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TC Electronic TonePrint Series: Der Test

TC und seine Fingerabdrücke
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TC Electronics hat vor kurzem eine Serie mit sieben 'einfachen' Effektpedalen vorgestellt! Kennt man diesen Hersteller, so erscheint das schon fast einem Sakrileg gleich (liegt dessen Hauptaugenmerk doch vor allem auf Rackgeräten und komplexen Bodenpedalen), doch in Betracht der sehr beliebten Nova Serie handelt es sich hier auch um eine sehr begrüssenswerte Entwicklung. Die neue Serie beinhaltet alle essentiellen Elemente eines üblichen Pedalboards: Distortion, Overdrive, Chorus, Flanger, Reverb, Delay und Vibrato.

Vier davon verfügen zudem über eine (noch) exotische Funktion: Dem TC TonePrint, mit dem sich die klanglichen Möglichkeiten des jeweiligen Pedals über das Internet erweitern lassen. Damit wird TC sicherlich bei experiementierfreudigen Musikern punkten können. In unserem heutigen Test schauen wir uns fünf der insgesamt sieben Modelle genauer an.

Die Analogen: Dark Matter Distortion und Mojo Mojo Overdrive

TC Electronic TonePrint Series

Die Pedale Mojo Mojo Overdrive und Dark Matter Distortion sind die einzigen analogen Geräte aus dieser Serie. Im Kontrast zum Rest der Serie finden sich hier neben einem Ein- und einem Ausgang keine weiteren Verbindungsmöglichkeiten. Auch wenn sich TC vor allem bei Hall- und Modulationseffekten einen Namen gemacht hat, so haben wir es hier doch mit Distortion Pedals zu tun. Bedenkt man den bereits sehr stark gesättigten Markt auf dem sich diese Pedale tummeln, so erscheint es wenig wahrscheinlich, dass sie hier auf die Dauer einen bleibenden Eindruck hinterlassen werden... Dennoch muss man das Gehäusedesign durchaus wohlwollend erwähnen: Der Zugriff auf die Batterie wurde sehr einfach konzipiert und ist über das Lösen einer einzigen Schraube möglich. Die leicht eingelassenen Verbindungen sparen Platz im Pedalboard und verhindern, dass übermotivierte Musiker beim Umschalten ihr Equipment zerstören...

Dark Matter Distortion

TC Electronic TonePrint Series

Trotz seinem dunklen Erscheinungsbild und an Star Wars erinnernden Logo handelt es sich bei Dark Matter um ein sehr vielseitiges Distortion Pedal für Rock/Hard Blues Gitarristen und weniger um ein Pedal für Schwermetaller. Bei den Reglern finden sich Volume, Bass, Treble, sowie ein kleiner Schalter mit dem sich zwischen zwei Bassfrequenzverläufen umschalten lässt. Ehrlich gesagt ist mir hier kein offensichtlicher Unterschied aufgefallen... Das Dark Matter Pedal kann eine Menge Gain erzeugen und hat auch in der Crunch Einstellung so einiges zu bieten. Man erhält einen schönen, gut definierten, scharfen und runden Klang, der ein wenig an das Boss DS-1 erinnert, aber ein wenig voluminöser und präziser daher kommt (was das Pedal vor allem den 'Bass' und 'Treble' Reglern zu verdanken hat). Ich habe das Pedal zu Hause über einen Clean Kanal und als Drive Booster über einen Crunch Kanal getestet. In beiden Fällen gefiel mir das Dark Matter Pedal ausserordentlich!

Dark Matter Beispiel:

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Mojo Mojo Overdrive

TC Electronic TonePrint Series

Beim Mojo Mojo handelt es sich um ein Overdrive Effektpedal, welches in etwa dieselben Merkmale wie sein schwarzer Bruder besitzt. Der Sound ist wesentlich mittiger und fetter, aber die Reichweite des Gainregler weniger ausgedehnt. Mit dem Mini Schalter lassen sich die Mitten anheben, doch diese Funktion ist nicht wirklich überzeugender als diejenige des Dark Matter Pedals. Das Mojo Mojo Pedal besitzt einen wirklich mächtigen Klangcharakter, der Sound ist schöne erdig und bringt einen in die Welt des Southern Rock. Ich habe das Pedal zu Hause auf einem Clean Kanal getestet und spielte damit eine Menge Blues Slide-Gitarre. Ich habe es zudem an einem Live Gig als Drive Booster für ein Crunch Signal eingesetzt. In dieser Situation hat mich das Pedal weniger überzeugt: Der Klang hatte zu viele Bässe und das Mojo Mojo Pedal eignet sich definitiv nicht für diesen Zweck.

Mojo Mojo Beispiel:

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In die digitale Welt: Shaker Vibrato, Corona Chorus, Flashback Delay mit Toneprint.

TC Electronic TonePrint Series

Das Toneprint Konzept ist ziemlich einfach: Es ermöglicht dem Anwender eine kleine Software über USB direkt auf das Pedal zu laden. Hier ist nicht etwa von Presets die Rede, sondern einer komplett neuen Programmierung der DSP Engine, welche sich auf die Grundfunktionen der Regler auswirkt. Damit lässt sich zum Beispiel der Frequenzgang eines Echoeffektes ändern, ein Vibrato Effekt in einen Flanger, oder ein Delay in einen Chorus verwandeln. Auf der TC Website findet man bereits eine Menge verschiedener Toneprints von berühmten Musikern: Bumblefoot, John Petrucci, Guthrie Govan und viele mehr...

Zuerst dachte ich, dass jeder Anwender seinen eigenen Toneprint entwickeln könnte, doch so einfach ist die Sache dann doch wieder nicht. Die komplett programmierbare Stompbox muss immer noch erfunden werden, auch wenn Line 6 mit dem Developer's Kit und Openstomp mit dem Coyote-1 bereits in diese Regionen vorgestossen sind. Unglücklicherweise ist die Programmierung immer noch etwas komplex für Leute, die sich nicht täglich mit Computern auseinandersetzen. Ich bin mir jedoch sicher, dass sich TC Effektgeräte als ein weltweiter Standard etablieren werden, und dass uns der Hersteller schon bald mit einer Open Source Software überraschen wird, mit der wir unsere eigenen Toneprints programmieren können. Denkt Ihr ich sie hier etwas naiv? Nun ja, wir werden sehen.

Es scheint als ob die Pedal jedoch wahre Batterienfresser sind...bei einem Live Auftritt habe ich eine neue Batterie in ein Shaker Pedal eingesetzt und am Ende des Abends war diese leer.

Shaker Vibrato

TC Electronic TonePrint Series

Das Shaker Peadal besitzt einen Mono In und einen Mono Out. Man erhält drei Regler (Speed, Depth, Rise Time, and Tone) und drei Modi: Vibrato (normal), Latch and Toneprint. Ein Regler für Tone mag in einem Effektpedal etwas überraschend sein, doch es kann durchaus helfen den Klang etwas dunkler zu machen (zum Beispiel wenn man einen Chorus Toneprint lädt). Der 'Rise Time' Parameter regelt das Aufsteigen des Signals bei eingeschaltetem Effekt. Diese Funktion erweist sich speziell im 'Latch' Modus als äusserst nützlich, wo der Effekt nur bei gedrückter Fusstaste aktiviert wird und so dem Gitarristen die Möglichkeit gibt den Effekt an unerwarteten Stellen einzusetzen. Was kann man zu einem einfachen Effekt wie einem Vibrato noch sagen... Er macht genau das, was man auch von ihm erwartet: Schöne Modulationskurve, keine Färbung des Klangs...und das wärs! Der erhältlichen Tonerprints für das 'Shaker' Pedal sind ziemlich überraschend: Von einer einfachen Änderung der Wellenform bis hin zu dramatischen Bewegungen in Chorus und Flanger Regionen ist alles möglich (hört Euch dazu die Beispiele an). Von einem technischen Standpunkt aus gesehen ist ein Vibrato einem Chorus sehr ähnlich, ausser dass man bei einem Chorus das Originalsignal mit dem Effekt mischt, was dann zu dem typischen Doubling führt. Da es sich hier um digitale Bodentreter handelt bedauern wir, dass die beiden Pedale 'Shaker' und 'Corona' nicht in einem Effektpedal vereint wurden. Die von TC Electronics zur Verfügung gestellten Toneprints beweisen dann auch, dass man zwischen beiden ohne technische Schwierigkeiten hin- und herschalten könnte.

Shaker, Normal Modus Beispiel:

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Shaker Toneprints :

  • Slowsweeper Toneprint (Resonant Flanger)
  • 0'30 Toneprint Pro Guitar Shop (verwandelt den Shaker in ein Chorus Pedal)
  • 1'25 Toneprint Dave Catching Vibrato (leichter Vintage Effekt)
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Corona Chorus

TC Electronic TonePrint Series

Stereo In und Stereo Out für den Corona. Man erhält vier Regler (Speed, Depth, Level und Tone) und drei Modi: Chorus (einfach), Trichorus (komplex) und Toneprint. Der 'Normal' Modus ist ein Nachbau des legendären SCF von TC. Beim Trichorus handelt es sich um einen dreistimmigen Chorus Effekt, welcher vor allem in Stereo zu glänzen weiss, aber auch in Mono sehr schön klingt (ich entschuldige mich an dieser Stelle, dass ich die Corona und Flashback Effekte nicht in Stereo aufgenommen habe). Beim Toneprint Modus wird die Software auch wieder direkt ins Effektgerät geladen. Auch wenn ich eigentlich kein Chorus Fan bin, so hat mich dieses Pedal doch überrascht, da es absolut geräuschfrei war, den Grundklang des Instrumentes ziemlich präzise wiedergab (funktioniert auch sehr gut mit Bass und Keyboard) und dem Anwender nahezu endlose Möglichkeiten offeriert. Die Interaktion zwischen den Parametern Depth und Level ermöglicht eine schier endlose Anzahl Klangvariationen – von weit und leicht bis hin zu dunklen und schon fast brutalen Effekten. Die Auswahl an Toneprints auf der TC Website geht weit über die Möglichkeiten herkömmlicher Bodenpedale hinaus. Berühmte Chorus Gurus wie Andy Summers, John Scofield und Mike Landau kommen da einem sofort in den Sinn. Mit dem Corona ist eigentlich alles möglich. Die einzige Schwäche des Corona findet sich wohl im 'Speed' Regler welcher die Effekttiefe dann doch etwas zu dramatisch anhebt. Da muss man mit dem 'Depth' Regler dagegen halten, was bei Live Auftritten dann doch etwas schwierig sein kann.

Corona, Chorus Modus Beispiel: Clean Sound mit Effekt Variationen.

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Corona, Trichorus Modus: Clean Sound mit Effektvariationen, dann eine Verzerrung wie man sie z.B. Von Scofield her kennt.

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Corona Toneprints:

  • Lush Chorus Toneprint
  • 0'35: Dizzy Chorus Toneprint (höhere Tiefe)
  • 1'10: Bumblefoot Quadrupler Toneprint (4-stimmiger Chorus)
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Flashback Delay

TC Electronic TonePrint Series

Und hier kommt ein direkter Konkurrent zum populären Boss DD-7 Pedal. Das Flashback Delay ist ein Stereo Multifunction Delay mit Stereo Ein- und Ausgängen, einem 2290-ähnlichen Delay (das legendäre TC Delay im

Rack Format), einem Mini-Looper, modulierenden Lo-Fi Delays, Dynamic Delay und Reverse Delay. Alle zusammen besitzen eine Delay Zeit von bis zu 7 Sekunden, eine Tap Funktion und natürlich verfügt auch dieses Pedal die Toneprint Funktion. Neben den Grundeinstellungen (Level, Time, Feedback) kann man mit einem kleinen Kippschalter zwischen den Werten 1/4 Note, Dotted 1/8 Note und einer Kombination der beiden umschalten (letzteres entspricht dem legendären Delay Effekt von The Edge). Die Tup Funktion ist ebenfalls sehr nützlich: Einfach den Schalter für ein eine Sekunde gedrückt halten, zwei Mal mit dem Plektrum anspielen und schon ist die Geschwindigkeit eingestellt (das Pedal wird dabei auf 'Mute' geschaltet – man kann also das Tempo nicht einfach so während des Spielens ändern). Betrachtet man den Preis, so steht das 'Flashback' ohne Konkurenz da. Im Gegensatz zum DD-7 hört man bei aktivem Effekt während des Regelns des Delays auch keine Änderung der Tonhöhe. Keine 'Tape Acceleration' Effekte oder andere elektronische Störgeräusche. Doch dafür sind ja schliesslich die Toneprints da – und dafür gibt es bereits eine schier endlose menge: von einfachen EQ bis hin zu exzessiven Delay Modulationen, rhythmische Patterns und sogar Chorus/Flanger Effekte!


Flashback Delay Beispiele:

  • Delay 2290 (Umschalten von 1/4 auf 'Dotted' 1/8 auf die Summe der beiden).
  • Analog Delay, Delay Speed in Echtzeit modifiziert.
  • Tape Delay
  • Lo-fi Delay
  • Dynamic Delay (aktiv wenn man aufhört zu spielen)
  • Modulated Delay
  • Slap-back Delay
  • Reverse Delay
  • Mini Looper
  • Bumblefoot Alien Mimic Toneprint (Echo mit grosser Pitch Modulation)
  • Spacedelay Toneprint
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Ihr wisst nicht welches?

Wegen der Ähnlichkeiten zwischen dem Corona und dem Shaker Pedal kann das zweitere wohl als ein wenig nutzlos betrachtet werden. Beide Distortion Pedale tönen gut, schaffen es aber nicht einem meiner bevorzugten Pedale den Rang abzulaufen. Vielleicht würde ihnen ein bisschen mehr Persönlichkeit gut tun. Es ist klar, dass TC kein Distortion Spezialist ist und den Markt mit zwei eher neutralen Pedalen zu bereichern war dann wohl auch eine gute Entscheidung (im Gegensatz zum Beispiel zu Herstellern wie Zvex mit Ihren extremen Variationen). Wer sich dennoch für eines entscheidet wird es sicherlich mögen. Das Corona Pedal wie auch das Flashback Pedal sind dagegen schon fast Pflichtkäufe: grossartige, gut durchdachte Werkzeuge. Wer auf der Suche nach einem wirklich guten Chorus und einem wirklich guten Delay ist, dabei aber nicht gerade die Grenze von €200 überschreiten möchte, der kann hier einfach nicht falsch liegen.

  • Toneprints
  • Zugang zum Batteriefach
  • Das Corona und das Flashback Pedal
  • TC sollte eine Software entwickeln, mit der auch normal Sterbliche Toneprints erzeugen können.
  • Der kleine Kippschalter auf beiden Distortion Pedalen hat eine fragwürdige, im Wesentlichen nicht hörbare Funktion.
  • Alle Pedale aus dieser Serie sind Batterienfresser.