Arturia Analog Factory Experience
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Arturia Analog Factory Experience

Analog Factory Experience, DAW Paket from Arturia.

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Die Analog Factory Experience von Arturia: Der Test

Die Arturia Experience
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Arturia zeigt schon seit einer gewissen Zeit Interesse an Software/Hardware Lösungen. Dies ist bei ein paar ihrer professionellen Projekte (wie zum Beispiel Origin) bereits ersichtlich.

Mit Analog Factory Experience wird dem Kunden eine preisgünstigere Lösung geboten bei der Version 2.0 der Analog Factory und ein von CME hergestellter Controller miteinander kombiniert werden. Schauen wir uns mal an, was dieses verlockende Angebot denn zu bieten hat...

Was ist in der Box?


ClavierDie erste Überraschung wenn man die Box in die Hand nimmt ist das Gewicht: 3.7kg. Sollte das wohl bedeuten, dass sich darin ein gutes Keyboard befindet? Auf jeden Fall besitzt es ein Metallgehäuse und die hölzernen Leisten auf der Seite geben dem Controller einen hochwertigen Eindruck. Auf der einen Seite ist da der Keyboard Controller, auf der anderen erhält man Version 2.0 der Analog Factory. Dies ist eine Anwendung für Windows/Mac in der alle Audio Engines der bisherigen Soft Synthesizer von Arturia vereint werden. Die Version 2.0 bietet mehr als 3500 Presets die in Stil, Synthesizer und andere Gruppen unterteilt wurden. Die Version 1.0 verfügte dagegen 'nur' über 2000 Presets und beinhaltete auch nicht den Jupiter-8.

Die Installation war sehr einfach aber man muss die Software über Syncrosofts Licence Control Center autorisieren lassen. Diese Anwendung erstellt einen Software Dongle auf dem Host Computer – dies ist eine äusserst praktische Lösung für alle Anwender, die keinen weiteren USB Key mehr haben möchten. Eine kürzlich erschienene Beta Version erlaubt das Installieren auf einem Syncrosoft Key – eine Lösung die das Betreiben des AFE auf verschiedenen Computern erlaubt. Man sollte sich bewusst sein, dass man nur eine Autorisierung mit diesem Schlüssel besitzt. Man installiert also die Software, man autorisiert sie und verbindet das Keyboard über USB für MIDI und Datenübertragung. Dank des MIDI Ausgangs kann das Keyboard auch über ein externes Netzteil (optional) betrieben und mit einem MIDI Interface verbunden werden.

Es liegt eine gedruckte Bedienungsanleitung bei (kein PDF) mit der man sich schnell in die Anwendung eingearbeitet hat. Zuerst muss man die Audio und MIDI Parameter über das File Menu einstellen. Ein Pop-Up Fenster gibt an, wenn das Keyboard und die Software miteinander synchronisiert sind (oder nicht). Sollte das Keyboard nicht erkannt werden steckt man es einfach aus und anschliessend wieder ein

Es sind alle da


NocturneAFE vereint alle sieben Synthesizer Emulationen die bisher von Arturia veröffentlicht wurden:  Moog Modular und Minimoog, ARP2600, Yamaha CS80, SCI Prophet-5 und VS und endlich Roland Jupiter-8. Dies ist eine ziemlich eindrückliche Sammlung. Gemäss Arturia ist die Audio Engine jedes Synthesizers voll implementiert. Man kann tatsächlich .plugin Files in der Mac Library finden: Es sind alle vorhanden. Einzige Ausnahme macht der Prophet der gemäss Arturia direkt in den Analog Factory Code integriert wurde...

Man findet auch die Preset Libraries der Instrumente in ihren relevanten Ordnern – immer schön nach dem von Artuaria definierten, 'esoterischen' Protokoll klassifiziert. Dieses Protokoll ist jedoch nicht sonderlich wichtig, da AFE ein auf Tags basiertes System verwendet.

Diese Version verfügt über 3500 Presets auf die über ein ausgeklügeltes Filter-System zugegriffen werden kann. Wenn man ein bestimmtes Timbre sucht kann man zuerst den Namen des Synthesizers auswählen. Dann kann die Gattung gewählt werden (z.B. Bass, efx, FM, Guitar, etc.). Dann steht noch die Charakteristik zu Auswahl (dies ist ein System welches bei vielen Editoren zur Anwendung kommt). Diese Eingaben schliessen einander nicht aus – man kann also mehrere Angaben miteinander kombinieren. So kann man zum Beispiel 'Basses, hard, funky, short aus dem ARP und dem minimoog' finden – in diesem Fall ergibt dies eine Auswahl von 52 Presets. Dies ist ein sehr schneller und praktischer Weg einen Sound zu finden. Man kann auch seine Lieblings-Presets markieren und in einer speziell dafür eingerichteten Sektion wieder finden. Man kann sich die Zeit vorstellen die man benötigen würde, wenn man 3500 Presets ohne dieses System durchforsten müsste. In diesen Zeiten gigantischer Sound/Preset Libraries sind die meisten Editoren perfekt auf dieses Bedürfnis abgestimmt und können in dieser Art in vielen Anwendungen gefunden werden (Apple, Arturia, Native, Sony, etc.).

Clavier logicielDie Ladezeit ist verhältnismässig lang (35 Sekunden). Dies wird damit begründet, dass jede Audio Engine geladen werden muss um ein schnelles Wechseln zwischen den Presets zu garantieren. Man kann nur das Keyboard, nur die Preset Sektion oder beide anzeigen lassen. Die Toolbar verfügt über die üblichen Funktionen Save As, Save, Delete, Import und Export. Es gibt auch ein MIDI Activity LED, sowie MIDI Channel Auswahl und Global Tune Einstellungen (mehr oder weniger ein Halbton).
Der Hauptschirm zeigt die Preset Selection Filter, die korrespondierende Entry List, ein Bild des verwendeten Synthesizers, den Namen des Preset Erstellers und die von Werk aus definierte Polyphonie an. Ein Edit Schalter ermöglicht das Einstellen und Verfeinern von Preset Kopien mit vorprogrammierten Parametern (entweder über das Interface oder den Keyboard Controller).

Controller & Co.


AFEEin Sound Design Team hat diese 3500 Presets mit vorprogrammierten Parametern erstellt - CutOff, Resonanz, LFO Geschwindigkeit und Tiefe, Dry/Wet Balance für Chorus und Delay, und eine 4-Stufige Hüllkurve (natürlich ADSR). Man findet auch eine Volumenreglung, zwei Octave Schalter, acht Snapshots (schnelles Speichern und Abrufen von Parametern) und vier Key Parameter. Da ein MIDI Learn vorhanden ist können auch eigene MIDI Einstellungen vorgenommen werden. Man verliert jedoch dabei den Abgleich mit dem dafür mitgelieferten Keyboard Controller.

Die Key Parameter sind nach Preset geordnet und darauf abgestimmte Werte. Es können Oszillatoren Stimmung, Zeitverlauf der Hüllkurvensegmente, Transpose, Oszillator Volumen, Cutoff von sekundären Filtern, usw. verändert werden. Als Faustregel wurden die Key Parameter den charakteristischsten Parametern des jeweiligen Presets zugeordnet.

Deshalb ist es auch leicht verständlich, wenn die Key Parameter auf dem Keyboard nicht angeschrieben sind – schliesslich ändern sich diese ja mit jedem Preset. Eine LCD oder OLED Anzeige hätte zudem den Preis massiv in die Höhe getrieben. Aber es macht absolut keinen Sinn weshalb diese Werte nicht in der Software selber angezeigt werden – auch nicht über ein Pop-Up Fenster wenn man am Controller Einstellungen vornimmt. Man muss schon seine Maus auf den Parameter bewegen um zu sehen, was man da eigentlich einstellt. Dies macht die Anwendung des AFE auf der Bühne komplizierter als sie sein sollte.

PresetsBei den Presets kann ich mich nicht im Detail über die gesamte Bank oder jeden Synthesizer im Einzelnen auslassen. Ein paar davon wurden auf audiofanzine.com bereits im Detail besprochen und die Stärken und Schwächen zu genüge analysiert. Dennoch fallen im A/B Vergleich bei gleichem Preset zwischen der Standalone und der eingebauten Version ein paar kleine Unterschiede auf. Bevor ich weiterfahre muss ich erwähnen, dass sich AFE im Standalone Betrieb manchmal etwas komisch verhält wenn andere Arturia Synthesizer am laufen sind. Ich sage 'manchmal', da ich noch kein konkretes 'Crash'-Verhalten festhalten konnte. Manchmal übernimmt der Standalone Synthesizer die AFE. Darauf verstummt die Anwendung, stürzt ab und muss überschrieben werden.
Dieses Problem hatte ich bei Editoren anderer Synthesizer nie.

Von einem Synthesizer zum anderen

ContrôleursDie Plug-In Versionen der Arturia Synthesizer und AFE wurden verglichen indem sie mit dem Host Tempo synchronisiert wurden – dies ist wichtig. Tatsächlich wurden alle auf Zeit basierten  Parameter von Werk aus in Sync Mode gesetzt – diese Funktion kann in AFE nicht verändert werden. Dies beinhaltet LFOs (welche für viele Klangvariationen verantwortlich sind wenn man sie auf Filter, PWM, VCO, usw. anwendet), Arpeggiators und Delay. Dies könnte die vielen hörbaren Unterschiede erklären. Zudem kann es ohne weiteres sein, dass gewisse Parameter während der Neuprogrammierung bewegt wurden...
Jeder Synthesizer ist einfach zu erkennen und AFE kann sogar lehrreich sein wenn man von einem Synthesizer zum anderen innerhalb einer Preset Familie wechselt und sich die klanglichen Unterschiede anhört. Es schult zwar das Gehör, doch man lernt so noch nicht die unterschiedlichen Synthesearten, die den einzelnen Klängen zugrunde liegen. Dazu müsste man schon die technischen Spezifikationen zur Hand nehmen um zu verstehen wie jedes einzelne Element den Sound beeinflusst...da wäre man aber auch mit den original Synthesizern besser bedient...sei es jetzt die Hardware oder Software Version. Man kann sagen, dass AFE grundsätzlich Moog+Roland+Yamaha+SCI+ARP entspricht und wie die einzelnen Versionen tönt...letztere aber für tiefere Programmierung vorgesehen ist.

Das Zusammenspiel zwischen Keyboard und Software ist sehr gut und das Keyboard kann sogar mit anderen virtuellen Synthesizern verwendet werden. Die voreingestellten Parameter für die Key Regler sind vielfältig genug um eine kreative Klangerstellung zu garantieren – dennoch ist es immer noch kein Vergleich mit einem vollwertigen Synthesizer...




SettingsEs gibt hier und da ein paar Fehler und Mängel. Speziell was die Pegel betrifft: Gewisse Presets sind viel zu laut und erzeugen einen Clip im Ausgang des Interfaces. Dies scheint die Entscheidung von Arturia in Frage zu stellen dem Level Knob mehrere Funktionen zu geben. Auf dem Keyboard kann über einen Shift Schalter zwischen Level Setting und Preset Filter gewählt werden. Verändert man aber die Presets so muss man manchmal schnell wieder das Volumen anpassen können...dies kann man in dem Augenblick aber nicht. Dies hätte auf jeden Fall einfacher gelöst werden können...
Ein weiterer Wunsch: Das Pitch Bend sollte für jeden Preset einstellbar sein da die Voreinstellung nicht immer für jeden Preset passend gewählt wurde. So wird bei gewissen Presets über den Pitch Bend der Filter moduliert und es steht somit kein Pitch Bend zur Verfügung.

Beim Wechseln der Presets über das Keyboard werden zudem Klick-Geräusche erzeugt. Zudem war ich enttäuscht, dass Aftertouch fehlte. Natürlich ist dies eine Frage der Kosten, da ein gutes Aftertouch den Preis massiv in die Höhe getrieben hätte. Einige Presets verfügen über eine umgekehrte Hüllkurve. Dies kann ziemlich überraschend sein wenn man vergisst, dass ein paar der original Synthesizer über diese Funktion verfügten. Was die Hüllkurven betrifft: Die Attack und Decay Slider besassen fehlerhafte Verbindungen. Ich musste wirklich daran arbeiten um sie richtig einsetzen zu können.

Fazit

TotalTrotz ein paar kleiner Fehler die einfach über ein Update behoben werden können (Preset Klicks, Level, Anzeige von Parametern), stellt die Analog Factory Experience ein Lösung dar, die viele Bedürfnisse abdeckt. Man erhält erst einmal den emulierten Sound von sieben prestigeträchtigen vintage Synthesizern. Zweitens ist die Sammlung von Presets umfassend und sachdienlich und das Suchsystem erlaubt ein schnelles Finden des gesuchten Sounds. Die Controller erlauben es ein Preset den Wünschen entsprechend einzustellen, ohne dass man sich mit vielen Menüs, Knöpfen, Tasten und Reglern abmühen muss. Die Komplexität von Modular, CS80 und ARP hat so manchen Neuling abgeschreckt. Mit AFE können diese sofort angespielt werden – und sie tönen dabei auch gut! Das Keyboard fühlt sich gut an und kann mit den Tastaturen vieler halbgewichteter Synthesizer verglichen werden (auch wenn der Weg ein bisschen zu lang ist).
AFE wurde für Einsteiger, Musiker (die keine Zeit mit der Programmierung verschwenden möchten), Live Musiker und DJs (Dank dem Keyboard), Sound Designer und Komponisten entwickelt, die schnell und unkompliziert einen Sound finden und ausprobieren möchten.

Kurz: Für einen Listenpreis von $349 erhält man den Sound der sieben Arturia Synthesizer, einen schönen Controller mit einem Gehäuse aus Metall und Holz, 32 Tasten, 20 Controllern und drei Eingängen für Pedale (Hold, Sustain, Expression)...und das alles mit 3500 Presets. Dies ist ein sehr attraktives Angebot. Und wer weiss was da in Zukunft noch alles passiert?

+ Der Arturia Sound
+ Audio Engine der einzelnen sieben Synthesizer
+ 3500 Presets
+ Unterteilung in Klassen und schneller Zugang
+ Standalone und Plug-In
+ Das Keyboard scheint solide konstruiert
+ Vollwertiges Keyboard mit schönem Spielgefühl
+ Controller
+ Eingänge für Pedale
+ USB oder Midi
+ Günstiger Preis

- Gewisse Presets sind zu laut
- Klicks wenn Presets gewechselt werden
- Kein direktes Abhören beim Zuweisen der Key Parameter
- Pitch Bend Werte sind in Presets fix
- Ein paar fehlerhafte Verbindungen (ADSR Regler)
- Kein Aftertouch
- Lebensdauer der Tasten?
- Ein paar Probleme mit anderen Arturia Synthesizern im Standalone Modus
- Optionales Netzteil