Einstiegsratgeber
Thematische Foren Einstiegsratgeber
  • Textgrösse erhöhen oder verringern
  • Drucken

Achtet bei Stimmenaufnahmen auf die psychologischen Aspekte

Stimmenaufnahmen produzieren - Teil 2
  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it
  • Mail

Im ersten Teil haben wir die richtigen Mikrofone besprochen und angeschaut wie man einen guten Monitormix erstellt. In diesem zweiten Teil gehen wir ein paar Produktionstechniken an, die helfen sollen das Beste aus dem Sänger (oder der Sängerin - ich beziehe mich hier natürlich auf beide Geschlechter) zu holen.

[Lest den ersten Teil hier]

In Stimmung kommen

Viele Sänger liefern bessere Resultate wenn die 'Stimmung' im Studio so entspannt wie nur möglich ist. Dimmt falls möglich die Lichter, achtet darauf, dass die Temperatur angenehm ist und stellt der Sängerin falls möglich schon vor den Aufnahmen eine Flasche Wasser parat. Falls es zur gewünschten Stimmung passt könntet Ihr sogar die eine oder andere Kerze anzünden. Achtet auch darauf, dass Ihr stets eine Aura des Selbstbewusstseins ausstrahlt - technische Probleme müsst Ihr auf jeden Fall für Euch behalten.

Es hilft wenn so wenig Leute wie möglich während der Aufnahmesession anwesend sind. Die gesamte Band im Studio zu haben erweist sich in den meisten Fällen als kontraproduktiv und kann sich auch auf das Selbstvertrauen des Sängers auswirken.

Denkt auch daran, dass sogar Profis mit einer Menge Live Erfahrung im Studio einer komplett anderen Erfahrung ausgesetzt sind. Jede Note wird abgehört, evaluiert und unter die Lupe genommen. Kennt jemand diesen Prozess nicht, so kann dies durchaus stressig werden - abermals liegt es auch hier an Euch diesen Prozess so komfortabel und ruhig wie nur möglich zu gestalten.

Der Trick mit dem 'Pegel einstellen'

Manchmal kann es Euch gelingen den ersten Take der Sängerin einzufangen (wenn sie denkt sie würde nur für sich üben). Ihr solltet auf jeden Fall beim Einpegeln immer die Aufnahme laufen lassen. Sagt der Sängerin Ihr möchtet gerne einmal durch den Song gehen um die Pegel richtig einzustellen. Manchmal führt dies zu einer grossartigen Performance da der Musiker im Glauben ist es handle sich nur um einen Test. Das funktioniert nicht immer, ist aber auf jeden Fall den Versuch wert - speziell mit nicht so geübten Sängern.

Session Strategie

Nachdem Ihr nun 'offiziell' am Aufnahmen seid solltet Ihr vom Sänger mehrere komplette Takes aufnehmen, die dann später zu einem 'Comp' zusammenschneiden könnt. Das funktioniert häufig besser als ständig kleine Teile aufzunehmen, da auf diese Weise eine komplette Performance durchkommt und Ihr Euch nicht in Details verliert. Ihr könnt später beim Editieren noch eine Menge Dinge ändern wenn Ihr wollt, doch die ursprüngliche Energie die in die Aufnahmen geflossen ist, kann dann nicht mehr aufgearbeitet werden.

Eine gute Strategie ist es den Sänger ein paar komplette Takes singen zu lassen und anschliessend daraus einen Comp zu erstellen.

Was die Intonation angeht so solltet Ihr da ein eventuelles Problem beim Sänger sehr vorsichtig angehen. Intonation ist für viele Sänger ein empfindliches Thema und wenn Ihr ständig darauf rumreitet, so kann sich dies negativ auf die Performance auswirken.

Bei Intonationsproblemen sollte man zuerst einmal versuchen die Instrumente im Kopfhörermix etwas anzuheben - dies könnte schon einmal helfen die Tonart etwas besser zu hören.

Ihr könnt auch vorschlagen, dass der Sänger den Kopfhörer auf einer Seite ein wenig vom Ohr entfernt um seine natürliche Stimme lauter zu hören. Verkauft es mit 'sich besser und natürlicher hören' anstatt als Lösungsansatz für akute Intonationsprobleme.

Während der gesamten Aufnahmesession sollte es Eure grösstes Ziel sein das Positive hervorzuheben und nicht das Selbstvertrauen des Sängers negativ zu beeinflussen. Bei einem erfahrenen Profi müsst Ihr Euch da nicht so Gedanken machen, doch bei jemandem ohne grosse Studioerfahrung können ein paar Streicheleinheiten durchaus Wunder wirken.

Im richtigen Augenblick aufhören

Habt Ihr diesen Punkt mal erreicht nehmt Euch eine Auszeit und hört Euch an, was Ihr bislang aufnehmen konntet. Fehlen Euch nur noch ein paar wenige Worte so solltet Ihr Euch wenn möglich auf diese konzentrieren und wenn möglich noch am selben Tag aufnehmen. Fehlen jedoch wichtige Teile des Gesangs so müsst Ihr wohl oder übel den Übung abbrechen und mit der Sängerin eine weitere Session buchen. Stellt sicher, dass Ihr Euch das Mikrofon und den Vorverstärker (mitsamt Einstellungen) notiert, damit Ihr das Klangbild beim nächsten Mal wieder herstellen könnt.

Sind Sie der erste, der auf diesen Artikel reagiert
  • Like
  • Tweet
  • +1
  • Pin it
  • Mail