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Einführung

Techniken für EQ & Komprimierung von Stimmen und akustischen Gitarren
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Als Tontechniker/Produzent war früher eine meiner grössten Herausforderungen, meine Projekte so zum Tönen zu bringen, dass sie wie die Songs auf meinen Lieblingsalben klangen. Da ich zu der Zeit in Nashville lebte und arbeitete, wusste ich, dass es sicherlich nicht an den Musikern lag (zum Teil handelte es sich sogar um dieselben Leute). Ich wusste auch, dass ich grundsätzlich mit dem aufgenommenen Sound zufrieden war - wenn ich einzelne Spuren Solo anhörte dann gefiel mir was ich hörte.

Als Tontechniker/Produzent war früher eine meiner grössten Herausforderungen, meine Projekte so zum Tönen zu bringen, dass sie wie die Songs auf meinen Lieblingsalben klangen. Da ich zu der Zeit in Nashville lebte und arbeitete, wusste ich, dass es sicherlich nicht an den Musikern lag (zum Teil handelte es sich sogar um dieselben Leute). Ich wusste auch, dass ich grundsätzlich mit dem aufgenommenen Sound zufrieden war - wenn ich einzelne Spuren Solo schaltete, dann gefiel mir was ich hörte.

Das eigentliche Problem war also, alle Teile des Mixes zu einer Einheit zusammenzufügen. Was ich mit der Zeit gelernt habe und in diesem Artikel beschreiben werde, sind ein paar einfache Techniken für EQ und Kompression von Stimmen und akustischen Gitarren in Euren Mixdowns. Wenn diese Techniken richtig angewendet werden, so können Sie Euch in vielen Situationen helfen Stimmen und akustische Gitarren in den Mix einzubetten.

Komprimierung

Als ich zuerst anfing mich in das Thema Kompressor einzulesen, war ich hoffnungslos überfordert. Die Terminologie war extrem technisch - ja schon fast elitär - und ich konnte einfach nicht begreifen was da geschrieben stand.
Um die ganze Sache einfach zu halten, betrachte ich Kompression als einen Prozess, mit dem die lauten und leisen Stellen einer Stimme oder eines Instruments ausgeglichen werden, um ihr Verhalten ein wenig voraussehbarer zu gestalten. In anderen Worten bringt Komprimierung die leiseren Passagen nach vorne und zügelt die wirklich lauten Abschnitte, damit man nicht immer nach dem Volumen Fader greifen muss. Im Wesentlichen drückt ein Kompressor (sei dies Hardware oder Plug-In) das Audio Material so zusammen, dass die Höhen und Tiefen weniger auffallen. Damit kann der Pegel des komprimierten Songs heruntergebracht werden, ohne dass man einen Verlust der leiseren Passagen befürchten müsste. Andererseits kann der Pegel natürlich auch angehoben werden, ohne dass laute Teile zu sehr herausstechen. Es könnte helfen wenn man alle Parameter der Komprimierung (Attack, Release, Ratio und Threshold) als Wege betrachtet, mit denen man Audio mehr oder weniger aggressiv zusammendrücken kann. Nicht genug Komprimierung lässt es immer noch zu, dass gewisse Spuren ungewollt aus dem Mix stechen, oder an manchen Stellen von den anderen Spuren überdeckt werden. Zu viel Komprimierung dagegen kann eine Spur oder das gesamte Stück leblos und uninspiriert klingen lassen. Meine Faustregel ist es deshalb bei der Aufnahme eher weniger aggressiv zu komprimieren (man hat was man hat...) und bei der Plug-In Komprimierung im Mixdown aggressiver vorzugehen (dort kann man sich immer noch für weniger entscheiden).

EQ

Obwohl es sich um ein wundervolles (und überaus essentielles) Werkzeug handelt, so ist der EQ doch auch der schnellste Weg um den Sound eines Mixdowns zu ruinieren. Ein falsch eingesetzter EQ steht nach falsch eingesetzten Halleffekten als das Markenzeichen eines unerfahrenen Tontechnikers. EQ sollte verwendet werden, um dem Sound einer Spur eine feine (oder manchmal nicht so feine) Färbung zu geben, damit sie gut zu den anderen Spuren passt und ihnen gleichzeitig genug Platz im Mix lässt. Möchte man einer Stimme ein wenig mehr Glanz verleihen, so ist es zum Beispiel häufig effektiver in einer Spur den Bass abzusenken - insgesamt kommt sie dann nämlich besser durch den Mix.

Stimmen

Stimmenkomprimierung bei der Aufnahme

Da die Stimme das wichtigste Element in allen Produktionen der populären Musik ist (im Gegensatz zu dem was Eure befreundeten Gitarristen Euch erzählen möchten), so sollten wir auch mit ihr anfangen. Damit sich die Stimme gut in einen Mix einbetten lässt, muss man sie einer Kombination aus Komprimierung, EQ und oftmals Fader Automatisierung unterziehen. Es ist durchaus üblich die Stimme bereits auf ihrem Weg in die DAW ein wenig zu komprimieren. Dies sollte keine aggressive Kompression sein, sondern eher die lautesten Teile ein wenig absenken, um den Eingangspegel etwas lauter einstellen zu können.

Hier ist eine mögliche Lösung wie ich sie in meinem Studio bevorzuge: Mikrofon in den Hardware Vorverstärker/Kompressor und dann direkt in meine DAW. Weiter zu den Details: Normalerweise stelle ich den Attack meines Hardware Kompressors auf etwa 30ms, den Release auf etwa 1s und den Ratio auf 3:1. Dann spiele ich mit dem Threshold und achte darauf, dass die Pegelabsenkung bei den lautesten Teilen auf maximal -3dB zu liegen kommt. So stelle ich sicher, dass ich später noch genug Dynamik für ein Kompressor Plug-In habe. Wenn man während der Aufnahme bereits zu stark komprimiert, besteht die Gefahr, dass man den Wert zu hoch eingestellt hat und man dies später nicht mehr rückgängig machen kann.

Shelving
Bei einem Shelving EQ wird ein bestimmtes Frequenzband (Höhen oder Bässe) über einen festgelegten Wert angehoben oder abgesenkt. Bei den Mitten ist diese Art des EQ generell nicht zu finden.


Stimmenkomprimierung im Mix

Befindet sich die Stimme einmal im Mix, so verwende ich einen Plug-In Kompressor, um die Stimme noch besser einzubetten. Meine Empfehlung hier ist es einen Kompressor zu finden der einen gleichmässigen, transparenten Sound besitzt und mit dem sich die Stimme einfach noch ein wenig mehr zusammendrücken lässt (maximal -3dB Pegelabsenkung bei den lautesten Passagen). Gleichzeitig sollte man immer darauf achten, dass die Stimme ihre Präsenz nicht verliert. Ich stelle meinen Attack auf 26ms und meinen Release auf 300ms ein. Weitere Details für Einstellungen bei Stimmen könnt Ihr den Screenshots rechts entnehmen.
Wenn der Mix bereits sehr voll ist und die Stimme noch ein wenig mehr herausstechen sollte, dann verwende ich einen frequenzabhängigen Kompressor (wie den Waves C4 in der 'Pop Vocal' Einstellung). Diese sind einiges wählerischer bei der Auswahl der komprimierten Frequenzen. In diesem Fall sind es 40hz, 500hz, 6khz und 16khz. Um genau zu sehen wie die Attack und Release Werte für jede Frequenz eingestellt wurden, sollte man sich den untenstehenden Screenshot ansehen.

Stimmen EQ

Es ist selten (sehr selten), dass ich meine Stimmenaufnahmen bereits bei der Aufnahme mit einem EQ einstelle. Ich bevorzuge einen ungefärbten Sound, damit ich zu einem späteren Zeitpunkt die Färbung gezielt den anderen Instrumenten anpassen kann. Dies ist besonders nützlich, wenn die Aufnahme mit einer Stimme und einer akustischen Gitarre anfängt, am Ende aber das Arrangement eine ganz Band umfasst. EQ Entscheidungen sollten nie in einem Vakuum gefällt werden. Die Herangehensweise an den EQ hängt jeweils von der Beziehung der Stimme zu allen anderen Instrumenten ab. Eine EQ Einstellung die im Mix funktioniert tönt häufig Solo nicht so überzeugend. Wie bereits erwähnt senke ich Frequenzen mit dem EQ eher ab als sie anzuheben.

EQ Cut Einstellungen

Hier sind ein paar Beispiele wo das Absenken gewisser Frequenzen häufige Problemen mit Stimmenaufnahmen lösen kann:

  • Undefinierte oder wummernde Stimmen - In diesem Fall senke ich das Signal bei 200Hz um 1 bis 2dB ab. Damit kommt die Stimme auch besser durch den Mix und tönt insgesamt heller.
  • Stechende oder schmerzhafte Stimmen - Hier senke ich bei 3kHz ein paar dB ab. Damit wird der Stimme ein wenig das 'Gift' genommen, ohne dass dabei die Klarheit beeinflusst wird.

Hier sind ein paar Beispiele wo eine vorsichtige Anhebung von Frequenzen nützlich ist:

  • Die Bässe einer Stimme ein wenig anheben: Zwischen 80Hz und 100Hz ein paar dB anheben.
  • Mehr Glanz verleihen: Manchmal kann es vorkommen, dass die Stimme einfach ein wenig zu dunkel oder undefiniert ist. In diesem Fall gebe ich bei 5kHz ein paar dB.
  • Luft oder Atem hinzufügen: Hier verwende ich einen Shelving EQ der alle Frequenzen oberhalb von 12.5kHz anhebt.

Akustische Gitarren

In meiner Zeit als Tontechniker in Nashville habe ich eine Menge akustischer Gitarre mikrofoniert und aufgenommen. Trotz der immer besser klingenden Abnahmesysteme die in akustische Gitarren eingebaut werden, glaube ich immer noch, dass es für ein gut platziertes Kondensatormikrofon keinen Ersatz gibt. Nur so ist es meiner Meinung nach möglich die Wärme, den Körper und die bewegte Luft einer akustischen Gitarre einzufangen.
Dennoch ist es (wie bei allen akustischen Instrumenten) immer wieder eine Herausforderung, eine akustische Gitarre gut in den Mix einzubetten, dabei ihren natürlichen Klangcharakter beizubehalten und sie auch noch mit den anderen Instrumenten abzugleichen. Es gibt hier, was EQ und Komprimierung betrifft, ein paar Herangehensweisen mit denen man bereits einen grossen Teil der Probleme lösen kann.

Ratio

Ein Kompressor reduziert den Pegel eines Signals wenn seine Amplitude einen gewissen Grenzwert (Threshold) übersteigt. Wieviel Pegel dabei reduziert wird hängt vom Ratio ab. Bei einem Ratio von 4:1 zum Beispiel wird ein Pegel der 4dB über dem Threshold liegt auf 1dB über dem Threshold reduziert. Insgesamt wurde der Pegel also um 3dB abgesenkt.


Kompression akustischer Gitarren bei der Aufnahme

Wenn ich akustische Gitarren während der Aufnahme komprimiere, dann ziehe ich es vor mit Attack und Release ein wenig aggressiver als bei den Stimmen umzugehen. Ich verwende beim Hardware Kompressor einen höheren Attack (ungefähr 22ms), Release (ungefähr 500ms) und Ratio (3:1) und spiele wiederum mit dem Threshold Regler bis ich den Eingangspegel um ungefähr -3dB abgesenkt habe.

Kompression akustischer Gitarren im Mix

Von nun an ist es eine gute Idee die Werte des Kompressors von der Art des Mixes abhängig zu machen. Wenn im Mix nur eine akustische Gitarre und eine Stimme vorkommen, dann kann man vielleicht sogar vollkommen auf weitere Komprimierung verzichten. Sollte es sich aber um eine ganze Band handeln, dann sollte man darauf achten, dass das Schrummen und Zupfen klar neben den anderen Instrumenten zu hören ist. Dafür verwende ich ein Kompressor Plug-In (wie den Channel Strip von Metric Halo) und komprimiere das Signal ein wenig aggressiver: 16ms Attack und 160ms Release mit einem Ratio von 3.5:1. Schaut Euch meine Einstellungen ein wenig genauer an.

EQ bei akustischen Gitarren

Wie bei den Stimmen so glaube ich auch bei den Aufnahmen akustischer Gitarren nicht an einen EQ - wie gesagt weiss ich ja dann noch nicht wie die anderen Elemente im Mix tönen werden. Dennoch gibt es hier zwei sehr spezifische Herangehensweisen die ich bei akustischen Gitarren verwende. Diese hängen erst einmal davon ab, ob die Gitarre nur einen Gesang begleitet, oder sich innerhalb eines grösseren Arrangements behaupten muss. Bei der Kombination von Gitarre und Stimme greife ich eher fein mit dem EQ ein, um den vollen Klang der akustischen Gitarre nicht zu beeinflussen. Bei einer vollen Band gehe ich da schon ein wenig aggressiver vor und schaffe so Raum für andere Instrumente.

Hier sind ein paar EQ Einstellungen für eine einfache Aufnahme mit akustischen Gitarren und Stimmen:
  • Wummernde Anteile entfernen: Hier senke ich gerne 1 oder 2dB bei 125Hz ab und entferne so die basslastigen Anteile. Diese entstehen häufig wenn man die akustische Gitarre zu nahe am Schallloch abnimmt.
  • Glanz hinzufügen: Wenn mir nach dem Entfernen der unerwünschten Bassanteile immer noch ein wenig der Glanz fehlt, so hebe ich die Frequenz bei 5kHz um 1 oder 2dB an.

EQ Einstellungen für die akustische Gitarre innerhalb einer vollen Band:
  • Mehr Klarheit: Ich finde, dass ein Hi-Pass Filter bei 120Hz der Kick Drum und dem Bass genügend Raum im Mix lässt, während die Gitarre gleichzeitig in den Höhen brillieren kann. Lässt man diese Bassanteile im Mix so wird das ganze Arrangement häufig undefinierter, und die Gitarre tendiert dazu die Kick Drum und den Bass abzudecken.
  • Immer noch undefiniert? Ihr könnt den Hi-Pass Filter unbesorgt auf 200Hz - 300Hz anheben, sollte die Gitarre immer noch nicht durch den Mix kommen. Das könnte zwar Solo schrecklich tönen...aber eben im Mix perfekt (und das ist ja das wichtigste).
  • Glanz verleihen: Wie bei den Stimmen so kann auch hier die akustische Gitarre bei 5kHz um 2 - 3dB angehoben werden um das Schrummen oder die Zupfgeräusche noch weiter zu definieren.

Fazit

Kompression und EQ sind zwei sehr mächtige Waffen in Eurem Mix-Arsenal. Wie bei so vielen Dingen so ist aber auch hier immer Vorsicht geboten: Zu viel davon und man macht seinen Mix schnell schlechter. Da fallen mir die Worte eines Tontechnikers ein, dessen Arbeit ich schon lange sehr respektiere: 'Ich komprimiere bis es schlecht tönt und gehe ab diesem Punkt zurück.' So gesehen ist es extrem wichtig abschätzen zu können, wann das 'bis' einsetzt.

Ein letzter Gedanke noch was den Signalweg betrifft: Ich setze den EQ normalerweise vor dem Kompressor, da ich damit das Ansprechen des Kompressors um einiges genauer einstellen kann. Die in diesem Artikel gezeigten Einstellungen für EQ und Kompressor sind nicht in Stein gemeisselt und sollten mehr als empfohlene Grundeinstellungen betrachtet werden. Jeder Mix ist wieder anders und nur Eure Ohren können Euch am Ende sagen was wirklich funktioniert.

Viel Glück!
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