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Super Heavy Sound Made in L.A.

Interview mit Ned Douglas
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Letzten Mai hörten wir, dass Dave Stewart (Eurythmics) zusammen mit Mick Jagger unter dem Namen 'SuperHeavy' eine so genannte 'Superband' aus dem Boden gestampft hatte, in der sich etablierte Namen wie Joss Stone, Damian Marley und AR Rahman (Filmkomponist, der unter anderem den Soundtrack für 'Slumdog Millionaire' komponierte) vereint hatten. Uns bot sich die Chance ein Interview mit Ned Doublas zu führen – seines Zeichens Chief Engineer des 'Weapons of Mass Entertainment' Tonstudios und teilweise verantwortlich für Aufnahmen und die Produktion dieses neuen 'Super' Albums.

Ned Douglas & Dave Stewart

Hi Ned! Als Dave's Programmierer und Tontechniker bei Weapons of Mass Entertainment in Hollywood hast Du Dich bei diesem Projekt für die Dangerous D-Box entschlossen. Wo genau kam denn dieses Equipment für Dave Stewart's Album zum Einsatz?

Ich arbeite mit Dave schon sehr lange zusammen – schon fast 15 Jahre als Tontechniker und Programmierer. Er ist unglaublich kreativ und vielseitig und die Zusammenarbeit ist wirklich immer sehr spannend und interessant. Als wir letztes Jahr mit dem gesamten Studio in eine neue Liegenschaft umzogen, traf ich den Beschluss auf unser bisheriges Mischpult zu verzichten. Da die Fader grösstenteils auf Null belassen wurden, empfand ich das ganze schon eine Zeit lang als Platzverschwendung. Mit der D-Box habe ich nun immer noch eine analoge Stufe im Signalweg, was mir unter anderem schnellen Zugriff zu Talkback und Kopfhörereinstellungen ermöglicht.

Wie wurde aus der Idee zu einer 'Supergroup' Realität?

Dave hat bereits mehrfach mit Mick Jagger zusammen gearbeitet und die Idee für eine Supergroup ist vor drei Jahren während einer gemeinsamen Session entstanden. Mick und Joss Stone haben zudem bereits zusammen erfolgreich am Alfie Soundtrack gearbeitet und Damian und AR wurden gewählt um dieses musikalische Projekt so divers und musikalisch wie nur möglich zu gestalten. Die Band traf sich schliesslich für eine zweiwöchige Session in Henson's Studio (ehemaliger A&M in Hollywood, NDA), wo der grösste Teil der Spuren aufgenommen wurden. Alle Songs wurden direkt im Studio komponiert und fanden ihre Geburtsstunde in gemeinsamen Jam Sessions. Der Rest des Albums wurde in mehreren Ländern und Studios fertigt gestellt (inklusive eines Bootes auf der Karibik) und ich war während des gesamten Projektes involviert. Bei all den Spuren die Übersicht zu bewahren stellte sich als ziemliche Mission heraus!

Mit all diesen Sessions an den unterschiedlichsten Orten der Welt, wie ist es da gelungen eine durchgehende Stimmung und einen einheitlichen Sound zu bewahren?

Da der grösste Teil der Aufnahmen in den ersten zwei Wochen zustande kam, war das rhythmische Gerüst der Songs bereits ziemlich konstant (dank dem Schlagzeuger und Bassisten aus Damian's Band). Die meisten Sessions die auf dem Globus verteilt aufgenommen wurden konnten wir dank Cliff Norrel auf eine Stereo ProTools Session zugreifen, die praktisch ohne Plug-Ins auskam. So hatten wir immer Zugriff auf die neuste Version und bei Bedarf direkten Zugriff auf die einzelnen Parts. Dabei handelte es sich meistens um Stimmenaufnahmen, doch gewisse Songs wie 'Beautiful People' und 'Warring People' wurden zuerst komplett auf meinem Laptop programmiert und zu einem späteren Zeitpunkt mit der Band aufgenommen.

Wurden bei diesem Projekt ungewöhnliche Instrumente oder Mikrofonierungen verwendet?


AR Rahman besitzt ein sehr Interessantes Setup bei dem es ihm ein MIDI Controller mit dem Namen Continuum  Micro-Tonale Performances ermöglicht. Dieser Controller wurde mit einem indischen Klangerzeuger verbunden (dessen Name mir leider nicht mehr in den Sinn kommt), welcher das ungewöhnlichste Setup besass, das mir jemals über den gelaufen ist. Damit konnte er ein paar wirklich coole Dinge realisieren.

SuperHeavy

Die Stimmen von Mick und Joss wurden in WOME aufgenommen. Welcher Signalpfad kam bei diesen zwei aussergewöhnlichen Sängern zum Einsatz?


Für Joss und Mick verwendete ich einen Avalon Vacuum Tube Kompressor und ein Vintage U67! Normalerweise verwende ich keine Eqs und nur sehr wenig Komprimierung.

Zurück zu Dir. Mir ist aufgefallen, dass sich Dein Background und aktuelle Aktivitäten auf das Programmieren und Produzieren konzentrieren. Wie bist Du zum Programmieren und wie zur Tontechnik gekommen?


Ich eignete mir meine Grundkenntnisse vor fast 20 Jahren an der SAE in London an und begann dann meine Karriere als Assistent in London. Meine ersten Erfahrungen mit Programmieren machte ich mit Digital Performer (damals die einzige Anwendung für Mac) und verschiedenem MIDI Equipment. Ich liebe die AKAI S1100 Sampler immer noch, auch wenn ich schon seit Jahren nicht mehr damit gearbeitet habe. Mir fehlt irgendwie die Auseinandersetzung mit Reglern und Tasten.

Neben Dave Stewart hast Du auch schon mit Grössen wie Mick Jagger, Katy Perry und No Doubt gearbeitet. Wie sah diese Arbeit genau aus und für welches Equipment hast Du Dich dabei entschieden?


Ich hatte das Glück mit diesen Künstlern schon während der Entstehung der Songs zusammen arbeiten zu können...oftmals in nicht gerade traditionellen Umgebungen. Ich habe ein kleines und leichtes Setup mit dem ich bereits in der Entstehungsphase aufnehmen und Spuren nach belieben bearbeiten kann. Somit ist es möglich in einer entspannten und unverkrampften Athmosphäre zu arbeiten, was natürlich vor allem in der Kreativphase ungemein wichtig ist.


Normalerweise verwende ich Digital Performer zusammen mit einem Traveller Interface und verwende eine Kombination von Plug-Ins. Ich liebe das Spectrasonics Zeugs, insbesondere Omnisphere für Keyboards und Synthesizer. Die meisten Sounds sind von Grund auf grossartig und ich liebe wie schnell es sich damit arbeiten lässt. Benötigt man jedoch mehr Tiefe, so habe ich gleichzeitig die Möglichkeit alles genau meinen Wünschen anzupassen. Da ich wie gesagt häufig in der Entstehungsphase von Songs involviert werde, ist es wichtig Stimmungen und Sounds schnell einzufangen. Für analoge Sounds gefallen mit aber auch die Rob Papen Synthesizer sehr gut, mit BFD erzeuge ich 'Live' Schlagzeugspuren, Machfive verwende ich für Sampling und Native Instruments deckt eine sehr breite Palette von traditionellen bis hin zu sehr speziellen Instrumenten ab. Etwas weniger bekannte Plug-Ins die mir sehr gut gefallen sind zum Beispil Micro Tonic von Sonic Charge und Synplant. Für Streichinstrumente verwende ich eine Library von East West, für Klaviersounds kommt Ivory zum Einsatz und für den traditionellen Bass bevorzuge ich Trillian. Ich verwende auch Receptor, da ich damit während meiner Reisen die CPU Ressourcen meines Computers schonen kann.


Sind die Ideen einmal festgelegt, fange ich an das Arrangement zu definieren. Ich verwende dazu ebenfalls Digital Performer, da es über ein paar sehr praktische Funktionen wie Autotune verfügt und gut zusammen mit MIDI arbeitet, greife aber auch auf ProTools zurück, da es die standard DAW für so viele Dinge ist. Mein Main Room ist mit einem 896 MOTU mit zwei 8Pre's ausgestattet und wurde mit einem Avalon und einem 1176 Focusrite um zwei gute Mikrofonvorverstärker ergänzt. Bei den Plug-Ins verwende ich eine Menge Sachen von UAD, da deren Eqs und Kompressoren wirklich gut und authentisch klingen.


Nachdem der Song Gestalt angenommen hat gehen wir häufig in ein grösseres Studio um ihm mit Live Schlagzeug und anderen Overdubs den nötigen Schliffen zu verleihen. Diese Arbeitsweise garantiert, dass die Grundidee und der ursprüngliche Funke aus der Entstehungsphase bis hin zum Endmix erhalten bleibt.

Du hast Dir auch schon als Tontechniker für grosse Namen wie Ringo Starr einen Namen gemacht. Im Vergleich zum Programmieren, wieviel Zeit investierst Du für tontechnische Aufgaben? Kann man zwischen diesen beiden Aktivitäten überhaupt klar unterscheiden, oder betrachtest Du alles eher als Gesamtproduktion?


Der grösste Teil meiner Arbeit fliesst wohl ins Programmieren, auch wenn da natürlich nicht Dinge wie Stimmen, Gitarrenaufnahmen oder Mixdowns berücksichtigt sind. Für mich ist echte Tontechnik Arbeit jedoch hinter einem SSL Mischpult zu sitzen und Schlagzeug, Bands, oder ganze Orchester aufzunehmen. Doch solche Dinge mache ich in letzter Zeit nur sehr selten, auch wenn ich immer wieder gerne mit Musikern und Bands zusammenarbeite, bei denen der Live Aspekt im Vordergrund steht.

Auf dem letzten Stevie Nicks Projekt warst Du eigentlich von Keyboards bis hin zum Tontechniker für alles verantwortlich. Siehst Du Dich auch als Produzent, oder arbeitest Du so wegen der Werkzeuge, die einem in einer modernen Produktionsumgebung zur Verfügung stehen?


Für das Projekt von Stevie stand mir mit Scott Campell ein grossartiger Tontechniker zur Seite. Diese Zusammenarbeit ermöglichte es mir mich auf meine Programmierarbeit zu konzentrieren, während er sich darum kümmern konnte, dass die Band das Beste aus sich herausholte. Ein Grossteil der Aufnahmen wurden in Stevie's Haus realisiert und erlaubte es uns eine sehr entspannte Stimmung aufzubauen. Die modernen Anwendungen und Werkzeuge ermöglichen es den kreativen Prozess und Stimmenaufnahmen ohne grosse und teure Studioinstallationen zu realisieren.

Gibt es etwas, das Du Dir für jede Produktion vornimmst? Von einem künstlerischen, technischen und menschlichen Standpunkt aus gesehen, welche Aspekte der Musikproduktion sind für Dich die wichtigsten?

 

SuperHeavy

Ich habe von meiner Arbeit mit Dave Stewart gelernt, dass die Stimmung während der Arbeiten so ziemlich das wichtigste Element für eine gelungene Produktion ist (und er ist darin wahrlich der Meister). Nichts tötet die Kreativität mehr als auf eine technische Fehlfunktion warten zu müssen. Ideen schnell umzusetzen und ohne grosse Umwege einen spannenden Sound zu erzeugen ist dabei essentiell. Kurz: Leute arbeiten am besten wenn sie entspannt sind und Spass haben und wenn das bedeutet in einem Wohnzimmer mit einem SM58 aufzunehmen, dann sollte man das auch (speziell während der Entstehungsphase der Songs).
Die wichtigste Lektion die jedoch gelernt habe ist es immer alles aufzunehmen!

Was war in Deiner Karriere bisher der beste Studiomoment? Und was war Dein grösster Alptraum?


Den Schreibprozess mit grossen Songwritern erleben zu dürfen ist für mich immer wieder eine sehr magische Erfahrung. Den Tag mit einer komplett leeren Session anzufangen und den Abend mit einem Song zu beenden, der wie aus dem Nichts erschienen ist, wird für mich niemals langweilig werden! Technisch gesehen ist waren meine Einsätze in Jamaica immer wieder problematisch – unzuverlässige Stromversorgung, defekte Lautsprecher und so weiter... Bei unserer Arbeit mit Shakira haben wir ein PA von einem lokalen DJ mieten müssen!

Zum Schluss könntest Du uns Geräte/Anwendungen aufzählen, ohne die Du nicht mehr leben könntest?


Mein Mac (offensichtlich). KAOSS Pad (grossartig für FX), portables M-Audio Keyboard, MOTU Interface und meine Sample Library. Dann bin ich bereit für so ziemlich jeden Einsatz!

Danke Dir Ned!

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