Mikrofone
Studio & Heimstudio Mikrofone
  • Textgrösse erhöhen oder verringern
  • Drucken

1. Mikrofon Typen

Mikrofone: Welches ist das richtige?
  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it
  • Email

Die Auswahl des richtigen Mikrofons war bislang die Rolle des professionellen Tontechnikers. Mit der stetigen Verbreitung der Heimstudios ist dieses Fachwissen vermehrt auch für Einsteiger relevant geworden.


Figure 2

Die Auswahl richtet sich nach dem vorgesehenen Anwendungsbereich, aber auch an der persönlich bevorzugten Klangästhetik. In diesem Artikel werden wir uns den zwei Hauptkategorien dynamische Mikrofone und Kondensatormikrofone widmen und deren Eigenschaften näher betrachten.



Dynamische Mikrofone

Dynamische Mikrofone sind in ihrem Aufbau generell robuster da sie häufiger in live Umgebungen zur Anwendung kommen. Sie sind vergleichsweise günstig und widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit.

Dynamische Mikrofone benutzen eine Membrane, welche an ein mit einer Kabelspule umwickeltes Magnet befestigt ist. Dieses Magnet ist unabhängig von Stromzufuhr permanent geladen.
Wenn Luftdruck die Membrane in Bewegung setzt erzeugt die Spule mittels magnetischer Induktion einen variierenden elektrischen Strom, der dann in der Signalkette weiter verstärkt werden muss (Mischpult, Vorverstärker).

Signal
Da man bei dieser Bauart die Spule direkt an die Membrane befestigt, weisen die dynamischen Mikrofone in der Regel eine dickere Membrane als Kondensatormikrofone auf. Aus diesem Grund sind Aufnahmen mit dynamischen Mikrofonen weniger präzis als die hoch auflösenden Kondensatormikrofone. Populäre Modelle dieser Machart sind zum Beispiel die SM57 und SM58 von Shure.

Generell benötigen dynamische Mikrofone keine Stromzufuhr (Phantomspeisung) um zu funktionieren (wie dies bei den Kondensatormikrofonen der Fall ist). Am besten eignen sie sich generell für Umgebungen mit höherem Schalldruck (SPL).



1.Schallwellen, 2.Membrane, 3.Spule,
4.Magnet
, 5.Audio Signal

Kondensatormikrofone

Diese Art von Mikrofon nimmt den Sound durch eine dünne, flexible Membrane auf, die direkt über eine Metall Platte (Gegenelektrode) montiert ist (dies steht im Gegensatz zu dem starren Membranen-Magnetspulen-System, welches in dynamischen Mikrofonen zu finden ist).

Die Auswahl an Kondensatormikrofonen reicht von günstigen Karaoke Mikrofonen bis hin zu hochauflösenden Studiomikrofonen. Generell erzeugen sie Aufnahmesignale von hoher Qualität und nehmen auch Hintergrundgeräusche sowie hohe Frequenzen sehr gut auf. Aus diesem Grunde werden sie häufig in Aufnahmestudios verwendet.

Da Kondensatormikrofone in der Bauart ausgeklügelter und schwieriger herzustellen sind siedeln sich die guten Modelle eher in einer höheren Preisklasse an. Kondensatormikrofone eignen sich ideal für die Aufnahmen von Gesang, akustischen Gitarren, Klaviere, Orchester Instrumente, Perkussion und Sound Effekte. Zwei der wohl meist bekannten Modelle sind das Neumann U87 und das AKG 414.

Signal reverse

1.Schallwellen, 2.Membrane, 3.Gegenelektrode,
4.Batteriespeisung
, 5. Audio Signal

Phantomspeisung (Phantom Power)

Kondensatormikrofone benötigen eine Stromversorgung, die entweder direkt beim Mikrofoneingang als Phantomspeisung anliegt, oder über eine eingebaute Batterie geliefert wird. Die üblichste Spannung bei dieser Stromversorgung ist +48V DC. Die Speisung wird benötigt um die Membrane und die Gegenelektrode mit Strom zu versorgen. Sie versorgt auch einen eingebauten Vorverstärker, welcher die erzeugten kleinen Spannungen verstärkt, die durch die bewegte Membrane entstehen. Phantomspeisungen sind oft in Mischpulte und Mikrofonvorverstärker oder ähnliches Equipment eingebaut.

Bändchenmikrofone

Bändchenmikrofone sind eine Art dynamisches Mikrofon. Es kommt ein sehr dünnes Metalbändchen zur Anwendung, das zwischen den Polen eines starken Magneten gehängt wurde. Schallwellen setzen dieses Bändchen in Bewegung und erzeugen einen induzierten Stromfluss. Die Spannung beim Ausgang älterer Bändchenmikrofone is viel kleiner als bei dynamischen Mikrofonen also wird ein Transformator benötigt um die Spannung und somit die Impendanz zu erhöhen. Moderne Bändchenmikrofone umgehen dieses Problem indem sie verbesserte Magnete und effizientere Transformatoren benutzen. Bändchenmikrofone sind normalerweise Bi-Direktional (mehr dazu im nächsten Kapitel Richtcharakteristiken). Klassische Modelle sind zum Beispiel das RCA 44 und 77 sowie Royer Mikrofone.

2. Richtcharakteristiken

Eine Richtcharakteristik, auch Aufnahmewinkel genannt, zeigt den Bereich an, der von dem Mikrofon aufgenommen wird. Es zeigt auf wie empfindlich es auf Sounds reagiert die von verschiedenen Winkeln relativ zu seiner zentralen Achse kommen. Es ist äusserst wichtig für die jeweilige Anwendung die richtige Charakteristik zu wählen, da man sonst Gefahr läuft unerwünschte Klänge aufzunehmen oder relevante Klänge zu verlieren.

Figure 2

Omni Charakteristik

Dies ist die grundlegenste aller Mikrofon Richtcharakteristiken. Es hat einen theoretischen Aufnahmewinkel von 360°, was bedeutet, dass es von allen Richtungen her gleich viel Sound aufnimmt. Dies ist ideal für Gruppengesang, Effekte und Raumaufnahmen. Omni Richtcharakteristiken reagieren auf Schalldruck und sind somit weniger empfindlich auf Störgeräusche verursacht durch Wind als dies die gerichteten (Druckgradienten) Mikrofone sind. Sie erzeugen auch weniger Tiefenstaffelung als gerichtete Mikrofone und reagieren somit weniger empfindlich auf Bewegungen von Sängern.


Figure 2Nieren Charakteristik

Diese herzförmige Charakteristik ist die gebräuchlichste für gerichtete Mikrofone. Der englische Name ‚cardioid’ findet seinen Ursprung im Griechischen und bedeutet herzförmig. Die Nieren Charakteristik bedeutet, dass das Mikrofon gerichtet ist und das der grösste Klanganteil von vorne aufgenommen wird. Diese Charakteristik kommt in den üblichsten Aufnahmesituationen zur Anwendung und wird immer dort benutzt, wo ein Klang aus einer bestimmten Richtung aufgenommen werden soll. Da Geräusche die auf die Rückseite treffen zurückgeworfen werden kommen dynamische Mikrofone mit Nierencharakteristik häuig in Live Situationen zur Anwendung. Diese Eigenschaft hilft ungewolltes Klangmaterial aus dem abgenommenen Signal zu reduzieren und verringert somit auch das Risiko von Rückkoppelungen.

Figure 2

Hyper-Nieren Charakteristik

Diese Charakteristik ist ähnlich der Nieren-Charakteristik, weist jedoch einen schmaleren Richtungswinkel auf. Der Aufnahmebereich vorne am Mikrofon ist somit verengt und auf der Hinterseite ein wenig mehr geöffnet.


Figure 2


Achter Charakteristik

Diese Mikrofone (auch bi-direktional genannt) nehmen Klänge von vorne und hinten gleichmässig, aber nicht von der Seite auf. Sie eignen sich sehr für die Aufnahme von zwei harmonisierenden Sängern, Duos aller art, oder tête-a-tête Interviews mit nur einem Mikrofon.

3. Was ist noch in Betracht zu ziehen?

Frequenzgang

SignalBeim Frequenzgang wird die Empfindlichkeit des Mikrofons anhand verschiedener Frequenzen gemessen. Es ist bei allen Arten von Mikrofonen üblich, dass gewisse Frequenzen ein wenig angehoben, andere ein wenig abgesenkt übertragen werden. Der Frequenzgang zeigt also auf, wie ein bestimmtes Mikrofon auf die jeweilige Frequenz reagiert.

Der Frequenzgang wird einem Mikrofon normalerweise anhand einer Tabelle beigelegt. Die x-Achse steht für die Frequenz in Hertz, y-Achse zeigt die Empfindlichkeit in Dezibel. Ein Wert über 0 zeigt somit eine Anhebung und unter 0 eine Absenkung auf. Eine komplett gerade Linie würde somit für ein Mikrofon stehen, dass auf allen Frequenzen gleich empfindlich ist. In der Realität ist dies ein Ding der Unmöglichkeit und sogar die besten Mikrofone auf dem Markt haben leichte Abweichungen. Zudem sollte man bedenken, dass manchmal Mikrofone gerade wegen ihres einzigartigen Frequenzbandes für Aufnahmen gewählt werden. So ist zum Beispiel ein Mikrofon mit einem speziell für die Stimme angepassten Frequenzgang eine gute Wahl in einer Umgebung mit wenig Hintergrundgeräuschen.

Grundrauschen

Diese Messung zeigt den tiefsten Wert auf, den ein Microfon in seiner dynamischen Reichweite übertragen kann. Dies ist vor allem wichtig, wenn man eher leises Klangmaterial aufzunehmen hat. Generell steht eine tiefere Zahl für ein besseres Mikrofon.

Maximum SPL (Sound Pressure Level)

Damit ist die obere Grenze an Lautstärke gemeint, die ein Mikrofon noch ohne Verzerrung übertragen kann. Hier steht normalerweise eine höhere Zahl für ein besseres Mikrofon. Man sollte aber beachten, dass Mikrofone mit höherem SPL generell auch ein höheres Grundrauschen aufweisen.

Empfindlichkeit

Mit der Empfindlichkeit wird beschrieben wie gut das Mikrofon Schalldruck in Ausgangsspannung konvertiert. Sehr empfindliche Mikrofone erzeugen mehr Ausgangsleistung und benötigen daher auch später in der Signalkette weniger Verstärkung. Hier sollte angemerkt werden, dass Mikrofone mit höherer Empfindlichkeit nicht zwingend bessere Mikrofone sind.
Sind Sie der erste, der auf diesen Artikel reagiert
  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it
  • Email