Wallander Instruments WI Visual Instruments : Brass 1
+
Wallander Instruments WI Visual Instruments : Brass 1

WI Visual Instruments : Brass 1, Wind instruments ensemble from Wallander Instruments.

Produktbewertung
Price engine
Kleinanzeigen
  • Textgrösse erhöhen oder verringern
  • Drucken

Wallander Instruments WIVI Player: Der Test

Was ist ein WIVI?
  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it
  • Mail

Während viele Hersteller von Sound Libraries immer noch versuchen dem Kunden möglichst viele Gigabytes an Daten zu bieten, haben sich Wallander mit WIVI entschlossen den Weg der Synthese zu gehen. So konnte das Datenvolumen auf ein paar hundert Megabyte reduziert werden.

Der Wallander WIVI Synthesizer ist ein gutes Beispiel für diese Art der Klangerzeugung, und wir werden ihn in den folgenden Zeilen auf Herz und Nieren prüfen.

OuvertureDie Leistungsfähigkeit moderner Computer macht es heute möglich komplette Orchester zu emulieren – eine Aufgabe die vor ein paar Jahren noch unmöglich gewesen wäre. Es ist noch nicht so lange her als man noch ein ganzes Rack voll von Akai oder E-mu Samplern, oder eine Armee an miteinander verbundenen Computern benötigte, um seine Orchester Kompositionen richtig simulieren zu können.

Anschliessend wurden von mehreren Herstellern gigantische Libraries, wie zum Beispiel die Vienna Symphonic Library oder East West's Symphonic Orchestra, auf den Markt gebracht. Dazu benötigte man aber nicht nur einen leistungsfähigen Computer, sondern auch eine grosse Festplatte. Dennoch kann man ein komplettes virtuelles Orchester mit zwei oder drei 8-Core Macs oder ähnlich leistungsfähigen PCs aufsetzen.

So ist es eher eine Überraschung neue Produkte zu entdecken die gegen den momentanen Trend gehen.  Synful Orchestra benötigt da zum Beispiel lediglich 140MB, oder der Wallander WIVI (mit dem wir uns in diesem Test ja genauer auseinander setzen) nur 241.4 MB auf der Harddisk. Das Spezielle daran ist, dass diese Daten keine Samples sind. Wenn man dies mit den hunderten von Gigabytes vergleicht, die z.B. Vienna Symphonic Library benötigt, dann hört sich dies schon fast wie ein Witz an. Setzt man sich aber einmal mit diesem Synthesizer auseinander, dann friert einem schon schnell das Lächeln im Gesicht.

Schauen wir uns diesen Wallander WIVI Player (spezialisiert auf Blech- und Holzblasinstrumente) also mal genauer an...

Die Idee

PrincipeWallander hat sich entschlossen einen universellen Player zu entwickeln, in dem man die unterschiedlichsten Instrumente laden kann. Der WIVI Player ist als Download erhältlich und mittels eines 'Watermarks' (Wasserzeichen) mit den Informationen des Anwenders versehen. Das Plug-In ist in den Formaten VST und AU erhältlich und kann auf PC und Mac betrieben werden.

Jede Instrumentengruppe verfügt über drei Variationen - mit der Ausnahme von Tubas (zwei Variationen), French Horn (Waldhorn) (vier Variationen) und Klarinetten (sechs Variationen da es A und Bb Modelle gibt). Bevor wir uns weiter in die Details stürzen sollte ich aber noch etwas zum Player und seinem Erweiterungskonzept sagen.

Erstens ist WIVI ein Synthesizer und kein Sampler. Genau genommen kommt beim WIVI kein Physical Modeling zum Zug – er emuliert also nicht die physische Eigenheit oder die physische Struktur eines Instrumentes. Stattdessen emuliert es den Output, oder finalen Klang. Wallander gibt an, dass sie eine riesige Anzahl Parameter analysiert haben, um ein Instrument anbieten zu können, welches nicht die üblichen Arten der Synthese anwendet, sondern eher auf akustischen Prinzipien und physischen Konzepten beruht.

Konkret bedeutet dies, dass man bei diesem Instrument Parameter vorfinden wird, welche spezifisch für jedes Instrument entwickelt wurden. Andererseits wird es nicht möglich sein die Länge einer Pfeife, sein Material, die Form des Mundstücks, oder andere physische Charakteristiken zu verändern. Jedes mal wenn man ein Instrument lädt, werden gleichzeitig für das angewählte Instrument spezifische Synthese-Parameter in den WIVI Player geladen.

Präsentation

PrésentationWieso nennt man dieses Instrument eigentlich 'Visual Player'? Wallander hat eine Bedienungsoberfläche entwickelt bei der ein Anwender einfache Einstellungen, aber auch detaillierte Anpassungen der Synthese machen kann. Die Idee ist es ein Instrument sowie seine Positionierung in der virtuellen Umgebung auszuwählen. Mit den + oder – Knöpfen kann man ein Instrument laden (oder wieder entfernen) und es dann auf der Bühne und in Relation zum Publikum positionieren. Dies bedeutet eine Änderung der gefühlten Perspektive und Raumaufteilung – all das indem man einfach ein paar Icons mit der Maus bewegt. Es gibt auch eine Übersicht die auf Farben basiert und einem einen schnellen Überblick über die Werte der eingestellten Parameter vermittelt.

Icons umher zu schieben ist die einfache Arbeitsweise – man kann aber auch sehr präzise Einstellungen vornehmen. Auf der linken Seite finden sich die Einstellungen für die Raumaufteilung (Art des Raums, unbehandelter Klang des Instrumentes, Early Reflections und Hall), und auf der rechten Seite hat man die Möglichkeit Einstellungen für das Instrument selber vorzunehmen (Stimmung, Vibrato, MIDI CC, usw.). Obwohl es darüber hinaus noch über weiteren Tiefgang verfügt so ist es doch stets sehr einfach Modifikationen vorzunehmen – eine der Hauptstärken des WIVI Players.

Selbstverständlich kann man WIVI mit einem üblichen Masterkeyboard spielen und das Mod Wheel für Crescendo und andere Effekte benutzen. Aber die Software wurde eigentlich entwickelt um mit einem sogenannten Wind/Breath-Controller angesteuert zu werden (EWI oder BC3 Typus). Ich habe für diesen Test einen Controller des Typs BC3 gekauft und kann sagen, dass sich die Investition absolut gelohnt hat. Sogar wenn man selber kein Blasinstrument spielt, so liefert die Kombination von Keyboard und Atem-Modulation in Echtzeit doch sehr überraschende Resultate.

Raumklang

EspacesEspacesArne Wallander – der Entwickler von WIVI – sagt, dass er in seine Software auch gerne einen pädagogischen Aspekt einfliessen lässt. Natürlich kann WIVI nicht mit pädagogischen Anwendungen konkurrenzieren, dennoch könnte die Software hilfreich sein ein paar grundlegende Aspekte der Akustik besser zu verstehen.

Aus diesem Grund befinden sich auf der linken Seite des Plug-Ins eine unübliche Vielzahl an Parametern. Der von WIVI erzeugte Klang kann wie das Produkt von drei separaten Lagen (Sound Layers) verstanden werden: Direktklang, Early Reflections und Hall im Verhältnis zum Raum in dem der Klang produziert wird. Demnach bestimmt der ausgewählte Raum wie jedes dieser Layers wahrgenommen wird. Die Layers funktionieren unabhängig von einander was einem erlaubt bei Bedarf auch nur ein einzelnes zu benutzen. Dies ist praktisch wenn man zum Beispiel einen Klang mit einem externen Reverb verwenden möchte.

Der erste Menüpunkt zeigt die 'Room Settings' an mit denen man seinen eigenen Raum erstellen kann. Zuerst wählt man den gewünschten Raum: Hall, Studio, Church, External Reverb (ohne internen Hall), Wet and Dry Sample Library (Emulation des Raums der von Sample Libraries benutzt wird). Man kann drei Dimensionen definieren: Länge, Höhe und Tiefe. Stellt Euch einen Raum vor der 1 bis 500 Meter gross sein kann...

Als nächstes definiert man die Reflektionen (für jede Wand!), den Rauschpegel des Mikrofons und den gewünschten Stereo-Ausgang.

Folgende Parameter finden sich in jedem der anderen drei Menüpunkte: Output Choice, Volume, Hi und Low Cut, Bass Boost und Cut und Stereo Width. Dazu kann man Ear Angle und Angle Dep. einstellen welche die Werte für Hörwinkel und 'Falloff' einstellen und somit die für die jeweilige Distanz übliche Klanganhebung/ -absenkung definieren. 'Late Reverb' verfügt über die Parameter Time, PreDelay, Damping und Diffusion.

Der letzte Menüpunkt 'Global Settings' erlaubt einem die Farben des GUI auszuwählen, Controller Einstellungen vorzunehmen, sowie Plug-In Modus (Stereo, Mono und Mono kompatibel) und Sampling Frequenz (von 6 bis 384kHz) einzustellen.

Steuerelemente

ContrôlesContrôlesAuf der rechten Seite befinden sich fünf weitere Menüpunkte. Der erste ist General Settings und beinhaltet Volume, Pan und mehrere MIDI Einstellungen. Letztere beinhalten Breath Controller (mit dem man das Volumen und die Dynamik des Instrumentes definieren kann), Tonumfang und Pitch Bend. Es sollte hier erwähnt werden, dass WIVI mit Steuergeräten kompatibel ist die über eine 14bit Auflösung verfügen (16384 Stufen anstatt der üblichen 128).

Im zweiten Menüpunkt finden sich alle benötigten Parameter zur Stimmung des Plug-Ins.

Der dritte Menüpunkt  'Vibrato Control' lässt einen zwei LFOs ansteuern. Der erste ist hier immer dem Vibrato zugewiesen und der andere speziellen Spieltechniken wie 'growl'. Die Parameter beinhalten: Delay, Speed (Geschwindigkeit) und Transition (Übergang von einer Sinuskurve zu einer Sägezahn-Kurve), Depth (Tiefe), Controller Choice und die Möglichkeit dem Signal zufällige Abweichungen beizumischen (dies verhindert, dass Vibratos und Tremolos zu künstlich tönen).

Als vierter Menüpunkt steht Tone/Timbre an. Die ersten paar Einstellungen widmen sich den 'Mutes' (Dämpfern) welche natürlich von Instrument zu Instrument anders ausfallen. So steht eine grössere Auswahl für Blechblasinstrumente zur Verfügung aber keine Auswahl für Klarinetten oder Oboen – dies ist aber auch normal. Als nächstes stehen die Einstellungen für Tone/Timbre an – dies sind nicht wirklich Filter bieten aber doch einige Möglichkeiten zur Modifikation. Der Wert 'Amount' (von 0 bis 2500%) definiert das Volumen der Klangfarbe (Timbre) ohne das dabei jedoch Transienten oder Atemgeräusche verändert werden.

Als nächstes findet sich ein sehr interessantes Werkzeug: Formant Shift. Damit lassen sich physisch praktisch unmögliche Instrumente erzeugen (ein 10m langes Saxophon oder eine 2cm lange Trompete), die aber immer noch über einen 'realistischen' Klang verfügen. Mit den richtigen Einstellungen lassen sich damit auch alte oder orientalische Instrumente emulieren wie Duduk, Ney, Bombardon, Serpent, etc. Zusätzlich ist es möglich die Lautstärke, Tonhöhe, Tiefe und andere Parameter der unterschiedlichsten Nebengeräusche des ausgewählten Instrumentes einzustellen.
Schliesslich hat man noch die Möglichkeit die Raumabbildung der einzelnen Layers zu definieren – gleich wie bei der globalen Einstellung aber eben nur für das jeweilige Layer.

Über den letzten Menüpunkt Control Parameters lassen sich alle Einstellungen für Controller vornehmen (Portamento, Pitchbend, Breath, Randomizer, etc.). Hier kann jeder Controller speziell den Bedürfnissen angepasst werden. Eine clevere Polyphonic Mode erlaubt das Zuweisen von mehreren Instrumenten auf einen Wert innerhalb eines Akkordes. So kann zum Beispiel bei einem Akkord jeweils die Grundtöne von Tubas und die oberen Töne von Oboen spielen lassen. So kann man leicht via Keyboard ein Arrangement schon während des Komponierens vorhören.

Resultate

RésultatWenn man sich mal daran gewöhnt hat das Volumen mit dem BC3 Controller zu regeln und man weiterhin akzeptiert hat, dass kein Atmen auch keinen Klang bedeutet, dann erkennt man schon schnell wie mächtig, ausdrucksstark, effizient und realistisch dieses Plug-In ist. Auch wenn gewisse Instrumente besser als anderen tönen, so kann man doch sehr einfach eine Vielzahl an Phrasen und spezifischen Techniken einspielen und ein hohes Mass an Authentizität erzeugen. Da der WIVI eben ein Synthesizer ist besitzt er einen viel grösseren Ausdruck in der Dynamik wie eine vergleichbare Sample Library.

In der Anwendung erweist sich die 'Reverb' Sektion schon sehr schnell als essentiell: Sie ist viel mehr eine Komponente des Gesamtklangs als ein Effekt. Und auch wenn die Verwendung eines externen Halls praktisch sein kann um WIVI besser mit anderen Instrumenten zu mischen, so verwendet man wahrscheinlich doch die internen Einstellungen so häufig wie möglich. Die Auflösung und Resonanz des Stereobildes in den entwickelten Räumen ist eindrücklich. Auch wenn WIVI eigentlich für den orchestralen Kontext entwickelt wurde, so glänzt es doch auch ohne weiteres in modernen Kompositionen und sogar Big Band Arrangements.

Hören wir uns einmal ein paar Beispiele an: Hier ist eine Bass-Klarinette. Oder eine Oboe. Eine Flatternde Trompete (achtete auf die Natürlichkeit im Vergleich zu Samples). Drei gedämpfte Trompeten (im Polyphonic Modus eingespielt, Volumen mit BC und Wah mit Aftertouch eingespielt). Hier ist ein Preset einer Flöte. Heben wir nun das Rauschen an und modifizieren dann die Formanten Einstellungen um ein neues Instrument zu erzeugen: -78 mit MIDI ein Oktave tiefer transponiert, dann +78 mit MIDI eine Oktave höher transponiert und auch ohne Transponieren. Schliesslich noch eine Tuba– dann noch modifiziert. Weitere Klangbeispiele können auch auf der Website des Herstellers gefunden werden.

Fazit

Wallander WIVI zeigt klar auf, dass es neben den grossen, auf Samples basierten Orchestern (wie das erstaunliche Vienna und die sehnlichst erwartete Play Version von EWQLSO) immer noch Raum für andere Lösungen gibt. Die neuen 8-Core (und bald 12, 16, 32) Computer erlauben neue Perspektiven bei der Berechnung von Modellen und Emulationen. Die Wahl von Wallander sich auf dieses Feld zu konzentrieren (und dies noch auf ziemlich ungewöhnliche Art) ist äusserst originell. Über all dem spricht natürlich der Klang noch für sich selber.

WIVI ist äusserst ausdrucksstark und dies ist wirklich seine beste Eigenschaft. Es gibt keine klanglichen Artefakte oder unbrauchbare Klängen – vielleicht ein paar kleine Geräusche beim Anpassen gewisser Parameter, was aber nicht weiter ins Gewicht fällt, da diese Parameter nicht in Echtzeit verändert werden müssen. Angesichts der überzeugenden Arbeit ist es überraschend, dass WIVI die erste Veröffentlichung von Wallander darstellt. Man wird überrascht sein wie wenig dieses Plug-In an CPU Ressourcen benötigt – ein weiteres Indiz für das fundierte Know-How von Wallander.

Fällt die Wahl zwischen Samples und Emulation (Modelisation) nun schwer? Als erstes ist dies wie so häufig eine Frage des persönlichen Geschmacks. Es hängt aber auch davon ab wofür man sein Orchester einsetzen möchte und wie schnell man erwartet dass es geht Musik zu programmieren, einzuspielen und zu verändern. Beide Lösungen tönen mittlerweile grossartig,auch wenn bei Sample basierten Instrumenten manchmal eine grössere Dichte als beim WIVI zu hören ist.

Dies ist aber kein Problem mehr wenn WIVI ein ganzes Orchester oder Arrangement abspielt. In Sachen Geschwindigkeit macht dem WIVI aber keiner mehr was vor: Ladezeiten sind praktisch nicht vorhanden. Ein weiterer grosser Vorteil ist das kreative Potential beim Sounddesign. Mit dem WIVI kann man vollkommen neue Instrumente erzeugen, die aber gleichzeitig doch immer noch sehr realistisch tönen. Man kann diese Instrumente in eigenartige Räume stellen die immer noch den akustischen Gesetzen folgen. WIVI hat sich also mit seinen virtuellen Blech- und Holzblasinstrumenten frech im Markt positioniert... Die Frage ist was denn als nächstes von Wallander erscheint?

+ Konzept
+ Ergonomie
+ Leistungsstark & Inspirierend
+ Klangqualität
+ Ausdrucksstark
+ Realistisch
+ Stabil
+ Polyphonic Mode

- Wind/Breath Controller wird dringend empfohlen
- Ein paar klangliche Artefakte bei gewissen Parametern
- Man kann Werte nicht mit dem Ziffernblock eingeben
- Kein Pull-Down Menüs
- Keine Bedienungsanleitung in .pdf