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Der Loudness War - Teil 2

Die Kompression beim Kampf um die Lautstärke
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Heute fahren wir mit unserer Serie um die Volume Wars weiter und besprechen das Thema Kompression .

[Falls Ihr den ersten Teil noch nicht gelesen habt so könnt Ihr ihn hier lesen]

Nachdem er für Radio (und später TV) unverzichtbar wurde, begann der Kompressor/Limiter eine immer wichtigere Rolle bei Musikproduktionen einzunehmen. Das Aufkommen und die Standardisierung von Mehrspuraufnahmen (wo die Band nicht als Einheit, sondern separate Elemente aufgenommen wurde) ermöglichte eine bessere Kontrolle über das Volumen und die Dynamik von Aufnahmen. Die Möglichkeit sich auf einzelne Spuren konzentrieren zu können eröffnete dem Tontechniker diverse Bearbeitungsmöglichkeiten wie EQ, Panning usw.

Mehrspuraufnahmen ermöglichten zudem ganz neue Kombinationen von Musikinstrumenten und der Mix aus akustischer, elektronischer und synthetischer Musik erforderte beim Mixdown neue Herangehensweisen und Bearbeitungsmöglichkeiten. Der Klang einer Band oder eines Orchesters hing nicht länger von der Orchestrierung und Positionierung der einzelnen Musiker sondern konnte jetzt durch Verstärker und elektronische Abnahmemöglichkeiten komplett neu definiert werden.

Heimat der dynamischen Bandbreite

„Na das nenn’ ich mal dynamisch!" Wie oft habt Ihr diese Aussage schon im Zusammenhang mit überkomprimierter Musik gehört? Ironischerweise beschreibt man aber damit genau das Gegenteil von dem was Dynamik eigentlich bedeutet. Dynamik, oder eben die dynamische Bandbreite - beschreibt eben alles was zwischen dem lautesten und dem leisesten Signal einer Klangquelle zu hören ist.

La loudness war

Gute Dynamik liegt in der Verantwortung des Musikers, denn diese spielen die Instrumente und erzeugen die Musik die es aufzunehmen gilt. Ich beschreibe hier immer wieder gerne die absurde Situation die entstehen würden wenn ein Pianist alle 88 Tasten mit derselben Dynamik einspielen würde, jede einzeln mikrofoniert würde und es anschliessend die Aufgabe des Tontechnikers wäre die Dynamik der einzelnen Tasten einzustellen. Das macht natürlich überhaupt keinen Sinn - genau so wenig wie man mit einem Kompressor den gesamten musikalischen Ausdruck eines Musikers zu Nichte macht.

Was also ist die Rechtfertigung, dass wir in 30 Jahren mit all der Erfahrung in Audioproduktionen von dem hier:

Zu dem hier gekommen ist?

Was genau komprimieren?

So offensichtlich es auch erscheinen mag, so gibt es doch auch heute immer noch Leute die den Begriff “Kompression“ falsch definieren. Das liegt daran, dass dieses Wort verwendet wird um zwei komplett unterschiedliche Dinge zu beschreiben. Zum einen die Kompression der dynamischen Bandbreite mit Kompressoren, Limitern, Expandern usw. Zum anderen die Kompression die bei einer Datei zum Einsatz kommt und dessen Grösse für Datenübertragungen verringert werden muss.

Die dynamische Bearbeitung eines Audiosignals ermöglicht es den Unterschied zwischen dem lautesten und dem leisesten Anteil zu reduzieren was am Ende potentiell zu einem lauteren Signal führen sollte. Einer der Hauptgründe dieser Loudness Wars liegt ja dann auch schliesslich darin, dass jeder seinen Song so laut wie nur möglich haben möchte, damit dieser im Radio, Club, oder auf dem Handy gegenüber den anderen hervorsticht. Dies führt dazu, dass Mixing und Mastering Engineers mit Limitern auch noch das letzte Dezibel aus den Songs quetschen an denen sie gerade arbeiten. Das Resultat ist eine Eskalation bei den Lautstärken und die konsequente Reduktion der dynamischen Bandbreite, da hier die Volumenspitzen zum Erreichen einer höheren Lautstärke zusammengedrückt werden.

Die andere Art der Kompression - die Datenkompression - funktioniert dagegen komplett anders und ist nicht in der Welt der Audiobearbeitung angesiedelt. Sie wurde entwickelt um eine brauchbare Lösung der geringen Übertragungsraten für die ersten Kommunikationsprotokolle des Internets zu finden. Damit lässt sich die Grösse einer Datei und somit deren Übertragungsgeschwindigkeit beträchtlich verringern.

Für Audio wie auch bei anderen Medien wird dies in Kilobits pro Sekunde angegeben (kbit/s oder kb/s, ausser mehrkanaligen Übertragungen mit sehr hohen Auflösungen). So liegt zum Beispiel die Übertragungsrate einer 16 bit/44.1 kHz Stereo WAV oder AIFF Datei bei ungefähr 1412 kb/s (und 2117 kb/s für dieselbe Datei bei einer 24 Bit Auflösung). Redet man von 128 MP3, oder 256 AAC so redet in Wirklichkeit von einer Übertragungsraten von 128 kb/s und 256 kb/s. Im Vergleich zu nicht komprimierten Audiodateien (also Datenkompression…) sieht man nun sehr schnell, dass da so einiges verloren gegangen ist. Und was sind die Konsequenzen davon, was die Klangqualität angeht? Das schauen wir uns im nächsten Teil genauer an.

 

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