Vox AC15VR
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Vox AC15VR

AC15VR, Hybrid Combo Guitar Amp from Vox in the Valve Reactor series.

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Vox AC15VR Valve Reactor Combo: Der Test

Ein Vox für alle Fälle
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Vor ein paar Jahren hat die Firma Vox ihren legendären AC30 als Verstärker Top, oder als Combo Verstärker erneut auf den Markt gebracht - beide wurden von nun an in China zu einem sehr attraktiven Preis produziert. Dieses Jahr verwöhnt uns Vox nun mit einer neuen Serie, bei der eine spezielle Hybrid-Verstärkertechnologie zur Anwendung kommt, bei der Transistoren wie Röhren zum Einsatz kommen. Das 15-Watt Modell aus dieser Serie ist dann auch das heutige Tagesmenü für diesen Test.

Hybrid Technologie

Vox AC15VRSo ziemlich jeder Gitarrist hat schon einmal von der Marshall Hybrid Serie (Valvestate) oder den Hybrid Modellen von Fender gehört. Hierbei handelte es sich oftmals um einen Mix zwischen Transistor Verstärker und einer 12 AX7 Röhre als klangfärbender Vorverstärker. Mit dieser Technologie war es möglich, den etwas steifen Klang von Transistoren auszugleichen, und den Klang von Effektpedalen in vollem Masse zu übernehmen (erinnert mich ein wenig an die erste Marshall 8080 Serie).

 

Vox verwendet in der VR Series jedoch eine etwas andere Technologie: Der Vorverstärker basiert hier auf Transistoren und die Verstärkung basiert auf einer einzigen 12AX7 Röhre! Was?! Das kann doch nicht stimmen! Ich muss zugeben, dass auch ich diese technischen Angaben zuerst nicht glauben wollte - doch sie sind in der Tat richtig. Der Verstärker verwendet dieselbe Technologie, die auch schon in der Valvetronix Serie zur Anwendung kam. Diese 'Verstärker' Röhre wurde sogar zu diesem Anlass in 'Valve Reactor' umbenannt.

 

Erklärung: eine 12AX7 Röhre ist eine 'Dual Triode' und existiert in der Schaltung eigentlich nur um dem Klang seine Färbung zu verleihen. Anschliessend wird das Signal in einen Solidstate Verstärker gespiesen, dessen Transistoren leistungsfähiger und neutraler sind als der Röhrenverstärker. Demnach dient die Röhre als nur zur Färbung des Signals, der grösste Teil der Verstärkung wird jedoch von den Transistoren übernommen.

 

Autopsie

Vox AC15VRDieser Verstärker besitzt separate Kanäle: Einen 'Clean' Kanal mit einem Volumenregler, sowie einen Kanal, der über zwei Gain Stufen verfügt und sich mehr auf Crunch/Distortion konzentriert. Eine 'Master' Sektion regelt zudem das gesamte Volumen des Verstärkers. Es empfiehlt sich, zuerst das Volumen auf dem verwendeten Kanal anzupassen, bis man den gewünschten Klang eingestellt hat und anschliessend das Gesamtvolumen auf zu drehen. Seid vorsichtig, dass Ihr den Verstärker nicht zu stark treibt, denn sonst kann er schon schnell in die Sättigung gefahren werden (ausser Ihr wollt genau das...in dem Fall einfach weitermachen!). In dieser Sektion findet sich auch ein digitaler Hall, der jedoch bei hohem Volumen schnell einmal etwas hart wirkt. Dennoch reicht er vollkommen aus, um einem Clean Sound etwas Leben zu verleihen. Man kann den Hall über einen Regler von Hand ins Signal geben, oder über einen optionalen Fussschalter ein- und ausschalten. Mit diesem Schalter lässt sich übrigens auch zwischen den Kanälen umschalten.

 

Der Vox AC 15VR wurde mit einem 2-Band Equalizer bestückt (Bass/Treble) - also fast wie bei allen anderen Vox Verstärkern. Durch ein Drücken auf den 'Bass' Regler wird der charakteristische Charme von Vox Verstärkern frei gesetzt. Dazu muss man nur einmal die Einstellung 'Palm Mute' auf diese Art und Weise anspielen und es wird klar wovon ich hier rede. Beim 'Treble' Regler wird der Klang bei allem was über die 12 Uhr Position hinaus geht etwas aggressiv - auf dem 'Clean' wie auch auf den 'Distortion' Kanälen.

 

Vox AC15VRUns fällt auf, dass das Bedienelement sehr nüchtern und ohne auffällige Farben daherkommt. Dazu sollte man Vox aber eher ein Lob aussprechen, da es auf diesem Verstärker keine Emulationen, unnötige Effekte, Effect-Loops, oder Direct Outs gibt. Einfach nur 'Plug and Play'!

 

 

Über die Rückseite ist es möglich einen externen Lautsprecher anzuhängen und den internen Lautsprecher abzuschalten. Seid aber vorsichtig, dass Ihr dabei die Impedanz von 8 Ohm einhalten könnt und dies nur bei abgeschaltetem Verstärker umschaltet.


An die Arbeit

Vox AC15VRDer Vox AC15VR ist ein 15 Watt Verstärker mit 12'' Celestion Custom Lautsprechern. Dank dem Master Volumen ist es möglich den Verstärker über die Lautstärke in eine Verzerrung zu steuern. So erzeugen wir mit der Röhre einen recht guten Crunch, oder bei höherem Volumen eine ziemlich moderne Distortion. Wir haben so ziemlich einfach und mühelos einen guten Sound erhalten und mussten dazu nur ein Verständnis darüber erlangen, welche Auswirkungen die verschiedenen Volumenregler auf den Klang des Verstärkers haben.

 

Der AC15VR vibriert bei hohen Volumen nicht, erzeugt keine auffälligen Nebengeräusche und sein Aussehen und die Verarbeitung sind ebenfalls als Pluspunkte zu werten. Ich bemerkte eine Aufwärmzeit bevor ich den Verstärker benutzen konnte - Zeichen dafür, dass zumindest eine Röhre vorhanden ist.

 

Wir haben dieses Biest mit zwei Gitarren angespielt: eine Gibson Les Paul Custom und einer 1978 Fender Stratocaster. Die Beispiele wurden im Studio UFO mit einem Shure SM57 und einem BeyerDynamic M160 aufgenommen. Dabei kam ein Chandler Limited TG2 ohne EQ oder Komprimierung zur Anwendung, der direkt in ein Digidesign 192 I/O Interface gespiesen wurde.

 

Ich habe versucht Euch mit den Bildern einen möglichst guten Eindruck über die EQ Einstellungen zu geben. Der Verstärker ist ein bisschen schwach in den Bässen, und die Sättigung, die man durch Drücken des 'Bass' Reglers erhält, ist hier eine durchaus willkommene Option.

 

 

Vox AC15VRAls wir uns die Beispiele anhörten, empfanden wir die Crunch und Clean Sounds als ganz gut, doch der 'Overdrive Type 2' erschien uns ein wenig zu aufgesetzt. Man könnte sagen, dass er zwar moderner, aber dennoch etwas zu dreckig tönt, als dass er richtig eingesetzt werden könnte.

 

Durch Drücken des Bass Reglers (wie bei den Einstellungen auf dem Bild) wird der Sound sehr schön komprimiert. Die Höhen wurden jedoch sehr schnell aggressiv - dies fiel mir vor allem bei Stratocaster und Telecaster Thinline Modellen auf.

 

Was die Lautstärke betrifft, so reicht diese Version für das Wohnzimmer allemal. Doch mit einem Bassisten und einem Schlagzeuger kommt der AC15VR dann doch schon sehr schnell an seine Grenzen (was ja eigentlich auch zu erwarten war). Es gibt auch eine 30 Watt Version für Musiker, welche diesen Verstärker in Proben oder Gigs einsetzen möchten. Natürlich hat man die Option ein externes 4x12'' Cabinet anzuhängen, doch dann ist es sehr schwierig bei hohen Volumen einen klaren Sound zu erhalten.

 

Ein weiteres Detail das hier angemerkt werden sollte: Das Umschalten der Kanäle findet nicht ohne Komplikationen statt. Der Verstärker gab beim Umschalten auf einen Overdrive Kanal für eine halbe Sekunde den Geist auf. Das ist natürlich nicht wirklich cool wenn man gerade in diesem Augenblick in ein Gitarrensolo oder eine rhythmische Improvisation gehen möchte. Ich habe schon genug Verstärker gespielt, die beim Umschalten ein lautes 'Klack' von sich gaben, doch hier handelt es sich viel mehr um ein kurzes Fade Out.

 

Fazit

Vox AC15VRAbschliessend wird dieser kleine Verstärker (den es bereits ab €295 zu kaufen gibt) sicherlich Gitarristen Freude bereiten, die zu Hause auf den Sound eines aufgerissenen Verstärkers zurückgreifen möchten, ohne dabei die Nachbarn in den Wahnsinn zu treiben. Er besitzt zwar keinen separaten Lautsprecherausgang, doch man kann wenigstens ein externes Cabinet anschliessen.

Uns hat die einfache Bedienung und die kurze Zeit gefallen, in der wir dem AC15VR brauchbare Sounds entlocken konnten. Wem also die Klangphilosophie von Vox - oder gar die Firma selber - nicht widerstrebt, der sollte sich diesen Verstärker unbedingt einmal anhören!

 

 

  • Gutes Preis-/Leistungs-Verhältnis
  • Hochwertige Konstruktion
  • Schöner Crunch
  • Ausgang für ein externes Cabinet

 

  • Ein bisschen schwer für 15 Watt
  • Der 'Overdrive Type 2' ist ein wenig zu dreckig
  • Umschalten der Kanäle mangelhaft