Mastering
Klangerzeugungen Mastering
  • Textgrösse erhöhen oder verringern
  • Drucken

Der Loudness War - Teil 5

Subway + Radio = Aua!
  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it
  • Mail

In diesen neuen Kapitel über den Krieg der Lautstärken schauen wir uns an wie Änderungen bei den Hörgewohnheiten zu diesem Thema beigetragen haben und welchen Anteil dabei das Radio hat.

Es geschieht heutzutage häufig, dass man der Strasse entlang läuft und auf jemanden trifft der laut in sein Handy redet oder laute Musik hört. Gewisse Leute empfinden dies als unhöflich und respektlos, vergessen dabei aber schädliche Umgebungsgeräusche wie einfahrende Züge mit ihren quietschenden Bremsen oder das lästige Hupen von Autos in einem Stau. Es ist schon erstaunlich, dass sich nur sehr wenige Leute gegen diesen Lärm schützen - etwas das die Omnipräsenten Ohrstöpsel die man mit dem iPhone und dergleichen bekommt ironischerweise tun könnten. Das Problem wird jedoch wirklich ernst wenn Leute ihre Musik derart laut aufdrehen damit sie die Umgebungsgeräusche übertönen können. 

La Loudness War

Ich möchte diesen Punkt mit einem Beispiel unterstreichen: Stellt Euch vor Ihr seid auf der U-Bahn und möchtet mit Euren Kopfhörern einen Song mit 20 dB dynamischer Bandbreite (ja, das gibt es immer noch) anhören. Wisst Ihr, dass die durchschnittliche Lautstärke in einer U-Bahn irgendwo zwischen 80 dB und 85 dB liegt? Möchtet Ihr also mit Eurem Kopfhörer alle Nuancen des Songs hören können so müssen diese lauter als der Hintergrundlärm sein - normalerweise bedeutet dies etwa 6 dB bis 10 dB lauter. Zählt jetzt einmal Umgebungslärm, zusätzliche Lautstärke und die Peaks des Songs zusammen…gibt zu denken, oder?

Dies bietet mir die perfekte Möglichkeit mit Euch die grossen Veränderungen zu besprechen mit denen wir Musik konsumieren - speziell wenn es darum geht diese unterwegs anzuhören. 

Lauter verdammt!

Erinnern wir uns nochmals darn wie diese Veränderungen entstanden sind. Wie Ihr bereits wisst waren Radio Anstalten die ersten bei denen Kompression zum Einsatz kam - und genau dort begann dann auch der Kampf um die Lautstärke. 

La Loudness War

In seinem faszinierenden Buch “Perfecting Sound Forever“ erklärt Greg Milner wie nach ihm alles in 1974 begann als Larry Berger der Program Director des Sender WPLJ war. Überrascht darüber wie leise seine Radiostation im Vergleich zur Konkurrenz war entschied er sich dazu einen Prozessor mit dem Namen Dorrough 310DAP einzusetzen, welche über Multiband Peak-Limiter Funktionen verfügte. Dieses Gerät war damals das erste welches Kompression auf drei unterschiedlichen Bändern ermöglichte. 

Mit der Hilfe von Dorrough und dem Tontechniker Bob Deutsch hatten sie den Elton John Song Benny And The Jets so stark komprimiert dass die VU Anzeige sich fast nicht mehr bewegte!

Und dann was?

Dorrough bedauerte schon sehr schnell hier daran beteiligt gewesen zu sein - doch der Kampf um die Lautstärke war nun offiziell eröffnet. Jeder der nun für ein Radio verantwortlich war dachte darüber nach wie man lauter als die Konkurrenz klingen konnte und setzte dabei diverse Prozessoren und sogar theoretisch illegale Methoden wie Übermodulation ein. 

La Loudness War

All dies geschah natürlich in den USA…doch genau so entwickelten sich die Dinge auf der ganzen Welt. Während Hi-Fi Audio System in den 70er und 80er Jahren so langsam den Weg in die Wohnzimmer fanden so waren sie doch immer noch ziemlich kostspielig. Aus diesem Grund hörten sich die meisten Leute Musik über Radioempfänger mit eher schlechter Klangqualität an. Der Klang war sekundär - Hauptsache man konnte sich sein Lieblingsprogramm anhören. Natürlich haben sich die Dinge seither entwickelt doch das beschriebene Paradox besteht immer noch: Man hat immer besseren Zugang zu leistungsfähigen Geräten und hört sich gleichzeitig immer schlechtere Musik an. 

Aktuell verwenden alle Radiostationen eine Broadcasting Technik welche allen Programmen einen gewissen “Sound“ verleiht - in den häufigsten Fällen bedeutet dies ein überkomprimierter und verzerrter Brei. 

Doch die Zeiten ändern sich da immer mehr auf Internet Broadcasting via YouTube, iTunes und so ähnlich umsteigen (etwas worauf ich in einem zukünftigen Artikel noch zu sprechen komme).

Sind Sie der erste, der auf diesen Artikel reagiert
  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it
  • Mail