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Der Loudness War - Teil 10

Neue Standards
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In diesem Teil besprechen wir die Konsequenzen von Lautstärke auf die Musik und unser Gehör.

Im letzten Kapitel haben wir besprochen was verschiedene Hersteller unternehmen um dem Krieg um mehr Lautstärke entgegenzutreten - darunter zum Beispiel die Sound Check Funktion von Apple.

Lucky 13 

Der wichtigste Schritt wurde jedoch von You Tube letzten Dezember 2014 unternommen. Vergesst dabei nicht, dass YouTube die wichtigste Plattform ist um neue Musik zu entdecken. Der Video Streaming Anbieter implementierte eine Lautstärke Normalisierung für seine Musikvideos und verwendet dabei -13 LUFS als Referenzpegel. Dies bedeutet dass alle hochgeladenen Videos verändert werden damit die wahrgenommene Lautstärke für alle gleich ist.

Sollte Euer Mix -20 LUFS haben? Nun dann wird er auf -13 LUFS angehoben und gewinnt somit 7 LUFS (falls die Marge bis zum Maximum Peak dies noch zulässt). Hat Euer Mix -8 LUFS? Nun dann verliert er durch die Normalisierung auf -13 LUFS insgesamt 5 LUFS. Welches der beiden denkt Ihr wohl klingt besser?

Schaut Euch mal die folgenden Screenshots an.

Der erste stammt von Kendrik Lamar’s "King Kuta" aus dem Album To Pimp A Butterfly  (mit einer dynamischen Bandbreite von 5dB).

Loudness war

Beim zweiten handelt es sich um denselben Song, aber aus YouTube.

Loudness war

Wie Ihr sehen könnt wurde die Lautstärke um 13 LUFS reduziert. Ich konnte dasselbe auch bei anderen Songs beobachten - diese Bearbeitung betrifft jedoch keine Musikvideos die vor Dezember 2014 hochgeladen wurden. Es bleibt abzuwarten ob YouTube diese Änderungen auch rückwirkend vornehmen wird und gleichzeitig stellt sich die Frage, ob es nicht auch einen kommerziellen Prozess gibt mit dem sich gewisse Videos lauter machen lassen als andere.

Änderungen

Doch wofür steht -13 LUFS eigentlich? Nun der Begriff bedeutet "Loudness Unit relative to Full Scale" und setzt vereinfacht de Maximum Permitted True Peak Level auf -1dBTP den normalisierten Target Level auf -23 LUFS. Internationale Standards wie der ITU-R BS.1770 nehmen den LKFS Standard (Loudness K-weighted relative to Full Scale), was jedoch genau dasselbe ist wie der LUFS.

Damit wird vereinfacht gesagt die empfundene Lautstärke während unterschiedlicher Zeitspannen gemessen. Auch wenn diese eine relative Grösseneinheit ist so macht es doch durchaus Sinn hier einen standardisierten Messwert zu bestimmen.

Dank diesem neuen Messwert hat es jetzt der Zuhörer/-schauer in der Hand die Gesamtlautstärke zu regeln und seine Ohren nicht weiter zu gefährden. Ein praktisches Beispiel? Die Werbung vor dem Film ist jetzt nicht mehr massiv lauter als der Film selbst.

Sollten sich diese Standards verbreiten so wären die Konsequenzen weitreichend. Dies würde nämlich dazu führen, dass die “Mal-mal-lauter“ Schuldigen - Record Labels, Werbefirmen, Radiostationen und auch Künstler selber - hoffentlich realisieren, dass ihre Produktionen im Vergleich mit gut abgemischten Produktionen nicht mehr mithalten können.

Je schneller dies geschieht desto besser.

Referenzen

Nachfolgend ein paar interessante Dokumente zu diesem Thema:

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