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Der Loudness War - Teil 3

Lauter heisst nich besser

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In diesem Teil schauen wir uns an welche Konsequenzen der Loudness War auf die Musik und das menschliche Gehör hat.

Im letzten Teil habe ich Euch ein auf ein Beispiel aufmerksam gemacht: Auf der einen Seite eine grafische Abbildung des 1985 Hit Songs "Ladies & Gentlemen, Grace Jones (Slave To The Rhythm)" von Grace Jones  und produziert von Trevor Horn.

Auf der anderen Seite "Crank It Up" von David Guetta.

Diese grafische Abbildung erlaubt Euch anhand der Wellenform unterschiedliche Rückschlüsse zu ziehen: In der horizontalen Achse seht Ihr die Zeit und auf der vertikalen das Volumen oder die Amplitude. Beim Grace Jones Song repräsentieren die feinen Linien die so genannten Attack Transienten, Peaks, Impulse, usw. welche perkussiven und schnellen Sounds mit einer Menge Attack entsprechen. Die hellblauen “Klumpen“ entsprechen dem durchschnittlichen Volumenpegel - oder genauer gesagt dem RMS (Root Mean Square) Pegel, was normalerweise verwendet um Stromspannungen oder Stromfluss zu beschreiben.

Schauen wir uns kurz eines der grössten Themen an die man beim Messen von Lautstärken antrifft. Die VU oder Volume Unit Anzeige wurde 1939 vorgestellt und ist eine der ersten Versuche RMS oder gefühlte Lautstärke zu beschreiben. Eine VU Anzeige kann in der Tat eine Sinuskurve sehr genau messen, hat aber bei einer komplexen Wellenform ihre Problem. RMS Werte werden oftmals in digitalen Signalen gefunden und dienen dazu die empfundene Lautstärke annähernd zu beschreiben. Leider jedoch handelt es sich hierbei immer nur wieder um eine subjektive Messung. Mastering Engineer Bob Katz hat es wie folgt festgehalten (Gearslutz, 2006): "RMS is just a guide, a VERY rough guide of loudness."

Gehen wir nun zurück zu den Peaks. Erinnert Euch daran, dass sehr kurze, perkussive Klänge über fast alle Frequenzen verfügen. Versucht es einmal selber: Nehmt ein wenig weisses Rauschen und setzt darauf eine sehr kurze Hüllkurve. Hier ist ein Klangbeispiel (inklusive Kompensation für das verlorene Volumen):

 

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Und jetzt gehen wir zurück zu den Bildern: Auf dem Stück von David Guetta kann man fast keine Transienten erkennen und die RMS Anzeige weist eine schon fast verstörende Gleichmässigkeit auf.

Möchte man es schliesslich noch mit harten Fakten ausdrücken so verfügt der Grace Jones Song über eine dynamische Bandbreite von 17 dB während es bei Guetta nur 3 dB sind. Dieser Unterschied zeigt die Problematik des Loudness Wars auf einen Blick. Im modernen Musikmarkt müssen Mixes damit sie aufgrund ihrer Lautstärke konkurrenzfähig sind so stark komprimiert werden, dass sie so ziemlich ihre ganze dynamische Bandbreite verlieren.

Gefühlte Lautstärke, gemessene Lautstärke, WTF?

Eines der Dinge bei denen die wenigsten Leute wirklich drauskommen ist Dezibel - oder dB. Ich versuche diesen Begriff so wenig wie möglich zu verwenden, da es sich hierbei um einen relativen und gleichzeitig logarithmischen Wert handelt. Relativ heisst, dass er im Verhältnis zu einem anderen Wert ausgedrück werden muss - es benötigt also einen Grundwert zu dem der Wert in Bezug gesetzt werden kann. Zudem gibt es diverse dBs - so zum Beispiel  dBu, dBW, dB SPL, dBm, dBV, etc.

Ihr könnt elektrische Pegel und Schallpegel sehr genau messen doch es ist fast unmöglich die empfundene Lautstärke genau auf diese Weise zu definieren.

Die neusten Standards (wie z.B. EBU-R128) basieren ebenfalls auf dieser subjektiven Idee. Blödsinn? Nein, denn sobald man einmal einen Standard akzeptiert so gilt er wenigstens für jedermann und bietet eine Grundlage von der aus man vergleichen kann.

Für den Augenblick solltet Ihr Euch einfach daran erinnern, dass Ihr für digitale Audiodateien dB FS (Decibel Full Scale) und dB FSTP (True Peak) verwendet. Wir schauen uns später an wo genau hier der Unterschied liegt.

Vereinfachte Messung der dynamischen Bandbreite

Die Dynamic Range Website wurde gestartet um Leute zusammen zu bringen, die gerne etwas gegen diesen Loudness War unternehmen möchte. Zusammen mit Software Entwicklern findet man dort auch den TT DR Offline Meter als Download. Dies ist ein äusserst nützliches Werkzeug mit dem sich die dynamische Bandbreite Eures Lieblingsalbums oder Lieblingssongs eruieren lässt.

Es ist sehr einfach anzuwenden - Ihr müsst dazu ganz einfach die Datei oder den Ordner (16 Bit, 44.1 kHz) des Album in den oberen Teil der Software ziehen. Die Software kalkuliert anschliessend den höchsten Peak sowie einen Durchschnittswert der 20 lautesten RMS Werte (aus 10’000 Messungen die alle 3 Sekunden vorgenommen werden). Das Resultat bestimmt schliesslich die dynamische Bandbreite (Dynamic Range).

Auch wenn es bereits neuere Standards gibt so bleibt diese Art der Messung dennoch relevant und bietet einen vergleichbaren Wert.

 

Lasst es krachen?

WICHTIG: Es wird nicht empfohlen die folgenden Audio Clips in diesem und den nachfolgenden Artikeln mit Kopfhörern anzuhören!

Loudness War

Bevor wir weitermachen ein einfacher Test: Hört Euch zuerst einen Ausschnitt aus dem Grace Jones Song an. Stellt Euer System so ein (auf keinen Fall Kopfhörer verwenden!!!) dass Ihr das Gefühl habt wirklich den Druck dieses Songs zu hören. Der EQ sollte dabei so neutral wie möglich eingestellt sein.

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Als nächstes haltet Eure Ohren zu und hört Euch den folgenden Ausschnitt aus dem David Guetta Stück an ohne, dass Ihr irgendetwas anfasst.

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Und jetzt solltet Ihr Euch bei Euren Nachbarn entschuldigen gehen und zurückommen und den nächsten Teil in dieser Serie lesen…

Hier könnt Ihr die AIFF Dateien runterladen (in einem ZIP)

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