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Der Loudness War - Teil 7

Mastering und Remastering
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Es kam einmal der Tag an dem unsere Lieblinge aus Musikindustrie (die ehrlich gesagt nichts weiter sind als Verkäufer) sich auf ihre älteren Publikationen stürzten und diese als “Remastered“ Versionen auf den Markt brachten. Dies bedeutet Versionen deren Lautstärke künstlich aufgeblasen wurde, inklusive kompletter Missachtung der ursprünglichen Dynamik und oftmals herausragenden Arbeit der damaligen Tontechniker.

Im Screenshot unten seht Ihr die ursprüngliche CD Version (1985) des klassischen Genesis Songs "Watcher of The Skies" (Charisma, 1972 Vinyl Release). Die dynamische Bandbreite dieses Songs ist 14dB, die des gesamten Albums im Schnitt 12 dB. 

The loudness war
Schaut Ihr Euch die Wellenform an so werden Euch zwei Peaks auffallen - einer vor der Mitte des Songs und einer fast am Ende. Diese hätte man auch schon dazumals während des Mixdowns absenken oder limitieren können, doch es wurde darauf verzichtet. Der Mix war fertig, wollte man den Song lauter anhören so musste man die Lautstärke an seiner Stereoanlage aufdrehen. 
 
Damals kamen VU-Meter zum Einsatz (mit einer Verzögerung von 300ms - man konnte also keine Peaks visuell erkennen), oder bestenfalls Peakmeters (mit einer Verzögerung von 10ms - es wurden also normale Peaks angezeigt), aber noch keine digitalen Audio Editoren. 
 
Schauen wir uns jetzt mal die “Remastered“ Version aus 2007 an.

.

Die dynamische Bandbreite des Albums ist jetzt 10dB und der Song wurde auf 8dB komprimiert - und zudem noch mit Intersample Clipping beladen. Sah man in der ersten Wellenform noch die dynamischen Feinheiten der musikalischen Performance und der Produktion erkennt man sehr schnell, dass zum Beispiel das schöne Crescendo bei 1:30 komplett zerstört wurde. Ein weiteres Phänomen das normalerweise mit Überkomprimierung assoziiert wird (zusätzlich zur Veränderung der Klangfarbe des Mixes) ist das Hervorstechen fast aller Frequenzen. Speziell bei der Arbeit mit einem Multibandkompressor fällt dies negativ auf. 
 
Schauen wir uns nun mal das Volumen das durch die einzelnen Frequenzen über den gesamten Song verteilt erzeugt wird (Maximalwerte in Rot, Durchschnittswerte in Gelb). Die Bilder sprechen für sich. 
loudness war et mastering audio
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Jagt man dies noch durch den Fleischwolf vieler moderner Radiostationen und man erhält einen schönen flachen Block. Ok - zugegeben spielen nicht mehr so viele moderne Radiostationen Genesis Stücke aus den 70er Jahren…
 
Dennoch wird momentan auch wirklich jedes Werk mit diesem überkomprimierten Wahnsinn bearbeitet. 
 
Und man darf hier jetzt nicht nur die Verkäufer an den Pranger stellen. Auch Leute auf der technischen Seite sind für diese Misere genau so verantwortlich. Jeder redet sich immer nur raus und schiebt den schwarzen Peter weiter!

Was ist denn nun Mastering genau?

loudness war et mastering audio
Eine hervorragende Frage die ganz unterschiedlich beantwortet werden kann. Wer noch immer Schallplatten aus den 80er Jahren besitzt sollte sich diese mal anschauen. Dort findet man wer sie aufgenommen, produziert und gemixt hat, doch von einem Mastering Typen steht dort kein Wort.
 
Dies liegt daran, dass die Mastering Stufe eigentlich erst mit der Einführung der CD zum einem klanglich relevanten Bearbeitungsschritt wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt bestand die Aufgabe des Mastering Engineers darin die Produktion für das jeweilige Medium vorzubereiten. 
 
“Gibt es ein Problem mit der Aufnahme so löst dies noch bei den Aufnahmen - und gibt es ein Problem mit dem Mix so behebt es dann!“ Es ist auf jeden Fall nicht sehr schlau zu denken, dass man Probleme einfach im nächsten Arbeitsschritt lösen kann - dennoch ist genau dies geschehen und man erwartet von der Mastering Stufe schon fast magische Resultate. 
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Um hier mit Bob Katz die Worte eines ganz grossen zu nehmen: Mastering hören sich Eure Arbeit objektiv und mit viel Erfahrung an. Sie sind sich technische und ästhetische Fehler gewöhnt. Manchmal machen sie überhaupt nichts! Wenn sie sagen die Produktion kann in die Pressung dann ist das so. 
 
Mit der Erfindung von digitaler Audiobearbeitung haben sich die Regeln sicherlich geändert und Mixes die in akustisch unzureichenden Räumen gefertigt wurden tragen dazu ihren Teil bei. In diesem Szenario kann die Intervention von einem zweiten Paar Ohren und das Durchlaufen eines zusätzlichen Bearbeitungsschrittes durchaus nützlich sein. 
 
Viele Mastering Engineers jedoch haben vergessen dass man bei einem ausgewogenen Mix nichts mehr hinzugefügt oder abgesenkt werden muss. Niemand kann seinen Job besser machen als ein erfahrener Mixing Engineer - in einem gut ausgemessenen Raum. Wer denkt Ihr kann klangliche Eigenheiten besser bearbeiten: Jemand mit individuellen Spuren oder jemand der an einem Stereomix arbeitet?
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