Ibanez RG420EG
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Ibanez RG420EG

RG420EG, Gitarre mit SC Form from Ibanez in the RG Standard series.

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Ibanez RG420EG-SBK: Der Test

Ibanez Spider Axe
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Man würde es nicht denken, aber das RG Modell unserer Japanischen Freunde – Ibanez – ist bereits vor einem Vierteljahrhundert auf den Markt gekommen. Seither hat es seinen Weg in die 'Hall of Fame' des Metal und der 'Shredder Gitarre' gefunden.

SpiderEs ist bereits 25 Jahre her.

Spider Web?

Ich wusste vorgängig nichts über dieses spezifische Modell und war deshalb ziemlich überrascht als ich den Koffer öffnete. Obwohl der Korpus (ähnlich einer Stratocaster), der Hals und die Hardware Standard für die RG sind, so ist das Finish doch alles andere als üblich. Ein Spinnengewebe (in dessen Zentrum ein Volumen Poti ist) wurde in den Korpus herein modelliert und erstreckt sich über die ganze Fläche. Der schwarze Korpus ist zudem mit einem rohen, körnigen Finish versehen worden. Nachdem Ibanez bereits Endorsement-Verträge für Steve Vai, Joe Satriani und Paul Gilbert abgeschlossen hat wurde nun als nächster Spiderman verpflichtet? Die Antwort ist wahrscheinlich nein – aber ich kann mir vorstellen sollte er eine Gitarre spielen würde sie wie die RG420 aussehen.

Meine anfängliche Überraschung wich aber schon schnell meiner Neugier herauszufinden, wie sich dieses Instrument denn an fühlt. Trotz der ein geschnitzten Spinnweben ist das Gewicht ähnlich den klassischen RG Modellen. Das Finish fühlt sich ein wenig komisch an und man meint schnell, dass die Gitarre aus Kunststoff gefertigt wurde. Dies ist jedoch nur ein Eindruck, denn wie sein Vorgänger so ist auch der Korpus des RG420 aus Holz.
Der Hals fühlt sich dann wieder sehr vertraut an. Dies kommt vor allem daher dass Ibanez diesen flachen und dünnen 'Wizard II' Hals (der sich hervorragend für schnelles Spielen und 'Shredding' eignet) schon seit geraumer Zeit standardmässig auf seinen Gitarren verbaut. Auf diesem Modell besteht der Hals aus drei Ahornstücken und einem Palisander Griffbrett - letzterem wurden Hai-Zahn Einlagen gegeben. Ein weisser Streifen wurde entlang des Halses eingelegt – ein Detail, dass bislang nur den High-End Modellen vorbehalten war.

SpiderBei einem Blick auf die Hardware fällt als erstes der 'Edge III' Steg auf – einer von Ibanez kreierten Variation des Floyd Rose Tremolo Systems. Dieser scheint ganz robust konstruiert zu sein, kommt aber nicht an die Liga von wahren High-End Tremolo Bars heran. Ein kleines, aber doch komisches Details ist, dass zwar die ganze Hardware in schwarz gehalten wurde, man aber bei den Schrauben auf dem Tremolosystem doch wieder herkömmliche Schrauben aus normalem Stahl verwendet hat. Normalerweise sollte man annehmen können, dass die ganze Hardware im gleichen Farbton gehalten wurde – vielleicht hat aber Ibanez dafür auch einen guten Grund gehabt.
Bei der Tremolo Bar gibt es nichts auszusetzen – die Höhe ist optimal. Floyd Rose Tremolo-Hebel sind häufig ein wenig zu hoch eingestellt während dieser beim Spiel genau in Hand des Gitarristen fällt. Andererseits lässt die Konstruktion trotz seiner Qualität die Frage offen, ob sie jahrelanges, hartes Spiel und 'Dive Bombs' so ohne weiteres standhalten kann.

Bei den Pickups finden wir unsere alten Freunde die V7 und V8 wieder – direkt in den Korpus gelegt und mit einem EMG-Artigen Cover versehen. Die Tonabnehmer werden von einem Volumen und einem Tone Poti angesteuert und können mittels eines 5-Wege Schalters angewählt werden (Pos. 1 Steg Pickup, Pos. 2 Die inneren Spulen der gesplitteten Humbucker, Pos. 3 Die zwei Humbucker in parallel, Pos. 4 Hals Humbucker mit parallelen Magneten, Pos. 5 Hals Humbucker mit seriellen Magneten). Die sollte viele interessante Resultate geben wenn man die Gitarre mal einsteckt.

...wenn wir schon davon reden...lasst sie uns einstecken!

Ein Riff spielen?

DosWie schon erwartet fühlt sich die Gitarre zuerst ein wenig ungewohnt an. Der rohe, granulare Lack gibt ihr ein komisches Gefühl. Zum Glück kann man das Holz darunter noch spüren – sonst würde sich die ganze Sache wie ein Spielzeug anfühlen. Aber dieses Gefühl verschwindet wenn man den ersten offenen Akkord spielt: Sie hat eine schöne Resonanz, ein gutes Ausklingverhalten und schnurrt schön in der Hand. Der Hals ist – wie typisch bei Ibanez – eine wahre Freude für diejenigen zu spielen, die gerne dünne Hälse haben. Wie bei den meisten anderen Ibanez erlaubt das Cutaway auch die höchsten Bünde sauber zu greifen. Jeder der schon mal eine RG gespielt hat wird sich auf dieser Spinnengitarre sofort zu Hause fühlen - sobald er sich an den Lack gewöhnt hat.

Weil ich in meinem Apartment meinen Laboga für diesen Test nicht ganz aufdrehen konnte habe ich diesmal zum ersten Mal einen Klassiker der Heimstudios zu Hilfe genommen: den Toneport UX2 von Line6.

Cleaner Sound Test:In diesem Beispiel habe ich eine Akkord-Progression in allen fünf möglichen Pickup Selector Positionen gespielt – angefangen mit Pos. 1 (nur der Steg Humbucker). Auf der rechten Seite habe ich die Gitarre direkt und ohne irgendwelche Effekte oder Modeling aufgenommen. Auf der linken Seite hört man das "clean guitar" Preset (eine Simulation des Roland JC120). Ich muss sagen dass trotz der Neutralität der Korpuskonstruktion die RG420 einen schönen, reinen Klang hat. Normalerweise sind die Tonabnehmer der Schwachpunkt bei einigen Ibanez Gitarren aber hier haben mich die V7 und V8 vollkommen überzeugt. Sie liefern einen Klang der nie zu aggressiv wirkt, aber dennoch einen hohen Ausgangspegel besitzen.

Pos. 2 und Pos. 4 des Pickup Selector sind interessant und tönen schon fast Strat-ähnlich – zur gleichen Zeit aber auch sehr eigen. John Petrucci Fans werden sich wohl die Pos. 2 auswählen, welche sehr ähnlich seinen Clean Sounds.

ChevaletVerzerrter Sound Test: Eine kleine Demonstration ohne angeberisch zu wirken – und nur weil es Spass macht. Die Rhythmus Gitarre auf der rechten Seite ist auf die JCM800 Simulation geschaltet mit einem leicht erhöhten Gain. Für die Rhythmus Gitarre auf der linken Seite wurde ein "Sandman" Preset angewendet, das einen Mesa Boogie Triple Rectifier Emuliert. In der Mitte habe ich den Preset "Metal 80" (JCM800) benutzt.
Die erste Phrase wurde in Pos. 1 gespielt und die zweite Phrase mit dem Hals Pickup. Die letzten paar Noten habe ich gespielt um zu zeigen, dass das Tremolo-System auch wirklich funktioniert. Man kann die Charakteristiken der Tonabnehmer erkennen: Ausbalanciert und vielseitig einsetzbar geben sie dem Klang ein Gefühl von Klasse. Dabei bleiben sie immer präzis und geradlinig. Schön ist zu hören, dass der Hals Pickup sehr definiert bleibt während andere Tonabnehmer auf dieser Position schnell einmal diffuser im Klangbild werden. Dies erlaubt den Virtuosen ein schnelles, verzerrtes Riff zu spielen, ohne dass das Ganze in einer verzerrten, akustischen Suppe versinkt.

Fazit

TêteGenerell muss ich sagen, dass ich mich an diese Gitarre gewöhnen könnte. Natürlich ist der auffälligste Teil dieses Instruments die Lackierung – die man entweder mag oder nicht. Eine solche Art der Oberfläche könnte für manchen ein wenig zu gewöhnungsbedürftig sein. Aber ich muss noch einmal klarstellen: die ist kein Spielzeug. Da steckt eine richtige RG unter den Spinnweben! Und wenn man die Einzigartigkeit und Eigenschaften der Gitarre anschaut, dann gibt es dies zu einem wirklich guten Preis. Sollte die Spider Web nicht gefallen, dann gibt es die RG420 übrigens auch noch in "armor" Lackierung.

+ Solide Konstruktion
+ Ibanez Wizard Hals
+ Pickups mit sehr guter Qualität
+ Einzigartige Lackierung

- Die Gitarre fühlt sich wegen der Lackierung ein wenig nach Plastik an
- Tremolo System könnte mit der Zeit ermüden