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Verhandlungstipps wenn es um Freelance Mixing oder Session Aufträge geht

Die Kunst des Verhandelns
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Es ist überaus wichtig sich bei Freelance Arbeiten richtig zu verkaufen und dazu gehört es die gängigen Tarife zu kennen, wieviel Arbeit effektiv ansteht und wie man mit der Art der Bezahlung umgeht.

Wegen dem Internet und digitalen Technologien wurde der Entstehungsprozess von Musikaufnahmen in den letzten zwei Jahrzehnten immer mehr dezentralisiert. Heute werden die meisten Jobs für Studiomusiker und Tontechniker auf Freelance Basis verhandelt und es existieren keine fixen Preisstrukturen mehr. Man muss also genau darauf achten, dass man sich hier nicht unter Wert verkauft und bei einer Abmachung entsprechende Schutzmechanismen einbaut.

Wie viel?

Es gab für mich schon viele Situationen wo ich gefragt wurde eine Session einzuspielen und man meinen Standardtarif wissen wollte. In diesen Fällen muss man die Kalkulation abhängig machen von der jeweiligen Situation. Zuerst einmal müsst Ihr für Euch definieren was aus Eurer Sicht ein fairer Lohn für Eure Zeit und Euer Können ist. Dann schaut Euch an von wem diese Anfrage kommt und berücksichtigt in Eurem Angebot ob es sich um einen mittellosen Songwriter oder eine wohlhabende Werbeagentur handelt.

Ein weiterer Faktor ist die Frage wie sehr Ihr den Auftrag annehmen möchtet. Solltet Ihr immer noch auf der Suche nach etwas Erfahrung sein so könnte das Angebot zusätzlich als Praxis sehr interessant sein und Euch auch zukünftig weitere Aufträge generieren können. Hilft Euch der Auftrag also in Eurer Karriere weiter dann nehmt was Ihr bekommen könnt.

Es ist häufig so, dass Euch der Auftraggeber pro Song und nicht mit einem Stundenansatz entlöhnen möchte - vor allem wenn es sich um Aufträge handelt die Ihr von Eurem eigenen Studio aus durchführt.

Rechnet richtig

Bei einem grösseren Projekt können dann die Dinge schnell etwas kompliziert werden, da dort der benötigte Zeitaufwand schnell aus dem Ruder laufen kann. Sagen wir zum Beispiel Euch werden €3000 für ein 12-Song Album angeboten. Auch wenn das nach ganz gutem Geld aussieht so müsst Ihr die Arbeit unbedingt auseinander brechen. Bei einem solchen Projekt hättet Ihr bei einem Ansatz von €50/h fünf Stunden Zeit pro Song, was für eine Mixing Session ok sein könnte. Bedenkt aber immer, dass Ihr das Projekt wieder dem Kunden schicken und anschliessende Anpassungen vornehmen müsst. Man verliert sich nur all zu schnell in der kreativen Arbeit und läuft dann Gefahr dass man am Ende weitaus weniger als den gewünschten Stundenansatz verdient.

Verliert auch den Umfang des Projektes nicht ausser Sicht. Bei einem Mixing Projekt solltet Ihr Euch zum Beispiel fragen wieviele Spuren jedes Stück besitzt. Bei 10 - 15 Spuren ist dies wesentlich einfacher als bei 35 - 40 Spuren. Oder bei einem Auftrag als Studiomusiker stellt sich die Frage ob Ihr pro Song mehr als einen Teil spielen müsst.

Bei Freelance Arbeiten ist Zeit wirklich Geld und Ihr müsst stets auf der Hut sein diese Zeit auch so effizient wie möglich zu verplanen. Wedelt man mit einem verhältnismässig grossen Haufen vor Eurer Nase rum so ist es schon sehr verlockend einen Job anzunehmen, doch achtet immer darauf was dies am Ende konkret im Stundenansatz bedeutet.

Und noch eine Revision

Egal ob man jetzt ein Instrument oder einen Gesang einspielt, oder einen Mix oder Mastering Auftrag erhalten hat - man muss auf jeden Fall schon im Vorfeld besprechen wieviele Revisionen Ihr pro Song gewillt seid zu machen. Lässt man dies offen so kann dies ein endloser Prozess werden und es ist durchaus sinnvoll seine Kunden dahingehen ein wenig zu erziehen. Ich schlage vor dem Kunde eine oder zwei Revisionen anzubieten und alle zusätzliche anfallende Arbeiten zu verrechnen.

Vorkasse?

Nehmt Ihr einen grossen Auftrag an so ist es nicht ungewöhnlich dafür eine Anzahlung zu verlangen. Ihr wollt dass der Klient auch nach einer gewissen Zeit nicht plötzlich abspringt und bereits bezahltes Geld ist in diesem Fall so etwas wie eine Sicherheit - vor allem wenn Ihr als Freelancer arbeitet. Kennt Ihr Euern Auftraggeber so muss man nicht unbedingt mit Anzahlungen arbeiten, ansonsten empfehle ich einen Vorschuss zwischen 20% und 50% des vereinbarten Honorars.

Zahlungsmodalitäten

Normalerweise ist eine Banküberweisung das Beste. Auch die Bezahlung mit Bargeld ist grundsätzlich ok - hier müsstet Ihr einfach daran denken eine offizielle Quittung zu erstellen, damit beide einen entsprechenden Belege haben.

Das Ding mit dem Portfolio

Irgendwann werdet Ihr ein Angebot erhalten wo kein Geld fliesst, aber der Auftrag gut für Euer Portfolio sein soll. Ich möchte hier keine einfachen Empfehlungen abgeben was diese Anfragen betrifft, doch immer wenn jemand damit wirbt, dass dies Euch in Zukunft helfen wird so würde ich hier vorsichtig sein. Dies ist eine klassische Abzockermethode der Musiker immer und immer wieder zum Opfer fallen.

Unterm Strich

Als gut ausgebildeter Tontechniker oder Musiker werdet Ihr immer wieder Freelance Aufträge erhalten. Aus diesem Grund lohnt es sich bei diesen Arbeiten eine gewisse Struktur anzueignen und sicher zu stellen, dass bei diesen Aufträgen beide Seiten fair behandelt werden.
Viel Erfolg!

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