen Instrumenten zum Einsatz. Dies liegt daran, dass dieser Mikrofontyp sehr gut ein breites Frequenzband reproduzieren kann und auch Transienten sehr gut überträgt. Vor allem letzteres ist vor allem wichtig bei Instrumenten mit einem schnellen Attack wie Becken, Snare Drums, Akustikgitarren, etc. Kondensatormikrofone benötigen für den Betrieb eine Stromversorgung. Während einige mit Batterien betrieben werden können, so benötigen die meisten 48V Phantomspeisung, welche von Mikrofonvorverstärkern, Audio Interfaces, oder Mischpulten generiert und über ein XLR Kabel übertragen wird. Kondensatormikrofone sind empfindlicher als dynamische Mikrofone und kommen aus diesem Grund auch Live nicht so viel zum Einsatz. Auf dem Bild rechts sieht man ein AKG C414 B-ULS, ein populäres und vielseitig einsetzbares Kondensatormikrofon.

Dynamische Mikrofone fangen den Klang elektromagnetisch ein und benötigen keine externe Stromversorgung. Da die Bauweise ist ziemlich robust ist, kommen dynamische Mikrofone auch bevorzugt Live zum Einsatz. Im Studio kommen klassische Shure Mikrofone wie das SM57 (zu sehen auf dem Bild links) normalerweise bei der Abnahme von Schlagzeug zur Anwendung (ausser bei den Overheads, wo man normalerweise mit Kondensatormikrofonen arbeitet), werden aber auch bei E-Gitarre und Bass Lautsprechern gerne eingesetzt. Dynamische Mikrofone übertragen hochfrequente Signale und Transienten nicht sonderlich gut und eignen sich deshalb weniger zur Abnahme von Stimmen und akustischen Instrumenten.

Bändchenmikrofone verdanken ihren Namen einem extrem dünnen Bändchenelement welches in dieser Art Mikrofon verbaut wurde. Wie Kondensatormikrofone können auch Bändchenmikrofone ein breites Frequenzspektrum reproduzieren, doch ihr Klang gilt allgemein als wärmer und runder. Ältere Modelle galten als extrem zerbrechlich, doch modernere Designs wurde auch etwas robuster gebaut. Das Royer R-121 auf der rechten Seite ist eines der bekanntesten und beliebtesten Bändchenmikrofone.

Man sieht Bändchenmikrofone nicht all zu oft in Heimstudios da die guten Modelle sehr teuer sind. Auch wenn es unter €200 bereits Bändchenmikrofone gibt, so sollte hier doch Vorsicht geboten sein. Für das Geld gibt es bereits sehr gute Kondensatormikrofone und wenn man sich für ein Bändchenmikrofon entscheidet, sollte vor allem der Vorverstärker von höchster Güte sein. Bändchenmikrofone sind grossartig bei E-Gitarren, Klavier, Bläser und Stimmen. Wer ein hochwertiges Bändchenmikrofon besitzt, der kann es eigentlich gleich einsetzen wie ein Kondensatormikrofon.

Auf die Grösse kommt es an

Mikrofone gibt es in einer Menge an Grössen, doch normalerweise redet man entweder von Grossmembran- oder Kleinmembranmikrofon. Dies hängt von der Grösse der Membrane ab - ein kleines Bauteil im Mikrofon welches durch Schallwellen in Schwingung versetzt wird und diese Schwingung anschliessend in Strom umwandelt. Beide Grössen besitzen eigene klangliche Eigenschaften und es gibt jeweils Vor- und Nachteile (auf der linken Seite sieht man das Grossmembranmikrofon Røde NT1A neben einem Kleinmembranmikrofon Oktava MK-012-01).  

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht den Anschein hat, so eigenen sich Kleinmembranmikrofone besser um ein möglichst breites Frequenzband abzudecken. Dies macht sie zur bevorzugten Wahl für Instrumente mit vielen Höhenanteilen wie zum Beispiel Stahlsaitengitarren oder andere Saiteninstrumente. Leider erzeugen sie aber auch mehr Grundrauschen als Grossmembranmikrofone. Diese sind hingegen empfindlicher und nehmen so auch leisere Signale besser auf. Der Nachteil ist hier, dass diese Bauweise schneller überladen und somit das Signal verzerren kann.

Auch wenn es keine fixen Regeln gibt, so greift man bei Stimmenaufnahmen eher zu einem Grossmembranmikrofon und bei Instrumenten zu Kleinmembranmikrofonen. Ein paar der bekanntesten Stimmenmikrofone wie das Neumann U87 oder das AKG C12 sind Grossmembranmikrofone.

In die Röhre schauen

Eine weitere Frage bei der Wahl des Mikrofons ist ob es sich um ein Röhrenmikrofon handelt, oder nicht. Ohne Röhre tönen die Mikrofone generell etwas klarer, während die Röhrenschaltung dem Mikrofon eine gewisse Wärme verleiht. Röhrenmikrofon werden häufig mit einer eigenen Stromversorgung ausgeliefert und sind empfindlicher als herkömmliche Modelle. Auf der rechten Seite sieht man ein Miktek CV4 - ein Grossmembran-Röhrenmikrofon mit externer Stromversorgung.

Erkennt Ihr so langsam den Charakter?

Mikrofone hören das Signal über eine so genannte Richtcharakteristik. Diese unterschiedlichen Charakteristiken zu verstehen hilft Euch in der jeweiligen Situation das richtige Mikrofon zu verwenden. Die meisten Mikrofone wurden mit einer fixen Richtcharakteristik ausgestattet, doch gewisse Modelle können diese über einen eingebauten Schalter auswählen.

Cardioid (Niere): Die häufigste Richtcharakterristik wo das Aufnahmesignal grösstenteils von vorne aufgenommen wird. Neben den herkömmlichen Nierencharakteristiken gibt es auch noch die Hyperniere und die Superniere, welche beide noch mehr nach vorne fokussiert sind.

Nierencharakteristiken erzeugen einen sogenannten 'Nahbesprechungseffekt' bei dem nahe Klangquellen eine Anhebung der Bassfrequenz bewirken können. Dies kann zum eignen Vorteil verwendet werden, da man auf diese Weise Stimmen grösser wirken lassen kann. Verwendet jedoch immer einen Pop-Schutz um bei so nahen Abständen ungewollte Pop- und Zisch-Geräusche zu vermeiden.

Omni (Kugel): Eine Kugel nimmt von allen Seiten gleichmässig auf. Nehmt Ihr zum Beispiel eine Gruppe Backingsänger auf, so könnt Ihr dies mit einem Kugelmikrofon ganz einfach lösen. Ihr müsst dabei natürlich beachten, dass die Sänger jeweils gleich weit vom Mikrofon entfernt sind. Diese Mikrofone können auch bei Nahaufnahmen von Akustikgitarren verwendet werden, da dort nicht der oben erwähnte Nachbesprechungseffekt auftritt.

Figure-8 (Acht):Eine 'Acht' nimmt Signale vorne und hinten gleichmässig auf, filtert dabei aber Schallquellen von der Seite komplett aus. Nimmt man in einem Raum auf wo verschiedene Instrumente gleichzeitig ertönen, so kann man mit einer geschickten Anordnung von 'Achter'-Charakteristiken sehr gute Resultate erzeugen. Die meisten Bändchenmikrofone besitzen eine solche Richtcharakteristik.

Qualität vor Quantität

Das Mikrofon ist die erste Instanz bei einer Aufnahme und hat einen sehr grossen Einfluss auf die Qualität der Aufnahme. Deshalb ist es sehr wichtig die Unterschiede der verschiedenen Mikrofontypen zu kennen und die bestmöglichen Mikrofone für eine Studiosession zu verwenden.  

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