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Entfernt mit High-Pass Filtern ungewollte Bässe aus Eurem Mix

Holt den Dreck aus Eurem Mix
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Gitarren, Stimmen, Pianos, Schlagzeug…so ziemlich jede Spur in Eurem Mix verfügt über ungewollte Bässe auf die man ohne weiteres verzichten kann. Auch wenn Ihr beim isolierten Abhören einzelner Spuren keine Probleme erkennen könnt, so führen diese Bassanteile in der Summe mit den anderen Spuren doch zu einem undefinierten Bassbereich.

Zum Glück gibt es ein Werkzeug in jedem EQ Plug-In mit dem sich solche ungewolten Frequenzen entfernen lassen. Hierbei handelt es sich um einen Hi-Pass Filter (HPF) welcher tiefe Frequenzen unterhalb eines bestimmten Wertes abschneidet. Dieser etwas verwirrende Name resultiert daraus, dass er Frequenzen oberhalb einer gewählten Absenkungsfrequenz unbearbeitet durchlässt und alle unterhalb konsequent abschneidet. Aus diesem Grund als Hi-Pass Filter (manchmal auch Low-Cut Filter).

Steil abgesenkt

Ein HPF in einem Waves Renaissance Plug-In mit einem relativ flachen 'Roll Off'.

Wenn wir sagen, dass ein Filter unterhalb einer Cutoff Frequenz (Absenkungsfrequenz) abgesenkt wird, ist damit gemeint, dass der Filter ab dieser Frequenz das Signal reduziert, dies jedoch in einem bestimmten Winkel. Bei vielen Hi-Pass Filtern lässt sich dieser so genannte Q Wert (Bandbreite) einstellen. Höhere Werte entsprechen hier immer einer steileren Absenkung.

Wie Ihr Euch wahrscheinlich denken könnt hängt die richtige Cutoff Frequenz vom Frequenzgang der jeweiligen Quelle ab. Ihr wollt dabei immer die Bässe abschneiden die für das zu bearbeitende Instrumente nicht benötigt werden. Dies kann am Ende nur Euer Gehör entscheiden - dennoch möchte ich Euch nachfolgend ein wenig Hilfestellung geben.

Fangt mit dem HPF an

Ich fange normalerweise mit einer grob geschätzten Einstellung und drehe während die Musik spielt an dem Filter bis ich die beste Einstellung finde. Normalerweise fange ich tiefer und bewege mich dann so lange nach oben bis die Spur zu dünn klingt. Anschliessend drehe ich den Filter wieder zurück bis es für mich richtig klingt. Ihr könnt diese Arbeit im Solo Modus durchführen, solltet aber immer darauf achten alles auch im Kontext anzuhören.

 Hier ist die Roll-Off Frequenz viel steiler.

Für mich macht es Sinn den EQ mit dem Hi-Pass Filter vor dem Kompressor einzuschlaufen. Auf diese Weise reagiert der Kompressor nur auf Frequenzen die auch wirklich in der Spur vorkommen und wird nicht von ungewollte Bassfrequenzen beeinträchtigt. Das ist jetzt keine fixe Regel und Ihr werdet durchaus auch gegensätzliche Meinungen zu diesem Thema finden.

Bass: Beim Bass (z.B. E-Bass) solltet Ihr vorsichtig sein wieviel Bassfrequenzen Ihr ausschneidet da ihr dem Instrument keinesfalls den Druck nehmen wollt. Ich empfehle den Filter irgendwo zwischen 40 und 55 Hz zu positionieren und in diesem Bereich Einstellungen vorzunehmen. Handelt es sich um einen Synth Bass mit einer Sub-Bass Komponente ist äusserste Vorsicht geboten: Solltet Ihr keinen Subwoofer oder Monitore besitzen die solche tiefen Frequenzen auch wirklich abbilden können, so empfiehlt es sich hier die Finger weg zu lassen.

Schlagzeug: Mit der Ausnahme der Floor Tom und dem Kick kann man beim Schlagzeug überall zwischen 100 und 140 Hz absenken. Floor Tom und Kick reichen tiefer runter und man sollte bei 50 Hz (Floor Tom), und 30 bis 45 Hz fündig werden.

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Ein Rhythmusgitarre ohne Filter.
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Dieselbe Rhythmusgitarre mit einem Hi-Pass Filter der bei 150 Hz absenkt wurde.

Gitarre: In den meisten Fällen können E-Gitarren wie auch akustische Gitarren ziemlich stark mit einem Hi-Pass Filter bearbeitet werden. Ich fange normalerweise bei 100 Hz an und arbeite mich dann nach oben. Arbeitet Ihr an einem Song wo die Gitarre das einzige Instrument ist, dann solltet Ihr hier wohl ein wenig konservativer daherkommen.

Piano: Ein akustisches Klavier hat eine derart grosse Bandbreite, dass man die Entscheidung hier nur sehr stark im Kontext treffen kann. Werden sehr viele Bass Noten gespielt, so sollte man etwas tiefer (bei 100 Hz) suchen, doch spielt vor allem die rechte Hand, so kann man sich durchaus bis auf 250 Hz vorwagen. Ist das Piano wie bei der Gitarre das einzige Instrument im Song, so sollte auch hier die Absenkung weniger extrem ausfallen. In dieser Situation benutzt der Musiker nämlich die Linke Hand um die Bass zu spielen.

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Ein kurzer Mix ohne Hi-Pass Filtering.
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Derselbe Mix mit Hi-Pass Filtering auf allen Spuren mit einem deutlich aufgeräumten Bassanteil.

Stimme: Wo Ihr die Cutoff Frequenz setzt hängt zuerst mal davon ab ob wir es mit einer Frauenstimme oder einer Männerstimme zu tun haben. Bei Männern fängt man so ungefähr bei 100 Hz und bei Frauen so etwa bei 150 Hz an und arbeitet sich dann nach oben durch. Achtet darauf die Stimme nicht zu dünn werden zu lassen. Resonante Bassfrequenzen in Stimmen verleihen ihnen Wärme und Intimität - das wollen wir auf keinen Fall verlieren!

Bei Instrumenten die wir hier nicht aufgelistet haben sollte man unterhalb der tiefsten möglichen Note anfangen und dann nach oben die richtige Absenkfrequenz finden.

Ausschneiden

Hi-Pass Filter in den eigenen Arbeitsfluss zu integrieren kann helfen die Bässe des eigenen Mixes wesentlich transparenter klingen zu lassen. Ein weiterer interessanter Aspekt ist auch, dass man mit einem Low-Pass Filter auch unnötige Höhen entfernen kann - doch das schauen wir uns in einem anderen Artikel genauer an.

 

 

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