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Guitar Doubling Grundlagen

Wie man einen fetten Gitarrensound erzeugt
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Wenn von einem 'fetten' Sound die Rede ist so hat so ziemlich jeder wieder eine etwas andere Meinung was dies genau bedeutet. Nachfolgend eine Übersicht über die am häufigsten verwendeten Techniken die zum Einsatz kommen wenn man einen solchen 'fetten' Sound erzeugen möchte. In diesem Artikel werden wir uns auf die Gitarren konzentrieren und 'Doubling' Techniken besprechen.

Alben wie Metallica's Enter Sandman, the White Stripes' Seven Nation Army, Almighty's Wrench, Queens of the Stone Age's No One Knows, Springsteen's Radio Nowhere oder Rage Against the Machine's Killing in the Name sind bekannt für ihren fetten Gitarrensound. Wer es nicht besser weiss denkt, dass diese Gitarrenwand nur durch Verstärkergrösse, Lautstärke und dem Klang des Distortion oder Fuzz Effektpedals erzeugt wurde.

Auch wenn diese Faktoren einen Einfluss auf den Klung haben so garantieren sie noch lange keinen fetten Gitarrensound. Der Beweis? Der Pignose Verstärker? Dieser kleine Reiseverstärker hat eine lächerliche Ausgangsleistung und wurde dennoch von Frank Zappa in folgendem Video verwendet:

Dies ist sicherlich kein fetter Gitarrensound der sich mit den vorherigen Songs vergleichen lässt, doch es zeigt, dass es zeigt folgendes beim Klang einer Gitarre:

Es kommt nicht auf die Grösse an!

Es wäre töricht anzunehmen, dass der Bassfrequenzgang eines 4x12' Cabinets oder die natürlich Kompression eines 100 Watt Tops nicht etwas für sich hätten. Doch denkt immer daran, dass je lauter das Signal desto mehr müsst Ihr den Mikrofonvorverstärker zurückregeln und am Ende erzeugt man denselben Signalpegel wie bei einem 5 Watt Verstärker.

Mehr Zerrung bedeutet zudem nicht immer ein besseres Resultat. Hört Euch mal den Riff von Every Breath You Take by The Police an. Die Gitarre ist zwar ziemlich Clean, tönt aber immer noch sehr weit.

 

Dasselbe gilt für die akustische Gitarre in Avril Lavigne's Complicated:

Somit ist der volle Sound in diesen Aufnahmen nicht das Resultat lauter Signalquellen oder hoher Verzerrung.

Doch was nun?

Guitar Kompression?

Unverzerrte Gitarren werden oftmals komprimiert um die Attack Werte zu regeln, den Sustain zu unterstreichen oder um ein Rhythmusinstrument ausgewogener klingen zu lassen. Bei Zerrgitarren ist das etweas anders: Die Verzerrung wirkt bereits als eine Art Komprimierung.

Was einen fetten Gitarrensound angeht so müsst Ihr verschiedene Faktoren beachten. Ihr könnte diese zum Beispiel komprimieren wie bei INXS in ihrem Gitarrenriff von I Need You Tonight. Doch abgesehen von Komprimierung (die vor allem bei Clean Gitarren wichtig ist) ist die wichtigste Technk für einen fetten Sound das Doppeln von Gitarrenspuren.

Ich höre doppelt!

Die Idee ist ziemlich einfach: Soll Eure Gitarre fett klingen so nehmt sie einfach nochmals auf einer zweiten Spur auf. Und ich meine damit Aufnehmen und nicht einfach kopieren. Spielt sie nochmals ein und versucht sie identisch wie möglich zu spielen. Es sind am Ende die kleinen Variationen die dann eben einen breiten und fetten Sound erzeugen.

Hört Euch mal eine einzige und dann die gedoppelte Gitarre an:

 

Guitare seule
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  • Guitare seule 00:16
  • Guitare doublée 00:16

Echter oder virtueller Verstärker? Oder beides?

Doubling funktioniert mit echten Verstärkern genau so wie mit virutellen Verstärkern und auch das Kombinieren ist sicherlich nicht falsch. Das erklärt auch weshalb viele Studios mit einem POD oder Eleven Racks ausgestattet sind.

Der Sound wird fetter auch wenn es nicht gerade offensichtlich ist. Teilt Ihr sie zusätzlich im Stereobild auf so wird dieser Effekt noch weiter verstärkt. Hört Euch das Resultat mal an:

 

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Besser oder? Aber wieso es nicht noch weiter treiben? Wie wär es mit Verdreifachen oder Vervierfachen? Und dann alle Spuren über das Stereobild verteilen.

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Seid jedoch vorsichtig, denn ab einem gewissen Zeitpunkt verliert man eben auch Präzision und es werden Flanging Effekte erzeugt:

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Zudem wird Euer Song wahrscheinlich nicht nur aus Gitarren bestehen - seid also vorsichtig.

Doubling mit einem Computer

Brainworx's bx_shredspread ist ein intelligentes Werkzeug mit dem sich Gitarrenspuren ganz einfach verdoppeln lassen und gleichzeitig auf Phasenprobleme und dergleichen achtet.

Das Ziel für einen fetten Gitarren ist es eben so viel wie möglich das Frequenzspektrum aufzufüllen - somit kann es interessant sein auch andere Pickups, Verstärker, Gitarren und Effektpedale zu nehmen. Verschiedene Färbungen führen also zu einem volleren Klang.

Das folgende Beispiel kombiniert zwei Takes die mit dem Halspickup und zwei Takes die mit dem Stegpickup aufgenommen wurden.

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Dieses Beispiel kombiniert Aufnahmen die mit unterschiedlichen Mikrofonen abgenommen wurden:

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Hören wir mal was geschieht wenn wir verschiedene Gitarren verwenden (Les Paul plus Telecaster):

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Und schliesslich mit zwei verschiedenen Verstärkern:

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Hört Euch zum Beispiel die typisch amerikanische Produktion von Joan Osbourne's One of Us an. Im Refrain hört man verzerrte Gitarren links und recht und gleichzeitig eine scharf verzerrte Lo-Fi Gitarre in der Mitte. Dieser Lo-Fi Sound schärft den fetten Gitarrenklang in den Höhen.

Akustische und Clean Gitarren

Akustische Gitarren klingen ebenfalls voller mit dieser Methode. Da sie jedoch stärkere Transienten besitzen muss man beim Doubling hier wesentlich sorgfältiger sein, da man ansonsten sehr schnell Klarheit einbüsst. Auch hier lohnt es sich verschiedene Gitarren, Mikrofone und Verstärker miteinander zu kombinieren.

Hört Euch dazu folgendes Beispiel an:

Guitare ac. seule
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  • Guitare ac. seule 00:16
  • Guitare ac. doublée 00:16

Ihr könnt auch gemischte Lösungen versuchen - zum Beispiel eine akustische und eine elektrische Gitarre wie beim berühmten Riff von Long Train Running der Doobie Brothers.

Hört Euch das Resultat mit unserem Beispiel an:

Guitare ac. doublée électro
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  • Guitare ac. doublée électro 00:16
  • Guitare ac. doublée électrique 00:16

Bei elektrischen Gitarren funktioniert Doubling auch gut bei Arpeggios:

Une guitare
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  • Une guitare 00:24
  • Deux guitares pannées amplis différents 00:24

Diese kleinen Variationen machen den Unterschied

Es könnte sich auch lohnen beim Doubling kleine Variationen wie zum Beispiel andere Akkord Voicings zu spielen. könntet offene Akkorde mit Barré Akkorden kombinieren oder Akkorde um eine Oktave transponieren (wie es Country häufig gemacht wird).

Hört Euch dazu folgendes Beispiel von Fight's Kill an:

Und jetzt bei unserem Beispiel hört Euch einmal die verschiedenen Akkordpositionen desselben Akkords an:

Guitare ac. doublée barré
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  • Guitare ac. doublée barré 00:16
  • Guitare ac. doublée octave 00:16

In der Kombination dieser Effekte liegt dann am Ende die hohe Schule den perfekten Sound für Euren Song zu finden. Ich wünsche Euch viel Spass dazu!

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