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Tipps zum Umgang mit Bassfrequenzen

Wie man Bässe in den Griff kriegt
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Neben dem Abmischen von Stimmen treffe ich in Internet Foren am häufigsten auf Fragen nach dem richtigen Umgang mit tiefen Frequenzen. Schliesslich handelt es sich bei Kick und Bass (oder was auch immer in der jeweiligen Komposition diesen Frequenzbereich vereinnahmt) um das Element, welches sich für die Kraft und den Druck des Stücks verantwortlich zeichnet. Zusätzlich handelt es sich auch noch häufig um das rhythmische Rückgrat des Stücks.

Viele Leute haben mit Bässen eine Menge Probleme, und ich für mich habe hier zwei plausible Erklärungen parat:

1) Nicht so leicht zu hören
Eine Menge Lautsprecher und Kopfhörer schaffen es einfach nicht die tiefen Frequenzen mit hohem Detailgrad und Präzision wiederzugeben. Man benötigt wirklich grosse Lautsprecher (mindestens 8'' oder mehr) um Bässe korrekt abbilden zu können. Parallele Wände und Ecken führen zudem häufig zu verfälschten und verzerrten Signalen und eine entsprechendes Einrichten der Abhörsituation geht mit einem hohen Aufwand einher. Nicht einfacher macht dieses Problem zudem die Tatsache, dass linear gesehen die Bassfrequenzbänder im Vergleich mit höheren Oktaven wesentlich kleiner sind. Man kommt von einem Sub Bass A zu einem Bass A in 55Hz, während dies in höheren Frequenzbändern vielleicht nicht einmal für die nächste Note reicht! Rein mathematisch bedeutet dies also, dass sich die Basselemente regelmässiger überlappen und Euch weniger Spielraum zur klaren Abtrennung einzelner Elemente geben.

2) Wahrnehmung der Frequenz
Setzt Ihr ein Basssignal auf dieselbe Amplitude wie ein Signal aus dem mittleren Frequenzbereich, so wird das Basssignal von uns als leiser empfunden (siehe Fletcher-Munson Kurven). Somit benötigen Bässe mehr Energie um sich neben den höheren Frequenzbändern entsprechend bemerkbar zu machen. Dies gilt besonders, falls man sich im Signalpfad als erstes auf eine dichte Kompression stürzt, wie es oftmals in Dance und Hip-Hop Arrangements der Fall ist. Aber ist ja eigentlich egal - wie wichtig ist schon ein fetter Bass für Dance und Hip-Hop? Aah...wie kriegen wir das also jetzt hin mit den Bässen?

Den Herren der tiefen Bässe erkennen

Bevor man sich über konzentrierte und grosse Tiefen Gedanken macht, sollte man das Instrument definieren, das dafür zuständig ist. Gewisse Leute bemühen hier das Genre, was ich eher als etwas kurzsichtig betrachte. Ich küre den Herren der Bässe basierend auf dem Element, das am wichtigsten für den Rhythmus ist - und auf unterschiedliche Genres betrachtet gibt es da gewisse Tendenzen:

  • Beim Jazz wird man sich auf den Kontrabass konzentrieren.
  • Im Dance ist wohl der Kick das wichtigste Element.
  • Im Hip Hop ist es ebenfalls normalerweise der Kick, doch das kann schon mal ändern.
  • Im Rock ist es häufig der E-Bass, oder sogar manchmal die tiefe Rhyhthmusgitarre.

Auf jeden Fall wollt Ihr, dass der Bass ein bisschen Bewegung in den Mix bringt, also werdet Ihr das Element wählen, welches diese Aufgabe am besten bewerkstelligt. Habt Ihr mal den Kandidaten gekürt, so ist der Rest normalerweise nicht mehr so kompliziert. Fangt mit dem Volumen an und setzt das Hauptelement auf den korrekten Anteil. Anschliessend solltet Ihr alle anderen Elemente der Bassfrequenz diesem anpassen, aber darauf achten, dass sie auf keinen Fall lauter in den Mix integriert werden.

Ihr solltet...

  • ...Euch die Mitten des ausgewählten Elements genau anhören. Da hat sich nämlich häufig eine ganze Menge Zeugs eingenistet, das sehr häufig auch darauf besteht gehört zu werden. Sei es der Druck des Kicks in den tiefen Mitten, der Attack in den Höhen, oder das Knurren des Basses um die 800 Hz - sie sind alle da und wollen Eure Aufmerksamkeit. Je nach Komposition ändern sich Eure Entscheidungen: Mitten anzuheben macht den Mix nicht bassiger, verleiht den Bässen aber häufig mehr Präsenz im Mix.

  • ...wenn angebracht einen Lo-Pass Filter verwenden. Ihr benötigt nur ein Basselement mit viel Höhen - der Rest wird normalerweise eh unter den Mittenfrequenzen der restlichen Instrumente begraben. Entscheidet Euch also für den richtigen Höhenanteil und konzentriert Euch auf die Bässe.

  • ...aggressiv sein. Die Bässe sind ein leere Leinwand mit viel Bearbeitungsmöglichkeiten. Sogar ein geradliniger, lang ausklingender Bass kann zusammen mit einem übersteuerten Kompressor grossartig klingen. Auf diese Weise werden die Obertöne angehoben und man erhält etwas ebenso gleichmässiges, nur mit viel mehr Knurren.

  • ...vorsichtig mit Euren Kompressoren sein - vor allem bei Kick Drums. Für die Kick Drum benötigt Ihr eine gesunde Portion Attack und ebenfalls genügend Sustain, um ihr innerhalb des Mixes ausreichend Präsenz zu verleihen. Häufig muss man zwischen einem von beiden wählen. Zudem tönt der Release der Kick Drum nicht immer so grossartig - ausser man möchte genau diesen dreckigen Sound unterstreichen.

  • ...die Sinuskurve in Euer Leben lassen. Sinuskurven sind reiner, konzentrierter Bass. Sie tönen unter einer Basslinie, oder unter einen Kick gesetzt einfach grossartig! Stellt einfach sicher, dass die Sinuskurve jeweils die richtige Note spielt und Ihr könnt so eigentlich nur gewinnen.

Ihr solltet nicht...

  • ...Bassfrequenzen ausschneiden um Raum für andere Bassfrequenzen zu machen. Bass funktioniert häufig nicht so. Ihr solltet Bässe nur schneiden, weil Ihr eine exzessive Resonanz los werden, oder Euch um unnötige Subbässe kümmern möchtet.

  • ...keine Angst vor schmalbandigem Anheben von Bassfrequenzen haben. Der Konsensus scheint zu sein, dass man Frequenzen breit anhebt. In den Bässen ist der Begriff 'breit' jedoch eher relativ zu verstehen. Denkt daran, dass es in den Bässen weniger Platz gibt - eine weite Bandbreite ist also schnell extrem breit. Schmalbandiges Anheben kann zudem auch einen Subbass sehr schön hervorheben. Seid einfach vorsichtig bei der Auswahl des richtigen Frequenzbandes und achtet darauf, dass sich der Bass immer noch richtig in das Arrangement einfügt.

  • ...jedes verdammte Mal einen Bass über Sidechain mit dem Kick verbinden. Natürlich kann man durch gezieltes Ducking des Basses den Kick weiter im Mix öffnen. Doch der Bass sollte schliesslich den Kick unterstützen...wird er also aus dem Mix genommen, so geht auch seine Unterstützung flöten. Denkt auch daran, dass Ducking rhythmische Konsequenzen haben kann. Bei gewissen Stilrichtungen, wo der Kick in regelmässigen Intervallen erklingt kann das durchaus cool sein. Kommt der Kick jedoch nicht in regelmässigen Intervallen, oder erklingt er in sehr kurzen Intervallen, so verliert der Rhythmus schon sehr schnell an Definition. Ich bevorzuge tatsächlich das Gegenteil zu tun: Lang ausklingende Basslinien besitzen häufig nicht so viel Bewegung und tendieren dazu dem Rhyhtmus nicht sonderlich zu helfen. Ich lege häufig einen Expander (oder Upward Expander) auf den Kick - wenn der Kick dann zuschlägt, so zieht er den Bass ebenfalls ein wenig mit.

Im unten verlinkten Track kamen sogar beide Techniken zum Einsatz. In der Strophe wurde der Bass auf die Kick gelegt und wird jeweils mit dem Kick mitgezogen. Im Refarin wurde der Bass mit dem Kick verbunden und wird jeweils mit dem Kick abgesenkt (Ducking). Auf den Kick wurde zudem eine Sinuskurve gelegt, die jeweils der Grundnote des gespielten Akkordes entspricht.

Daylight - Matthew Weiss Mix


Matthew Weiss ist der Head Engineer des Studio E in Philadelphia, PA (USA). Er arbeitet zuletzt mit Leuten wie Ronnie Spector, Uri Caine, Royce Da 5'9" und Philadelphia Slick.

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