Fender Classic Player Jazzmaster Special
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Fender Classic Player Jazzmaster Special

Classic Player Jazzmaster Special, Elektrische Solidbody Gitarre mit JZ/JG Korpus from Fender belonging to the Classic Player Jazzmaster Special model.

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Fender Classic Player Jazzmaster & Jaguar: Der Test

Jazzmaster und Jaguar Re-Loaded!
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Am Anfang erschuf Leo die Telecaster. Keith und Bruce waren glücklich. Am zweiten Tag erschuf Leo die Stratocaster. Jimi und Eric waren in Ekstase. An den folgenden Tage kreierte Leo die Jazzmaster und die Jaguar...

Am Anfang erschuf Leo die Telecaster. Keith und Bruce waren glücklich. Am zweiten Tag erschuf Leo die Stratocaster. Jimi und Eric waren in Ekstase. An den folgenden Tage kreierte Leo die Jazzmaster und die Jaguar. Diese waren ursprünglich für Jazz konzipiert worden, fanden aber stattdessen Anhänger in der Surf Musik Szene der 60er Jahre und Rock Musik Szene der 90er Jahre. Am heutigen Tag werden wir uns die 2008 Edition dieser mythischen Gitarren anschauen…

JaguarEine kurze Geschichtsstunde…

Die Geschichte dieser zwei Modelle ist keinesfalls trivial. In 1958 entschloss sich Leo Fender (Vater der berühmten Telecaster und Stratocaster) seinen Ruf zu nutzen, um Jazz Gitarristen mit einem Modell für sich zu gewinnen – dieses wurde sinnigerweise Jazzmaster genannt. Die Gitarre besass ein Griffbrett aus Palisander, ein Floating Vibrato, neue Pickups und einen wärmeren Sound als die Stratocaster. Leo dachte zu dieser Zeit, dass dies eigentlich den ‘Jazzern’ gefallen sollte. Unglücklicherweise wurde die Gitarre von ihnen gemieden, da sie sehr schnell neigte in ein Feedback zu kippen.

Dennoch fand die Jazzmaster in der Surf Szene mit Bands wie The Ventures und The Fireballs ein Zielpublikum. Leo war flexibel, nahm sich diesem Interesse an und baute 1962 ein Modell, welches er speziell für die Surf Musik Szene entwickelt hatte: Die Jaguar. Diese Gitarre besass eine kürzere Mensur (24 Zoll), Singlecoil Pickups (ähnlich einer Stratocaster), 22 Bünde, eine Saitendämpfung aus Gummi und eine Konstruktion mit einer ‘Notched Sideplate’, die weniger anfällig auf Einstreuungen reagierte…sie war die ultimative Surf Gitarre. Unglücklicherweise ging die Surf Musik Szene in den 70er Jahren ausser Mode und die Produktion der Jazzmaster und Jaguar Gitarren wurde in 1980 gestoppt.

Die beiden Modelle wurden dann ein paar Jahre auf die Seite gelegt, bis Indie Rock Bands wie Sonic Youth und My Bloody Valentine in den frühen 80er Jahren in diesen Gitarren eine Möglichkeit sahen, ihr Bedürfnis nach experimentellen Klängen zu stillen. Zu diesem Zeitpunkt waren sie relativ günstig zu haben und lieferten zudem ein anständiges Feedback. Indem die Saiten hinter dem Steg gespielt wurden konnte ein einzigartiger, schimmernder Sound erzeugt werden. Zugleich erzeugten diese Gitarren aufgrund des schmalen Winkels bei der Saitenauflagerung eine sympathische Resonanz. Nach dieser Neuentdeckung wurde die Jazzmaster und die Jaguar 1986 mit japanischen Reissue Modellen wieder in den Fender Katalog genommen.

Dos2008 sah nun die Geburt der ‘Classic Player’ Serie, welche in Mexiko hergestellt wird und einen relativ günstigen Preis besitzt. Um ihren 50. Geburtstag zu feiern war ein Testbericht mehr als nötig geworden… In diesem Test werden wir eine Jazzmaster, eine Jaguar mit Singlecoil Pickups und eine Jaguar mit Humbuckern genauer unter die Lupe nehmen.

Facelift

Jaguar HHWer noch nie Hand an eine Jazzmaster oder Jaguar gelegt hat, dem wird als erstes die Grösse des asymmetrischen Korpus auffallen. Dieser ist eindeutig grösser als bei einer Telecaster oder einer Stratocaster. Dennoch ist die Balance perfekt - schliesslich wurde sie ja ursprünglich entwickelt um im Sitzen gespielt zu werden…eben für ‘Jazzer’. Traditionell sind die Hauptunterschiede zwischen diesen beiden Modellen die kürzere Mensur der Jaguar (24 Zoll im Gegensatz zu 25.5 Zoll bei der Jazzmaster) und die unterschiedlichen Pickups: Während die Jazzmaster über P90 verfügt, so wurde die Stratocaster-ähnliche Jaguar mit Singlecoils ausgestattet. Die Pickups auf der Jazzmaster tönen in der Tat wärmer als die der Jaguar.

Was Änderungen betrifft so gibt es neue Pickups mit höheren Ausgangspegeln und einem dickeren Sound als bei den original Modellen. Auf der Jazzmaster und der Jaguar wurden Special Design Hot Singlecoils verbaut, und auf der Jaguar HH kamen Enforcer Humbucker zum Einsatz. Bei allen Modellen können die Pickups in der Höhe verstellt werden. Ein Tune-O-Matic Steg behebt die Intonationsprobleme und etwas lose Saitenführung älterer Modelle. Zudem wurde das Floating Tremolo näher am Steg montiert, und der Saitenwinkel ist im Verhältnis zum Steg nun grösser. Dies erhöht das Sustain und verringert Resonanzen hinter dem Steg. Man verliert also den charakteristisch schimmernden Sound auf den Sonic Youth so stand. Mit diesem neuen Steg und dem näher angebrachten Tremolo verliert die Gitarre gegenüber dem Original ein wenig an Charakter, gewinnt aber an Präzision und Stabilität.

Für den Ahornhals wählte Fender eine ‘C’ Form mit einem Griffbrett aus Palisander, einen 9.5 Zoll Radius (flacher als beim Original) und 21 Medium Jumbo Bünde (22 Bünde beim Jaguar). Bei allen drei Modellen wurde ein Erlenkorpus verbaut und die Hardware ist Fender/Ping Vintage Style.

Was das Aussehen betrifft so ist die Jazzmaster in Schwarz oder Sunburst mit einem 4-Ply Brown Shell Pickguard erhältlich. Die Jaguar Special (Singlecoils) gibt es in Rot oder Sunburst und die Jaguar HH (Humbucker) in Weiss oder Sunburst. Die Gitarren werden mit einem Gigbag verkauft und die Hardware wurde in Chrom gehalten.

switch et potards switchs

Klang und Spielbarkeit

JazzmasterBei der Elektronik verfügt die Jazzmaster über zwei unabhängige Schaltkreise (Lead und Rhythm) die über einen 2-Weg Schalter angesteuert werden können. Jeder Schaltkreis besitzt einen eigenen Volume und Tone Regler. Es gibt zudem den klassischen 3-Weg Schalter für die zwei Pickups (Hals, Steg oder beide). Die Jaguar mit zwei Singlecoils ersetzt den 3-Weg Schalter mit einem System aus drei 2-Weg Schaltern. Die ersten zwei schalten jeweils die beiden Pickups ein oder aus, und der dritte aktiviert einen HiPass Filter. Mit diesem Filter kann man mühelos durch jeden Mix stechen! Die Jaguar HH (Humbucker) verfügt schliesslich sogar über noch mehr Möglichkeiten! Sie besitzt zusätzlich zu den bereits erwähnten Schaltern noch einen Master Kill Switch, mit dem sich der Sound der Gitarre komplett abschalten lässt. Zudem wurden noch zwei Regler verbaut mit dem sich die Humbucker mit dem ‘Split Sound’ mischen lassen (Humbucking/Single-Coil Blend Control)…und das für jeden Pickup! Die klanglichen Möglichkeiten dieser Gitarre sind enorm!

Die Verarbeitung dieser Gitarren scheint makellos und ich konnte während des Tests keine Intonationsprobleme feststellen. Der Hals fühlt sich sehr angenehm an und man wird sich schnell darauf zurecht finden. Auch die Hardware scheint für eine lange Lebensdauer gebaut worden zu sein. Was die ganzen Knöpfe und Regler betrifft so könnte die Jaguar Anfängern durchaus ein paar Probleme bereiten. Die Anzahl an Einstellungen braucht ein wenig Einarbeitungszeit und speziell bei Gigs kann dies die ganze Sache etwas kompliziert gestalten.

Wenn man sie dann eingesteckt hat, so wird man erst einmal von der Ausgangsleistung der Pickups überrascht sein. Die Jazzmaster besitzt einen süssen Klang, der aber für Singlecoils dennoch recht dick und laut daher kommt. Man erhält einen guten, vollen Clean Sound, der trotzdem ein gewisses Mass an Flexibilität bietet.

Die Klangbeispiele wurden mit einem Sennheiser MD421 über einen Brunetti Mercury TêteEL34 Verstärker aufgenommen. Hier ist ein Beispiel der ‘Clean’ Bandbreite der Jazzmaster: clean1, clean2, clean3, clean4, cleanchords und cleanfunk. Und drei Beispiele in Overdrive: ovd1, ovd2 und ovd3.

TêteMit seinem schimmernden Sound ist die Jaguar mit Singlecoils einer Telecaster sehr ähnlich – eine echte Freude für Liebhaber von guten clean-sounds! Dennoch sind die Distorted/Overdrive Sounds ebenfalls sehr gut: Sie besitzen einen ‘Twang’ den wir alle kennen und lieben! Beispiele: dist1, dist2 und dist3.

Zuletzt die Jaguar HH, welche mit ihren zwei Humbuckern die Overdrive Königin ist! Es macht einfach Spass die Gitarre in Dropped-D mit Verzerrung zu spielen! Sie ist druckvoll und fett und lässt die Fetzen fliegen! Hört am besten selber: Bsp 1, 2 & 3!

Cobain Fans werden begeistert sein. Die Möglichkeit den Sound der Split Pickups hinein zu mischen ergibt ein paar sehr interessante Resultate in Clean und Overdrive (Bsp 1, 2 & 3). Wie gesagt: Dies gibt der Gitarre ein enormes Potential in der Klanggestaltung. Es kann sicherlich anfangs schwierig sein alle die Knöpfe und Regler zu verstehen – aber wert ist es das auf jeden Fall.

Fazit

Es ist schwierig wählerisch zu sein, wenn ich mit diesen Gitarren konfrontiert werde! Sie sehen gut aus, spielen sich grossartig und es macht einfach Spass darauf zu spielen! Der einzige Kritikpunkt der von Jazzmaster/Jaguar Traditionalisten gemacht werden könnte, sind die Änderungen bei der Positionierung von Steg und Tremolo. Zwar können dadurch bis zu einem gewissen Grad Einstellungen besser vorgenommen werden, und auch die Intonation wurde so ein wenig optimiert. Dies ging aber auf Kosten des ursprünglichen Charakters dieser Gitarren. Aber für einen durchschnittlichen Preis von etwa $900 bietet Fender sehr hochwertige Gitarren. Ja, sie sind in Mexiko hergestellt. Aber sie müssen sich im Vergleich zu teureren Modellen keinesfalls verstecken. Dies ist ein guter Grund einzutauchen und eine dieser mystischen Gitarren zu kaufen!

+ Aussehen
+ Verarbeitung
+ Hals
+ Pickups
+ Intonation
+ Preis
+ Änderungen, welche die Gitarre in die Moderne bringen…

- …aber den ursprünglichen Charakter etwas verändern
- Ich muss immer daran denken. Ich will sofort eine!