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Exklusives Interview mit Tipps und Tricks aus dem Studio

Infected Mushroom
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Innovatoren, besessene Perfektionisten, unseriöse Technik-Freaks, Genies des elektronischen Rock? Das wird sich wohl erst mit der Zeit zeigen. Dennoch bringt einem 'The Legend of the Black Shawarma' (das 7. Album von Infected Mushroom) ordentlich den Boden unter den Füssen zum Beben. Bis zum letzten Beat ist man sich nicht so ganz sicher, was denn dieses geordnete musikalische Chaos genau soll...währende sich die Füsse immer noch weiter zum Takt bewegen.

Erez Eisen und Amit Duvedevani "Duvdev" (Hintergrund).
Innovatoren, besessene Perfektionisten, unseriöse Technik-Freaks, Genies des elektronischen Rock? Das wird sich wohl erst mit der Zeit zeigen. Dennoch bringt einem 'The Legend of the Black Shawarma' (das 7. Album von Infected Mushroom) ordentlich den Boden unter den Füssen zum Beben. Bis zum letzten Beat ist man sich nicht so ganz sicher, was denn dieses geordnete musikalische Chaos genau soll...währende sich die Füsse immer noch weiter zum Takt bewegen.

Infected Mushroom setzt sich aus den Künstlern Erez Eisen und Amit Duvedevani zusammen. Beide stammen von den sonnigen Küsten Israels und haben ihre Zelte jetzt in der ebenfalls sonnigen Stadt Los Angelels aufgeschlagen - die Sonne scheint also im 'Infected Land' immer zu scheinen. Doch wirft man einmal einen Blick hinter die Kulissen, so findet man zwischen dem hart erarbeiteten Erfolg, dem heilosen Durcheinander, den nuklearen Shows und den privaten Witzen ein sehr selbständiges Duo aus musikalischen Wissenschaftlern, die fast jedes Detail Ihrer Musik schreiben, produzieren, mixen, mastern, nachbessern und reparieren.

Aus diesem Grund war es für Audiofanzine (AF) auch passend, die offensichtliche Frage zu stellen: Wie kommt denn dieser Sound überhaupt zustande?  Während wir eines frühen Morgens in Paris noch mit Kaffee gegen den Schlaf kämpften, gesellte sich Eisen spät Nachts aus seinem Studio in Kalifornien zu uns, um uns ein paar Geschichten aus der Welt von Infected Mushroom zu erzählen. Viel Vergnügen!

Teil 1: 'Nun ja, eigentlich ändert sich immer alles'

Infected Mushroom heuteAF: Könnt Ihr uns kurz die Band vorstellen? Wer macht bei Euch was?

Eisen: Mein Partner Amit Duvedevani (auch bekannt als 'Duvdev') und ich haben uns 1996 zusammengetan, um vorerst wirklich schreckliche Musik zu schreiben. Heute sind wir schon fast zu einer grossen Band gewachsen. Wir haben mit Rogerio Jardim einen grossartigen Schlagzeuger aus Brasilien, der jetzt in den USA wohnt. Wir haben mit Erez Netz einen israelischen Gitarristen, der als einer der besten elektrischen Gitarristen überhaupt gehandelt wird. Wir lieben ihn. Zudem haben wir mit Thomas Cunningham noch einen überaus talentierten, jungen Bassisten aus den USA. Zusammen sind wir Infected Mushroom.

AF: Was betrachtet Ihr als Eure Einflüsse? Ihr verwendet Elemente aus Metal und verbindet sie mit Jazzorgeln. Doch man hört auch Hip-Hop Einflüsse und Einflüsse aus spanischer Musik...

Eisen: Das ändert immer wieder, wisst Ihr? Ich habe mit Electronic wie zum Beispiel Psytrance Bands (Shpongle) angefangen, war aber auch Fan von Hallucinogen. Zu der Zeit waren wir auch grosse Fans von X-Dream, Etnica und vielen anderen Bands aus dieser Ecke. Das sind wohl unsere Haupteinflüsse. Mit den Jahren haben wir uns jedoch stets weiter für alles mögliche geöffnet. Wir haben uns vom Radio und von MTV beeinflussen lassen - jedoch nicht das, was man heute darunter versteht, sondern zu der Zeit, als noch viel mehr Heavy Metal gespielt wurde. Sogar manchmal Hip-Hop...JayZ kann durchaus auch cool sein. Vielleicht gefällt uns das gesamte Konzept nicht besonders, dennoch suchen wir uns stets ein paar Ideen heraus. Im Studio versuchen wir halt einfach so viel Spass wie möglich zu haben und die Freude an der Sache nie zu verlieren.

Das Studio von Infected Mushroom in L.A.
AF: Euer Stil hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Wenn Ihr Eure alten Stücke anhört, was fällt Euch dazu ein?

Eisen: Für mich sind auf The Gathering (welches das erste Infected Album ist) ein paar ganz gute Stücke. Mir gefällt neben ein paar anderen Stücken vor allem Tommy the Bat. Dennoch ist die gesamte Produktion an sich wirklich schrecklich. Man kann sagen, dass ich nicht so stolz darauf bin. Doch ich war ja zu der Zeit erst 16 Jahre alt. Zieht man dies in Betracht, so geht das schon in Ordnung.

Das Studio von Infected Mushroom in L.A.AF: Fangt Ihr mit Euren Stücken im Studio an, oder sucht Ihr Eure Inspiration woanders?

Eisen: Nein, es ist immer im Studio. Wir haben versucht, Stücke unterwegs zu schreiben, haben es aber nie geschafft. Manchmal gehen wir ohne irgendwelche Ideen ins Studio, stellen das Metronom auf 145 BPM, fangen mit Kick und Bass an und suchen anschliessend irgendwie nach Sounds und sonstigen Ideen. Manchmal wenn wir Glück haben, läuft alles wie geschmiert, und es entwickelt sich sehr schnell eine solide Idee. Es kann aber auch vorkommen, dass wir über eine Woche an einem Stück hängen bleiben.

AF: Ich weiss was Ihr meint. Ich stecke jetzt seit 10 Jahren fest.

Eisen: Wenn wir stecken bleiben, kann es durchaus auch mal heftig werden. Ich wollte auch schon mal sagen 'Das wär's! Ich kann keine Musik mehr schreiben. Ich habe keine Ideen mehr!', doch dann antwortete Duvdev mit 'Betrachte es doch einfach als einen Kampf im Studio. Wie ein Computerspiel, wo es einen wirklich schwierigen Level gibt, den man solange durchspielt, bis man endlich den nächsten Level erreicht.' So sehen wir es also im Augenblick und das hilft uns wirklich. Wenn sich wieder einmal so ein schrecklicher Tag anmeldet, betrachten wir es einfach als Kampf, dem wir uns stellen müssen. Manchmal sind es die Lyrics...doch es ist eigentlich immer etwas anderes.

Infected Mushroom Live in Chicago 14/11/2009AF: Wo seht Ihr als Band Eure grösste Herausforderung?

Eisen: Wir haben eigentlich immer Herausforderungen. Die erste war wohl, die Band auch wirklich auf die Beine zu stellen. Wir mussten einen Schlagzeuger und einen Gitarristen finden und dann noch die einzelnen Teile für sie schreiben. Auf unseren Stücken herrscht bereits sehr viel Bewegung und wir wollten unsere Live Show nicht zu sehr überladen. Es ist anfangs etwas schwierig, sich die Passagen des Gitarristen, oder des Schlagzeugers vorzustellen, damit das ganze nicht zu überladen tönt.

AF: Im Studio könnt Ihr Musik unter idealen Konditionen schreiben und produzieren. Das Stück dann Live umzusetzen kann jedoch eine Herausforderung sein. Wie geht Ihr diese Sache an?

Eisen: Live versuchen wir unseren Stücken etwas mehr Bass zu geben, damit die Leute diesen nicht nur hören, sondern auch fühlen können. Das ist sehr wichtig. Bei den restlichen Frequenzen versuchen wir halt uns so nah wie möglich an der Idee zu orientieren, die wir im Studio hatten...etwas, das übrigens noch nie so vorgekommen ist. Bei unserem Glück treffen wir immer auf schreckliche Verstärkeranlagen. Es ist immer eine Herausforderung einen richtigen Soundcheck durchzuführen.

Teil 2: 'Ich hasse Komprimierung': Equipment und Techniken fürs Sounddesign

Infected Mushroom's Gear List

Digital Mixers

Yamaha 01V96 V2

Digital Synth Racks/Sound Modules

Roland V-Synth XT

Digital to Analog Converters

Apogee Electronics DA-16X

DSP Boards

Universal Audio UAD2 Quad

Dynamic Processors

Empirical Labs Distressor - EL8-X

Lev Solutions Dual Vactec Compressor

Teletronix LA-2A

External Audio Interfaces

M-Audio ProFire 2626

Prismsound Orpheus

RME Audio FireFace 800

TC Electronic StudioKonnekt 48

Filters

Moog Music MF-101 Lowpass Filter

Moog Music MF-105 MuRF

General Sequencers

Steinberg Cubase 5

Internal PCI/ISA Sound Cards

RME Audio HDSP AES 32

Sonic Core scope professionnel

MIDI Interfaces

MOTU Midi Timepiece

MIDI Keyboard Controllers

Edirol PCR-800

M-Audio Keystation Pro 88

Multi-Effects for Electric Guitar

Zoom G9.2tt

Other Computers

Symbolic Sound Pacarana

Other Effects Processors

Eventide H8000

Moog Music MF-107 FreqBox

Phasers

Moog Music MF-103 12-Stage Phaser

Pre-amplification

Lev Solutions Integrity 2

Reverbs

Lexicon 960L

Ring Modulators

Moog Music MF-102 Ring Modulator

Solid-State Pre-amps

API Audio 3124+

Avalon AD2022

Synchronizers

Apogee Electronics Big Ben

Virtual Basses

Spectrasonics Trilian

Virtual Samplers/Sample Players

Spectrasonics Omnisphere

Workstations

Symbolic Sound Kyma X

Yamaha MOTIF XS6

AF: Da es bei Audiofanzine ja eigentlich vor allem um Equipment geht...und Ihr ja auch welches habt...würde ich Dir gerne ein paar Fragen dazu stellen. Du wirst hier wahrscheinlich keine Geheimnisse preisgeben, aber...

Eisen: Kein Problem...wir können über alles reden. Ich habe keine Geheimnisse.

AF: Cool. Zuerst also eine allgemein Frage zu Deinem Equipment. Wäre es möglich, uns eine komplette Liste Eures Equipments zu schicken...sofern es so eine gibt?

Eisen: Kein Problem [s. Reihe rechts]

AF: Ich sehe, dass Ihr ein Blue Mikrofon verwendet. Warum habt Ihr genau dieses gewählt?

Eisen: Wir besitzen zwei Blue Mikrofone und ein Blue Bottle. Als wir in Israel waren, hatten wir eine Menge Glück einen Typen zu treffen, der alle diese guten alten Mikrofone besass. Darunter befanden sich auch ein hochwertiges Neumann und ein sehr spezielles Telefunken. Sehr gute Mikrofone. Für mich haben aber am Ende ein paar Blindtests den Ausschlag gegeben. Man kann WAV Dateien aufnehmen und einfach das Mikrofon wählen, das einem am besten gefallen hat. Egal um welche Marke es sich handelt, man muss das Mikrofon nehmen, welches für einen am besten tönt. Insgesamt haben wir also so um die 5 Mikrofone getestet und das Blue hat in allen Bereichen am besten abgeschnitten.

AF: Scheint eine gute Auswahlmethode zu sein.

Eisen: Das machen wir immer so. Leider hat dies zur Folge, dass wir manchmal eine Menge Geld für zum Beispiel einen teuren Kompressor ausgeben und uns am Ende ein Plug-In besser gefällt. Das nervt zwar, doch wenn es besser tönt, dann ist dem halt einfach so.

AF: Ich sehe, dass Ihr einen Avalon Vorverstärker besitzt. Wie verwendet Ihr den normalerweise mit Instrumenten wie Gitarren oder Synthesizern?

Eisen: Den Avalon Vorverstärker verwenden wir häufig bei Synthesizern. Es tönt einfach so viel besser als wenn man direkt einsteckt. Wir benutzen ihn auch für Gitarrenaufnahmen. Ich stecke da einfach das Ausgangssignal in ein Zoom Effektgerät für Gitarren ein.

AF: Das G7?

Eisen: Im Studio verwenden wir eigentlich das G9. Dabei handelt es sich aber um fast dasselbe. Wir stecken da direkt ein und erhalten einen wirklich exzellenten Sound. Einziger Nachteil ist, dass es ziemlich schnell zu zerren anfängt...nicht wie beim Neve 1073. Dennoch kann der Sound überzeugen und wenn er nicht verzerrt ist, dann tönt er wirklich sehr, sehr gut.

AF: Ich habe Bilder von Eurem Heimstudio vor 6 oder 7 Jahren gesehen, und jetzt besitzt Ihr ein grösseres in L.A. Dennoch verwendet Ihr immer noch die Dynaudio BM6A. Ich besitze dasselbe Paar jetzt auch seit etwa 7 Jahren. Es sind durchaus gute Monitore, wenn auch in den Höhen etwas aggressiv. Wolltet Ihr Euch nie bessere Monitore zulegen?

Eisen: Wir hatten in der Vergangenheit bereits eine Menge Monitore und darunter befanden sich die Dynaudio BM15 und ein Paar...ich habe den Namen des Modells vergessen. Es hat zwei Woofer und einen Hochtöner und ist wirklich teuer [Anm.d.Red.: Wahrscheinlich handelt es sich um Quested Monitore]. Wir haben sie also ausprobiert und waren einfach nicht so zufrieden. Der Mix war niemals so gut wie bei den Dynaudio BM6. Also haben wir uns gesagt 'Scheiss drauf, sie tönen gut genug'. Vielleicht werden wir es uns in der Zukunft anders überlegen. Wir wissen, dass es für Mixdowns weitaus bessere Monitore geben soll, wie zum Beispiel die Marke Adam, über die wir bereits sehr viel Gutes gehört haben.

AF: Und Ihr seid Euch diese Lautsprecher gewöhnt und wisst, wie sie arbeiten...

Eisen: Wir benutzen sie jetzt bereits seit so vielen Jahren. Ich kann mit diesen Lautsprechern in fast jedem Raum einen vernünftigen Mix erstellen.

AF: Habt Ihr für Mixdowns ein zweites Paar?


Eisen: Nein. Ich hasse dieses System. Wir haben das auch schon einmal versucht und waren am Ende nur verwirrt. So kann ich jedenfalls nicht mischen.

AF: Welchen Kompressor, oder Limiter verwendet Ihr in Euren finalen Mixdowns? Eure Stücke tönen im Vergleich zu anderen Songs in der elektronischen Musik bei weitem nicht so komprimiert.

Eisen: Wir verwenden beim finalen Mixdown keinen Kompressor.

AF: Ok. Interessant.

Eisen: I meine, das ist so etwas wie unser Geheimnis...wenn man so will. Grosses Geheimnis. Wir mastern unsere Stücke auch selber. Im Grund genommen haben wir gelernt, dass wenn man den Gain wirklich stark aufdreht und alles in die Verzerrung treibt, aber noch keine Verzerrung hört - sagen wir bei etwa +6dB - und das Signal anschliessend analog auf einen anderen Wandler schickt, dass man so einen wesentlich besseren Sound erhält. Wir haben sogar den Waves Ultramaximizer eingesetzt und waren im Vergleich mit unserer Herangehensweise mit den Resultaten nicht so zufrieden. Auch bei anderen Herstellern mussten wir immer dasselbe beobachten: Die Höhen gingen weg und die Details gingen verloren. Wir dagegen schicken das analoge Signal in den Prism Sound und treiben es dort in die Verzerrung [Damit ist eine angezeigte Verzerrung gemeint, bei der die Pegelanzeigen ein 'Clipping' erkennen lassen, meine Ohren dies aber noch nicht wahrnehmen können]. So erhalten wir einen ziemlich hohen Gain und einen Sound, der nicht komprimiert tönt.

AF: Je mehr Dynamik, desto besser...

Eisen: Ich hasse Komprimierung. Wenn es sich vermeiden lässt, dann verzichte ich gerne drauf. Speziell die Sidechain Komprimierung.

AF: Das ist wirklich gut zu hören. Viele Leute können heutzutage gar nicht aufhören, das Signal noch weiter zu komprimieren....

Eisen: Das versteh ich einfach nicht. Sie haben dabei die Musik vergessen. Wo spielt die Musik? Andererseits ist das alles auch Geschmackssache. Das muss jeder für sich entscheiden.

AF: Mischt Ihr alles in Cubase?


Eisen: Ja. Wir verteilen jedoch die Kanäle auf den RME AES32 Mixer und verwenden gewissermassen seinen Klang. Ich denke das tönt besser. Anschliessend schicken wir die zwei Ausgänge auf die zwei Eingänge des Prism Sound.

AF: Welches sind Eure bevorzugten virtuellen Synthesizer?


Eisen: Da habe ich schon eine Menge unterschiedlicher Antworten gegeben, doch heute kann ich dazu nur Omnisphere sagen. Der Synthesizer ist einfach erstaunlich. Zudem verwenden wir auch gerne Trilian, was uns wirklich sehr gut gefällt. Wir haben aber auch die gesamte Native Instruments Sammlung gekauft - besonders Massive kann ich da zum Beispiel hervorheben. Doch obwohl es sich um ein hervorragendes Produkt handelt, so funktioniert es leider nicht richtig mit Cubase.

AF: Du meinst, es stürzt ab?


Eisen: Immer. Wenn wir mal wirklich einen anderen Sound haben möchten, verwenden wir Massive auf einem anderen Computer als Standalone Anwendung...leider. Ich denke, dies sind die besten VSTi Anwendungen. Ich glaube jedoch nicht, dass es einen Vergleich mit dem Zeugs von Spectrasonics gibt. Für Streicher haben wir noch das Vienna Symphony Library Plug-In.

AF: In einem Eurer Songs gibt es eine Geige, die äusserst echt tönt. Verwendet Ihr da auch das Plug-In?

Eisen: Ja. Genau das tun wir.

AF: Ich dachte die wäre echt.

Eisen: Vienna ist wirklich teure Ware, doch es gibt auf dem Markt nichts vergleichbares. Es tönt einfach so realistisch. Und wenn man das Stück entsprechend komponiert, dann tönt es unglaublich. Vienna ist wirklich erstaunlich. Sogar die eingebauten Plug-Ins in Cubase 5 tönen ziemlich gut. Die Synthesizer für sich müssen sich auf keinen Fall verstecken.

AF: Wie sieht es mit dem Equipment aus, das Ihr Live einsetzt?

Eisen: Nun, das ist ziemlich einfach. Als Synthesizer verwende ich nur den Motif XS6. Ich steure es mit dem Edirol PCR-800 an und bin mit dem Sound ganz zufrieden. Den Cutoff regle ich über ein Boss Volumenpedal. Beim Mixer verwenden wir ein Yamaha 01V96 Version 2. Das ist wirklich grossartig. Bei Live Shows müssen wir so nur einen Knopf drücken und 99% des Soundchecks ist getan. Wir müssen anschliessend nur noch den EQ des PA's nachbessern und fertig!

AF: Sehr praktisch.


Ich steure auch den Mixer über den MIDI Controller des Edirol Keyboards. Sollte ich also mehr Gitarren benötigen, so muss ich nicht extra zum Mixer rennen. Alles kann von meinem Keyboard aus gesteuert werden. In der Live Show geht eigentlich alles sehr schnell und ich übernehme den grössten Teil des Mixings.

AF: Ist Euch denn Live noch nie ein Computer abgestürzt?

Eisen: Vor einer langen Zeit war das noch ein Problem, doch am Ende waren wir dafür selber verantwortlich. Wir waren dumm genug, zur gleichen Zeit ein Anti-Virus Programm geöffnet zu haben, das sich dann kurzerhand entschloss nach Updates zu suchen. Heute haben wir für fast alles einen Backup. Dennoch hatten wir zum Glück schon seit Jahren keinen Absturz mehr.

AF: Vor ein paar Minuten haben wir über Eure Mixes gesprochen. Diese sind immer sehr 'präzis' und haben auch bei grossen Synthesizern keine überlappenden Frequenzen. So habt Ihr zum Beispiel in Eurem Forum auch gesagt, dass der schwierigste Teil Eurer Arbeit darin besteht, alles richtig zu mixen und ungewollte Frequenzen zu entfernen. Wie weit greift Ihr in den Frequenzgang der verschiedenen Instrumente ein, um dieses Ziel zu erreichen?


Eisen: Ausser dem Bass und der Kick Drum bearbeite ich jedes andere Signal mit einem Hi-Cut Filter. Ich habe sogar ein Plug-In in Reaktor erstellt, mit ich die Probleme bei Kick und Bass beheben konnte. Im Grunde genommen habe ich eine Art Sidechain EQ erstellt. Jedes Mal wenn ein Kick gespielt wird, schaltet sich zum Beispiel ein Hi-Pass Filter auf dem Bass ein. Das habe ich früher mitunter von Hand gemacht, doch dann konnte ich in Reaktor eine Lösung finden, die eigentlich sehr einfach war.

AF: Das funktioniert wirklich sehr gut. Bass und Drums sind immer sehr präzis.

Eisen: Man räumt halt so den Mix auf. Immer wenn der Kick nicht spielt tönt das Signal immer noch fett. Dies gilt besonders, wenn man den Bass stets auf der Kick platziert haben möchte. Das ist das grösste Problem für mich - sonst fängt man nämlich an Bass Lines zu schreiben, die man so eigentlich gar nicht wollte. Für mich zumindest ist dieses Problem jetzt gelöst. Ich lege wirklich über alles einen Hi-Cut Filter, das nicht zwingend einen Bass benötigt. Erreicht man in einem Stück dann mal einen Break, so kann man den Bass dann ja wieder zurück bringen. Wenn aber der Kick im Mix vorhanden ist, dann tönt es für mich am besten, wenn man alles so um die 100 - 120Hz abschneidet. Viel aufgeräumter.

Es gibt so viele Techniken, die ich verwende. Zum Beispiel teile ich Synthesizer in Stereo auf und bediene mich einer Technik, die in etwa Overdubs bei Gitarren gleich kommt. Nehmen wir also zum Beispiel eine einfache Bass Line. Hier spiele ich ein wenig mit dem Cutoff, Attack, Decay und Release der Sounds. Das ganze mache ich dann zum Beispiel über eine 8 Takt lange Sequenz (angenommen das Muster wiederholt sich jeden Takt), die ich dann in eine Audiodatei exportiere. Anschliessend teile ich die Datei in der Mitte auf und lege eine Hälfte auf den linken und die andere Hälfte auf den rechten Kanal. Nun habe ich ein Signal, das wegen meiner manuellen Veränderungen mehr lebt und ohne weitere Effekte mehr nach Stereo klingt.

AF: Wie ein Chorus.

Eisen: Ja, wie ein Chorus. Doch damit es mehr nach Chorus tönt, müsste man wohl noch ein wenig mit der Tonhöhe spielen.

AF: Das tönt, als ob jeweils zwei Musiker am Spielen sind.

Eisen: Genau. Man weiss gar nicht, was da so genau los ist, doch es tönt mehr nach Stereo und wesentlich fetter auf diese Art. Aus diesem Grund verwende ich diese Technik für fast alles. Häufig nehmen wir auch längere Versionen auf, die wir dann einfach in der Mitte trennen - der erste Teil wird auf die linke Seite und der zweite Teil auf die rechte Seite gelegt...das wär's!

AF: Solche Tricks sind für unsere Leser sehr interessant.

Eisen: Ich habe so viele. Ich weiss gar nicht wo anfangen...ich will Euch aber auch nicht langweilen.

AF: Auch wenn Du den ganzen Tag redest, würde mir nicht langweilig... ;-)

Teil 3: The Legend of the Black Shawarma

AF: Als erstes hören wir uns das Intro von 'Poquito Mas' an. Die ersten 10 Sekunden haben eine akustische Gitarre, die in der Tonhöhe rauf und runter geht...tönt schon fast nach Scratching. Es würde mich interessieren, wie Ihr diesen Sound erzeugt. Auch wenn sich die Tonhöhe verändert, so tönt es doch nicht nach Pitchshifter.

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Eisen: Was ich im Grund genommen häufig mache, ist es eine Note eines Instruments (in diesem Fall eine Gitarre) zu nehmen und mit einem Effekt zu bearbeiten. Der Pitchshift ist glaub ich von Soundforge, da ich den Pitchshift Effekt in Cubase nicht ausstehen kann. Also nehme ich Soundforge und zeichne ein, wie weit runter ich die Tonhöhe haben möchte. Das ist in Soundforge wirklich einfach. Dann nehme ich diesen Teil, passe ihn wieder im Timing an und füge ihn nach der ersten Note ein.

AF: Welches Delay verwendest Du? Es tönt nach einem Delay mit einem Filter...handelt es sich um ein Plug-In?

Eisen: Es ist sogar eines, das ich gemacht habe.

AF: Ich habe ein Lexicon MPX-1 Effektgerät und einer der Effekte darauf hat mich daran erinnert. Wirklich schön einen Filter auf das Delay zu legen.

Eisen: Es handelt sich um ein 8-Tap Delay und auf jeden Tap kann man einen beliebigen Effekt legen.

AF: Gerade nach dem Intro hört man auf der Gitarre einen Verstärkereffekt. Du sagtest, dass Ihr keine Gitarrenverstärker verwendet.

Eisen: Nein, keine.

AF: Also verwendet Ihr...

Eisen: Diese Gitarre im Speziellen geht Clean in den Avalon und aus dem Avalon heraus in einen echten LA2A, wo das Signal ganz leicht komprimiert wird. Ich glaube ich habe hier das Pultec UAD Plug-In verwendet, um dem Signal ein wenig mehr Höhen zu geben. Mir gefallen die hohen Frequenzen des Pultec sehr gut. Normalerweise verwende ich einfach die höchsten Einstellungen.

AF: Auf 'Sa'eed' hört man am Anfang eine Perkussion. Hat das Euer Schlagzeuger aufgenommen?

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Eisen: Bei der Perkussion handelt es sich eigentlich um eine akustische Gitarre, die ein wenig wie ein Cajon gespielt wurde.

AF: Wirklich?

Eisen: Ja...einfach mit den Fingern auf den Korpus gehauen und anschliessend mit derselben Stereotechnik bearbeitet, über die wir gerade vorher geredet haben. Die gesamte Perkussion wurde so mit einer akustischen Gitarre aufgenommen. Wir dachten zwar zuerst nicht, dass wir es verwenden würden, doch es hat wirklich sehr cool getönt. Ich weiss nicht genau, weshalb es genau so tönte...wir haben es einfach versucht und das Mikrofon sehr nah an den Korpus gehalten.

AF: Überraschungen gibt es immer wieder.


Eisen: Die meisten guten Dinge sind Überraschungen.

AF: Auf 1:00 habt Ihr auf der Stimme einen Effekt. Wie kriegt Ihr diesen Sound hin?


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Eisen: Indem wir jede Silbe des Wortes trennen. Nehmen wir zum Beispiel den Satz 'I feel ashamed'. Diesen unterteilen wir in 'I' und anschliessend das Wort 'feel' in 'f', 'ee' und 'l'. Dann nehmen wir nur das 'ee' von 'feel' und setzen es in einen Loop. Wir nehmen aber nur einen kleinen Teil, um am Ende die gewünschte Tonhöhe zu erreichen.

AF: Verstehe. Wenn man dies in einem Loop abspielt, erhält man ganz eigene Obertöne.
[Anm.d.Red.: Die Tonhöhe wird mit der Länge des Loops bestimmt: Frequenz (in Hz) = 1 / Länge des Loops (in Sekunden). Beispiel: Um ein 'A' (440 Hz) erzeugen zu können, muss der Loop ein Vielfaches von 2.2727 Millisekunden sein.]


Eisen: Genau. Wenn der Loop wirklich kurz ist, dann erhält man diese speziellen Obertöne. Deshalb muss man die Länge des verwendeten Loops kennen, bis man die richtige Tonhöhe erzeugen kann. Wir tun dies eigentlich mit jeder Silbe. Auf 'ashamed' gibt es eine Menge davon. Normalerweise lassen wir dies bei 's', 't' und 'd' aus - also den Wortanfängen, den Konsonanten. Der ganze Prozess ist ziemlich zeitaufwändig.

AF: Ich dachte zuerst, es handelt sich hier um ein Plug-In. Ihr macht das also alles von Hand?

Eisen: Ich hoffe, dass es ein Plug-In gibt. Bitte gebt es mir! Bislang ist alles Handarbeit. Wir haben diese Technik zum ersten Mal vor Jahren auf einem Stück mit dem Namen 'I Wish'  angewendet, das auf dem Album Converting gefunden werden kann. Hier haben wir diese Idee wieder aufgefasst, jedoch mit dem Unterschied, dass wir das Signal diesmal noch durch eine Verzerrung geschickt haben. Das taten wir ehrlich gesagt, da wir einfach keine Zeit hatten, alle Klicks zu entfernen. Wir waren faul. Durch eine Verzerrung geschickt fallen diese Klicks nicht mehr auf.

AF: Ihr kennt Depeche Mode, oder?

Eisen: Natürlich. Schliesslich sind wir grosse Depeche Mode Fans. Wir haben uns von ihnen stark beeinflussen lassen. Das kann man vor allem auf Cities of the Future hören. Da wollten wir schon ein bisschen Depeche Mode sein. Leider sind wir davon noch meilenweit entfernt.

AF: Wirklich sehr kreativ, wenn auch etwas anders. Dennoch kann man den Einfluss irgendwie spüren.

Eisen: Uns gefallen die Akkordwechsel von Depeche Mode und auch ihre einzigartige Herangehensweise an ihre Musik. Wir haben versucht unsere eigene Schiene zu fahren, doch man sollte seine Einflüsse nicht verleugnen.

AF: Genau. Auf 'Project 100' hört man ein sehr schönes Rhodes Piano. Handelt es sich hierbei um ein Plug-In?

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Eisen: Nö, das ist nur der Motif XS.

AF: Verwendet Ihr darauf einen bestimmten Effekt? So etwas wie einen AM/FM Modulator?

Eisen: Ja, wir verwenden einen schnellen LFO...auf dem Panning, wenn ich mich nicht irre.

AF: Ok. Also auch hier handelt es sich um Handarbeit, anstatt nur eines Presets. Auf dem Song 'Franks' hört man anfangs ein paar echt coole Akkorde mit einem ziemlich gemeinen EQ und ein bisschen Overdrive. Hören wir uns diesen erst einmal an.


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AF: Welche Effekte und Instrumente verwendet Ihr denn hier?

Eisen: Ich glaube, dass es sich hier auch wieder um den Motif XS handelt, den wir durch eine Verzerrung geschickt haben. Die Verzerrung ist nicht so grossartig - es ist der Amp Simulator in Cubase. Ich habe diesen auf den Motif Sound gelegt, erinnere mich aber nicht mehr daran, was für einen Sound ich genommen habe.

AF: Eine der wichtigsten Merkmale dieses Albums ist Eure Zusammenarbeit mit Jonathan Davis, Perry Farrell und The Doors. Stand so eine Zusammenarbeit schon länger auf Eurer Wunschliste? Und was war der Beitrag der einzelnen Künstler?

Eisen: Wir können mit The Doors anfangen. Warner Brothers hat uns gebeten einen Remix für dieses Stück zu erstellen. Sie haben dies auch für viele andere Stücke von The Doors getan und am Ende erlaubten sie uns, das Stück für unser eigenes Album 'The Riders on the Storm' zu verwenden. Wir konnten mit den Original Spuren von The Doors arbeiten, was für sich bereits sehr aufregend war. Ich muss sagen, die Spuren klangen wirklich sehr gut. Diese Zusammenarbeit war von allen die einfachste...auch wenn es im Grund genommen keine richtige war.

Jonathan Davis von Korn haben wir zuerst gefragt, welchen Song er am liebsten singen würde. Eigentlich hatte er sich dann für Killing Time entschieden. Anschliessend kam er jedoch ins Studio und wir fragten ihn, ober nicht doch lieber 'Smashing the Opponent' versuchen möchte. Wir dachten einfach, dass dieses Stück besser zu seinem Stil passen würde. Er willigte ein und legte los, ohne vorher gross zu üben. Ich denke, es ging nicht viel länger als eine Stunde und die Stimmenaufnahmen waren im Kasten.

AF: Die Lyrics und Melodien waren also schon vorhanden und er musste sie einfach noch aufs Band bringen?

Eisen: Ja. Alles war eigentlich schon vorbereitet. Er kam einfach ins Studio und machte sein Ding. Dasselbe galt für Perry Farrell (Sänger von Jane's Addiction). Wir fragten ihn, ob er gerne 'Killing Time' einsingen würde und er war damit einverstanden. Er kam für zwei verschiedene Sessions ins Studio. Wir haben ihn zweimal belästigt. Es stellte sich heraus, dass er uns schon länger kennt. Er hat die Classical Mushroom EP und The Gathering, was uns doch ein wenig komisch vorkam. Wir fragten uns: 'Wieso hast Du ausgerechnet diese Alben?' Es hat wirklich Spass mit ihm gemacht.

Wir sind nach Los Angeles gezogen, damit wir vermehrt mit anderen Künstlern zusammenarbeiten konnten. In Israel sind wir stark auf israelische Künstler beschränkt. Da habe ich zwar nichts dagegen auszusetzen, doch es ist hauptsächlich auf Hebräisch limitiert. Als Künstler träumten wir davon, eines Tages mit grossen Künstlern zusammenarbeiten zu können. Man glaubt ja häufig gar nicht so richtig dran, doch wir sagten uns: 'Versuchen wir es einfach!'. Wir hatten schon fast Dave Ghan von Depeche Mode im Studio, doch am Ende fiel das leider ins Wasser. Hoffentlich können wir Dave für das nächste Album gewinnen.

AF: Zuletzt eine Frage zu Euren Lyrics auf 'The Legend of the Black Shawarma'. Trotz ihres positiven Tons schicken sie doch eine Nachricht, die schon fast wie eine versteckte Warnung tönt. Ich nehme mal an, dass es sich hier nicht um komplett zufällige Lyrics handelt, und dass es etwas ist, was Du gerne mit Deinen Zuhörern teilen möchtest?

Eisen: Als wir uns ans Schreiben der Lyrics machten, beschlossen wir über alles zu schreiben, nur nicht über die Liebe. Wir haben ja nicht wirklich etwas gegen das Thema, doch so ziemlich jeder Song handelt davon. Also sagten wir uns 'Alles ausser Liebe'. Mit der Zeit stellte sich heraus, dass Duvdev der Mann dafür war. Er brachte fast alle Lyrics ins Studio und mir missfielen jeweils höchstens ein, oder zwei Worte. Duvdev ist ein ziemlich verrückter Charakter. Er hat eine Menge verrückter Ideen, die wir nicht wirklich alle verwenden können. Wir versuchen Dinge zu schreiben, bei denen die Leute sich noch ihre eigenen Gedanken machen können. Oder wir schreiben sehr unseriöse Lyrics, bei denen es sich im Wesentlichen um private Witze zwischen uns und unseren Freunden handelt. Nehmt unsere Lyrics also um Himmels willen nicht zu ernst!

AF: Ihr seid also nicht wirklich auf einer Mission Vegetarier zu konvertieren?

Eisen: Wieso nicht? Aber nein...alles nur ein Scherz. Nehmt das bloss nicht so ernst. Vegetarier zu konvertieren steht viel mehr dafür, dass man nicht nur eine Art der Musik hören sollte, sondern stets für neue Arten der Musik offen sein sollte.

Dieses Interview fand am 17. November 2009 um 9 Uhr Morgens in Paris zwischen Philippe Raynaud (AF Paris), Sarit Zadok (AF Jerusalem) und Erez Eisen (Infected Mushroom LA) statt. Ein spezieller Dank geht an Reuven Mansharoff von Musical Act Magazine www.act.co.il.


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