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Techniken für EQ und Komprimierung von Schlagzeug

Techniken für EQ und Komprimierung von Schlagzeug
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Es gibt für gewisse Stilrichtungen (wie Rock und Country) immer noch keine Substitution für einen grossartigen Session Schlagzeuger, der über ein gut abgenommenes Schlagzeug aufgenommen wurde. Auch das Vorstossen aussergewöhnlicher Drum Samples und Loops hat daran bislang nichts geändert.

Was Samples nicht bieten können, ist der musikalische Instinkt, den sich ein erfahrener Musiker zu eigen macht, und mit dem er auf die jeweiligen Nuancen eines bestimmten Songs reagiert. Dennoch reicht es natürlich nicht aus bloss einen erfahrenen Schlagzeuger im Studio zu haben (auch wenn dies bereits ein äusserst wichtiger Bestandteil ist). Die richtige Behandlung eines Schlagzeugs mit EQ und Komprimierung kann den Unterschied zwischen einem leblosen, undefinierten Sound und einer aufregenden, dichten und insgesamt authentischen Schlagzeugaufnahme machen.

Auch wenn der Schlagzeuger das gesamte Kit als ein einziges Instrument spielt, so entsteht aus der Einzelabnahme von Kesseln und Becken doch ein sehr komplexes Mix-Szenario. Der Grund weshalb ich hier besonders Country und Rock Musik erwähne, hat damit zu tun, dass bei diesen Stilrichtungen die jeweiligen Sounds von Kesseln und Becken nicht bloss einzeln aufgenommen werden. Stattdessen wird ihr Sound weiter angehoben, um einen noch dramatischeren Effekt zu erzeugen. Als Beispiel sollte man sich die 'Tom-Fills' von Phil Collins 'In the Air Tonight' anhören. Im Gegensatz dazu betrachtet man das Jazz-Schlagzeug mehr als eine einzige Klangquelle, und nicht selten wird bei solchen Aufnahmen das gesamte Kit lediglich mit zwei gut platzierten Overhead-Mikrofonen abgenommen.

In diesem Artikel werde ich die einzelnen Teile eines Kits betrachten und zu jeder Spur EQ- und Komprimierungs-Einstellungen vorschlagen. Diese sollten als Grundeinstellungen helfen, im Anschluss den eigenen Sound entsprechend formen zu können. Wegen seiner 'Channel-Strip' Eigenschaft werde ich das Channel Strip Plug-In von Metric Halo verwenden, welches über EQ, Komprimierung und ein Noise Gate verfügt.

Kick Drum und Sub Kick

Kick Drum

Die Kick Drum ist der Puls des modernen Schlagzeugs. Für unsere Ohren tönt sie richtig wenn sie in den Bässen wummrig und rund ist und zugleich einen schönen, hellen 'Klick' in den hohen Mitten besitzt. Es ist der gekonnte Drahtseilakt zwischen EQ und Komprimierung mit der man der Kick Drum die Möglichkeit gibt aus dem Mix herauszustechen. Beim EQ ist wohl das Absenken gewisser tiefer Mitten der einfachste Weg der Kick mehr Präsenz zu verleihen. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass es häufig besser ist gewisse Frequenzen abzusenken um den gewünschten Effekt zu erzielen. Deshalb nehme ich so um 2 bis 4dB bei 350Hz-450Hz weg. Natürlich kann ich anschliessend bei 2kHz – 3kHz das ganze noch so um 2dB anheben um den 'Klick' noch ein wenig mehr zu betonen – ganz nach Geschmack. Ich gebe nur ungefähre Werte an, da die Einstellungen natürlich allesamt von der Position des Mikrofons, der Kick Drum und natürlich auch vom Schlagzeuger selber abhängen.

Was die Komprimierung betrifft, so liegt der Trick darin, den Attack (also die Transienten) mit einem schnellen (aber nicht zu schnellen) Wert beizubehalten. In meinem Beispiel liegt dieser Wert bei 9ms. Darauf folgt ein schneller Release Wert (hier sind es 11ms), um es dem Kompressor zu ermöglichen schnell wieder auf den nächsten Kick zu reagieren. Der Ratio Wert sollte relativ moderat gewählt werden (in meinem Beispiel liegt er bei 2.5:1). Anschliessend kann man mit dem Threshold spielen, bis man den gewünschten Klang gefunden hat. Zuletzt möchte ich die Kick Drum ein wenig vom Rest des Schlagzeugs abheben und stelle das Gate entsprechend ein. Das Ziel ist es hier den Sound der Kick Drum, aber möglichst wenig Anteile der anderen Kessel und Becken zu hören. Den 'Auto' Wert stelle ich hier auf die schnellste Stufe und den 'Release' Wert auf einen möglichst langen Wert (400ms).

Sub Kick

Diese spezielle Mikrofonierung ermöglicht es der Kick Drum eine grossartige Präsenz in den Bässen zu entwickeln. Dazu wird auf einem kurzen Ständer der Tieftöner eines Lautsprechers montiert und das ganze vor die Kick Drum gestellt. Damit werden vor allem die tiefen Frequenzen eingefangen. Wenn man dieses Signal mit dem Kick Drum Mikrofon mischt, so entwickelt der Sub Kick ordentlich Druck in den tiefen Frequenzen.

Um die wichtigsten Elemente des Sub Kick Sounds einfangen zu können, verwende ich einen Lo-Pass Filter. Bei diesem entferne ich alle Frequenzen oberhalb von 500Hz und greife unterhalb von 100Hz sogar noch mehr ein. So stelle ich sicher, dass nur die wichtigsten Anteile des Sub Kicks im Mix durchkommen. Der Sub Kick sollte mehr gefühlt als gehört werden. Was die Komprimierung betrifft so empfiehlt sich hier ein Ratio von 5:1, ein relativ langsamer Attack Wert (120ms) und ein schnellerer Release (57ms). Dies erlaubt es dem Sub Kick seine Präsenz zu wahren und schön unter dem normalen Kick Drum Sound eingebettet zu werden. Anschliessend verwende ich noch ein Noise Gate mit einem schnellen Attack Wert (20ms) und langsameren Release (200ms) um alle anderen Instrumente aus dem Sub Kick Signal zu verbannen.

Snare und Hi-Hat

Snare

Neben der Kick Drum ist die Snare Drum essentiell um eine Rhythmusspur so richtig zum 'Grooven' zu bringen. Schlechte Einstellungen von EQ und Komprimierung können die Snare schnell dünn, dumpf und uninspiriert klingen lassen. Um die besten Teile der Snare mit einem EQ zu unterstreichen, hebe ich die Bässe der Snare bei etwa 80Hz um 2-3dB an, senke bei 350-450Hz um etwa 2-3dB ab und hebe wiederum (wenn nötig) um 1-2dB bei 5kHz an. Diese drei Punkte eignen sich sehr gut als Grundeinstellung um einen interessanten Snare Sound zu formen.

Komprimierung bei einer Snare ist ein wahrer Drahtseilakt, wo zu viel Absenkung schnell die Energie der Performance wegnimmt und zu wenig es einem fast unmöglich macht eine richtige Einstellung innerhalb des Mixes zu finden. Ich verwende einen Ratio von 2.5:1 mit einem sehr schnellen Attack (2ms) und Release (11ms). Wenn Ihr denkt, dass dadurch das 'Klicken' der Snare verloren geht, dann könnt Ihr den Attack ein wenig langsamer einstellen. Denkt aber daran, dass ein zu hoher Attack Wert den Kompressor zu langsam macht und die Snare damit wesentlich schwieriger in den Mix einzubetten ist. Stellt den Threshold ein bis das ganze für Eure Ohren richtig tönt. Damit könnt Ihr ziemlich gut abschätzen, wieviel Komprimierung Ihr insgesamt anwenden möchtet. Fahrt nicht zu extrem rein, da sonst die Snare ihre Energie verliert – nehmt aber auch nicht zu wenig, da sich sonst die Snare im Mix nicht durchsetzen mag. Die Gate Einstellung für die Snare ist ebenfalls 'Trial and Error'. Der Threshold Sound ist abhängig davon ob Ihr die Snare stark oder weniger stark komprimiert. Wie bei der Kick Drum verwende ich einen sehr schnellen 'Auto' Attack und einen langsameren Release Wert auf dem Gate. So halte ich die Becken, Toms und Kick aus dem Signal heraus.

Hi-Hat

Obwohl es sich offensichtlich um ein Becken handelt, so wird das Hi-Hat doch mehr als rhythmisches Element denn als eine Klangfarbe wahrgenommen. EQ und Komprimierung sollen hier denn auch helfen sicherzustellen, dass alles seinen eigenen klanglichen Raum hat und schön transparent in den Mix eingebettet werden kann - ohne dabei zu laut und aggressiv zu klingen. Beim EQ verwende ich abermals einen Shelving-Filter mit dem ich effektiv alles unterhalb 200Hz absenke (diese Frequenzen sind für den Hi-Hat nicht essentiell). Sollte ich ein wenig mehr Höhen und Glanz benötigen, so kann ich das Signal zwischen 6kHz und 8kHz um 1-3dB anheben – auch hier sind die Ohren der wichtigste Faktor. Generell verzichte ich beim Hi-Hat auf Komprimierung, da es häufig für sich schon sehr durchsetzungsfähig ist.

Toms und Overheads

Floor Tom

Gut abgemischte Toms machen den Unterschied zwischen aufregenden Drum Fills und solchen, die unbemerkt vorbeigehen. Bei der Floor Tom suche ich nach den Frequenzen welche den Druck in den Bässen und gleichzeitig den Klick in den Höhen hervorbringen (ganz ähnlich der Herangehensweise bei der Kick Drum). Um die Bässe bei der Floor Tom anzuheben, hilft mir häufig eine eher dramatische Absenkung um 500Hz – dies räumt das Signal bereits ganz schön auf. Um bei den Höhen einen schönen Klick zu erhalten, hebe ich zudem bei 3kHz um 4-6dB an. Komprimierung hilft hier auch enorm. Ein Ratio von etwa 4.5:1, ein langsamerer Attack von 120ms und ein Release von etwa 90ms hilft den Sound voll und resonant zu halten. Den Threshold stelle ich einfach so ein, bis die Tom für mich richtig klingt. Gating ist ein weiterer wichtiger Faktor bei Toms, da die Grossmembranmikrofone, die bei den Toms zum Einsatz kommen, immer auch eine Menge Umgebungsgeräusche einfangen. Das Gate stelle ich mit dem schnellsten 'Auto' Attack und einem langsamen Release Wert von 400ms ein. Anschliessend drehe ich am Threshold bis ich nur noch die tiefe Tom höre. Für die ganz ambitionierten unter Euch gibt es noch einen weitaus aufwendigeren Weg das Signal zu isolieren: Indem man die eigentliche Audio Datei in der DAW bearbeitet und ausser den Tom Hits alle anderen Instanzen löscht, erhält man eine perfekte Tom Spur.

Rack Tom

Wie beim Floortom so besitzt auch das Rack Tom seine eigenen Frequenzen, die entweder angehoben oder abgesenkt werden sollten, um sie so richtig schon in den Vordergrund zu bringen. Beim EQ nehme ich abermals bei 600Hz so richtig schön was weg (ca. -10dB) und mache eine ähnlich hohe Anhebung bei etwa 2kHz (ca. 7dB). Den Kompressor stelle ich mit einem Ratio von 6:1 etwas aggressiver ein und verwende einen langsameren Attack (100ms) mit einem schnellen Release (25ms). Wie bei der Floor Tom verwende ich auch hier die gleiche Einstellungen für das Gate mit eineme Attack von 100ms und einem Release von 400ms. Wiederum stelle ich den Threshold so ein, dass nur das Rack Tom zu hören ist und der Rest quasi stumm geschaltet wird. Bleibt noch zu erwähnen, dass man wegen der unterschiedlichen Abmessungen und Klangeigenschaften der verschiedenen Toms etwas mit diesen Einstellungen spielen muss, bis man den 'Sweet Spot' gefunden hat.

Overheads/Raummikrofone

Bislang haben wir uns ja recht Mühe gegeben jedes einzelne Instrument des Schlagzeugs zu isolieren. Die Overheads besitzen dagegen die Funktion neben den Becken auch das gesamte Schlagzeug wieder in einem zusammenhängenden Klangbild zu vereinen. Ich achte hier auf drei spezifische EQ Punkte, womit ich den Mikrofonen einen klaren und ausgewogenen Klang verleihen kann. Zuerst verwende ich einen Hi-Pass Filter (Shelving EQ) mit dem ich die Bässe unterhalb von 40Hz aus dem Signal nehme (verhindert ungewünschte Subbässe und undefiniertes Wummern). Anschliessend senke ich so bei 100 bis 200Hz um etwa 5dB ab, um unschöne tiefe Mitten aus dem Signal zu nehmen. Zuletzt gebe ich den Becken noch ein wenig Höhen (wenn nötig) indem ich das Signal bei 5kHz um 1-2dB anhebe. Bei der Komprimierung stelle ich den Ratio auf etwa 3:1 ein, wähle einen Attack Wert von 110ms und einen leicht schnelleren Release Wert von 70ms. Der Threshold sollte so eingestellt werden, dass der Overhead/Raum-Klang mit dem gesamten Mix des Schlagzeugs eins wird. Abschliessend sollte das Volumen der Overhead Mikrofone so eingepegelt werden bis man gerade genug Luft und Tiefe in dem Signal erhält.

Subgruppe und Fazit

Limiter im Sub Mix anwenden

Ein letzter Trick um der gesamten Schlagzeugspur mehr Druck zu verleihen, ist das Routen aller einzelnen Spuren auf einen Stereo Sub Mix. Dort wird das Signal über einen Limiter wie den Waves L1 geschickt. Wenn man die Threshold so einstellt, bis das ganze Schlagzeug um 5-7dB komprimiert wird, merkt man schnell, dass das Schlagzeug insgesamt mehr Druck und Präsenz erhalten hat.

Fazit

Obwohl ich die Werte für EQ, Kompressor und Gate sehr detailliert angegeben habe, so ist es doch wichtig sich vor Augen zu halten, dass jeder Mixdown seine ganz spezifischen Eigenheiten hat. Ich empfehle diese Einstellungen als Sprungbrett zu verwenden und anschliessend weitere Entscheidungen von Euren Ohren abhängig zu machen. Viel Glück und vor allem viel Spass beim kreativen Schrauben!

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