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Loudness War - Teil 1

Der Krieg der Ohren
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Lauter, noch lauter! Ja, aber zu welchem Preis? In dieser Reihe schauen wir uns die Ursprünge dieser Aufrüstung, die physischen Auswirkungen, neuen Standards und Werkzeuge und die Auswirkungen auf die Gesundheit hat.

Digitales Audio war ohne Zweifel ein „Segen“. Sei es ein Multi-Plattform Editor wie Audacity, Faltungshall Anwendungen wie LA Convolver oder Reverberate LE, Celemony Meldoyne oder die Live Anwendung Mainstage. Die Liste geht weiter und weiter - Ihr wisst was ich hier sagen möchte.

La Loudness War

Doch digitales Audio war auch ein „Fluch“ da trotz der vielen Werkzeuge und Bearbeitungsmöglichkeiten die Klangqualität seither konstant schlechter geworden ist. Musik wurde immer komprimierter und verzerrter - genau das Gegenteil was Musik braucht um voller Leben zu sein. Gesund für die Ohren ist diese Entwicklung sowieso nicht.

Man muss hier wirklich mal etwas genau verstehen: Sollten sich unsere Umgebungen und Hörgewohnheiten nicht ändern so werden wir es in 40 bis 50 Jahren mit einer gehörlosen Generation zu tun haben! Diverse Experten warnen davor schon seit Jahren - es gibt dazu sogar schon staatliche Programme!

Bevor wir aber diese beängstigende Perspektive weiter anschauen sollten wir uns mal fragen wie es eigentlich so weit kommen konnte.

 

Wie? Warum?

La Loudness War

Musikaufnahmen gibt es ja eigentlich noch nicht so lange. Bevor die ersten Möglichkeiten zur Reproduktion von Édouard-Léon Scott De Martinville (der Phonautograph), Charles Cros (Paleophone) und Thomas Alva Edison (Phonograph) erfunden wurden, war es nur möglich Musik via einer Live Performance anzuhören.

Und einmal erfunden war die Idee einer Musikproduktion wie wir sie heute kennen (also der Verfremdung von Klangereignissen) komplett deplatziert. Damals wollte man Instrumente und Performances so natürlich wie nur möglich aufnehmen und überliess den Klang, das Arrangement und Orchestrierung komplett den Musikern und Komponisten. Ein Orchester im Nachhinein in der Dynamik zu bearbeiten nur weil diese gerade mal nicht stimmte war ein fremdes Konzept und wurde grundsätzlich nicht akzeptiert.

Die Praxis bei der Gain und Volumen vom Tontechniker nachgefahren wurden kam zum ersten Mal beim Film zum Einsatz. Mit der Einführung synchronisierter Musik konnte man so Verzerrungen oder zu leisen Signalen entgegenwirken. Doch es waren vor allem Radiostationen wo diese Praxis weiter verbreitet war und zu der Entwicklung der ersten Limiter führen sollte. Also Konsequenz wurden 1936/37 die Geräte Western Electric 110-A, RCA 96-A und Gates 17-B vorgestellt.

Mit der Einführung dieser Geräte waren auch zum ersten Mal Effekte wie Pumpen und Verzerrungen bei Aufnahmen zu hören. Die Einführung von Kompressoren mit opto-elektronischer Bauart (TeletronixLA-2A) oder „Field-Effect Transistors“ (Urei 1176) in den 60er Jahren zusammen mit den ersten Multi Track Geräten veränderten den Umgang mit Pegeln - vor, während und nach der Aufnahme - für immer.

Reverse Orchestration

Prokofiev

Natürlich war eine möglichst naturgetreue Umsetzung nicht nur das einzige was aufgenommen wurde. Im Film gab es schliesslich die ersten Experimente. So machte sich der Franzose Maurics Jaubert daran elektronische Geräte dazu zu verwenden um gezielt klangliche Variationen zu erzeugen.

In Russland gab es den Komponisten Prokofiev (der eng mit Sergueï Eisenstein zusammenarbeitet) der mit der Platzierung von Mikrofonen experimentiert und so Instrumente verzerren oder gezielt aus dem Klangbild hervorheben konnte.

 

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