Squier Classic Vibe Stratocaster '60s
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Squier Classic Vibe Stratocaster '60s

Classic Vibe Stratocaster '60s, Gitarre mit SC Form from Squier belonging to the Classic Vibe Stratocaster '60s model.

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Squier Classic Vibe Series: Der Test

Ein ganz besonderer Vibe
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Squier macht seit 1982 günstige Gitarren die auf den Modellen von Fender basieren. Da ein paar ihrer ersten Gitarren zu wahren Sammlerobjekten geworden sind hat Squier nun beschlossen einen Teil dieser Magie mit ihrer Classic Vibe Series wieder zu beleben.

Diese neuste Serie wurde lanciert um den 'Vibe' der klassischen Fender Designs wieder zu beleben anstatt zu versuchen exakte Kopien dieser Modelle zu fertigen.

Vue généraleDie Classic Vibe Series besteht aus: einer 50's Telecaster, einer 50's und 60's Stratocaster, einer 50's Duo-Sonic, einem 50's Jazz Bass und einem 50's und 60's Precision Bass. In diesem Test werden wir die 60's Stratocaster, die 50's Telecaster, die 50's Duo Sonic und den 50's Precision Bass genauer anschauen. Alle kosten $499 und werden wohl effektiv so gegen $299 über den Ladentisch gehen (der Duo-Sonic wird ein bisschen weniger kosten).

Das erste was einem auffällt ist, dass die Instrumente sorgfältig verpackt wurden. Einmal ausgepackt sticht sofort die Schönheit der Lackierung ins Auge. Sie sehen mit Sicherheit klassisch aus. Nicht nur haben die Modelle in diesem Test eine makellose Oberfläche – sie fühlen sich auch so an. Mit der Ausnahme der Hardware (dem ewigen Schwachpunkt von Squier) scheint alles andere perfekt konzipiert.

Bei diesen Modellen wird die schlechte Qualität der Hardware damit erklärt, dass sich alles 'Vintage' oder 'Classic' anfühlen sollte. Und während gewisse 'Classic' Entscheidungen bei der Hardware auch gerechtfertigt sein mögen so wäre doch ein bisschen weniger 'Vintage' schön gewesen – ich meine da zum Beispiel geschlossene Mechaniken. Natürlich hätte dies den Preis wieder ein bisschen nach oben getrieben und angesichts eben des Preises und den vielen anderen Vorzügen werden wir hier bei diesem Punkt etwas nachgiebig sein.

Den grösste Mangel bei der Hardware haben wir auf zwei Modellen gefunden (Telecaster und Precision) – beide hatten seitliche Eingänge. Diese Eingänge waren locker egal wie sehr ich sie auch mit einem Schraubenzieher angezogen habe. Dieses Problem trat nur bei Modellen mit seitlich angebrachten Eingängen auf. Die anderen getesteten Modelle hatten mehr oder weniger solide Eingänge. Ein weiteres komisches Detail ist, dass sie im Vergleich zu ihren Originalen ziemlich feste Potis verbaut hatten. Ich persönliche bevorzuge leicht gängige Regler damit ich sie mit meinem kleinen Finger während des Spielens bedienen kann. Dies ist ja aber nicht unbedingt das Problem von jedem.

Schauen wir uns die Modelle genauer an...

50's Telecaster

ArrièreDies ist eine wahre Schönheit. Sie kommt in nur einer Farbe: Vintage Blond Maple (Ahorn) – was nicht jedermanns Geschmack sein mag. In Wirklichkeit hat sie eine dunklere Farbe als in den meisten Bildern die ich kenne. Wie gesagt – die Lackierung ist sehr schön und die Maserung wird durch den hochwertigen Lack schön hervorgehoben. Das Holz selber ist Kiefernholz. Man könnte meinen dies bedeute ein eher leichtes Instrument aber da hat man sich getäuscht. Dies mag eine exotische Chinesische Kiefer sein doch alles was ich sagen kann ist: diese Gitarre ist schwer! Sie wiegt irgendwo um die 9 Pfund! Es ist nicht schwerste Gitarre die ich je gespielt habe aber sie kommt schon sehr nahe ran. Man könnte sich wundern weshalb dem so ist doch es spielt für mich nicht wirklich eine Rolle. Für jemanden der schwere Gitarren nicht mag vielleicht schon.
Die anderen Merkmale sind wie folgt: der Hals ist aus einem Stück Ahorn (moderne C-Form, Hi-Gloss Lackierung), das Griffbrett ist ebenfalls aus Ahorn und mit 21 Jumbo-Bünden versehen. Die Pickups bestehen aus 2 Singlecoil Alnico 3 Magneten (Hals und Steg). Und natürlich verfügt die Gitarre über: Volume/Tone Regler und einen Pickup Schalter. Die Hardware ist ebenfalls Chrom.

Die Hardware ist (nicht wirklich überraschend) der Schwachpunkt dieser Gitarre – speziell der bereits erwähnte seitlich montierte Eingang. Das ganze Ding scheint ein wenig lose zu sein und erweckt den Eindruck, dass es jederzeit herausgerissen werden könnte. Ich würde empfehlen zu jeder Zeit einen Gitarrenständer zu benutzen und den Eingang so wenig wie möglich zu belasten.
Und bei den Pickups: Der Pickup am Hals ist ziemlich tief und es gibt keine erkennbaren Schrauben um die Höhe einstellen zu können...das ganze bleibt also ziemlich mysteriös. Der Steg-Pickup dagegen verfügt über Schrauben mit denen man seine Höhe anpassen kann.

Der Ahornhals fühlt sich grossartig an und die Intonation auf dem Modell das ich testete war überall auf dem Hals gut. Akkorde die über dem 12. Bund gespielt wurden waren immer noch perfekt gestimmt. Da die Gitarre ziemlich schwer ist erhält man schnell den Eindruck eines robusten Instrumentes (im Gegensatz zum Beispiel zum Duo-Sonic). Die Potis fühlen sich ebenfalls sehr solide an – aber wie ich finde ein wenig zu streng. Mir persönlich gefällt der Schlagschutz nicht (sieht eher billig aus, ist zu dick und hat verfranste Ecken), das ist aber keine grosse Sache und kann einfach behoben werden.

ArrièreAkustisch tönt die Gitarre ziemlich gut und schwingt schön mit. Wenn man einsteckt erhält man sofort den Telecaster Sound – mit ein paar Ausnahmen. Erst einmal scheint der Halspickup nicht so viel Höhen und Klarheit zu haben wie man sich das von einer Telecaster gewöhnt ist. Auch scheint der Ausgangspegel tiefer als bei einer Standard American Telecaster (seht Euch dazu das Video an). Ansonsten tönt sie wirklich gut und liefert mehr oder weniger was man von einer Telecaster erwartet. Sie tönt definitiv besser als manche aus der Mexico Series und kommt schon an schlechtere Varianten der US Series  heran.

Wenn man den Preis betrachtet dann lohnt es sich allemal diese Telecaster anzuspielen. Und wenn man betrachtet wo die Gitarren hergestellt werden dann empfiehlt es sich auf jeden Fall die Gitarre vor dem Kauf zu testen.

Schaut Euch dieses Video an um die Gitarre in Aktion zu sehen...und hören. Wir vergleichen sie auch mit einer US Standard Telecaster.

50's Duo-Sonic

ArrièreDie Duo-Sonic wurde 1956 von Fender als zahlbares Anfängermodell in einer 3/4 Grösse herausgebracht. Es wurde in 1959 weiterentwickelt aber gegen 1969 wurde die Produktion eingestellt. Da dies so etwas wie eine Rarität ist waren wahrscheinlich die meisten auf dieses Modell am meisten gespannt.

Hier die Spezifikationen: Der Korpus ist aus 'Basswood', der Ahornhals ist aus einem Stück in der C-Shape gefertigt und verfügt über 21 Jumbo-Bünde (Mensur 610mm), die Pickups sind beides Alnico 5 Magneten (Hals und  Steg). Die Gitarre besitzt ebenfalls einen 3-Weg Schalter, eine 'Top Load Hardtail Bridge' mit drei einstellbaren Saitenlagern und 'Vintage' Mechaniken mit Plastikknöpfen. Die Hardware ist komplett in Chrom gefasst. Wie bei den anderen Modellen ist auch hier der Lack hervorragend – aber wie bei der Tele gibt es dieses Modell auch nur in einer Farbe (Desert Sand).

Mir persönlich gefällt die Farbe und ich finde der goldene Schlagschutz aus Aluminium sieht besonders schön aus. Da der Korpus ein wenig kleiner ist und die Gitarre aus 'Basswood' gefertigt wurde ist sie auch sehr leicht – im Vergleich zur Telecaster fühlt sich das wie Tag und Nacht an. Die kurze Mensur macht das Spiel auf der Gitarre sehr leicht – aber es ist schon ein wenig gewöhnungsbedürftig. Mir gefällt der kürzere Hals mit all seinen Vorteilen sehr gut (speziell wenn man Töne eine Quarte noch oben zieht).

Obwohl mir das Feeling, die Spielbarkeit, Aussehen und Klang der Gitarre gefallen haben waren da dennoch unglücklicherweise ein paar Probleme mit der Intonation und dem Hals. Dies scheint ein wenig Glücksache zu sein (wie bei vielen Produkten aus China)  da ich auf den Foren von anderen Musikern nicht die gleichen Meinungen gehört habe. Auf der Gitarre die ich testete konnte man einfach keine gute Stimmung hin bekommen. Wenn der offene C-Akkord perfekt gestimmt hat dann hat der D-Akkord schrecklich getönt. Zudem waren die Bünde sehr tief – um einen Ton zu spielen wurde die Saite durch den blossen Druck zum Teil fast eine halbe Stufe nach oben gebogen. Die kürzere Mensur ist hier wahrscheinlich einer der wesentlichen Faktoren...doch das ist keine Ausrede. Zudem hat hat die hohe E-Saite auf dem ersten Bund leicht gesurrt. Dies ist wirklich bedauerlich (und auf jeden Fall einfach ein schlechtes Modell) da ich die Gitarre ansonsten sehr mag.

Arrière
Wenn wir davon absehen (und daran glaube, dass dies nur ein Versehen war) dann macht dieses Instrument einfach Spass zu spielen. Dies liegt aber nicht nur an der kürzeren Mensur und dem Aussehen – sie tönt auch wirklich gut! Wen man einen klaren, hohen Ton in einer Gitarre sucht dann ist dieses Modell für Euch gemacht. Sie tönt sehr schön mit abgedämpften Akkorden, ist extrem rauscharm (nicht wie manche andere in diesem Test) und ist zudem noch sehr leicht.

Hört Euch einfach mal die Beispiele an: Beispiel 1 (Clean), Beispiel 2 (Leichter Overdrive), Beispiel 3 (Distortion).

60's Stratocaster

ArrièreDie Classic Vibe Stratocaster kommt in zwei Geschmacksrichtungen: einem 50's 2-Farben Sunburst mit einem Ahornhals und einem 60's 3-Farben Sunburst mit Palisander Griffbrett welches wir hier testen.
Zusätzlich zu den bereits erwähnten Farben und Griffbrettern verfügen die Gitarren noch über folgende Merkmale: Erlenkorpus mit einem Ahornhals aus einem Stück (C-Form), 21 Medium-Jumbo-Bünde  und 3 Singelcoil Stratocaster Pickups mit 'staggered' Alnico 5 Pickups. Der Rest ist mehr oder weniger die übliche Stratocaster Ausrüstung: 648mm Mensur, 5-Wege Schalter, Vintage Style Tremolo, etc. Alle Hardware auf dieser Gitarre ist aus Chrom.

Wie bei den anderen Modellen sind auch hier der Lack und die Verarbeitung von höchster Güte und die Gitarre fühlt sich grossartig an. Die Mechaniken und andere 'Vintage' Merkmale hätten natürlich etwas besser gestaltet werden können aber das hätte auch wieder den Preis in die Höhe getrieben. Der Hals und das Griffbrett fühlen sich besonders gut an. Die ersten paar Bünde sind ein wenig zu tief was sich manchmal auf die Intonation bei Akkorden auswirkt. Dies ist nicht so gravierend wie bei der Duo-Sonic kann aber manchmal dennoch recht störend sein.

ArrièreAkustisch hat die Gitarre eine schöne Resonanz und ist sehr balanciert im Klang. Wenn man sie mal einsteckt hört man all die typischen Stratocaster Sounds und Klangfarben die man erwartet hat. Die Pickups haben viel Druck und klingen schön nach. Das Instrument ist ziemlich lärmig (auf eine 'Vintage' Art) aber nichts was die Spielfreude nehmen würde.

Ich war beeindruckt wie gut diese Gitarre tönte. Meine 91 US Strat war da im Vergleich nicht wirklich besser und das hat mich schon ein wenig erstaunt. Die Medium-Jumbo-Bünde und das Griffbrett aus Palisander geben dem Musiker viel Kontrolle und fühlen sich sehr angenehm an. Sie sehen zudem überaus elegant aus.

Hört aber für Euch selber. Hier sind ein paar Beispiele: Beispiel 1 (Overdrive - Steg & mittlere Pickups), Beispiel 2 (Funky), Beispiel 3 (Bluesy - Hals Pickup).

Egal wie gut Ihr spielen könnt oder auf welchem Niveau Ihr Eure Gitarre schwingt – ihr solltet auf keinen Fall verpassen diese Gitarre einmal anzuspielen. Dies gilt natürlich nicht wenn sich Eure Freundin oder Frau bereits über die vielen Gitarren die Ihr bereits besitzt beklagt hat...

50's Precision Bass

ArrièreDie Squier Classic Vibe Serie beinhaltet drei Bässe: einen 50's Precision Bass, einen 60's Precision Bass und einen 60's Jazz Bass. In diesem Test schauen wir den 50's Precision Bass etwas genauer an.
Ich liebe das Aussehen dieses Instruments. Die einzigartige Wahl der Farbe gefällt sicher nicht jedem ist aber mit Sicherheit ein Hingucker. Ich erhalte eine Menge Komplimente wenn ich es an einem Auftritt spiele. Und wie bei den anderen Modellen dieser Serie so sind die Lackierung und die Verarbeitung äusserst beeindruckend.

Die Merkmale sind wie folgt: Korpus aus 'Basswood' ('Lake Placid' Blau) mit einem Ahornhals aus einem Stück (C-Form), 20 Bünde, 864mm Mensur, ein Singlecoil Pickup mit Alnico 5 Magneten, 2 Potis (Volumen und Tone) und offene Mechaniken. Die Hardware ist aus Chrom.

Wie üblich sind auch hier alle (günstigeren) Hardware Spezifikationen durch den Ausdruck 'Vintage' gerechtfertigt worden. Aber hier scheint das nicht so ins Gewicht zu fallen die ganze Hardware durchwegs gut funktioniert. Dieser Bass tönt, spielt und sieht wie ein Vintage Bass aus (auf eine gute Art). Ich mag besonders das Gefühl auf dem Ahornhals und die Konturen auf der Rückseite des Korpus.

ArrièreDank dem verstellbaren Steg kann die Saitenlage ohne Probleme angepasst werden. Der Pickup kann ebenfalls dank einfach zugängigen Schrauben in der Höhe verstellt werden. Das einzige Problem das mir aufgefallen ist war der seitlich angebrachte Ausgang. Das ganze Ding kann mit starken Fingern problemlos aus der Halterung gerissen werden. Ich hatte einen Gig mit diesem Bass und als ich eine Pause machte habe ich ihn mit eingestecktem Kabel in die Ecke gestellt. Der Druck des Basses gegen den Stecker hat das ganze Ding fast aus der Halterung gezogen (und das war beim ersten Einsatz). Langfristig würde ich empfehlen diesen mit einem hochwertigeren Stecker zu ersetzen.

Beim Klang hat Squier vollkommen recht behalten wenn sie sagen, dass der Bass einen 'warmen, erdigen Old-School Precision Bass Tone' hat. Der Pickup brummt ein wenig wenn man ihn nicht spielt – aber das ist ja natürlich das 'Vintage' Brummen. Dieser Bass spielt sich perfekt in vielen Stilrichtungen: Motown, Rock, Reggae, etc. Man kann sogar slappen wenn der Tone Poti ganz aufgedreht ist. Hier sind ein paar Beispiele:

Beispiel 1, Beispiel 2

Wie die Telecaster und die Stratocaster in dieser Serie so kann man den Bass ebenfalls locker mit den Mexico Modellen von Fender vergleichen – vielleicht sogar ein paar der US Modelle wenn man den Preis betrachtet.


Fazit

In China gefertigt aber von Fender offiziell lizenziert haben diese Gitarren und Bässe die Eigenschaft günstige aber dennoch hochwertige Instrumente zu sein. Doch trotz der ganzen Qualitätsgarantien kommt man einfach nicht herum die Instrumente auch wirklich zu testen – da sind die Schwankungen doch noch zu hoch. Solltet Ihr sie nicht vorher testen können stellt zumindest sicher, dass Ihr die Gitarre/den Bass notfalls auch wieder zurückbringen könnt. Wenn ihr ein gutes Modell erwischt habt dann sind dies grossartige und günstige Instrumente mit einer hohen Qualität. Es werden immer mal wieder ein paar kleine Probleme mit der Hardware auftauchen – doch diese sind schnell behoben. Wenn man sich den Preis betrachtet dann wird man auch nicht lange zögern um Veränderungen vorzunehmen. Aber tut Euch einen Gefallen und seht Euch diese Serie an!

+ Wunderschönes Finish
+ Klang
+ Verarbeitung
+ Preis
+ Duo-Sonic ist extrem rauscharm
+ Intonation auf der Telecaster

- Duo-Sonic: Probleme mit der Intonation und dem Hals
- Ein paar Probleme mit der Hardware: Auf der Seite angebrachte Ausgänge bei der Tele und dem Precision
- Ein bisschen viel Störgeräusche (Telecaster, Stratocaster, Precision)