Einstiegsratgeber
Thematische Foren Einstiegsratgeber
  • Textgrösse erhöhen oder verringern
  • Drucken

Wie ich zu einem perfekten Take komme

Was bedeutet der Begriff 'Comping'?

  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it
  • Mail

'Comping' beschreibt eine Bearbeitungstechnik bei der mehrere Takes eines Instrumentes zu einer 'perfekten Spur' zusammengeschnitten werden.

Bevor man auf digitale Technologien zurückgreifen konnte war diese Arbeitsweise sehr umständlich und verlangte eine Menge Wissen. Zum Glück bietet der Computer jedem Anwender eine enorme Flexibilität - vor allem wenn man dazu ein paar der folgenden Grundlagen kennt.

Bevor wir anfangen

Bevor wir uns nun mitten ins Gefecht stürzen, sollten wir noch ein paar Dinge organisieren.

Zuerst sollte man natürlich über ausreichend Material verfügen um überhaupt erst etwas zusammenschneiden zu können (so um die vier Takes sollte man schon haben). Achtet darauf ausreichend Material aufzunehmen, doch bedenkt auch, dass Musiker irgendwann auch nicht mehr können - somit gilt immer Qualität vor Quanität.

Comping audio

Damit Comping so transparent wie möglich durchgeführt werden kann, sollte es zwischen Takes zudem eine gewisse Konsistenz geben. Dies bedeutet nicht nur denselben Rhythmus zu behalten, sondern auch die Klangfarbe. Verändert also am Verstärker keine Einstellungen, positioniert das Mikrofon nicht neu und versucht immer mit einer ähnlichen Energie zu spielen. Dies ist vor allem wichtig wenn es um Stimmenaufnahmen geht. In diesem Fall empfehle ich auf jeden Fall nur Aufnahmen aus derselben Aufnahmesession zu nehmen, da die Klangfarbe einer Stimme von Tag zu Tag anders sein kann.

Um Eure Effizienz zu steigern solltet Ihr zudem die Shortcuts Eurer DAW im Schlaf kennen. Dies gilt vor allem für Zoom, Navigation innerhalb des Projektes, des Umstellen von Werkzeugen (Schere, Leim, Auswahl) und natürlich Undo.

Die Grundlagen

Jetzt wo alle Vorbereitungen getroffen wurden sollten wir ein wenig tiefer in die Materie eintauchen. Wir gehen hier jetzt nicht auf die spezifischen Unterschiede der verschiedenen Sequenzer ein - dafür gibt es eine Bedienungsanleitung. In diesem Augenblick gehen wir davon aus, dass die verschiedenen Takes perfekt synchron zueinander im Editor Fenster zur Verfügung stehen.

Comping audio

Zuerst solltet Ihr diese Takes in kleinere musikalische Phrasen unterteilen. Achtet auf präzise Schnitte um ungewollte Knackser zu unterbinden - schneidet wenn möglich an stillen Passagen. Stellt sicher, dass die 'Grid' Funktion Eures Sequenzers abgeschaltet ist, da der Schnitt sonst nicht beim Mauszeiger, sondern beim nächsten Rasterpunkt stattfindet.

Anschliessend wählt Ihr die besten Parts aus und fügt diese Anschliessend mit kurzen Crossfades wieder zusammen - 2ms reichen häufig aus um einen unhörbaren Crossfade einzusetzen.

Ganz einfach, oder? Natürlich ist es eben nicht immer so einfach. Manchmal kann man nur in der Mitte der Wellenform schneiden - und das hört man auch mit einem Crossfade praktisch immer. Jetzt aber keine Panik - wir haben immer noch ein paar Asse im Ärmel!

Tiefer gehen

Zuerst solltet Ihr wissen, dass man in Aufnahmen wesentlich mehr ruhige Stellen als man annehmen könnte findet. So finden sich zum Beispiel jeweils vor Konsonanten immer sehr kurze stille Bereiche - oder während eines kurzen Abdämpfens der Gitarrensaiten. Spielt ein wenig mit dem horizontalen Zoom um diese zu finden - sie sind Gold wert!

Andererseits ist Krach Euer Freund. Seien es Atemgeräusche, das Brummen eines Gitarrenverstärkers, oder Einstreuungen von einem Vorverstärker - allesamt ermöglichen es einen Schnitt elegant zu verstecken.

Comping audio

Sollte es sich um ein Mono Instrument handeln, so kann man manchmal sogar direkt mitten in die Wellenform schneiden. In diesem Fall muss man darauf achten, dass beide Dateien in etwa dieselben Amplitudenwerte besitzen - dazu ein richtig gesetzter Crossfade und man kann den Unterschied nicht mehr hören.

Bei einem polyphonen Instrument greift man eher zu einem langen Crossfade (etwa 40ms), auch wenn dies auf einer ausklingenden Note zu einem Problem mit der Phasenlage führen kann. Ist das Instrument jedoch nicht zuvorderst im Mix so sollte dies jedoch nicht weiter stören. Spielt auch einmal etwas mit den verschiedenen Crossfades (Linear, Logarithmic, etc) um den natürlichsten Klang zu erhalten.

In den verzweifelsten aller Fälle kann man immer noch auf eine eher unbekannte Geheimwaffe zurückgreifen: Pre-Masking. Dabei handelt es sich um einen psychoakustischen Trick mit dem man den Zuhörer gezielt ablenkt. Es ist so, dass bei gleichzeitig erklingenden Schallereignissen wir eigentlich immer nur das lauteste registrieren - vor allem wenn es sich um perkussive Klänge handelt. Somit ist das Schlagzeug Euer bester Freund, da wir bei einem anderen Instrument ganz einfach auf einen Schlag hin editieren können und die Kick Drum oder Snare diesen Edit überdeckt. Dieser Trick ist jedoch mit Vorsicht zu geniessen - Psychoakustik funktioniert nicht immer.

Ich hoffe, dass Euch diese Tricks in Euren zukünftigen Produktionen helfen werden. Auch wenn Comping nicht die schönste aller Aufgaben ist, so lohnt sich die Arbeit durchaus und macht bei Produktionen den Unterschied zwischen Amateur und Profi. Zum Abschluss noch ein letzter Tipp: Seid Ihr mit Euren Editierarbeiten fertig, so solltet Ihr Euren Ohren fünf Minuten Pause gönnen und die bearbeiteten Passagen im Kontext des Songs anhören. Nur so könnt Ihr sicher stellen, dass die Schnittpunkte nicht hörbar sind.

Sind Sie der erste, der auf diesen Artikel reagiert
  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it
  • Mail